Dreimal Aussicht rund um Schöna

Die Gegend rund um Schöna herum wird gern mal vergessen, wenn man von der Sächsischen Schweiz redet. Völlig zu Unrecht, denn hier kann man hervorragend wandern, und es ist deutlich weniger voll als an den touristischen Hotspots. Mit Zirkelstein und Kaiserkrone gibt es hier auch zwei recht bekannte Tafelberge samt toller Aussichten zu besteigen. Wir haben dann noch eine dritte Aussicht besucht, namenlos, aber unter dem Stichwort Burg Schöna zu verbuchen. Außerdem: wieder mal eine (fast) geschlossene Kneipe, eine geheimnisvolle Treppenreihe, Oldtimer, eine Heimatstube mit antikommerziellen Öffnungszeiten, bunte Karpfen und eine Reminiszenz an Caspar David Friedrich. Aber schön der Reihe nach:

Parken können wir am Ortsausgang von Schöna. Der Parkplatz ist hervorragend hergerichtet und obendrein kostenlos. Von hier haben wir unser erstes Ziel, den markanten Zirkelstein, schon Blick. Ein Feldweg führt zu dem Wäldchen am Bergfuß.

  Immer auf den Berg zu

Hier können wir uns gern schon mal umdrehen: in einem weiten Panorama sehen wir die Zschirnsteine und den Wolfsberg samt Hotel.

An einem netten Bänkchen führt der Weg dann in den Wald und ab jetzt auch aufwärts. Anfangs recht moderat, finden wir uns bald an mehreren Eisenleitern wieder. Hochschnaufen!

  Immer der Nase nach

Auf halber Strecke grüßt der unvermeidliche Rosenberg. Den sieht man wirklich von überall.

  Rosenberg

Oben empfängt uns dann eine wahrhaft imposanter 360-Grad-Rundblick. Schauen und genießen. Und vielleicht ein lustiges “Bergeraten” ansetzen. Wer erkennt mehr?

Übrigens gab es hier oben einst sogar eine Imbissbude. Was für eine Schlepperei für die Wirtsleute. Schon 1923 hat hier aber Blitz eingeschlagen, seitdem gibt es Fressalien nur noch aus dem Rucksack.

Wir steigen wieder auf gleichem Wege ab, also die Eisentreppen runter. Kurz nachdem diese enden, geht ein gut erkennbarer Weg nach rechts ab. Der führt uns zum Zirkelsteinressort. In welchem man zwar gut nächtigen, aber leider nicht einkehren kann.

  Nur zum übernachten

Dafür schlägt beim Blick ins Gebüsch hinterm Haus das Herz eines jeden Ostalgikers höher: da hat doch ein Gedenkstein aus DDR-Zeiten überlebt. Was es mit der verewigten “Antikriegskonferenz” von 1916 auf sich, das weiß ich leider nicht. Die Tafel darunter aber erinnert an ein “Kampfmeeting” der FDJ. Ausgerichtet im Jahre 1968 von der FDJ-Kreisdelegation Bischofswerda. Freundschaft!

Nun ja, gehen wir also vom Haupteingang des Ressorts aus nach links, auf diesem Feldweg:

  Immer auf den Wald zu

Am Waldrand dann nach rechts, und schon bald finden wir uns in einer recht feinen Datschensiedlung wieder.

  Hier lässt es sich leben

Mitten in dieser Siedlung befindet sich die Waldschänke, welche ich als urig, lecker, preiswert und ausgesprochen freundlich in Erinnerung hatte. Nun, heute zeigte sie sich vor allem: geschlossen. Diverse Schilder ließen nichts Gutes ahnen.

Zirkelstein-19Zirkelstein-20Zirkelstein-23  Klingt nicht gut

Ein weiteres Schild allerdings sagte uns, das es ab 25. Mai doch wieder etwas zu essen gibt. Schade, da waren wir wohl zu früh da. Und so blieb uns nur eine Suche im Rucksack. Wir wurden fündig: Gummibären und Schokoladenbrause. Beides süß für zweimal Zuckerschock.

Mäßig gestärkt geht es also weiter. Es folgen einige einzelne Häuser und eine schmale, aber befestigte Straße. Die heißt Marktweg, wir laufen da lang.

Und sehen so schon unser nächstes Ziel, die Kaiserkrone, direkt vor uns. Zuvor kommen wir aber noch einmal direkt an unserem Parkplatz vorbei. Wer jetzt schon keine Lust mehr hat, der kann also auch die Heimfahrt antreten.

Alle anderen aber gehen jetzt mal in den Ort hinein. Wir kommen an den Dorfplatz mit einem Kunstwerk in der Mitte.

  Schwer zu deuten

Direkt am Platz befindet sich, in einem sehr schönen Fachwerkhaus, auch die örtliche Heimatstube. Die kann man besichtigen, und zwar genau zwei Stunden pro Woche: Sonntags zwischen 13 und 15 Uhr.

  Geöffnet? Eigentlich nie.

Bei diesen antikommerziellen Öffnungszeiten wäre es wahrscheinlich sinnvoller, wenn die in solchen Einrichtungen gern gezeigten landwirtschaftlichen Geräte und Schnitzlöffel gleich in den Garten gelegt würden.

Ein paar Häuser weiter gibt es gleich noch ein Museum – für Oldtimer. Das hat auch nicht geöffnet, muss es aber auch nicht. Denn durch große Glasscheiben kann man hier von außen einen Blick auf allerlei liebevoll restaurierte Fortbewegungsmittel werfen. Dem braven Ostdeutschen geht beim Anblick von Simson S 51, Schwalbe und “Essi” sogleich ein Herz auf.

Links vom Museum gehen wir weiter, und sogleich schlägt sich der Weg dann, wieder links, in den Wald. Wir steigen hoch auf die Kaiserkrone.

Schon nach ein paar Metern kommen wir auf ein kleines Plateau, hier wird es interessant. Denn die – leider ziemlich zugewachsene – Felsklippe, die wir hier sehen, diente Caspar David Friedrich als Vorlage für seinen “Wanderer über dem Nebelmeer”. Was auf einer Tafel erklärt wird. Wir probieren es gleich aus.

  Wanderer ohne Nebel

Etwas versteckt und ebenfalls sehr zugewachsen finden wir hier auch noch einen Obelisken, an dem der Gefallenen aus zwei Weltkriegen gedacht wird.

  Bitte mal freischneiden

Jetzt aber endlich hoch auf den Gipfel. Oder besser: auf die Gipfel. Denn es gibt deren drei, die durch Brücken und Leitern verbunden sind. Aussichten satt sind garantiert.

  Großer Winterberg

  Schrammsteine

Wer genau hinschaut, entdeckt auch noch eine alte Steinbank.

  Hier sitzt man feucht

Und einer der drei Gipfel wird von einem großen Mobilfunkmast beherrscht. Das sieht nicht schön aus. Aber mal ehrlich: auch die Einheimischen wollen ihr Handy benutzen, und so viele andere Möglichkeiten für Mast-Standorte gibt es eben nicht.

  Nicht schön, aber wohl nötig

Ein scheinbar geheimnisvolles Hüttchen finden wir dann auch noch im Wald. Bei näherer Betrachtung beherbergt es aber ganz profan die zum Funkmast gehörende Technik.

  Gar nicht so geheimnisvoll

Wir steigen ab, bis wir wieder an der Straße im Dorf angekommen sind. Die gehen wir nach links weiter. Hinter dem letzten Gehöft verabschiedet sich Schöna mit einem netten Schild.

  Und wo ist dann das Dorf?

Hinter dem Schild geht es dann scharf links auf einen breiten Feldweg, den Großen Winterberg immer vor Augen.

  Hier lang

Nach kurzer Strecke geht der Feldweg dann in den Aschersteig über. Es folgen viele uralte und stoppelige Steintreppen. Wer mit Knie oder Bandscheibe hadert, der wäre hier mit ein paar Stöcken gut bedient.

  Aschersteig

Kurz bevor die Treppensteigerei ein Ende hätte – wir sehen schon das Elbufer vor uns – geht links ein Pfad ab. Und ein Wegweiser zeigt uns das nächste Ziel an.

  Richtung “Burg Schöna”

Wir sind jetzt auf dem Elbhangweg. Und der bietet uns ein paar wunderbare Ausblicke auf Schmilka.

  Wie ä bissel schön

  Salamandra salamandra war auch da

Zu unserer Linken sehen wir dann schon unser nächstes Ziel: die Aussicht an der Burg. Von unten schon mal richtig spannend. Und: diese Aussichtsplattform ist auf eine private Initiative des Betreibers der Schönaer Burg hin entstanden, was ja wohl mal mehr als lobend erwähnt werden sollte.

 Da wollen wir hoch

Doch – oh Graus – rot-weißes Absperrband und ein mulmig klingender Zettel wollen uns den Aufstieg verwehren. Was ist denn da passiert?

Wir gehen auf Spurensuche und steigen hoch. Und eigentlich sieht die ganze Plattform, sie ist ja gerademal fünf Jahre alt, doch noch ziemlich gut aus. Mal abgesehen von einer durchgefaulten Holzbohle. Aber da tritt man ja nicht sehenden Auges hinein. Die Aussicht lohnt sich aber auf jeden Fall.

Ich hab dann mal auf der Burg angerufen. Der freundliche Herr am Telefon meinte, er arbeite noch nicht so lange hier und wüsste daher auch nicht so genau Bescheid. Vor Ende Juni sei aber nicht mit einer Reparatur zu rechnen. Meine bescheidene Meinung: wer nicht gerade im mehrstelligen Zentnerbereich wiegt, den wird die Plattform tragen. Wenn aber dennoch etwas passiert, dann sollte man sich auch darüber im klaren sein, das man keinerlei Schadensersatzansprüche hat. Und übrigens: der Pfad hoch zur Plattform ist tatsächlich nur ein Pfad, ziemlich steil und stoppelig. Wer hier bei feuchtem Wetter mit ungeeignetem Schuhwerk unterwegs ist, der kann dann wirklich leicht den Abgang machen.

Wir steigen also wieder ab und kommen jetzt zur Burg Schöna. Die ist eigentlich ein Gästehaus, welches aber wie eine Festung am Hang klebt. Konnte ich leider nicht fotografieren, weil das ganze Areal verschlossen war. Also nur ein Foto von hinten und einen wachsamen Blick von der Dame des Hauses.

Wir gehen weiter und finden uns auf einer so gut wie nicht befahrenen Straße wieder: dem Hirschgrund. Dem könnte man jetzt sacht aufsteigend bis zurück nach Schöna folgen. Wir aber wollten noch ein wenig auf Entdeckungsreise gehen und sind an dieser Schranke wieder in den Wald abgebogen.

  Sehr beschränkt

Der breite Waldweg endet allerdings am Tor der örtlichen Kläranlage. Doch, oha, Blick scharf nach links: da gehen laubübersäte Treppen ab. Ziemlich viele sogar, und steil nach oben. Was da wohl ist?

Es ist dieses Hüttchen mitten im Wald.

Und hier geht es dann nicht mehr weiter. Wir gehen also zurück und nun doch auf der Straße weiter. Zur Linken plätschert fröhlich der Grundbach und wir sehen noch ein beeindruckendes Konstrukt.

Angekommen in Schöna schlendern wir durch das Dorf zu unserem Startpunkt zurück. Dabei sehen wir noch:

ein Kunstwerk,

  bunte Kois,

  Vorsichtsmaßnahmen beim Parken

 und die Gedenktafel für einen Herrn Schaffrath.

Wer möchte, kann auch noch einen Dorfrundgang entlang zahlreicher erklärender Tafeln machen. Das war es dann aber wirklich.

  Gut zu wissen.

Fazit: gute 12 Kilometer, also sogar für einen Nachmittag geeignet. Die Aussichten sind großartig, die Ruhe im Wald auch. Dem engagierten Betreiber der Burg Schöna wünsche ich eine schnelle, preiswerte und behördenfreie Reparatur, auf das die tolle Plattform bald wieder allgemein zugänglich werde. Zirkelstein und Kaiserkrone sind sogar für einen Verdauungsspaziergang mit Treppensteigen lohende Ziele.

Zum Nachwandern:

Ein Gedanke zu „Dreimal Aussicht rund um Schöna

  1. Betreff „Bergeraten“: vom Zirkelstein aus ist das Prebischtor zu sehen, man kann sogar etwas schräg durchs Loch gucken, allerdings ist dahinter eine Felswand, deshalb am besten mit Fernglas. Und der Teufelsturm bei Schmilka ist besonders nachmittags mit seinem Schatten vor der Felswand als überdimensionale Sonnenuhr zu sehen.

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