Mondlandschaft am Knotenweg

9Fast schon hatte ich gehofft, ich könnte mir in diesem Jahr einen Text rund um die ach so segensreiche “Waldpflege” und ihre üblen Folgen sparen. Was aber derzeit am Knotenweg abgeht, ist mal wieder in bester Tradition des scheinbar sinnlosen Holzeinschlages. “Abholzen” wäre hier sicher der treffendere Begriff als “Waldpflege”. Aber schauen wir uns doch einmal vor Ort um.

 

Zunächst ein Blick auf die Karte: der Knotenweg ist die obere Verlängerung des Pionierweges, der von Rathen auf den Ziegenrücken führt. Gesprenkelt habe ich den Bereich eingezeichnet, in dem Holz geschlagen wird. Rot gestrichelt sehen wir in unmittelbarer Nähe eine ganze Menge Wege, die “zum Schutze der Natur” gesperrt sind. Und auch die allseits beliebte Kernzone (grün gestrichelt) zieht hier nur ganz knapp vorbei.

Map  Quelle: Open Street Map

Was sagt uns das jetzt? Ganz einfach: wenn ich hier als Wanderer ein paar Meter vom rechten Pfad abweiche und auf einen der gesperrten Wege in der Kernzone gerate, dann schade ich der Natur, dieweil ich Störungen verursache. Wenn aber wenige Meter davon entfernt eine tonnenschwere Maschine mit Dieselmotor Lärm und Abgase verursacht, dann ist das halb so wild, weil diese Maschine ja den Segen des Nationalparkverwaltung hat. Schizophren.

Aber es gibt noch mehr Merkwürdigkeiten. So zeigt das nächste Bild junge Buchen, die etwa 15 Jahre alt sein dürften. Buchen gehören ausdrücklich zu den “wünschenswerten” Arten im Nationalpark. Aber natürlich nur dann, wenn sie nicht der gewinnoptimierten Erntemaschine im Weg stehen.

1 Buchen sollst du suchen…

Aber auch ältere Buchen mussten dran glauben, wie dieses Bild zeigt:

11 Alles muss raus…

Extrem verwerflich finde ich aber, dass auch in diesem Jahr wieder das Versprechen, welches Nationalparkchef Dr. Butter einst gab, schamlos gebrochen wurde. Er sprach damals nämlich, die schweren Forstmaschinen nur noch bei Frostwetter einzusetzen. Wenn der Boden gefroren ist, richten diese nämlich wirklich weniger Schaden an. Nun, gefroren war nichts, ganz im Gegenteil, feucht und durchgeweicht war die Erde. Mit entsprechendem Ergebnis. Auch das Versprechen, die Rückegassen mit Reisig auszulegen, um die Belastung für den Boden geringer zu halten, war wohl Schall und Rauch. Hier zumindest ist von Reisig nichts zu sehen.

67810   Zum Wohle der Natur…

Das Ganze ist mehr als nur eine Beleidigung für die Augen. Es gibt nachweisbare Langzeitschäden, die der Einsatz solcher Maschinen, die den Waldboden äußerlich umwühlen und innerlich verdichten, verursacht. Wer sich dafür interessiert, findet eine prägnante Zusammenfassung hier.

Für mich bleibt da nur eine Schlussfolgerung: es geht nicht wirklich um die Pflege des Waldes, sondern es geht darum, zu einem bestimmten Termin eine vereinbarte Menge an Festmetern zu bringen. Denn ein Wald braucht Jahrhunderte, um sich zu entwickeln. Da sollte es bei dessen Pflege auf ein Jahr mehr oder weniger eigentlich nicht ankommen. Es sei denn, man muss liefern…

Dank einer ziemlich genialen App habe ich mir ein Alter-Ego zugelegt, um solcherlei Tun zu kommentieren. Waldbär Willi wird fürderhin hier immer mal wieder zu Wort kommen. Heute also: Willi und die Waldpflege:

2 Gedanken zu „Mondlandschaft am Knotenweg

  1. Neben dem zerstörten Landschaftsbild, gibt es aber 2 weitere Faktoren, die man nicht gleich sieht, aber ein professioneller Forstarbeiter wissen müsste.
    Das eine ist die Erosion. Durch den fehlenden Schutz der Bäume (besonders wenn man gleich große Flächen aus dem Wald entnimmt) und das Aufwühlen des Bodens schwemmt dieser stark auf. Bei Regen bilden sich so schneller kleine Bäche, die hangabwärts viel Lehm, Sand, Humus, Laub etc abtragen. Die Sandsteinfelsen werden ausgespült und liegen frei. Besonders gut kann man das sehen was „Baumwilderer“ in der Kernzone (anderer Begriff für ungestörtes Abholzen) im Bereich Rabensteine (grüner Weg) Hinter-Dittersbach Richtung Wettiner Platz angerichtet haben. Man sieht, wie lehmig glatt der Weg geworden ist, sich große Pfützen bilden und diese entlang der Treckerspuren in die nächste Schlucht entwässern. Der Wald ist eben nicht nur Rohstofflieferant (was der Sachsenforst betreibt) sondern auch ein riesen Schwamm bei starken Regenfällen.
    Welche Strafe bekommt ein Wanderer der nur ein Steinpilz aus der Kernzone entwendet????

    Zweitens und das sehe ich viel kritischer. Nach den verheerenden, schlimmen Hochwasserbildern in Bayern 2016 und anderswo, sieht man dass der Schaden für die Ortschaften entlang der Gewässer vielleicht geringer ausfallen könnte, wenn lose Hölzer nicht einfach im Wald zurückgelassen werden. Gerade in den Schlüchten und Täler des Elbsandsteingebirges ist das häufig zu sehen. Sinnloses Fällen hundert Jahre alter Bäume, die dann einfach liegen bleiben. Sieh mal in den großen Zschand!
    Zur Zeit sieht man auf böhmischer Seite entlang des blauen Weges (unweit des Natterborns, Obere Schleuse) ca. 3m lange Stämme abgeholzt wahllos verstreut in den Hängen und Tälern um die Kirnitzsch rumliegen. Bei Hochwasser (zB. bei Schneeschmelze) werden diese dann zu Geschossen, blockieren und zerstören wieder zahlreiche Brücken (siehe Brücke an der Niedermühle (Hinterhermsdorf) und Hinterdaubitz und sorgen dann wieder für ungewollte Überschwemmungen.
    Solche Themen sollte es eigentlich in einem NP nicht geben.

    Und überhaupt, was heißt hier Waldpflege. Was wird zB. gegen das extreme Ausbreiten des indische Springkraut gemacht? Meines Wissens ist das
    eine sehr invasive Art! Ich wäre gern mit bereit für einen Aktionstag mit anderen Freiwilliger gegen diese Art!

    Wünsche allen Wanderern entspannte und ruhige Pfade!

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