Mein Gott, schon wieder ein Kalauer, und ein bärtiger obendrein. Sogar in der Überschrift. Vergebung, ich konnte die Steilvorlage einfach nicht liegen lassen. Dabei geht es mir um den “Ornithologischen Jahresbericht 2025” für die Nationalparkregion. Welchen ich jetzt endlich mal in Ruhe gelesen habe. Wobei mein Hauptaugenmerk natürlich den immer wieder zitierten Arten Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch galt.
Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch – weitere drei Kalauer, mindestens einer davon geschmacklos.
Widmen wir uns also dem Bericht, den man HIER als PDF runterladen kann. Als Broschüre gibt es ihn auch, in sehr kleiner Auflage und nur auf Nachfrage bei der NPV. Was uns dabei besonders interessiert, ist natürlich die Anzahl der brütenden Paare über die Jahre betrachtet. Hier liefert der Text recht interessante Zahlen. Dazu eine kleine Übersicht, die sich auf die ganze Region (also auch außerhalb des Nationalparks) bezieht. In der ersten Spalte die Brutpaare 2025, die Werte “Minimum” und “Maximum” beziehen sich auf die Jahre zwischen 2010 und 2025.
| 2025 | Minimum | Maximum | |
| Wanderfalke | 15 | 11 | 18 |
| Uhu | 6 | 1 | 8 |
| Schwarzstorch | 2 | 0 | 5 |
Man sieht an den Zahlen: die Population schwankt, bleibt aber über die Jahre nahezu unverändert. Allerdings auf einem sehr niedrigem Niveau. Eigentlich auf einem so niedrigen Niveau, dass statistische Aussagen, vor allem bezüglich einer Tendenz, unmöglich sind.
Ehrlicherweise geht der Bericht auf diesen Fakt ein und vermeldet, dass es zahlreiche Ursachen für Schwankungen gibt, von denen man nicht weiß, welche nun gerade zutreffen. Ein begrenztes Angebot an Nahrung könnte da rein spielen, aber auch die Konkurrenz untereinander. (Onkel Uhu, der alte Gourmet, delektiert sich gern mal an einem Wanderfalkenküken.)
Ich habe mal versucht, weiter zu denken und eine KI gebeten, mir die deutschlandweiten Zahlen zu den drei Arten rauszusuchen. Hier die Übersicht (es geht um Brutpaare insgesamt).
| Deutschland | Nationalparkregion | Anteil | |
| Wanderfalke | 1400 | 15 | 1,07 % |
| Uhu | 850 | 6 | 0,71 % |
| Schwarzstorch | 600 – 900 | 2 | 0,33 – 0,22 % |
Die letzte Spalte steht da nicht von ungefähr, und sie wird sicher zu einiger Kritik an meiner Wenigkeit führen. Denn sie sagt aus meiner Sicht: selbst wenn die Population der Vögel in der Nationalparkregion völlig verschwinden würde, hätte das absolut keine Auswirkungen auf ihren deutschlandweiten Bestand.
Aber nicht gleich wieder falsch verstehen: ich freue mich über jeden Flattermann, der sich hier wohlfühlt. Ich frage mich aber schon, inwieweit der Aufwand, mit dem die drei Arten hierzulande gepampert werden, einen Sinn ergibt. Also temporäre Sperrungen von Klettergipfeln jedes Jahr, ein erst kürzlich wieder verschärftes Boofenverbot oder das großflächige Verbot historischer Wege in ganzen Gebieten. Ganz zu schweigen von all den Mitarbeitern, die Vögel beobachten, zählen und dann solch einen Bericht erstellen. Die externen Kräfte, die das ganze in eine optisch hübsche Form bringen und drucken – auch nicht für einen warmen Handschlag. Die also einen guten Teil ihrer Arbeitszeit mit Vögeln verbringen. (Ich konnte nicht widerstehen und musste den ausgelutschten Kalauer nochmal bringen. Kreuzigt mich.)
Wobei hier auch noch ein ganzer Schwung Ehrenamtlicher hinzukommt. Die arbeiten zwar tatsächlich für lau, hätten aber vielleicht auch Besseres zu tun.
Obendrein gibt es da eine gewisse Diskrepanz: einerseits (wenn es um Borkenkäfer oder Brandschäden geht) postuliert man: “Natur Natur sein lassen.” Würde man dies auch bei den Piepmätzen so halten, dann würde man einfach feststellen: sie sind da, oder auch nicht. Statt dessen greift hier eben der Mensch massiv ein und versucht, ideale Brutbedingungen zu schaffen. Was löblich scheint, aber eben genau nicht bedeutet: der Natur ihren Lauf lassen.
Obendrein sind alle drei Arten auf der deutschen Roten Liste als “nicht gefährdet” geführt. Man kann mir jetzt entgegnen: ja, aber auf der sächsischen Roten Liste sieht das anders aus! Stimmt. Wenn man allerdings diese Listen immer weiter regional herunterbricht, dann hat irgendwann jedes Dorf seine eigene. Und irgendein Tier oder Pflänzlein, welches in einem immer enger gezogenen Zirkel selten oder gar am Verschwinden ist, findet sich dann überall. Was konsequenterweise zur Folge hätte, dass man irgendwann unter Gottes freiem Himmel nicht mal mehr ungestraft eine Flatulenz ablassen darf.
Also, liebe NPV: Dank euch für die Fleißarbeit dieses Berichts. Und jetzt zieht die Konsequenzen daraus. Hört auf, den Vögeln künstlich den Arsch nachzutragen. Überlasst es tatsächlich mal der Natur (zu der eben auch der Mensch gehört).
Was eventuell zur Folge hätte, dass die mit diesem Bericht befassten Mitarbeiter nichts mehr zu tun haben. Keine Bange: ein Kurs im Gebrauch einer Motorsäge, und es finden sich neue Aufgaben.
Obendrein ist im öffentlichen Dienst noch nie jemand seines Jobs verlustig gegangen, nur, weil er nichts zu tun hat. Es sei denn, er hat außerdem silberne Löffel in der Kantine gemaust.