Wegegedanken: Gratweg Thorwalder Wände

DSCN9380Hier geht es um einen  uralten Weg. Einen wirklich uralten, denn schon 1812 wurde er in Götzingers Wanderführer beschrieben, und wärmstens empfohlen: der Gratweg über die Thorwalder Wände. Und dieser Weg gehörte (und, man glaube mir: gehört noch heute) zu den spannendsten in der Sächsischen Schweiz. Weniger wegen seiner Aussichten, da gibt es nur eine richtige, aber wegen seines Ausbaus: über dutzende hölzerne Treppen, Leitern, Spreizhölzer und Stiegen zog er einst in ständigem Hoch und Runter über den Grat der Thorwalder Wände. Nun, dieser Weg ist Geschichte.  Schon 1981 wurde er gesperrt, alle Einbauten entfernt. Aber, und das ist das Gute an der Bauweise unserer Ahnen: alle diese Einbauten waren im Fels verankert oder direkt aus diesem ausgeschlegelt. Und so gibt es auch heute noch mehr als genug Tritte und Griffe, die ein Vorankommen ermöglichen. Also los, sehen wir ihn uns mal an.

1. Eben ein besonderer Weg

Weshalb ihn auch nicht jeder gehen sollte. Ein Mindestmaß an Trittsicherheit ist auf jeden Fall erforderlich. Ein ganz klein wenig klettern sollte man auch können. Wirklich nicht schwer, aber eben deutlich anspruchsvoller als ein Sonntagsspaziergang rund um den Kirchteich. Und auch um die Kondition sollte es einigermaßen vernünftig bestellt sein. Denn vor allem die Zugänge zum Weg, so wie ich sie beschreibe, verlangen Einiges an Puste. Aber auch der Weg selbst stellt mit seinem ständigem Auf und Ab eine kleine Herausforderung dar. Bitte nicht Bange machen lassen: wirklich schwer oder gar gefährlich ist das alles nicht. Wer aber eher auf die gemächliche Art der Fortbewegung Wert legt, wer nur selten in Bewegung ist, oder wer schon beim Aufstieg in den zweiten Stock ins Schwitzen kommt, der sollte diesen Weg meiden. Für alle anderen:

2. Wie kommt man hin?

Indem man im Großen Zschand nach dem Zeughaus noch weiter geht. Links erheben sich alsbald die Thorwalder Wände. Ich will hier nur den schönsten Teil des Gratweges beschreiben, und den erreicht man am besten über die “Erlenschlüchte”. Markiert ist die nicht, deshalb hier eine kleine Skizze.

Namenlos

Zur Erklärung: gelb ist der Hauptwanderweg durch den Großen Zschand, weiß sind die markierten Nebenwege eingezeichnet. Alle anderen Wege und Pfade sind unmarkiert, so dass die Orientierung etwas knifflig werden könnte. Am besten, man stattet sich mit Rolf Böhms Wanderkarte “Großer Zschand” aus, da ist alles eingetragen. Außer dem Gratweg selbst, aber da gibt es einen Trick. Der wird hier aber nicht ausgeplaudert, wer ihn wissen will, der sende mir eine Nachricht. Aber auch die verschiedenen Karten, die auf “Open Street Map” basieren, sind hier eine große Hilfe. Übrigens empfiehlt sich die Begehung des Weges tatsächlich eher in der hier beschriebenen Richtung, da man dann die “kribbeligen” Stellen (siehe weiter unten) im Aufstieg bewältigen kann, was erfahrungsgemäß deutlich leichter ist.

3. Also los, hoch!

Na klar, wir betreten die Erlenschlüchte. Ein einsamer Pfad, der sich anfangs recht gemächlich, zum Ende aber immer steiler werdend nach oben zieht. Eigentlich ist schon diese Schlucht einen eigenen Besuch wert: mächtige Sandsteinwände links und rechts, selbst im Hochsommer kühle Luft, sattes Grün am Wegesrand. Man kommt ins Schwitzen, fühlt sich aber trotzdem gut. Wir landen nach einigem Schnaufen auf dem markierten Weg unterhalb der Thorwalder Wände, gehen aber schnöde geradeaus weiter, immer noch schön steil bis zum Gipfelgrat.

DSCN9371 Steil nach oben durch die Erlenschlüchte.

4. Oben angekommen

Jetzt können wir erst mal ausschnaufen. Direkt am Ausstieg befindet sich eine herrliche Aussicht. Es wird die einzige solche auf dieser Tour bleiben, also genießen! Den Gratweg, hier mehr ein Pfad, sehen wir schon direkt am Ausstieg, wir folgen ihm jetzt leicht nach rechts.

DSCN9374 Schroffe Felsen, weite Aussicht.

5. Auf dem Gratweg

Verlaufen kann man sich jetzt nicht mehr: es gibt nur diesen einen Pfad, und der ist wirklich eine Pracht: mal hoch, mal runter, über uralte Treppen, durch enge Felsspalten. Immer wieder fallen dabei die Reste alter Einbauten auf, vor allen als Lager für Spreizhölzer, die in den Felsen geschlegelt wurden. Hin und wieder können uns diese Lager auch als willkommene “Treppenstufen” dienen.

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Mal sanft, mal knackig: hier gibt es Abwechslung.

Dabei sind auch zwei etwas “kribbelige” Stellen zu überwinden. Zum ersten eine Felsspalte, in der es grimmig steil hoch geht. Und zum zweiten eine Treppe im Fels, die aber derart steil ist, dass man sie kaum noch als “Treppe” bezeichnen kann. In beiden Fällen helfen hier aber wirklich die alten Spreizholzlager: die kann man wunderbar als Handgriffe benutzen, und sich so hochziehen. Beide Stellen sehen anfangs viel schwerer aus, als sie tatsächlich sind. Als ich zum ersten Mal vor der steilen Treppe stand, da dachte ich nur: “Ach du Scheiße”. Und als ich dann oben war, musste ich feststellen: “Alles halb so wild”.

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Auf dem Bild nur schwer zu erkennen: hier ist es wirklich steil.

Noch eine kleine Tücke gibt es, vor allem für Leute mit eher voluminösem Körperbau: es geht durch eine wirklich enge Spalte. Am besten, den Rucksack abnehmen und sich durchquetschen. Ist die Spalte überwunden, dann stehen wir auf dem markiertem Wanderweg zwischen Hickelschlüchte und Stimmersdorfer Weg (der einzigen noch erlaubten Überquerung der Thorwalder Wände), und haben den Großteil des Gratweges geschafft. Wer jetzt schon genug hat, der steigt nach rechts zur Hickelhöhle und weiter in den Großen Zschand ab.

DSCN9391 Nochmal eine schmale Spalte.

Wer noch kann, der geht auf der anderen Seite weiter. Es geht wieder kräftig hoch und runter, und direkt an der Grenze zu Tschechien ist der Gratweg dann zu Ende. Nach rechts geht es jetzt in den Zeichengrund, der als Abstieg dienen kann. Interessant: direkt am Beginn des Abstieges sehen wir einen alten Stromleitungs-Isolator an einem Baum. Hier hat wohl einst ein Grenzposten gestanden.

DSCN9401 Alter Isolator.

Schließlich landen wir wieder im Großen Zschand, kurz vor der tschechischen Grenze, und treten den Rückweg an.

6. Sollte ich den Weg begehen?

Nein, bloß nicht, auf keinen Fall. Denn er ist seit mehr als 30 Jahren offiziell gesperrt. Obwohl er bis vor wenigen Jahren noch als Ausgangspunkt für Treibjagden – sorry, heute sagt man euphemistisch: Drückjagden – diente, hat der Wandersmann hier aus “Naturschutzgründen” nichts zu suchen. Sagt zumindest die Nationalparkverwaltung. Wer dennoch hier oben erwischt wird, der zahlt ein Bußgeld.

7. Wir der Weg mal wieder frei begehbar sein?

Definitiv: Nein. Selbst wenn es wohlmeinende  Stimmen dazu in der Nationalparkverwaltung gäbe, hätten die auch ganz objektiv keine Chance:

  1. Der Weg ist schon so lange gesperrt, dass eine Öffnung wohl einer “Neuanlage” gleich käme. Und neue Wege dürfen in der Kernzone des Nationalparks nicht angelegt werden.
  2. Selbst wenn dieses Argument nicht greifen würde, so kämen zügig die Bürokraten daher und würden fordern, der “Wegesicherungspflicht” zu genügen und den Weg nach neuzeitlichen DIN-Standards auszubauen. All die alten Steiganlagen würden dann mit massivem Stahl überbaut, was dem Weg seinen einzigartigen Charakter nehmen würde.
  3. Ein solcherart ausgebauter Weg würde dann zusätzliche “Erlebnistouristen” anlocken, aber jetzt schon ist beispielsweise die Situation am nächstgelegenen Parkplatz “Neumannmühle” an Wochenenden derart chaotisch, dass zusätzliche Besucher hier nicht wirklich erwünscht sind.

8. Das klingt nicht gut.

Aber auch nicht hoffnungslos. Auch nach drei Jahrzehnten Sperrung ist der Weg noch da, und er ist gut begehbar. Er ist kein Spaziergang, und deshalb für den Massentourismus untauglich. Er sollte so bleiben, wie er ist. Von Kontrollen hier oben habe ich seit Jahren nichts gehört. Es scheint also, als ob die wenigen “hartgesottenen” Wanderer stillschweigend toleriert würden. (Was keinen Freipass darstellt: wer erwischt wird, muss blechen!) Aber ich halte es hier mit der der Aussage eines Nationalparkmitarbeiters, dessen Namen ich hier besser nicht nenne, der mir auf die entsprechende Frage schon vor Jahren sagte: “Wir werden diesen Weg nie wieder öffnen. Aber wenn ihr ihn unbedingt gehen wollt, dann macht es doch”. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Nachtrag, 9.9.2013:

Ich habe noch mal meinen Götzinger rausgeholt und nachgelesen, was der Erfinder des Sandsteinwanderns über diesen Weg schreibt. Er gerät ins Schwärmen:

“….Denn bald führt er hart an einer ungeheuern Wand nahe am Rande grausender Tiefen fort, bald muß man sich durch enge Spalte drängen, bald die Hände zu Hülfe nehmen, um auf gewisse Höhen zu klimmen. Jedoch kann derjenige, welcher weder furchtsam noch schwindlich ist, ihn ohne Bedenken betreten. Denn es ist der gewöhnlich Weg der Holzmacher und Breuselbeerweiber. Hat man auf diesem Weg die Höhe der Thorwalder Wände erreicht, so sieht man sich mit Erstaunen mitten in eine Welt der prächtigsten Felsenwände versetzt, welche von den Gipfeln der höchsten Berge stolz heraussteigen, und in langen kaum übersehbaren Reihen einen langen Halbzirkel bilden, der durchaus keine Beschreibung zuläßt. Es ist ein Anblick zum Erschüttern, die Natur in dieser wilden Schönheit kennen zu lernen, und doch kann man sich nicht an ihr satt sehen. …..”

Dem ist nun wirklich nichts mehr hinzuzufügen.

12 Gedanken zu „Wegegedanken: Gratweg Thorwalder Wände

  1. Dieser Weg wäre schon sehr reizvoll. Schade nur, dass es nur eine Aussicht gibt. War das zu früheren Zeiten wohl anders? Hoffentlich kommt jetzt die Nationalparkverwaltung nicht auf die Idee, hier verstärkt zu kontrollieren. Mit wie viel Bußgeld muss man rechnen, wenn man erwischt wird? Kann es außer Bußgeld weitere Konsequenzen geben? Ich finde es sehr schade, dass alte, historische Wege (auch der zum Prebischtor) gesperrt sind.
    LG
    Andreas

    1. Ob es da früher mehr Aussichten gab, weiß ich leider nicht. Götzinger hatte wohl mehr Sicht, zumindest lässt seine Beschreibung diesen Schluss zu. Was die Bußgelder betrifft: es ist happig. Normal sind 75 Euro, dazu kommen dann noch „Bearbeitungskosten“, da ist man schnell mit einem Hunderter dabei.

  2. Der Gratweg beginnt schon am Reitsteig kurz hinter der Kreuzung mit dem Großen Hochhübelweg zwischen Kleiner Hochhübelweg und Große Röhrkieferschlüchte.
    Gleich im Anfangsbereich des Gratweges gibt es eine fiese Spalte. Die ist nur mit einer erweiterten Klettereinlage zu meistern.
    Alternativ kann man den nördlichen Teil der Weißtannenschlüchte für den Aufstieg zum Gratweg nutzen. Ein Blick zurück in die umgangene Spalte nicht vergessen!
    Der Teil des Gratweges bis zur Kreuzung mit den Erlenschlüchten ist anstrengend aber technisch einfach. Und es gibt hier schöne Aussichten!

  3. Die Spalte, die du beschreibst ist wirklich fies … da bin ich bis dato nur einmal durch und sah danach auch entsprechend aus. Aber das mit den Aussichten stimmt. Der Aufstieg an den Weißtannenschlüchten ist wirklich recht einfach und für eine Gesamtbegehung ohne die Einstiegsspalte wirklich zu empfehlen.

    Aber ums mal kurz zu fassen. Der Gratweg ist einfach nur traumhaft – ein stilles Idyll, das wohl nie ganz in Vergessenheit geraten wird. Gut so!

  4. Es ist doch unglaublich, wie man mit Hilfe des Internets alles zur Sau machen kann. Wenn dies doch nur rückgängig gemacht werden könnte… Aber das Internet vergißt nie! Schlimmer als hier kann man der Vernichtung der Natur und den Rangern nicht in die Hände spielen. Diejenigen, die Achtung vor unserer herrlichen Sächsischen Schweiz haben, genießen und schweigen. Denn schon Götzinger wurde zitiert:
    …der durchaus keine Beschreibung zuläßt…

    1. Ich hätte früher den „Einstein“ durchaus Recht gegeben. Ich mag eigentlich auch heute noch nicht Einträge über verbotene Wege und Boofen im Internet. Aber !!!! Viele Nationalparke haben sich leider den Waldbaumethoden der deutschen Holzmafia angeschlossen ( anders kann man es nicht mehr bezeichnen). Ich nenne nur den Einsatz meiner geliebten Harvester. Nun wird in Süddeutschland im Sinne des Naturschutzes sogar schon zum Kahlschlag übergegangen.Dies macht die restliche Akzeptanz für den Naturschutz noch völlig kaputt.Somit spielt der kleine Fuß des Mensches für mich überhaut keine Rolle mehr. P.S. siehe aber auch positive Beiträge unter Förster Wohlleben Es lebe der Raubbau an der Natur nicht nur am Amazonas !
      Ahoi und Berg Heil VOMO

    2. Dem ist nichts hinzuzufügen! Wenn doch mehr Menschen diese Ansichten teilen würden. Die Natur und „geniesende und schweigende“ Bergfreunde würden es danken. Beispiele für Ähnliches gibt es genug. Denken wir doch nur mal an unsere herrlichen Boofen. So wie eine an die Öffentlichkeit gelangte, wurde sie zerstört. Wenn wir so weitermachen, wird es außer Stahlgeländer und -treppen, Beton- und Asphaltwegen und dem Schildermeer in unserer herrlichen Sächsischen Schweiz keine andere Infrastruktur mehr geben.
      Was veranlaßt die Leute nur, solche Informationen ins Netz zu stellen. Ist es die Selbstdarstellungswut oder nur einfach der gedankenlose Umgang mit dem sogenannten Fortschritt. Sie sollten mal Rosendorfers „Briefe in die chinesische Vergangenheit“ lesen, einen besseren Spiegel kann man ihnen nicht vors Gesicht halten!

      1. der „rückbau“ der boofen anfang der 90er jahre geschah doch aber unabhängig vom verbreitungsgrad des wissens darüber. schade war es allemal. das boofen hat sich aber doch auch sehr geändert. man kann durchaus noch alle bekannten oder auch neue stellen beboofen, ruhig verhalten, still und leisse rein und wieder raus. die wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden ist tatsächlich sehr gering. ein feuer muss nicht sein, keinen müll da lassen und nix kaputt machen und alles ist cool.
        die befürchtung, dass sich nun, wo über den gradweg geschrieben wird, die höllentore öffnen und millionen von wanderteufeln über den pfad herfallen ist übertrieben. wen es wirklich interessiert war schon da. der gradweg zählt schon zu einer sehr spezifischen sorte von naturerlebnis welches nicht unbedingt massentauglich ist.

  5. Die ganze derzeitige Nationalparkkonzeption gehört doch in die Tonne. Wegegebot: ja, auch Ruhe sollte man im Walde bewahren können, sollte auch selbstverständlich sein, aber man fördert einerseits durch den Nationalpark in einem fort den Massenansturm und drängt alle auf Wanderautobahnen und dann wurden andererseits uralte Wege gesperrt. Dann muss man sich nicht wundern, dass man sich dieser Wege doch erinnert und eben auch mal so was im Weltnetz steht. Außerdem gibt es ja schon die bekannten Stiegenbücher. Hier es fehlt auch sehr an Transparenz, ob denn die Gründe für die Sperrung noch vorliegen. Das ist aber typisch für eine Verwaltung, erstmal irgendwelche Maßnahmen anleiern, aber eine Erfolgskontrolle und daraus abgeleitet Handlungsempfehlungen für die Zukunft scheint es nicht zu geben. Man muss ja nicht gleich alle gesperrten Wege wieder öffnen, aber für einige sinnvolle könnte es doch nach Voranmeldung kleine Gruppen geben, die die Ranger gegen Bezahlung führen könnten und da auch den Naturschutz gleich mit sicherstellen könnten, aber bitte keine grünen Verbotsfetischisten, die eben verbieten und sperren um des Verbietens willen, oder eine befristete Sperrung, z. B. in der Brutsaison usw. Z. B. den Fremdenweg Ri. Prebischtor, den Großen Zschand (wo eh alle langlatschen und ich schon paarmal von Wanderern erstmal für einen Ranger gehalten wurde – was ein schöner Hut doch bewirken kann…), den Stimmersdorfer Weg… Der Obere Fremdenweg ist ja auch wieder offen. Oder der Weg durch Försters Loch, den wieder zu öffnen und stattdessen den Heringsgrund „opfern“? Mal was anderes, was passiert eigentlich, wenn man die Personalien zur Erfassung der OWi nicht an den Ranger rausrückt (ja der macht auch seinen Job)?
    Auf dem Gratweg soll es früher mehr Aussichten gegeben haben, da es auch in der Hinteren Sächsischen Schweiz eine intensive Nutzung gab (Kulturlandschaft) und so die Bäume gar nicht so aufkamen. Wegen der Erosion wurde dann verstärkt aufgeforstet und die Aussichten verstanden. Wer die Fotos von Hermann Krone kennt, sieht wie wenig Wald es rund um die Felsen früher gab.

  6. im thorwald

    der hinterhalt am zeugehaus
    ist reich bestückt mit försters mannen.
    ich schleich vorbei manch‘ finst’re nacht
    im schutz der grossen tannen.

    die stiege auf die thorwaldwand-
    vom wanderplan schon lang verbannt-
    sie zieht mich an wie die sirene,
    der forstbeamte krischt migräne
    wenn er denkt auch nur dara,
    den illegalen wandersmann.

    mit sich’rem schritt in festem schuh
    streb‘ ich auf den gratweg zu.
    den parkverwalter hör‘ ich keifen
    angesichts der frevelei.
    vischelant, das sind’se ja,
    nur ist’s mir meistens einerlei.

    er droht mit strafe, gar verbannung,
    doch so weit wird es nicht kommen,
    schnell hab ich den fels erklommen,
    flux entfleuch ich in die nacht,
    ’nauf auf meine bergenwacht.

    die baude ist schon lange fort,
    geblieben ist der mag’sche ort,
    mein blick von hier streift in die ferne,
    über’m tal – so viele sterne.
    ich werd‘ verweilen manche nacht,
    den schlafsack hab ich mitgebracht,
    ’ne plane auch und was zu essen,
    ein schöner oert – schon fast vergessen.

    am letzten tag
    im grossen zschand
    am wegesrand
    der förster stand.
    sanfte stimme – wortgeschick,
    aus der schlinge – mein genick,
    ziehe ich trotz schlimmer tat,
    fahre fort auf meinem pfad,
    abseits der legalen spur
    such’ch die ruhe der natur.

    k.p. #invisible youth

    ps.: dem aufmerksamen wanderer sind diese zeilen schon in einem gästebuch begegnet.

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