Über die Anhörung im Sächsischen Landtag in Sachen Elbsandstein wurde an anderer Stelle schon ausführlich berichtet. Ich verweise hier gern auf die Zusammenfassung von Rolf Böhm HIER. Und HIER kann man sich das Ganze auch in voller Länge, ca. drei Stunden, anschauen. Mit etwas Gefummel auch runterladen, das macht dann runde 3,8 GB auf der Festplatte.
Nun, ich hatte gerade eine leicht masochistische Anwandlung, und kein Geld fürs Domina-Studio übrig. Also habe ich es mit zur Gänze angetan.
Was mir zunächst aufgefallen ist: die Auswahl der Sachverständigen schien mindestens ausgewogen, wenn nicht sogar mit einem leichten Drall in Richtung der Nationalparkgegner. Lediglich ein Dr. Ingolf Stodian ließ Fragen bei mir offen. Denn der steht dem Nationalpark Jasmund vor. Was heißt, er kennt sich aus mit Kreidefelsen. Wie es mit solchen aus Sandstein steht, blieb offen. Gab es niemanden aus der hiesigen NPV, den man hätte einladen können? Denn Sachverstand gibt es dort, zumindest partiell, durchaus.
Und jetzt der Knaller
Man findet ihn im Video bei 2:36:30. Wer die ganze Frage-Antwort-Runde sehen will, setzt ein paar Minuten früher an.
Es fragte Wolfram Günther, einst selbst Umweltminister, heute nur noch Abgeordneter der Grünen, sinngemäß zwei der Sachverständigen, was es denn für Gründe gebe, Wege in Nationalparks zu sperren. Der eine war besagter Dr. Stodian, der andere Prof. Erik Aschenbrand von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.
Dr. Stodian antwortete zunächst ganz im Sinne des Fragestellers. Er rechnete die Wegedichte pro Quadratkilometer vor und hielt sie für zu groß.
Anmerkung von mir: Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung. Im Wattenmeer gibt es a priori weniger Wege. Genau wie Bayrischen Wald, in den noch vor 100 Jahren niemand freiwillig einen Fuß setzte.
Um sodann noch einmal zu betonen, dass es entlang solcher Wege immer ein hohes Störpotential für Tiere gibt.
Und jetzt, mir klappte die Kinnlade, ergänzte doch tatsächlich Prof. Aschenbrand: na ja, es gibt Tiere, die tatsächlich gestört werden. Und auch solche, denen das völlig egal ist. Aber welche hier welche sind, davon habe die Wissenschaft keine Ahnung. Es gibt schlicht keine Studien dazu. Hören sie selbst:
Quelle: Sächsischer Landtag
Das ist jetzt mal heftig. Erzählt man mir doch seit Jahrzehnten, dass ein jeder Regenwurm einen Herzkasper bekommt, wenn ich da nur mal vorbei schlurfe. Und jetzt höre ich aus professoralem Munde, dass man eigentlich keinen Dunst habe, ob und welche Tiere sich tatsächlich gestört fühlen.
Der heftig gepamperte Wanderfalke sicher schon mal nicht. Der brütet nicht nur sehr gern in New York (mal googeln), sondern auch hierzulande immer wieder auf Kirchtürmen. Auch auf solchen, die für Besucher geöffnet sind. Und obendrein, das liegt in ihrer Natur, durch Glockengeläut auffallen. HIER ein nettes Beispiel.
Prof. Aschenbrand mahnt sodann an, dass es Sache der Nationalparkverwaltungen sei, solche Studien zu erstellen. Da bin ich mal gespannt. Wird wohl eher nicht passieren, so meine Wette. Denn da könnte ein ganzes Argumentationskonstrukt zusammenbrechen.
Ich empfehle aber, den nächsten Ranger, der mit dem „Störargument“ daherkommt, nach so einer Studie zu fragen. Nur um des Stänkerns willen.