Horch und Guck am Zeughaus

Zeughaus Stasi 02Das nenne ich mal fette Beute. Ein netter Mensch, der zwar rein von der Profession her auf einer anderen Seite der Fichte steht als ich, aber menschlich ein ungemein angenehmer Zeitgenosse ist, also dieser nette Mensch hat mir eine absolute Rarität zukommen lassen.
Wir sehen hier ein Faltblatt, auf welchem das alte Stasi-Erholungsheim im Großen Zschand, direkt neben dem Alten Zeughaus, abgebildet ist. Bilder dieses Komplexes sind extrem rar. Kein Wunder, zu DDR-Zeiten hatten die Schnüffler ja irgendwie etwas gegen Fotos.
Wikipedia ist mein Freund und verrät mir, dass das Haus irgendwann in den 1970er Jahren gebaut wurde. Und seine Nutzung 1996 endete. Nach 2000 dann der Abriss.
Das Faltblatt muss also aus der Zeit zwischen 1990 (endgültig keine Stasi mehr) und 1996 stammen. Und für mich war dabei ganz neu, dass man wohl tatsächlich versucht hat, das Ganze noch irgendwie zu vermarkten. In diesem Fall als Tagungsstätte.
Und noch nie habe ich eine Luftaufnahme von den Häusern gesehen. Wie Weihnachten, Geburtstag und ein rangerloses Wochenende auf einmal. Doch damit nicht genug.

Wir dürfen sogar einen Blick ins Innere werfen.

Zeughaus Stasi 01

Und erfahren, dass man hier für 36 Westmark (reichhaltiges Frühstück inklusive) übernachten konnte. Dafür kann man heute mancherorts noch nicht mal mehr einen Tag lang parken.
Und wir erfahren, dass man zur An- und Abreise mit dem PKW ranfahren durfte. Oder bei Bedarf ein Shuttle zur Neumannmühle fuhr. Ganz ohne dabei die Natur zu zerstören. Beim schnöden Mammon war man da wohl pragmatisch.
Was aber nicht heißt, dass ich mir heute Autoverkehr im Zschand wünsche. Gelegentlich mal ein Rangermobil (zum Abfetten von Falschwanderern im hinteren Teil) reicht völlig aus.

Ich habe noch mal versucht, das Faltblatt genauer zeitlich einzuordnen. Dabei war die Bezeichnung “CSFR” auf der Kartenskizze hilfreich. Die steht für “Tschechische und Slowakische Föderative Republik” und wurde nur zwischen 1990 und Ende 1992 gebraucht. Danach trennte man sich friedlich.

1989 hat es auch mal eine Aktion gegeben, bei der die nun mündigen Bürger eine Besichtigung des Hauses erzwangen. Viel gefunden (außer urlaubenden Rentnern) haben sie aber nicht. HIER ein Text der Sächsischen Zeitung dazu, sogar ohne Bezahlschranke.
Da wird auch erwähnt, dass den Abriss der Gebäude am Ende die neuen Pächter bezahlen mussten. Und nicht der Freistaat Sachsen, dem das Areal bis heute gehört. Beim Verballern fremder Leute Geld war der (noch sehr junge) Staat damals schon gut.

Nochmal herzlichen Dank an den edlen Spender.

Und wenn einer der Leser hier noch andere Infos oder gar Bilder hat – her damit. Ich ergänze den Text dann mit Vergnügen.

181810cookie-checkHorch und Guck am Zeughaus

2 Gedanken zu „Horch und Guck am Zeughaus

  1. Die Gaststätte war nach der Wende jeden zugänglich, parallel zum Imbiß am Zeughaus.
    Ich habe mit einem Wanderfreund 1993 dort sehr gut gespeist, und gegenüber heute natürlich sehr preiswert. Aber es war abzusehen, dass dieses große Areal auf die Dauer kaum wirtschaftlich geführt werden konnte. Die Schließung 1996 kam daher nicht überraschend. Allerdings war dann auch der Imbiß am Zeughaus zu und bis 2000 war keine Einkehr mehr möglich. Daß die künftigen Betreiber des Zeughauses den Abriß des Stasi-Baus bezahlen mußten, wußte ich und es ist m.E. eine absolute Frechheit. Genauso wie ja der selbe Betreiber des Winterberges die neue Klärgrube bezahlen sollte, obwohl das Grundstück dem Freistaat gehört und er deshalb darauf keinen Kredit bekommt. Die 80.000 EUR wären doch für den Freistaat ein Klacks gewesen, wenn man bedenkt, für was in diesem Land neuerdings gleich Milliarden ausgegeben werden. Man darf gar nicht darüber nachdenken, da hat man sofort schlechte Laune. Lieber die alten kleinen Wege langlaufen, damit sie nicht zuwachsen!!

  2. Irgendwann in den 90ern hatten wir dort Seminargruppentreffen. Ich vermute 1996 (10 Jahre nach Studienende). Muss zu hause nachschauen, bin im Moment auf dem Mittelmeer unterwegs und das Funknetz wird gleich weg sein. Wir sind damals über Reitsteig, Goldsteinaussicht, Winterberg Mittagspause und dann Grenzweg bis Zschand und zurück gewandert. SG-Foto vom AP Neues Kanapee inclusive.
    Klingt heute wie vom fremden Planeten.

    Gruss vom Webmaster der Webergrotte
    Dietmar

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