Auf dieser Runde besuchen wir zunächst drei Tafelberge: den Kleinhennersdorfer Stein, den Papststein und den Gohrisch. Um sodann noch den Kammweg entlang zu schlurfen, auf dem uns eine geballte Ladung historischer Forstgrenzsteine erwartet. Was zwar nicht allzu viele Kilometer bringt, dafür ein unablässiges hoch und gleich wieder runter. Obendrein gehen wir nach Möglichkeit kleine Pfade, die wenig frequentiert und spannend sind. Da wir außerhalb des Nationalparks mit seiner Wust an Verboten sind (In der Nationalparkverordnung umfasst der Paragraph “Verbote” 22 Unterpunkte) können wir all diese Pfade auch legal begehen.
Ein Blick auf die Karte zeigt zudem: man kann diese Runde, zumindest was die drei Gipfel betrifft, in beliebiger Reihenfolge absolvieren und auch etwas weglassen.
Und noch eins vorweg: auch wenn ich im vorigen Post ordentlich über den ÖPNV vom Leder gezogen habe, hab ich auch diesmal das Auto stehen lassen. Und siehe da: alle Anschlüsse klappten perfekt und entspannt. Lediglich auf den zweiten Teil des Kammweges mussten wir verzichten, sonst wäre der Bus weg gewesen. Aber das ist wirklich Kleinkram. Es geht also.
Und noch ein Spruch: der Track am Ende hüpft wild hin und her. Da war wohl oft mal die GPS-Verbindung weg. Und ich bin viel zu faul, das manuell zu korrigieren.
Laufen wir mal los.
Wir starten am Parkplatz “Galgenschänke”, genau zwischen dem Papststein und dem Gohrisch. Hier hält auch der Bus von Königstein aus. Wobei die Haltestelle in verwirrender Abweichung “Papstdorf – Papststein” heißt.
Links neben dem mit vielen Wegweiser versehenen Aufstieg auf den Papststein geht ein breiter Waldweg lang (grüne Markierung), den wir erst mal nehmen.
Er führt zunächst zu einem der neuen “Wander-Aborte”, die an einigen Parkplätzen in den letzten Jahren aufgestellt wurden. Zwar trieb mich so ganz am Anfang der Tour noch kein menschliches Bedürfnis um, wohl aber die Neugier. Also mal ein Auge reingeworfen. Alles blitzsauber, sogar Papierchen war reichlich da. Kompliment, hier scheißen sie gut und günstig! Über den ersten Absatz des aufgehängten Schildes samt Piktogramm musste ich aber dann doch grinsen. Meine Ex hätte das Schild bestimmt geklaut und zu meiner ständigen Ermahnung im heimischen Lokus aufgehängt.
Weiter dem breiten Weg lang. Zunächst sanft abwärts. An einer Kreuzung gehen wir nicht scharf links sondern ein wenig links, jetzt sanft aufwärts. Wir werden hier nochmal vorbeikommen. Noch eine lang gezogene Rechtskurve, und wir stehen an diesem Rasthüttchen.
Direkt daneben beginnt ein Pfad, ohne Wegweiser. Der heißt “Der Kessel”. Sollten wir bei uns selbst das Wachstum eines solchen bemerkt haben, so schafft der Weg jetzt ein wenig Abhilfe. Es geht stetig aufwärts, ein paar Bäume liegen im Weg, dazu kommt hohes Farnkraut. Zum Ende wird es noch mal steiler, dann müssen auch ein paar wenige Felsmurmeln überwunden werden.
Haben wir also unseren Kessel glücklich aus dem Kessel gewuchtet, so stehen wir auch schon auf dem Gipfelplateau des Kleinhennersdorfer Steins. Jetzt fällt es schwer, einen Rundweg zu beschreiben. Denn Dutzende kleine Pfade ziehen sich kreuz und quer. Einfach treiben lassen. Es gibt wirklich prächtige Felsgebilde zu sehen.
Zwei Punkte sollte man aber ansteuern. Das wäre zum einen das Schusterbänkel. Wieder so ein wild zerklüfteter Trumm. Auf den kann man mit überschaubarer Mühe hochklettern und durch ein Loch gucken. Und man kann ihn auch unten umrunden, da ist gleich noch ein Loch im Sandstein.
Punkt zwei ist dann eine wunderbare Aussicht an der südöstlichen Ecke. Da steht sogar eine kleine Bank.
Ein paar Meter von der Aussicht zurück geht es in einer Art Scharte zu Tal. Ein gelber Klecks am Baum sagt uns, dass wir hier auf dem Forstststeig sind.
Wir kommen, fast schon am Felsfuß, in einen flacheren Bereich. Hier gibt es gleich drei Höhlen, und zwei davon kann man ohne Probleme befahren. Besser gesagt: begehen, denn hier braucht es wirklich keine Kriechkünste. Höhle eins ist die richtig große Lichterhöhle. Deren Eingang ist sogar mit ein paar Quadern abgestützt. Das und ihre Größe verdankt sie der Tatsache, dass hier einstmals Sandstein zur Herstellung von Scheuermitteln abgebaut wurde. Im Winter wird sie gern mal von unzähligen Teelichtern illuminiert, heute nicht.
Höhle zwei ist die Hampelhöhle. Die hat drei Zugänge. Zwei davon sind eng (aber wir haben den Kessel ja im Kessel geschrumpft), der dritte dann wieder recht bequem. Hier kommt also auch jeder rein und raus.
Wir steigen jetzt endgültig bis zum Fuß des Felsens ab. An der nächsten Kreuzung scharf rechts (es gibt einen Wegweiser) in den Suppelsgrund.
Der bringt uns sehr bequem wieder an jene Kreuzung, die wir kürzlich auf dem Hinweg schon passiert haben. Und wir laufen tatsächlich ein Stück dahin zurück, wo wir hergekommen sind. Wer jetzt schon die Faxen dicke hat, der ist gleich wieder am Parkplatz. Ansonsten schauen wir nach links in den Wald und entdecken (oder haben schon auf dem Hinweg entdeckt) eine lange Stufenreihe. Auf geht’s.
Irgendwann hören die Stufen auf und es wird pfadig, manchmal auch etwas steil. Zur Linken können wir eine große Boofe entdecken.
Schließlich landen wir an den beiden Kletterfelsen Kleine und große Hunskirche. Die kleine solche können wir auf einem Pfad auch umrunden. Ein paar nette Aussichten inklusive.
Der Pfad, der von hier aus nach Osten führt, ist nicht zu übersehen, es gibt eh nur diesen einen. Wir folgen ihm.
Und landen so auf dem rot markiert Ostaufstieg auf den Papststein. Dem folgen wir einfach, es gibt noch ein paar sehr hübsche Aussichten und auch noch ein paar Treppen.
Wir sind oben. Und erspähen natürlich als erstes die Bergbaude. Zeit für eine Rast. Kurzes Fazit der unseren: hervorragende Bedienung, Preise etwas höher, aber noch im Rahmen, Geschmack einfach lecker. Und dazu ein wunderbares Ambiente.
Ein paar sehr schöne Aussichtspunkte gibt es gratis dazu.
Gut gestärkt und frisch gehopft steigen wir jetzt noch eine Stahltreppe direkt neben dem Gasthaus hoch. Da oben steht ein Feuerwachturm. Keine Ahnung, ob der heute noch genutzt wird. Es täte Not.
Rechts neben dem Turm beginnt ein sehr gut versteckter Pfad. (Suchtipp: am Boden des Pfades liegen ein paar uralte Elektrokabel, gut zu sehen.) Das ist der Förstersteig, ein historischer, heute kaum noch genutzter, Weg. Einige alte Steinstufen erfreuen dabei des Stiegenfetischten Füße.
Der Pfad führt uns zunächst an den Fuß des Kletterfelsens “Papst”. Dann teilt er sich, wir halten uns rechts. Und landen schon nach wenigen Minuten am ausgeschilderten (und sogar beleuchteten) Hauptaufstieg. Also weiter abwärts. Auf halben Weg haben wir da auch nochmal einen schönen Blick auf die beiden Hunskirchen, wo wir ja gerade herkommen.
Upps, jetzt stehen wir doch schon wieder auf dem Parkplatz. Keine Bange, einen haben wir noch. Also direkt gegenüber dem ausgeschilderten Weg auf den Gohrisch folgen. Vorbei am Specksteinstollen (Erklärbär-Tafel) und über einige Stufen. Genau zwischen dem Kletterfelsen Gohrischwächter und dem eigentlichen Tafelberg beginnt dann auch der richtige Aufstieg. Den wir aber zunächst ignorieren und geradeaus einem Pfad folgen.
Welcher uns an die Rückseite des Felsens führt. Dort steht eine Bank, welche dem Erschließer des Berges, einem Oberförster Emil Grünewald gewidmet ist. Hieß der wirklich so? Dann müsste ja der Schornsteinfeger “Schwarzesse” und der Kellner “Ober” heißen. Nomen est Omen.
Und wir haben jetzt die Wahl. Nach links ist der “schwierige” Aufstieg in der Falkenschlucht ausgeschildert. Über die hab ich vor zehn Jahren schon mal geschrieben, und sie seitdem immer wieder benutzt. Und den anderen Aufstieg immer mit Missachtung gestraft. Geht so nicht, also diesmal rechts hoch. Steinstufen und kleine Leitern, kein Problem und trotzdem sehr schön.
Oben dann gleich links zur Aussicht an der Wetterfahne. Großartig. Mir persönlich gefällt dabei – neben dem Rundblick – das alte schnörkelige Geländer.
Zurück und weiter über den Bergrücken. Wir erspähen schon die hübsche Schutzhütte.
Aber ehe wir die erreichen, biegen wir nochmal links ab. Hier geht ein Weg zur Schwedenhöhle. Und hier hab ich dann doch wieder mal was zu mäkeln. Denn vor rund zehn Jahren ist hier eine Treppenstufe weggefault. Was einen etwas größeren Absatz zurück ließ. Und was hat die verantwortliche Gemeindeverwaltung getan? Die Stufe ersetzt? Nö, sie hat den Wegweiser zur Höhle entfernt. Ein Hoch auf unsere Amtsstuben. Über den Absatz kommt man trotzdem, muss aber beide Hände zu Hilfe nehmen und macht sich vielleicht ein wenig dreckig.
Die Höhle selbst ist eher ein schmaler Felsspalt. Nach ein paar Metern klemmt dann ein Felsbrocken von oben im Weg. Wer sich die Mühe macht, da drunter durch zu kriechen, der kommt noch rund sechs Meter weiter und hat auch plötzlich mehr Platz.
Zurück von der Höhle beginnen wir rechts vom Pavillon den Abstieg. Der ist nochmal richtig schön, wieder Tritteisen und Leitern.
Kleine Abschweifung: bis etwa 2015 waren alle Einbauten hier aus Holz. Das hatte um Längen mehr Stil. Dann wurde alles durch Stahl ersetzt. Irgendwie kann ich das ja verstehen. Der Stahl hält wohl noch 50 Jahre, das Holz musste aller zehn Jahre ersetzt werden. Aber schöner war es trotzdem. Abschweifung Ende.
Blick 20 Jahre zurück. Sohnemann, damals drei Jahre alt, bewältigt die Holzeinbauten mit Bravour.
Die letzten Meter sind dann dieselben wie beim Aufstieg, und wir stehen schon wieder auf dem Parkplatz. Wer jetzt sein Auto hier stehen hat, der muss es auch benutzen. Wir als (kritische) Fans des ÖPNV dürfen noch ein Stück weiter wandern. Also wieder auf den breiten Waldweg und vorbei an der vorbildlichen Klobude. Gleich dahinter geht (Wegweiser) ein bequemer Weg namens Alte Jäke ab, der uns in den Ort Gohrisch bringt, direkt zum Gottesacker. Rechts davon beginnt, wieder mit Wegweiser, der Kammweg. Mehr ein Pfad, der leider an einigen Stellen arg zugewachsen ist. Seine Besonderheit: entlang des Weges stehen Dutzende historische Forstgrenzsteine. Nirgendwo sonst im Elbsandstein in solcher Menge.
In voller Länge konnten wir den diesmal nicht genießen, dieweil der Bus erreicht werden sollte. Also sind wir am Hörnelweg abgebogen und direkt in den Ort Gohrisch zurückgelaufen. Wo denn auch der Bus tatsächlich pünktlich wie, ach, jetzt hätte ich fast “Eisenbahn” geschrieben… Also, er kam einfach pünktlich.
Fazit: 12 Kilometer. Aber wahrscheinlich sogar weniger, weil der Track wüste Sprünge macht. Aber es geht eben die ganze Zeit mächtig hoch und wieder runter. Ohne Unterlass. Also kein Spaziergang. Aber eine Runde, die so richtig Spaß macht. Und die man auch ohne Probleme anpassen kann, also die Pfade durch markierte Wanderwege ersetzen oder einen der Tafelberge auslassen. Dicke Empfehlung.
Zum Nachwandern:
Gute Route , gute Beschreibung, nur leider wurde mehrfach der Papststein als Pfaffenstein bezeichnet…😉