Heute, am 31. Juli, ist “Welt-Ranger-Tag”. Hatte ich noch nicht gewusst, wieder was gelernt. Aus diesem Behufe hatte die Nationalparkverwaltung zu einer geführten Wanderung mit Rangern eingeladen. Ich hatte mich angemeldet, obwohl es schon recht schwer ist, als ÖPNV-Sklave pünktlich 9 Uhr in Schmilka aufzuschlagen. Ein Blick aus dem Fenster ließ mich aber dann schwächeln: Dauerregen. Ich hab also wieder abgesagt. Was wohl ein Fehler war, denn so nach und nach klärte es dann doch auf. Mist.
Vielleicht wäre es sinnvoll, so eine gute Idee auch mal etwas freundlicher zu terminieren. Also nicht mitten in der Woche, und etwas später am Tag. Immerhin ist es derzeit noch bis nach 20 Uhr hell.
Hübsch ist die Pressemitteilung der NPV zum Thema. Da heißt es, bezugnehmend auf die internationale Situation im Gewerbe: “Rund 150 von ihnen verlieren jedes Jahr insbesondere durch Wilderer, Angriffe von Wildtieren und Naturkatastrophen im Dienst ihr Leben.” Mag stimmen, nur aber nicht hier. Dort, wo schwer bewaffnete und ziemlich gewissenlose Wilderer zu Gange sind, sieht es natürlich anders aus. Die Beine der armen Elfen (für lebensgroße Statuen der Herren Zuckerberg, Bezos und Musk sowie der gesamten Familie Kim) oder die gemahlenen Hörner von der gleichnamigen Nase (für lendenlahme Asiaten) bringen auf das Kilo mehr ein, als Heroin.
Aber bei uns? Wanderfalken- und Schwarzstorchragout sind wenig einträglich, und auch der getrocknete Verknotete Stengelfuß ist wenig gefragt. Und als Falschwanderer hat man eben für gewöhnlich auch keine Kalaschnikow im Rucksack, höchstens ein Taschenmesser.
Wie dem auch sei, ich saß also zu Hause und habe mich über meine Zaghaftigkeit geärgert, denn das Wetter wurde besser. Vielleicht kann ja hier jemand mit mehr Traute, der an der Wanderung teilgenommen hat, seine Eindrücke wiedergeben.
Ich für mein Teil aber bin wiedermal in infantiles Spielen verfallen. Die Ergebnisse sehen sie hier:
Ausgangspunkt war dieser Anstecker. Den konnten sich Kinder beim Kirnitzschtalfest am Stand der Nationalparkverwaltung basteln. Da stand ich natürlich sofort auf der Matte. Mit einiger Anstrengung und unter fachkundiger Anleitung hab ich es hinbekommen. Mal eben so.
Stellte sich natürlich gleich die Frage: wohin mit dem Teil. Wohl dem, der ein Kindskopf ist und obendrein noch eine mannigfaltige Population von Plüschfiguren auf dem Kleiderschrank sitzen hat. Die Auswahl war schnell getroffen.
Was natürlich noch etwas wenig war fürs kindische Gemüt. Also geschwind zwei Ölgemälde gebastelt. Titel: “Warten auf den Falschwanderer”.
Nicht schlecht käme auch eine Reminiszenz an Frank Millers legendären Comic “Sinstone City”. Etwa so:
Oder eine Verbeugung vor dem Meister der Pop-Art:
Wer jetzt denkt, das müsste für ein reichlich kindisches Gemüt reichen, der kennt mich schlecht. Deshalb weiter:
Hi Ho, Hi Ho, der Borki macht uns froh
Meine Kernzzzone, mein Schatzzz.
In ganz Mordor gilt das Wegegebot!
Und zum ganz praktischen Spielen:
Spielanleitung: Figuren aus der Packung nehmen und mit Zubehör versehen. Dann etwa so:
“Hab ich dich endlich erwischt, elender Kernzonenverächter!”
”Oh nein, oh nein, ich bin verloren!”
”Jetzt bekommt du endlich, was du verdient hast. Schau, da ist mein Strafzettelblock.”
”Bitte, bitte, ich will auch nie wieder einen Fuß auf diesen Pfad setzen…”
”Zu spät, du bis geliefert.”
Und so weiter, nach Belieben. Zu guter Letzt noch mein persönlicher Favorit. Sie wissen schon: “Ich bin dein Rangervater, Arndt!”.
Liebe Ranger, ich bitte nochmal um Entschuldigung, dass ich euch heute versetzt habe. Ich bin ein Schwächling und habe mich vom Regen ins Bockshorn jagen lassen. Aber vielleicht kommen wir ja anderswo mal ins Gespräch. Ohne kindische Fotomontagen. Und auch ohne verbale Injurien auf Kletterzugängen.
Nachtrag: Der MDR hat berichtet. Wie erwartet völlig unkritisch. Trotzdem mal anschauen.
Ranger: Da kann man geteilter Meinung sein. In Afrika sicherlich notwendig wegen der bandenmäßig auftretenden Wilderer. Ranger in der Sächsischen Schweiz? Um verbotenes Feuern zu verhindern, es gibt zuviele Idioten. Aber: Zu DDR-Zeiten durfte überall gebooft werden und es wurde massenhaft gefeuert (eigene Erfahrung als Kletterer), trotzdem gab es weniger Waldbrände als heute, alles ohne Ranger. Es gab Förster und freiwillige Gehilfen, die manchmal Rundgänge machten. Trotz vieler Wanderer auf den (heute verbotenen) Wegen hatte sich damals der Schwarzstorch neu angesiedelt. Und heute sind die Ranger angeblich die “Retter” des Gebirges? Und die treibende Kraft für Naturschutz? Im Zittauer Gebirge gibt’s keine Ranger, trotzdem funktioniert der Naturschutz, vielleicht sogar besser und ohne verbotene Wege. Ranger: Das steht in der Sächsischen Schweiz manchmal aber auch für: Äußerst mangelhaftes Grundwissen (der Kerbensteig hatte nur mit der Flößerei zu tun), dummes Rumgequatsche (der Thorwalder Gratweg kann gut zu zweit nebeneinander begangen werden), bis hin zu Falschaussagen und sogar Lügen (Kletterzugänge dürfen nur von Kletterern begangen werden). Wasser predigen und Wein trinken ist auch dabei (Ranger mit Auto auf Waldweg fahrend ermahnt Fahrradfahrer, daß Fahrradfahren auf diesem Weg aus Naturschutzgründen verboten ist). Der MDR-Beitrag ist auch nur Gesülze: “Was machen Ranger den lieben langen Tag? Wegweiser instandhalten, Stiegen reparieren (funktionierte früher auch ohne Ranger), Besucher informieren was nicht erlaubt ist (“Die Rangerinnen und Ranger zeigen jeden Tag unglaublichen Mut und Einsatz”). Der Hit ist der NP-Sprecher: “Weil es vor 35 Jahren mehr Bewegungsfreiheit gab, gibt’s heute mehr Erosion, die Vegetation geht weg, da gibt’s Waldbrände und große Feuer”(Aha, deshalb gibt’s heute weniger Bewegungsfreiheit bzw. gesperrte Wege). Zusätzlich wird im NPV-Ranger-Artikel gegendert, wer sowas macht, kann sowieso nicht ernst genommen werden.
Na ja im April 2025 habe ich einen “Ranger” auf dem Frienstein/Idagrotte getroffen. Er hat dort Vögel beobachtet und es hat sich ein angeregte freundliches Gespräch entwickelt. Mir erschien er auch durchaus fachkundig.
Leider alles sehr zweischneidig. Es laufen halt viele Leute planlos rum, die das hier für einen großen Abenteuerspielplatz halten und sich nicht drum scheren, wie man sich in der Natur verhält. Wie zu Beispiel der Spezialist der letztens mal einfach so aus dem Bach getrunken hat oder die Leute, die nicht einschätzen können wann ein Weg einfach zu schwierig für sie wird und dann weder vor oder zurück können.