Mit Vögeln beschäftigt

Mein Gott, schon wieder ein Kalauer, und ein bärtiger obendrein. Sogar in der Überschrift. Vergebung, ich konnte die Steilvorlage einfach nicht liegen lassen. Dabei geht es mir um den “Ornithologischen Jahresbericht 2025” für die Nationalparkregion. Welchen ich jetzt endlich mal in Ruhe gelesen habe. Wobei mein Hauptaugenmerk natürlich den immer wieder zitierten Arten Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch galt.

imageUhuStorch

Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch – weitere drei Kalauer, mindestens einer davon geschmacklos.

2026-07-29 17.12.39-1Widmen wir uns also dem Bericht, den man HIER als PDF runterladen kann. Als Broschüre gibt es ihn auch, in sehr kleiner Auflage und nur auf Nachfrage bei der NPV. Was uns dabei besonders interessiert, ist natürlich die Anzahl der brütenden Paare über die Jahre betrachtet. Hier liefert der Text recht interessante Zahlen. Dazu eine kleine Übersicht, die sich auf die ganze Region (also auch außerhalb des Nationalparks) bezieht. In der ersten Spalte die Brutpaare 2025, die Werte “Minimum” und “Maximum” beziehen sich auf die Jahre zwischen 2010 und 2025.

  2025 Minimum Maximum
Wanderfalke 15 11 18
Uhu 6 1 8
Schwarzstorch 2 0 5

Man sieht an den Zahlen: die Population schwankt, bleibt aber über die Jahre nahezu unverändert. Allerdings auf einem sehr niedrigem Niveau. Eigentlich auf einem so niedrigen Niveau, dass statistische Aussagen, vor allem bezüglich einer Tendenz, unmöglich sind.
Ehrlicherweise geht der Bericht auf diesen Fakt ein und vermeldet, dass es zahlreiche Ursachen für Schwankungen gibt, von denen man nicht weiß, welche nun gerade zutreffen. Ein begrenztes Angebot an Nahrung könnte da rein spielen, aber auch die Konkurrenz untereinander. (Onkel Uhu, der alte Gourmet, delektiert sich gern mal an einem Wanderfalkenküken.)

Ich habe mal versucht, weiter zu denken und eine KI gebeten, mir die deutschlandweiten Zahlen zu den drei Arten rauszusuchen. Hier die Übersicht (es geht um Brutpaare insgesamt).

  Deutschland Nationalparkregion Anteil
Wanderfalke 1400 15 1,07 %
Uhu 850 6 0,71 %
Schwarzstorch 600 – 900 2 0,33 – 0,22 %

Die letzte Spalte steht da nicht von ungefähr, und sie wird sicher zu einiger Kritik an meiner Wenigkeit führen. Denn sie sagt aus meiner Sicht: selbst wenn die Population der Vögel in der Nationalparkregion völlig verschwinden würde, hätte das absolut keine Auswirkungen auf ihren deutschlandweiten Bestand.

Aber nicht gleich wieder falsch verstehen: ich freue mich über jeden Flattermann, der sich hier wohlfühlt. Ich frage mich aber schon, inwieweit der Aufwand, mit dem die drei Arten hierzulande gepampert werden, einen Sinn ergibt. Also temporäre Sperrungen von Klettergipfeln jedes Jahr, ein erst kürzlich wieder verschärftes Boofenverbot oder das großflächige Verbot historischer Wege in ganzen Gebieten. Ganz zu schweigen von all den Mitarbeitern, die Vögel beobachten, zählen und dann solch einen Bericht erstellen. Die externen Kräfte, die das ganze in eine optisch hübsche Form bringen und drucken – auch nicht für einen warmen Handschlag. Die also einen guten Teil ihrer Arbeitszeit mit Vögeln verbringen. (Ich konnte nicht widerstehen und musste den ausgelutschten Kalauer nochmal bringen. Kreuzigt mich.)
Wobei hier auch noch ein ganzer Schwung Ehrenamtlicher hinzukommt. Die arbeiten zwar tatsächlich für lau, hätten aber vielleicht auch Besseres zu tun.

Obendrein gibt es da eine gewisse Diskrepanz: einerseits (wenn es um Borkenkäfer oder Brandschäden geht) postuliert man: “Natur Natur sein lassen.” Würde man dies auch bei den Piepmätzen so halten, dann würde man einfach feststellen: sie sind da, oder auch nicht. Statt dessen greift hier eben der Mensch massiv ein und versucht, ideale Brutbedingungen zu schaffen. Was löblich scheint, aber eben genau nicht bedeutet: der Natur ihren Lauf lassen.

Obendrein sind alle drei Arten auf der deutschen Roten Liste als “nicht gefährdet” geführt. Man kann mir jetzt entgegnen: ja, aber auf der sächsischen Roten Liste sieht das anders aus! Stimmt. Wenn man allerdings diese Listen immer weiter regional herunterbricht, dann hat irgendwann jedes Dorf seine eigene. Und irgendein Tier oder Pflänzlein, welches in einem immer enger gezogenen Zirkel selten oder gar am Verschwinden ist, findet sich dann überall. Was konsequenterweise zur Folge hätte, dass man irgendwann unter Gottes freiem Himmel nicht mal mehr ungestraft eine Flatulenz ablassen darf.

Also, liebe NPV: Dank euch für die Fleißarbeit dieses Berichts. Und jetzt zieht die Konsequenzen daraus. Hört auf, den Vögeln künstlich den Arsch nachzutragen. Überlasst es tatsächlich mal der Natur (zu der eben auch der Mensch gehört).
Was eventuell zur Folge hätte, dass die mit diesem Bericht befassten Mitarbeiter nichts mehr zu tun haben. Keine Bange: ein Kurs im Gebrauch einer Motorsäge, und es finden sich neue Aufgaben.
Obendrein ist im öffentlichen Dienst noch nie jemand seines Jobs verlustig gegangen, nur, weil er nichts zu tun hat. Es sei denn, er hat außerdem silberne Löffel in der Kantine gemaust.

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5 Gedanken zu „Mit Vögeln beschäftigt

  1. Eigentlich wollte ich mich in diesem Forum nicht mehr zu Wort melden, aber:
    Schon die Überschrift als auch die folgenden drei Bilder zeigen mit welcher Ernsthaftigkeit sich der Schreiber des Pamfleds der Sache angenommen hat.
    Seit über 50 Jahren beschäftige ich mich mit dem Vorkommen, der Biologie und Ökologie der drei genannten Vogelarten und weiterer Tier- und Pflanzenarten, auch außerhalb der Sächsischen Schweiz. Deshalb hier das was mir dazu einfällt bzw. auf dem Herzen liegt:
    Die Angaben bei Tabelle 1 müssen geringfügig nach unten korrigiert werden – Wanderfalke 14, Uhu 6. So was passiert wenn Personen ohne Kenntnis und Erfahrung einen Bericht schreiben.
    Ob die Tiere aus der Sächsischen Schweiz verschwinden wäre deutschlandweit egal, aber es brächte eine Verarmung unserer Heimat, ich darf das so nennen, mit sich. In Afrika wird das dasein der Nashörner und anderer Arten sogar mit Waffengewalt durchgesetzt. Hier darf man das nicht mit Worten? – Danke ihr Schlaumeier!
    „Natur Natur sein lassen“ – der Vergleich mit dem Borkenkäfer ist absolut nicht angebracht und die Sache mit den Roten Listen zeugen von einer gewissen Gleichgültigkeit, will man es nicht Dummheit nennen.
    Und dann noch: „Der Mensch gehört zur Natur“ – das ist schon irgend wie wahr, aber Schwarzstorch, Uhu und Wanderfalke wohnen im Fels-Wald-Gebiet des Elbsandsteingebirges, der Mensch nicht. Letztere fallen wie Heuschrecken an schönen Tagen, an Wochenenden, Feiertagen und in den Schulferien ins Gebiet ein. Sie hinterlassen Zivilisationsmüll und anderes, machen Feuer und entfachen Waldbrände, treten überall neue Pfade in die empfindliche Bodenvegetation und führen so auch zu größeren Erosionsflächen an steilen Hängen.
    All das machen der heimische Schwarzstorch, Uhu und Wanderfalke nicht!

    1. Lieber Herr Augst,
      ich will Ihnen hier gern antworten, in mehreren Punkten:
      1. Das Sie mit meiner Meinung nicht konform gehen, war mir schon klar.
      2. Das Sie dies auch nicht mit Rechtschreibung und Grammatik tun – geschenkt. Aber „Pamphlet“ hätten Sie schon mal nachschlagen können.
      3. Die Zahlen stimmen. Seite 25, 29 und 32 in der Publikation.
      4. „…es brächte eine Verarmung unserer Heimat…“. Da haben Sie recht. Ich stelle aber im Text die Frage, ob dies den Aufwand rechtfertigt, der hier betrieben wird.
      5. „…fallen wie Heuschrecken an schönen Tagen, an Wochenenden, Feiertagen und in den Schulferien ins Gebiet ein.“ Etwas mehr Demut wäre angebracht. Diese „Heuschrecken“ haben Ihre gesamte berufliche Tätigkeit mit bezahlt (denn das zählen und beobachten von Vögeln schafft keinen volkswirtschaftlichen Mehrwert), und sie zahlen jetzt auch in Ihre verdiente Rente ein.
      6. „…treten überall neue Pfade in die empfindliche Bodenvegetation…“. Hierzu hätte ich gern ein konkretes Beispiel. Wo? Genau beschreiben, bitte.

      1. Die Zahlen stimmen leider nicht, aber das habe ich meinen Ex-Kollegen schon sofort mitgeteilt.
        Alles andere ist mir egal. Ich schmücke mich nicht mit fremden Federn.

    2. Lieber Herr Augst,
      mit Spannung habe ich das “Wortgefecht” zwischen Ihnen und Herren Noack verfolgt. Interessante Standpunkte wurden dargelegt. Aber wessen Geistes Kind Sie sind lässt sich allein aus der Bemerkung: “In Afrika wird das Dasein der Nashörner und anderer Arten sogar mit Waffengewalt durchgesetzt.” ableiten.
      Ich stelle mir vor, Sie ziehen durch die Wälder, ausgerüstet mit einer Schrotflinte und strecken jeden mit einem Blattschuss nieder, der es wagt sich auch nur einen Millimeter zu nahe an die Goldenen Kälber, sorry wollte ´an die armen Vögel´ schreiben, zu kommen. Sie merken hoffentlich, es ist überspitzt dargestellt. Auch ich respektiere das Betretungsverbot gewisser Gegenden in der Brutzeit. Aber damit soll es auch genug sein. Das ganzjährige Betretungsverberbot (Triggerwort Ruhezone) ist hingegen in Bausch und Bogen zu verwerfen. Ich hoffe, das ich es noch zu meinen Lebzeiten erleben werde, das dieses unsinnige Konstrukt “Nationalpark” abgeschafft wird.
      Nur noch ein letzter Gedanke zu Ihrer äußerst beleidigenden Bemerkung das Menschen wie die Heuschrecken ins Gebiet einfallen und dort alles verwüsten. Im “DDR” Kindergarten haben wir gelernt wie man sich durch den Wald bewegt, was man unterlassen sollte usw. u.s.f.. Also lieber Herr Augst, frisch ans Werk, gehen Sie in die Schulklassen, machen Sie die “Heuschrecken” auf gewisse Benimmregeln in der Natur aufmerksam, aber ohne erhobenen Zeigefinger, hinkenden Vergleichen mit irgendwelchen Nashörnern. In diesen Sinne wünsche ich uns allen, egal wo wir uns im Nationalpark bewegen, eine schöne friedvolle Zeit der Erholung und interessante Begegnungen mit Mensch und Tier.

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