Schmerzende Knochen, Gottesdienst und erlaubte Wege

Zwei Dinge hatte ich mir auf den Deckel geschrieben für diese Tour:

  1. Ich wollte den traditionellen Berggottesdienst in der Kuhstallhöhle besuchen.
  2. Ich hatte mir vorgenommen, mal wieder eine Tour zu unternehmen, auf der ich nur erlaubte Wege benutze. Denn das geht ganz ohne Zweifel, und man kann dabei auch richtig tolle Naturerlebnisse haben.

Und ein drittes Ding sei gleich vorausgeschickt: das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich ab jetzt auf andere Wege verzichten werde. Da ich aber immer mal wieder Zuschriften von extrem gesetzestreuen Mitbürgern bekomme, die Tipps für komplett nationalparkkonforme Runden suchen: bitte, hier ist eine. Eine Runde, die durch jede Menge Auf und Ab richtig in die Knochen geht, dabei aber wirklich ganz viel Natur bietet. Wie es auf erlaubten Wegen üblich ist (immer mehr Besucher werden auf immer weniger Wege geschickt) ist man selten allein. Aber irgendwie verläuft es sich trotzdem im Wald, als störend habe ich die Mitwanderer nie empfunden. Also los.

DSCN0273 Liegt auch am Weg: der Heringsturm.

Start ist am Parkplatz an der Neumannmühle im Kirnitzschtal. Zeitiges Kommen sichert hier gute Plätze, oder besser: es sichert überhaupt einen Platz. Denn hier starten ganz viele attraktive Runden, so dass schnell alles voll ist. Wir begeben uns vom Parkplatz weg in den Großen Zschand (gelber Strich), ein wunderbares Tal, der Weg hier ist aber leider asphaltiert und deshalb weniger freundlich zu unseren Fußsohlen. Hier könnte man natürlich auf den traumhaften Alten Flößersteig ausweichen, aber der ist gesperrt, und wir wollen heute ja ganz brav bleiben. Also wohl oder übel zunächst einen runden Kilometer auf Asphalt.

DSCN0259 Gesperrt: der Alte Flößersteig.

Schließlich erspähen wir zur Rechten ein Holzgeländer, welches wir mit kühnem Schwunge überwinden und dahinter auf deutlich erkennbarem Pfad den Hang hoch steigen. Wir dürfen das, denn wir befinden uns außerhalb der Kernzone und der Weg ist deutlich erkennbar. Oben angekommen halten wir uns gleich rechts und befinden uns jetzt im Reibetöpfel. Einem meiner erklärten Lieblingstäler. Sattes Grün, wunderbare Felsen zu beiden Seiten. Da macht das Wandern Spaß.

DSCN0260 Im Reibetöpfel.

Der Weg hier durch ist zwar nicht verboten, er wird aber auch nicht mehr gepflegt. Schade, aber so entsteht natürlich auch eine wunderbare Urwüchsigkeit. Welche zur Folge hat, dass immer mal wieder ein umgestürzter Baum im Wege liegt. Da muss man dann eben drüber steigen.

DSCN0261 Nochmal: Reibetöpfel.

Am Ende der Schlucht angekommen, finden wir uns auf einer breiten Forststraße, der Knorre, wieder. Die sieht momentan übel aus, weil zum Schutze der Natur hier mit schwerer Forsttechnik gewütet wurde. Aber wir folgen dem Weg eh nur knappe 50 Meter nach links.

DSCN0262 Umweltschutz? Die Knorre.

Dann sofort nach rechts, ein paar Meter ins Tal hinab, und auch gleich wieder links. Wir sind jetzt in der Buchschlüchte gelandet. Ein wenig spektakulärer Weg, der uns wieder bis an eine Kreuzung bringt. Hier geht es dann nach links zum Hinteren Raubschloss. Oder aber nach rechts, unsere Wahl, dem roten Strich nach. Der Weg heißt Königsweg und schlängelt sich in vielen Kurven immer Fuß der Bärenfangwände entlang. Wobei, und das ist schön, dieser Weg nur wenig ausgebaut wurde, man muss also immer mal wieder über kleinere Felsmurmeln steigen. Wir werden noch so einen Weg auf dieser Tour finden.

DSCN0263 Königsweg.

Wir wollen natürlich hoch, und da gibt es jetzt, in dieser Reihenfolge, vier Möglichkeiten:

  1. Das Hintergründel mit der Marienhöhle. Als Bergpfad ausgewiesen, sehr zu empfehlen, teilweise etwas steil, aber landschaftlich wunderbar.
  2. Schusters Loch. Ein verbotener Weg, der Einstieg ist auch ein wenig schwer zu finden.
  3. Försters Loch. Ebenfalls verboten, hier findet man den Einstieg aber sehr leicht. Eigentlich mein absoluter Favorit, dieweil der Weg irgendwie düster-romantisch daherkommt. Aber heute mal nicht, wir wollen ja brav bleiben.
  4. Das Heringsloch, heute mal meine erste Wahl.

 

DSCN0267 Heringsloch.

Der Abzweig ist vorbildlich markiert, ab jetzt geht es dem grünen Strich nach. Und auch das Heringsloch ist ein wirklich erstklassiger Weg. Es geht, zumindest am Anfang, ziemlich knackig bergauf, wobei wir immer wieder uralte, in den Stein gehauene Stufen finden. So etwas finde ich ja immer wieder schön.

DSCN0269 Stufen im Heringsloch.

Kurz bevor wir oben angekommen sind, finden wir sogar noch die Reste einer ehemals recht soliden Befestigung des Weges – er muss also mal von großer Bedeutung gewesen sein.

DSCN0274 Altes Sandsteinpflaster.

Gut, wir erreichen eine Kreuzung gleich mehrerer Wanderwege. Dort steht auch eine alte Wegesäule, die uns (was waren das doch für Zeiten) auch den Weg zum Prebischtor anzeigt. Den gibt es zwar noch, aber auch er ist verboten, so dass wir uns jetzt in Richtung Großer Winterberg begeben. Der breite Weg da hoch ist eher öde, dieweil er nervig immer nur ansteigt, aber immerhin bietet der herrliche Buchenwald ringsum einen tollen Anblick.

DSCN0276DSCN0277 Buchen am Großen Winterberg.

Oben wartet dann ein Wirtshaus, welches zwar keine preiswerten, dafür aber mit viel Liebe und Frische zubereitete Gerichte anbietet. Auch Vegetarier und gar Veganer finden hier eine reiche Auswahl. Je nachdem, ob wir eingekehrt sind oder nicht (wer nicht einkehren will, der kann sich diesen Abstecher auch sparen), gehen wir also auf gleichem Wege zurück bis zur Kreuzung mit der alten Wegesäule.

DSCN0275 Gute alte Zeiten.

Hier jetzt weiter dem roten Punkt nach, und dem an der nächsten Kreuzung immer noch treu bleiben, das nächste Ziel ist der Kleine Winterberg. Mit dem roten Punkt markiert verläuft auf seinem Sattel der Untere Fremdenweg. Alles klar, es gibt auch noch einen oberen solchen. Aber der ist schon wieder gesperrt. Also auf dem unteren solchen geblieben. Wieder ein schöner Weg, anfangs noch recht breit und nicht so spannend, im weiteren Verlauf aber immer mehr zum tollen Pfad werdend. Von hier aus gibt es auch schon einige sehr schöne Aussichten, auch hin zum Neuen Wildenstein mit der Kuhstallhöhle, den wir ja heute noch besuchen wollen.

DSCN0279 Aussicht am Kleinen Winterberg.

Schließlich biegt der rote Punkt nach rechts ab und führt ins Tal. Was wir aber ignorieren und weiter geradeaus laufen, ab jetzt dem grünen Strich hinterher. Und ab hier nennt sich der Weg Obere Affensteinpromenade. Und gehört zum Schönsten, was die Ecke zu bieten hat. Ein ständiges Hoch und Runter zwischen Felsen hindurch, hin und wieder auch wirklich steile Meter, aber nie wirklich schwer. Kein sinnloser Ausbau, sondern einfach ein Weg durch Mutter Natur. Macht richtig Spaß.

DSCN0280 Obere Affensteinpromenade.

Wir erreichen den Frienstein, einem mehr als auffälligen Felsen, an dem wir mit großer Sicherheit auch nicht mehr allein sein werden. Den kann man auf einem schmalen Pfad umrunden und die Idagrotte besichtigen. Aber Obacht: dieser Pfad führt mehr als nur knapp an der Kante entlang, an den ganz ausgesetzten Stellen gibt es aber Eisen zum Festhalten. Wie auch immer, unsere Tour führt weiter dem grünen Strich nach, welcher uns, ein paar Meter nach dem Frienstein, über hunderte Treppenstufen ins Tal führt.

DSCN0282 Ganz viele Treppenstufen.

Wir landen auf der Zeughausstraße, einer gut ausgebauten Forststraße, der wir nach rechts folgen. Aber nur gute 300 Meter, um dann nach links in Richtung des Alten Wildensteins abzubiegen. Hier wird es etwas knifflig, weil es keine Wegweiser mehr gibt. Dafür eine Menge Wege, hier hat man eigentlich die Wahl. Ich hab deshalb mal unsere Route grob skizziert:

Unbenannt-1 (Quelle: Open Street Map)

Der Alte Wildenstein gehört zu den weniger bekannten Felsen im Elbsandstein. Man kann ihn auf einem Pfad unten umrunden, oder aber durch eine Spalte auf den Gipfel kommen. Das ist ein wenig anstrengend, auch minimalste Klettereinlagen sind da zu leisten.

Und noch etwas: die Wege rund um den Alten Wildenstein waren allesamt in einem lausigen Zustand. Auch hier haben Forstmaschinen gewütet, tiefe Gräben in den Waldboden gefurcht und zu allem Überfluss noch alles, was nicht zu verkaufen war, also das kleine Bruchholz, kreuz und quer über den Wegen liegen gelassen.

DSCN0285 Weg am Alten Wildenstein.

Alles in allem will ich hier wirklich eine gute Karte für den Abstecher zum Alten Wildenstein dringend empfehlen. Oder aber man klemmt sich das einfach. Irgendwie, und das muss hier jeder selbst hinkriegen, müssen wir auf den breiten Waldweg mit dem roten Strich finden, der unten um den Neuen Wildenstein herumführt. Wenn wir diesen Weg erst mal gefunden haben, ist es nicht mehr weit bis zum gut ausgeschilderten Aufstieg zur Kuhstallhöhle durch den Nassen Grund. Ein par Treppenstufen und eine kleine Leiter helfen hier durch die enge Schlucht.

DSCN0286 Nasse Schlucht.

Oben dann natürlich die gigantische Kuhstallhöhle, daneben ein Wirtshaus. Obendrein gibt es rund um die Höhle noch viele kleine Höhepunkte zu erkunden. Was aber heute ausfiel, denn es war ja ein Gottesdienst in der Höhle angesagt. Die begleitende Musik der regionalen Posaunenchöre konnte man schon am Fuß des Felsens gut hören. Und da hier oben ja seit Jahrzehnten Ochsensprüche angesagt sind (wer jetzt nicht weiter weiß, der muss eben mal recherchieren), steuere ich auch noch einen solchen bei:

Der Ochs im Kuhstall lag und staunte,
dieweil da oben wer posaunte!

Zurück zum Gottesdienst, der in solch einem Ambiente natürlich etwas ganz Besonderes darstellt. Auch für jene unter uns, die es nicht so sehr mit dem Herrgott haben, schwer zu empfehlen.

2014-05-04 15.18.18 Gottesdienst in der Kuhstallhöhle.

OK, Rückmarsch, wieder durch die Nasse Schlucht nach unten. Dann gleich nach links, dem roten Strich nach, erst über den Haussteig, dann durch die Ferkelschlüchte. Letztere enden im Kleinen Zschand, dem wir, wieder nach links, bis kurz vor die Straße im Kirnitzschtal und das Wirtshaus “Felsenmühle” folgen. Wenige Meter zuvor, das Gasthaus schon im Blick, zweigt nach rechts der Flößersteig ab. Nochmal knackig hoch und wieder runter, sodann entspannt an der Kirnitzsch entlang, bringt der uns zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour.

DSCN0291 Auf dem Flößersteig.

Fazit: eine anstrengende, aber wirklich herrliche Runde. Knapp 18 Kilometer. Über die Höhenmeter kann ich nichts sagen, dieweil mein schönes neues GPS hier Unsinn gemessen hat. Wollte mir die Kiste doch tatsächlich weißmachen, ich hätte 3000 Meter allein im Aufstieg bewältigt. Das ist in der Sächsischen Schweiz schlicht nicht machbar. Aber ein gewisses Gefühl in meinen Waden sagt mir, dass es trotz alledem ganz viel hoch und runter gegangen ist.

Und das alles auf erlaubten Wegen! Aber keine Bange: der Weg bleibt das Ziel, und so gelobe ich hiermit, noch in dieser Saison auch mal Tour online zu stellen, die sich nur auf verbotenen Wegen bewegt. Sozusagen als gerechter Ausgleich.

Viel Spaß beim Nachwandern.

Ein Gedanke zu „Schmerzende Knochen, Gottesdienst und erlaubte Wege

  1. Haben die Tour am Wochende in leicht gekürtzter Form (vom Kleinen Winterberg direkt zum Kuhstall) nachgemacht. Wunderbar!
    Highlights: auf alle Fälle das Reibetöpfel, welches sich als urwüchsiger Hindernissparcours herausstellte und das Heringsloch.
    Vielen Dank für die Anregung. Ich denke, ich werde demnächst noch einige der Touren hier nachwandern oder zumindest als Inspiration nutzen…

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