Goldsteig, Hintergründel und das Reibetöpfel

 

Region: Hintere Sächsische Schweiz, Großer Zschand
Dauer: knapp sechs Stunden
Entfernung: rund 16 Kilometer
Höhenmeter (Hoch und Runter): 1000
Schwierigkeit: mittel
Bemerkungen: Gasthaus nur am Anfang der Runde, keine Aussichtspunkte, Reibetöpfel am Ende stark verwachsen

 

Irgendwie klingt das doch schon mal gut. Neben den drei genannten Orten – wobei der eine leider Anlass zu Sorgenfalten bietet – sehen wir noch eine Grotte, in der es tröpfelt, das Grab eines armen Mordopfers, einen Fels mit einer Miezekatze, einen Kuhstall in klein und eine irgendwie heilige Höhle. Ehe wir loslaufen aber ein Hinweis: mein GPS hat während des Aufenthalts in besagter Höhle einen Amoklauf hingelegt, der Track gleicht hier abstrakter Kunst. Sowohl die Entfernung und erst recht nicht die Höhenmeter kann man ernst nehmen, ich habe also geschätzt. Alle Wege auf dieser Runde gehören in die Kategorie “ausdrücklich erlaubt”, der nationalparkkonforme Wandermann möge mir also getrost folgen. Diesmal.

Starten wir an der Neumannmühle. Hier gibt es einen großen Parkplatz, der trotzdem immer schnell voll ist. Aber eine Bushaltestelle gibt es auch. Wir gehen geradeaus in eine Schlucht namens Großer Zschand (gelbe Markierung). Links und rechts gibt es schon schöne Felsen zu sehen. Der Weg als solches ist aber asphaltiert, was dann doch nicht so schön ist. Wer schon mal hier war, könnte ins Staunen kommen: die Kahlschläge, die hier auf Borkis Festmahl folgten, haben ganz neue Ansichten und Sichtachsen freigelegt. Was für die gesamte Tour gilt. Nach einem gemächlichen Kilometer kommen wir jetzt also ans Zeughaus. Hier könnte man schon mal einkehren, was aber dann doch ein wenig früh wäre. Weitere Gasthäuser gibt es auf der Runde aber dann keine, erst ganz am Schluss wieder.

  Vielleicht ja doch schon rasten?

Gleich hinter dem Zeughaus beginnt, rechts, der Roßsteig (rote Markierung). Der ist immer noch ein breiter Waldweg, der sich aber jetzt, teilweise sogar recht steil, nach oben zieht. Wir kommen auf Betriebstemperatur.

  Am Roßsteig

Schließlich teilt sich der Weg, genau dort, wo der Anstieg kurz flacher wird. Wir halten uns links. Gleich am Anfang steht ein Pfahl, an dem einst ein grünes Dreieck als Hinweis auf einen Bergpfad befestigt war. Dieses haben schlechte Menschen wohl gemaust, ein paar Meter weiter finden wir aber noch eines an einem Baum.

Wir befinden uns jetzt auf dem Goldsteig. Und der gehört sicher zu den schönsten Pfaden der ganzen Ecke. Mit wenig Hoch und Runter schlängelt er sich auf rund drei Kilometern immer auf halber Höhe um die Felsen herum. Es empfiehlt sich, aller Nase lang den Kopf in den Nacken zu legen oder sich umzudrehen. Ich lasse mal ein paar Bilder für sich sprechen.

Ein gutes Stündchen werden wir für diese drei Kilometer brauchen. Danach stehen wir in den Richterschlüchten. Dort gehen wir nach rechts, und gleich wieder nach links. Ein mächtiger Überhang, die Richtergrotte, wartet auf uns. Sommers wie Winters dröppelt es hier von der Decke. Und wir können hier prima rasten und den Rucksack erleichtern.

  Von oben tropft es

Wohl gestärkt setzen wir den Aufstieg in den Richterschlüchten fort (grüne Markierung). Es geht zunächst über allerlei Felsmurmeln nach oben. Wer jetzt in Turnschuhen unterwegs ist, der wird nur zweiter Sieger. Macht Spaß und zerrt auch ein wenig in den Waden.

Schließlich macht der Weg eine weite Rechtskurve (einst ging es hier geradeaus zum Fremdenweg – bessere Zeiten) und bringt uns geschwind zum Krinitzgrab. Wie und durch welchen Mordbuben Herr Krinitz hier Tode kam, hat Wanderfreund Dietmar hervorragend recherchiert. Weshalb ich hier auf seine Seite verweise.

  Krinitzgrab

Noch ein paar Meter durch ebenfalls von Borki gelichteten Wald, und wir stehen an einer größeren Kreuzung mit einem markanten Fels in der Mitte. Das ist der Katzenstein. Und wer suchet, der wird auch die grinsende Mieze finden.

Katze

Von hier aus folgen wir jetzt der roten Markierung auf den Roßsteig. Richtig gehört, es ist genau jener Roßsteig, von dem wir einst auf den Goldsteig abgebogen sind. Nur eben jetzt von oben. Wer also jetzt schon keine Lust mehr hat, der folgt der Markierung weiter und findet sich am Zeughaus pünktlich zum Mittagessen wieder. Er wird aber so allerlei verpassen.

Alle anderen folgen mir jetzt auf dem breiten Weg bis zum ersten Abzweig nach links. Der ist wieder mit einem grünen Dreieck als Bergpfad markiert und heißt Gehackter Weg. Sanft und pfadig geht es zu Tal.

  Gehackter Weg

Rechts vom Weg entdecken wir den Kleinen Kuhstall. Tatsächlich eine kleine Kopie seines berühmten großen Bruders. Nur nicht so überlaufen, sondern einsam.

  Kleiner Kuhstall

Noch ein paar Schritte, und der Bergpfad teilt sich. Rechts ginge es zurück auf den Roßsteig. Wir gehen links und kommen so ins Hintergründel. Erst waldig, dann satt grün geht es steil bergab. Eigentlicher Höhepunkt am Wegesrand ist aber die Marienhöhle, ein wirklich gewaltiger Felsüberhang. Den wir pünktlich zu einem kräftigen Regenschauer erreichten. Das nennt man Timing. Während des längeren Aufenthalts hatte dann das GPS Gelegenheit zu seinem Amoklauf.

  Marienhöhle

Früher stand in der Höhle immer ein kleines Marienbild, heute steht da allerlei Kitsch. Trotzdem hübsch.

Wir steigen weiter ab, es wird langsam flacher, aber nicht weniger schön.

Schließlich landen wir auf dem Königsweg (rote Markierung), dem wir nach rechts folgen. Da, wo der Weg eine scharfe Rechtskurve macht, bleiben wir geradeaus und kommen so auf die befestigte Zeughausstraße. Die wir gleich wieder nach links verlassen – der Weg heißt jetzt Knorre – und auch von dieser sogleich wieder nach rechts abschwenken.

Wir sind jetzt in einer stillen Schlucht namens Reibetöpfel. Einer meiner Lieblingsorte, aber seit drei Jahren nicht mehr besucht. Anfangs war auch noch alles wie in meinen Erinnerungen: ein stiller Pfad, mal erdig, mal grün, manchmal ein wenig feucht. Also wunderbar.

  Reibetöpfel

Die letzten Meter dann waren aber ein großes Ärgernis: dutzende junge Fichten haben den Weg erobert und gestatten nur noch ein sehr mühsames Durchkommen. Es ist eine Taktik der Nationalparkverwaltung, einige Wege einfach zu “vergessen” und so langsam verschwinden zu lassen. Deshalb meine Bitte: geht durch das Reibetöpfel und sorgt so dafür, dass der Weg nicht komplett zuwächst. Der Weg befindet sich außerhalb der Kernzone, man darf ihn ganz legal benutzen.

  Wächst zu

Das Reibetöpfel endet im Großen Zschand, hier waren wir schon mal. Wir gehen also nach links und kommen so zum Ausgangspunkt zurück.

Fazit: geschätzte 16 Kilometer bei ebenfalls geschätzten 1000 Höhenmetern. An keiner Stelle, auch nicht im Großen Zschand, irgendwie überlaufen. Meist ganz allein im Wald. Jede Menge Höhepunkte. Einziger Makel: keine Aussichten auf dem Weg. Das zuwachsende Reibetöpfel ärgert mich richtig, da kann ich nur auf Volkes Wille und auf seine Füße hoffen.

Zum Nachwandern:

Nochmal Achtung: im Bereich der Marienhöhle spinnt der Track komplett.

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