Wir haben sie alle schon gesehen: jene Schilder, die auf den “Malerweg” verweisen. Und auf denen Scherzbolde aus “Malerweg” mal eben “Maierweg” gemacht haben. Beim ersten Mal noch herzlich gelacht. Beim zweiten Mal noch gegrinst. Und beim dritten Mal nur noch müde den Arsch gerunzelt. Der Witz ist raus, und es gibt nun wirklich keinen Grund, diesen Gag mit der Zeit gefühlt flächendeckend durchzuziehen. Der neueste Erguss aus dieser Ecke hat denn auch aus dem “Flügel E” das “Flugei E” gemacht. OK, wir haben also mal gelacht, aber jetzt ist gut. Zumal die Nationalparkverwaltung solcherlei Kreativität am Wegweiser gern mal unter der Rubrik “Wandalismus” ablegt, und diesen dann argumentativ zum Anlass nimmt, um uns wieder mal eine neuerliche Restriktion zuzumuten. Mal ganz davon abgesehen, dass diese Wegweiser ja wirklich mal irgendwann wieder in Schuss gebracht werden müssen, was Geld kostet. Geld, welches im Zweifelsfall bei der Sanierung eines abgelatschten Weges fehlt, welcher dann nach Logik der NPV eben ganz gesperrt wird. Und das ist so ein mittlerweile ausgelutschter Gag nun wirklich nicht wert.
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Wegegedanken: Grenzweg
Aufgemerkt: dieses Weg ist definitiv der umstrittenste in der ganzen Sächsischen Schweiz. Er gilt nach offizieller Lesart als gesperrt, wer ihn läuft, riskiert ein Bußgeld. Weshalb es mir gestattet sei, am Anfang dieses Beitrags ganz klar von seiner Begehung abzuraten. Der Rest sei dem geneigtem Leser überlassen.
Ziemlich spontan, also eigentlich ungeplant, hatte ich mich doch entschlossen, die rangerfreie Zone vom vergangenen Wochenende noch zu einer ausgiebigen Tour zu nutzen. Eine Tour, die unter anderem auch über den Grenzweg führte. Eigentlich ist zu diesem Weg schon so ziemlich alles gesagt: er ist leicht zu finden, die Diskussionen über ihn flammen immer wieder, auch öffentlich, auf, die Haltung der NPV dazu ist seit Jahren völlig unbeweglich, der Weg dennoch allgemein bekannt und oft genutzt – warum also an dieser Stelle noch “Wegegedanken”? Weil dieser Weg so ziemlich alles in sich vereint, was ich am Elbsandstein liebe. Stille Pfade, knackige Aufstiege, herrliche Aussichten. Es werden also jetzt mal ein paar Wegegedanken mehr.
Ein echtes Highlight: die Aussicht vom Kanapee am Grenzweg.
Verfluchter Mist

Die Bundestagswahlen sind vorbei, und ich bin nicht wirklich glücklich mit deren Ausgang. Aber darüber will ich hier nicht schreiben, sondern über einen anderen Aspekt: das Abschneiden der NPD. Deutschlandweit kam sie auf etwas mehr als ein Prozent, könnte also also Splittergruppe durchgehen. Und auch in Sachsen hat sie Stimmen verloren, würde also nach derzeitigem Stand auch nicht mehr in den Landtag einziehen. Aber, aber…. In meiner geliebten Sächsischen Schweiz feiert diese Partei immer noch fröhliche Urständ.
Schwedenlöcher wieder offen
Na Gott sei Dank: der oft begangene und mehr als beliebte Weg durch die Schwedenlöcher (zwischen Amselgrund und Bastei) ist wieder geöffnet. Immerhin acht Monate und damit eigentlich die ganze Saison über war er gesperrt: es drohte ein Felssturz. Bemerkenswert ist dabei, dass die eigentlichen Arbeiten, also die kontrollierte Sprengung des wackeligen Felsens und danach die Wiederherrichtung des Weges, erstaunlich schnell und schmerzlos über die Bühne gingen. In weniger als vier Wochen. Die restliche Zeit ging dafür drauf, Gutachten einzuholen, Interessenverbände zu Stellungnahmen aufzufordern und Arbeiten auszuschreiben. Deutschland eben. Aber was soll’s, jetzt kann hier wieder gewandert werden.
Gegen die Parkplatzanarchie
Das musste jetzt sein: wider der ständigen Anarchie beim Parken an der Hocksteinschänke hat die NPV ein schönes neues Schild angebracht. Selbiges zeigt in einer detaillierten Skizze die richtige Parkordnung an.
Ich hab es nochmal vergrößert und zwei Kringel rein gemalt: wer dort parkt, der muss wirklich genau hinschauen.
Aber ich stelle mir gerade mit einem breiten Grinsen vor, wie das Ganze in der Praxis vonstatten geht: ich parke meine Karre zunächst mal ein, wo Platz ist. Ich gehe sodann zum Schild und studiere es. Sinnigerweise habe ich natürlich ein Lineal dabei und messe aus. Sehr gut, jetzt rechne ich die Ergebnisse dieser Messung in die Natur um. Sodann entnehme ich meinem Rucksack den Zollstock (der gehört ab jetzt zur Standardausrüstung) und überprüfe in der Natur, ob ich regelgerecht dastehe. Uff, perfekt, na ja, noch einen viertel Meter nach Rechts, aber jetzt sollte es passen.
Mal davon abgesehen, dass im ganzen Rest der Republik das Symbol “Wanderparkplatz” gleichbedeutend mit “kostenlos” ist – was soll dieses? War da im Etatsposten “Schilder” noch der eine oder andere Euro übrig? Wahrscheinlich.
Auf Tour mit Manuel Andrack
Na, das war doch mal was: eine Runde im Sandstein mit Deutschlands obersten Wandermeister Manuel Andrack. Eigentlich sollte man den kennen, für alle, die hier eine Bildungslücke haben: Manuel Andrack war jahrelang Redaktionsleiter der “Harald Schmidt Show” und Schmidts Sidekick auf der Bühne. Heute schreibt er drollige und ungemein erfolgreiche Bücher übers Wandern, dazu Wanderkolumnen in Stern und Geo. Also nicht irgendwer, wenn es darum geht, durch die Natur zu latschen.
Lesetipp: “Böhmische Schweiz gestern und heute”
Ein wunderschönes Buch ist das. Vor allem für Leute wie mich, die auch gern mal ein Auge auf die Geschichte der Region haben. Die Idee dahinter: man nehme eine Postkarte so aus der Zeit zwischen 1900 und 1920, und fotografiere exakt dasselbe Motiv heute.
Fotograf der neuzeitlichen Aufnahmen ist Zdeněk Patzelt, der jedem Kenner der Region als einer der besten Fotografen im Elbsandstein bekannt sein dürfte. Von entsprechender Güte sind denn auch seine Fotos. Obendrein ist das Buch sehr hochwertig verarbeitet: Hochglanzdruck, fester Einband, Lesebändchen.
Einziger Wermutstropfen: die deutschen Texte bedienen sich einer – vorsichtig ausgedrückt – kreativen Grammatik. Hier hätte man wohl mal einen deutschen Muttersprachler Korrektur lesen lassen sollen.
Aber was soll’s, es bleibt eine wunderbare Lektüre. Ich habe für die 160 Seiten zwei Abende auf dem Sofa verbracht und mich immer mehr in die Details der Bilder vertieft.
Da es in Tschechien keine Buchpreisbindung gibt, schwankt derselbe auch wenig. Im Online-Shop der Gemeinnützigen Gesellschaft Böhmische Schweiz kostet das Buch knapp 15 Euro. Ich selbst habe es direkt in der Touristeninformation in Dittersbach (Jetřichovice) für 18 Euro gekauft. Was aber in Anbetracht der hochwertigen Verarbeitung, des Umfangs und der enthaltenen Informationen immer noch verdammt günstig ist.
Kirnitzschtal wieder offen
Na endlich: die Straße im Kirnitzschtal ist wieder durchgängig befahrbar. Wer hätte das gedacht. Nachdem die vier Hauptfeinde öffentlichen Straßenbaus – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – beim besten Willen nicht mehr zu bemühen waren, hat die enervierende Wühlerei hier endlich ein Ende. Für die Wirtsleute im Tal sicher ein Grund zum Jubeln. Und auch für den Wanderer, der jetzt wieder auf einfacher Strecke das Tal erreichen kann – sei es mit dem Auto oder mit der Buslinie 241, die jetzt wieder bis Hinterhermsdorf durchfährt und so ihren Titel “Nationalparklinie” endlich wieder verdient.
Endlich wieder gut zu erreichen – meine Lieblingskneipe, die Buschmühle.
Und warum haben wir hier drei Jahre gewühlt? Es folgt eine Rechnung. Voraussetzung: es wurde, wie ich immer wieder beobachten konnte, an den Wochenenden nicht gearbeitet. Die Sperrschilder aber auch nicht weggeräumt, dafür aber auch kaum beachtet. Also: ein Jahr hat 356 Tage und 52 Wochen. Macht 52×2, also 104 Tage pro Jahr, an denen keiner eine Schaufel in die Hand genommen hat. Drei Jahre ging das so, also wurde 312 Tage nicht gearbeitet. Folgt: hätten die ihren Hintern auch mal Wochenende bewegt, dann hätten wir fast ein Jahr an Bauzeit eingespart. Aber so rechnen öffentliche Bauträger natürlich nicht. Wäre ja auch viel zu einfach.