Hoffnung für den Großen Winterberg

Großer-Winterberg-2-001Viel wurde darüber geschrieben, und viel wurde kritisiert: die Baude auf dem Großen Winterberg steht seit Jahren leer. Schuld ist eine Kläranlage, die zwar gut funktionierte, aber nicht mehr den Normen der allgegenwärtigen EU entsprach. Der Pächter konnte eine neue Anlage finanziell nicht stemmen, und der Besitzer, der Freistaat, wollte nicht. Aus. So ist das halt im geeinten Europa. Aber was heißt geeint? Es heißt in diesem Fall, dass die EU-Norm für Kläranlagen uneingeschränkt auch für die Bergbaude gilt. Andererseits: Die EU-Schengen-Norm für den freien Grenzübertritt überall und jederzeit gilt nicht mehr, sobald da „Nationalpark“ drauf steht. Aber ich schweife ab. Denn es gibt Neues zu vermelden. Sehr Ungewöhnliches. Lesen Sie weiter:

Wie die zuständige Immoblienverwaltung des Freistaates mitteilte, hat man jetzt eine recht ungewöhnliche Möglichkeit gefunden, das Haus wieder zu öffnen. Dazu musste, so ergab ein Gutachten, noch nicht einmal eine neue Kläranlage gebaut werden. Einige technische Veränderungen an der alten Anlage genügten. Diese sind bereits realisiert.

Allerdings ergab sich das Problem, dass nach Jahren des Leerstandes kein potentieller Pächter bereit war, das Haus als reinen Gastronomiebetrieb wieder zu öffnen. Deshalb wurde jetzt eine sehr ungewöhnliche Form einer „gemischten“ Nutzung gefunden.
Neuer Betreiber wird die tschechische Firma „Horský nevěstinec“ sein. Tagsüber wird sie hier wie gewohnt ein Restaurant für Wanderer betreiben. In den Abendstunden allerdings öffnet ein Nachtklub, nur in den Innenräumen, seine Pforten.

Dazu Paul Oppen, zuständiger Referatsleiter in der sächsischen Immoblienverwaltung: „Uns ist klar, dass diese Nutzung heiß diskuttiert werden wird. Es ist aber eben so, dass ein reiner Betrieb als Gasthaus hier finanziell nicht mehr realisierbar ist. Das Haus hätte also noch länger leer gestanden und wäre dabei auch immer anfälliger für den Verfall geworden. Wir haben verschiedene Punkte gemeinsam mit dem Nationalpark genau geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass zumindest ein Probebetrieb für ein Jahr möglich ist.“

Konkret ging es um folgende Probleme:

1. Störungen durch nächtliche Beleuchtung. Selbige scheint sich aber in Grenzen zu halten, da sie vom Berggipfel nur nach oben abstrahlt. In der unmittelbaren Umgebung des Hauses gibt es außerdem keine Vorkommen seltener Tiere. Die Beleuchtung wurde bereits installiert und ausführlichen Messungen unterzogen, die unproblematische Ergebnisse zeitigten.

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2. An- und Abtransport der Besucher. Dieser wird über die Winterbergstraße mit einem vollelektrischen Minibus erfolgen. Der fährt nahezu lautlos, so dass es auch hier zu keinen Störungen kommen wird. Für den Individualverkehr bleibt die Straße weiterhin gesperrt.

3. Störungen durch lautstarke, alkoholisierte Besucher. Dazu noch einmal Paul Oppen: „Das werden wir sehr genau im Auge behalten. Allerdings denke ich, wer hier übermäßig Alkohol konsumiert, der ist nicht mehr in der Lage, die speziellen Services des Etablissements in Anspruch zu nehmen. Es wird also eher selten vorkommen.“

4. Allgemein: Störungen für seltene Vögel wie Schwarzstorch, Uhu und Wanderfalke. Wie schon erwähnt, es gibt in der unmittelbaren Umgebung keine bekannten Nistplätze. Paul Oppen: „Dennoch ist umsichtiges Verhalten wichtig. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Gäste mit Vögeln auskennen. Mit geschützten.“

Der Sprecher des zukünftigen Betreibers, Pavel Pasák, gibt denn auch schon mal einen Vorgeschmack: „Tagsüber gibt es hier bodenständige böhmische Küche zu vernüftigen Preisen. Nachts dann gehobenen Service in stilvollem Ambiente. Für jeden Geschmack.“

Die Eröffnung ist für Ende Mai geplant.

Für Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung und des Sachsenforst soll es im Übrigen gestaffelte Rabatte geben.

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