Hier geht es um einen uralten Weg. Einen wirklich uralten, denn schon 1812 wurde er in Götzingers Wanderführer beschrieben, und wärmstens empfohlen: der Gratweg über die Thorwalder Wände. Und dieser Weg gehörte (und, man glaube mir: gehört noch heute) zu den spannendsten in der Sächsischen Schweiz. Weniger wegen seiner Aussichten, da gibt es nur eine richtige, aber wegen seines Ausbaus: über dutzende hölzerne Treppen, Leitern, Spreizhölzer und Stiegen zog er einst in ständigem Hoch und Runter über den Grat der Thorwalder Wände. Nun, dieser Weg ist Geschichte. Schon 1981 wurde er gesperrt, alle Einbauten entfernt. Aber, und das ist das Gute an der Bauweise unserer Ahnen: alle diese Einbauten waren im Fels verankert oder direkt aus diesem ausgeschlegelt. Und so gibt es auch heute noch mehr als genug Tritte und Griffe, die ein Vorankommen ermöglichen. Also los, sehen wir ihn uns mal an.
Gegen die Parkplatzanarchie
Das musste jetzt sein: wider der ständigen Anarchie beim Parken an der Hocksteinschänke hat die NPV ein schönes neues Schild angebracht. Selbiges zeigt in einer detaillierten Skizze die richtige Parkordnung an.
Ich hab es nochmal vergrößert und zwei Kringel rein gemalt: wer dort parkt, der muss wirklich genau hinschauen.
Aber ich stelle mir gerade mit einem breiten Grinsen vor, wie das Ganze in der Praxis vonstatten geht: ich parke meine Karre zunächst mal ein, wo Platz ist. Ich gehe sodann zum Schild und studiere es. Sinnigerweise habe ich natürlich ein Lineal dabei und messe aus. Sehr gut, jetzt rechne ich die Ergebnisse dieser Messung in die Natur um. Sodann entnehme ich meinem Rucksack den Zollstock (der gehört ab jetzt zur Standardausrüstung) und überprüfe in der Natur, ob ich regelgerecht dastehe. Uff, perfekt, na ja, noch einen viertel Meter nach Rechts, aber jetzt sollte es passen.
Mal davon abgesehen, dass im ganzen Rest der Republik das Symbol “Wanderparkplatz” gleichbedeutend mit “kostenlos” ist – was soll dieses? War da im Etatsposten “Schilder” noch der eine oder andere Euro übrig? Wahrscheinlich.
Auf Tour mit Manuel Andrack
Na, das war doch mal was: eine Runde im Sandstein mit Deutschlands obersten Wandermeister Manuel Andrack. Eigentlich sollte man den kennen, für alle, die hier eine Bildungslücke haben: Manuel Andrack war jahrelang Redaktionsleiter der “Harald Schmidt Show” und Schmidts Sidekick auf der Bühne. Heute schreibt er drollige und ungemein erfolgreiche Bücher übers Wandern, dazu Wanderkolumnen in Stern und Geo. Also nicht irgendwer, wenn es darum geht, durch die Natur zu latschen.
Lesetipp: “Böhmische Schweiz gestern und heute”
Ein wunderschönes Buch ist das. Vor allem für Leute wie mich, die auch gern mal ein Auge auf die Geschichte der Region haben. Die Idee dahinter: man nehme eine Postkarte so aus der Zeit zwischen 1900 und 1920, und fotografiere exakt dasselbe Motiv heute.
Fotograf der neuzeitlichen Aufnahmen ist Zdeněk Patzelt, der jedem Kenner der Region als einer der besten Fotografen im Elbsandstein bekannt sein dürfte. Von entsprechender Güte sind denn auch seine Fotos. Obendrein ist das Buch sehr hochwertig verarbeitet: Hochglanzdruck, fester Einband, Lesebändchen.
Einziger Wermutstropfen: die deutschen Texte bedienen sich einer – vorsichtig ausgedrückt – kreativen Grammatik. Hier hätte man wohl mal einen deutschen Muttersprachler Korrektur lesen lassen sollen.
Aber was soll’s, es bleibt eine wunderbare Lektüre. Ich habe für die 160 Seiten zwei Abende auf dem Sofa verbracht und mich immer mehr in die Details der Bilder vertieft.
Da es in Tschechien keine Buchpreisbindung gibt, schwankt derselbe auch wenig. Im Online-Shop der Gemeinnützigen Gesellschaft Böhmische Schweiz kostet das Buch knapp 15 Euro. Ich selbst habe es direkt in der Touristeninformation in Dittersbach (Jetřichovice) für 18 Euro gekauft. Was aber in Anbetracht der hochwertigen Verarbeitung, des Umfangs und der enthaltenen Informationen immer noch verdammt günstig ist.
Ich war heute unterwegs
und habe so allerlei gesehen. Als da wären:
Kirnitzschtal wieder offen
Na endlich: die Straße im Kirnitzschtal ist wieder durchgängig befahrbar. Wer hätte das gedacht. Nachdem die vier Hauptfeinde öffentlichen Straßenbaus – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – beim besten Willen nicht mehr zu bemühen waren, hat die enervierende Wühlerei hier endlich ein Ende. Für die Wirtsleute im Tal sicher ein Grund zum Jubeln. Und auch für den Wanderer, der jetzt wieder auf einfacher Strecke das Tal erreichen kann – sei es mit dem Auto oder mit der Buslinie 241, die jetzt wieder bis Hinterhermsdorf durchfährt und so ihren Titel “Nationalparklinie” endlich wieder verdient.
Endlich wieder gut zu erreichen – meine Lieblingskneipe, die Buschmühle.
Und warum haben wir hier drei Jahre gewühlt? Es folgt eine Rechnung. Voraussetzung: es wurde, wie ich immer wieder beobachten konnte, an den Wochenenden nicht gearbeitet. Die Sperrschilder aber auch nicht weggeräumt, dafür aber auch kaum beachtet. Also: ein Jahr hat 356 Tage und 52 Wochen. Macht 52×2, also 104 Tage pro Jahr, an denen keiner eine Schaufel in die Hand genommen hat. Drei Jahre ging das so, also wurde 312 Tage nicht gearbeitet. Folgt: hätten die ihren Hintern auch mal Wochenende bewegt, dann hätten wir fast ein Jahr an Bauzeit eingespart. Aber so rechnen öffentliche Bauträger natürlich nicht. Wäre ja auch viel zu einfach.
Lesetipp: DNN zum Boofen
Einfach mal nachlesen und nachdenken: die Dresdner Neuesten Nachrichten haben einen interessanten Artikel veröffentlicht. Quintessenz: wird Boofen zum Massenphänomen, dann ist die Natur gefährdet. Hier zum Nachlesen.
Grundsätzlich kann ich der Aussage des Artikeln zustimmen, zumal ich mich auch schon mehr als einmal über die Ansammlungen von Klopapier und Papiertaschentüchern in diversen Felsnischen geärgert habe. Salopp gesagt: es scheint Zeitgenossen zu geben, die, sobald sie eine gedeckte Stelle erspähen, dort auch reinscheißen müssen. So wie ein Köter, der an jedem Laternenpfahl sein Revier markiert.
An einer Stelle im Artikel habe ich allerdings gestutzt. Hier wird ein “anonymer” Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung zitiert. (Gibt es den wirklich oder ist er dem Geist der Autorin entsprungen?) Der Mitarbeiter beklagt, das Bäume für Feuer in den Boofen gefällt werden. Wörtlich: “Es kann nicht sein, dass jemand hingeht und altehrwürdige Bäume abhackt, um daraus Feuer zu machen.”
Worauf ich spontan sage: “Es kann nicht sein, dass jemand hingeht und altehrwürdige Bäume abhackt, um damit Wege zu verbarrikadieren!”
Womit wir wieder mal beim Grundproblem dieses Nationalparks wären: es wird mit zweierlei Maß gemessen, dieselbe Tat ist, je nachdem, wer sie gerade ausführt, gut oder böse. Beispiele?
- Bäume fürs Feuern abhacken – böse
- Bäume zum Wegeverhau abhacken – gut.
- Zu Fuß auf kleinen Pfaden – böse.
- Harvester und Forwarder (100 mal schwerer und 50 mal lauter) auf denselben Pfaden – gut.
- Wild geparktes Privatauto – böse.
- Fetter Nationalpark – Pickup auf schmalen Waldwegen – gut.
Und so weiter. Auch hier empfehle ich also ganz simpel: einfach mal drüber nachdenken.
Und es hat “Rumms” gemacht
Na also, so schwer war es doch nicht. In den Schwedenlöchern ist der wackelige Fels, der seit Anfang dieser Saison für eine Sperrung des beliebten Weges gesorgt hat, kontrolliert heruntergeholt worden. Derzeit liegt noch jede Menge Geröll dort, das soll jetzt aber zügig weggeräumt werden, damit der Weg endlich wieder frei gegeben werden kann.
Knall, das war mal eine Nummer.
(Foto: Nationalparkverwaltung, Hanspeter Mayr)
Ganz ehrlich: von mir aus kann das Geröll auch liegenbleiben, da wird der Weg interessanter. Da aber die Schwedenlöcher seit jeher ein beliebter Weg auch und vor allem bei Tagesausflüglern sind, die nicht unbedingt als sonderlich trittfest gelten, sei hier mal nicht gemäkelt. Es passt schon, diesen Hauptwanderweg wieder turnschuhtauglich zu machen. Ende September, so verspricht die NPV, soll er wieder geöffnet werden.
Dennoch: es ist in Deutschland nicht wirklich einfach, ganz simpel einen Wanderweg zu erhalten. Dazu zitiere ich hier aus der Pressemitteilung der NPV: “Im
Genehmigungsverfahren bei der Landesdirektion Sachsen waren
Stellungnahmen einzuholen, Fristen einzuhalten und Artenschutzaspekte
zu beachten. Ebenso waren die vorgeschriebene Fristen für die
Ausschreibungen der Sanierungsarbeiten zu berücksichtigen.” Und das führt dann eben dazu, dass ein einfacher Wanderweg eine Saison lang gesperrt bleibt. Vor allem merkwürdig, wenn man im Kontrast dazu sieht, das schwere Forstmaschinen scheinbar ohne jede Kontrolle, ohne Stellungnahmen und ohne Beachtung irgendwelcher Artenschutzaspekte, in den besonders geschützten Bereichen des Nationalparks wüten dürfen. Komisches Land.