Archiv der Kategorie: Gaststättentest

Zámeček geschlossen?

Wie mir gerade ein Wanderfreund übers soziale Netzwerk mitteilte, stand er am kultig-heruntergekommenen Hotel Zámeček im böhmischen Hohenleipa (Vysoká Lípa) vor verschlossener Tür. Und er meinte, es sah wohl auch nicht aus, als ob hier wieder geöffnet werden würde. Was ich sehr bedauern würde, denn der Laden hatte etwas ganz spezielles an sich: ein altes Jagdschloss, welches würdig vor sich hin gammelte, eine Wirtstube, in der seit einem halben Jahrhundert nicht mehr klar Schiff gemacht worden ist. Dazu ein Kellner, dem man beim Laufen die Schuhe besohlen konnte. Und trotzdem bin ich dort immer gern eingekehrt – wegen der schnörkellosen, grundsoliden und ehrlichen böhmischen Küche. Schade drum. Aber vielleicht weiß ja hier jemand mehr und es gibt doch eine Wiederauferstehung des kultigen Ladens.

Update: wie aus dem Leserkommentar hervorgeht, kann Entwarung gegeben werden: die Kultkneipe existiert noch!

Gastronomische Neuigkeiten

1. Großer Winterberg:

Die Speisekarte hier war bei meinem letzten Besuch im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich ausgedünnt. Drei Suppen, zwei Salate, sechs Hauptgerichte. Das ist schon ein wenig dünn. Zumal ich zwar schon bisher die Preispolitik hier (und in allen anderen Henenkjohannschen Lokalen) für überzogen hielt, aber immerhin noch eine große Auswahl und viele kleine Schmäckerchen (eingelegte Oliven mit Knoblauch, dutzende Sorten Trinkschokolade) goutieren konnte. Jetzt ist das Ganze nur noch langweilig und obendrein teuer. Und auch meiner Meinung nach meilenweit am Wunsch der Gäste vorbei. Oder gibt es hier tatsächlich jemanden, der in einem Wanderlokal “Jungbullenentrecote mit frischen Champignons” für 15,90 € oder “Duett von Lachs und Steinbeißer in Orangen-Cucuma-Sauce” für 15,20 € erwartet? Ich zumindest nicht. Und auch die Getränke werden immer teurer: der halbe Liter Radeberger ist mittlerweile für 3,90 € feil, Cola & Co kosten 3,40 € für 0,4 Liter.

Und es schleift, was es hier früher nie gab, auch am Service: Kellner sind Tschechen, und ich frage nach einem alkoholfreiem Radler. Kellner radebrecht mir, dass er mir den nur bringen könne, wenn ich eine Flasche alkoholfreies Bier und eine Zitronenlimonade bestelle. Mache ich, und bekomme einen ganz normalen halben Liter Radler, alkfrei. Sowohl in der Bierflasche als auch bei der Limo muss da ja was übrig gewesen sein. Was ich aber nicht bekam, dafür eine satte Rechnung von über fünf Euro – für einen Radler, wohlgemerkt.

Ob es in den anderen Lokalen, die Marc Henkenjohann gehören, auch so aussieht, werde ich mal rausfinden. Übrigens, und das war auffällig: trotz Traumwetters und vieler Wanderer war die Terrasse am Winterberg fast leer. Hmm.

DSCN0408 War schon mal gastlicher: der Große Winterberg.

2. Schmilka:

Hier ist das einstmals einzige Gasthaus am Ort, das “Grenzeck”, geschlossen. Schade, mit diesem Haus verbinden sich doch viele Erinnerungen.

DSCN0409 Grenzeck

Ebenfalls verschwunden ist die kleine Pommesbude am Fähranleger, die über mehr als zwei Jahrzehnte immer erste Anlaufstelle in Schmilka war. Im vergangenen Jahr hatten die Zeitungen berichtet, dass Sven Erik Hitzer, der schon das Biohotel Helvetia und die Schmilksche Mühle betreibt, im Haus nebenan demnächst das eher noble “Café Richter” eröffnen möchte . Die Imbissbude hätte laut Bürgermeister Eggert dann nicht mehr in Gesamtbild gepasst und sollte deshalb weg. Was wohl, trotz einer Unterschriftenaktion für deren Erhalt, auch funktioniert hat. Näheres dazu hier. Nun, so weiß ich jetzt zumindest, in welchem Café ich nicht einkehre.

Also auch in Schmilka ein Trend hin zu teurer Gastronomie. Bleibt der Rucksack, oder, und hier folgt eine ausdrückliche Empfehlung, der Imbiss “Zur alten Schule” am Ortsausgang Richtung Elbleitenweg. Hier ist die Wanderwelt noch heil: einfache Gerichte zu vernünftigen Preisen und eine obendrein ausgesucht höfliche und nette Bedienung. Davon hätte ich gern mehr.

Gastronomische Tristesse im Kirnitzschtal

DSCN0026Eigentlich war das eine herrliche Runde, auf schmalen Pfaden und Kletterzugängen rund um die Auerhahnwände. Nur am Ende der Tour, welches eigentlich traditionell mit einer Einkehr begangen wird, sah es trübe aus.

Es gibt in dem Bereich, in dem wir unterwegs waren, fünf Gasthäuser: den “Lichtenhainer Wasserfall”, die “Felsenmühle”, die “Neumannmühle”, die “Buschmühle” und das “Alte Zeughaus”. Großer Mist, nicht eines davon war geöffnet. Besonders ärgerlich: die “Buschmühle” war geschlossen, obwohl auf ihrer Webseite etwas anderes angesagt wurde.

Nun ist mir klar: auch ein Gastwirt will mal Urlaub machen, und er muss damit zwangsläufig auf den Winter ausweichen, wenn er eine Wandereinkehr betreibt. Aber bei einem solch milden Winter wie diesem, wo die Parkplätze auch Mitte Januar noch gut belegt und zahlreiche Wanderer im Wald unterwegs sind, sollte doch etwas mehr Servicebewusstsein vorhanden sein. Warum stimmt man sich nicht ab, und macht, zumindest an den Wochenenden, zumindest eine der fünf Gaststätten auf? Genug Besucher waren auf jeden Fall da, um selbige gut zu ernähren.

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Ich höre immer wieder Klagen, dass die Saison in der Sächsischen Schweiz recht kurz sei, und es somit für alle im Tourismus Tätigen schwer ist, in dieser kurzen Saison auf ihr Geld zu kommen. Nun ja, in diesem Jahr ist die Saison, den Kapriolen des Wetters geschuldet, um einiges länger. Und keiner nutzt das? Dann kann es ja doch nicht so schlecht laufen…. Übrigens würde ich auch keine komplette Speisekarte erwarten – ein paar simple Standardgerichte und ein frisch Gezapftes würde mir völlig reichen.

Nur zur Klarstellung: all diese erwähnten Gasthäuser sind eigentlich sehr zu empfehlen, die “Buschmühle” gar mein persönlicher Favorit, wenn es um die Einkehr geht. Ja, wenn sie denn geöffnet wäre… Hoffen wir einfach mal, dass bei weiteren milden Wintern hier ein wenig mehr Servicegedanken greift. Das kriegen wir doch hin, oder?