Schönfelder Hochland–das Dilemma um den Keppgrund

Es war ein Wetter heute, wie zum Helden zeugen. Und ich hatte mich mit einer lieben Freundin verabredet, um im Schönfelder Hochland die Baumblüte zu bewundern. Nun, das haben wir auch getan. Aber darüber hinaus haben wir uns auch geärgert. Über eine Verwaltung, der irgendwie alles scheißegeal zu sein scheint. Die sich erst mal absichert, und dann gar nichts unternimmt. Konkret: es geht um den wunderschönen Keppgrund bei Pillnitz, der nun schon seit drei Jahren gesperrt ist.

DSCN0031 Sperrschild am Eingang zum Keppgrund

Was war passiert? Eigentlich gar nichts. Die Treppe, welche aus dem Grund hoch zur Keppmühle führt, ist ein wenig bröselig. Nicht wirklich schlimm, aber eben nicht mehr der DIN-Norm entsprechend. Und was tat, vor nunmehr drei Jahren, die Dresdner Stadtverwaltung? Genau, sie sperrte den ganzen Weg. Und was tat sie seitdem? Genau, sie tat konsequent nichts. Oh, da rollen sich gerade beim Schreiben meine Fußnägel auf, deshalb erst mal ein paar Bilder:

DSCN0032 Im Keppgrund

DSCN0034 Die Keppmühle mit der beanstandeten Treppe

DSCN0035 Die bröselige Stelle an der Treppe

DSCN0036 Viel Initiative für ein Schild, keine für eine Lösung des Problems

DSCN0037 Auch von oben:  gesperrt

An dieser Stelle zeigt sich einfach mal wieder, wie deutsche Verwaltungen so ticken. Als da wäre:

  1. Es gibt ein Problem. Die Treppe entspricht nicht mehr den Vorgaben, die irgendeine EU irgendwo in Brüssel aufgestellt hat. Sie ist also nicht mehr sicher. Wobei ich hier bemerken möchte: mich hat sie locker getragen.
  2. Wir, also die Verwaltung, könnten ja, wenn denn so ein frühpensionierter Studienrat mit Rechtsschutzversicherung auf dieser Treppe strauchelt, verklagt werden.
  3. Oh Schreck, was tun? Am besten, wir sperren den ganzen Weg.
  4. Und dann? Sanieren wir die Treppe? Vergiss es, wir sind ja rein rechtlich jetzt aus dem Schneider. Was aus dem Weg wird, geht uns nichts mehr an.

Das Blöde dabei ist nur, das auf diese Weise einer der schönsten Wanderwege nahe Dresden einfach mal so gestrichen wurde. Und das dieser missliche Zustand in der Verwaltung keine Sau zu interessieren scheint. Warum auch. Wir haben gesperrt, verklagen kann uns keiner mehr, der Rest ist Wurst. Oh Weh, Herr, lass es Hirn regnen und befreie uns von diesen Luschen.

Nicht wirklich besser sieht es übrigens auf dem Borsberg, nur ein paar Kilometer entfernt, aus. Dort steht, noch, eine künstliche Grotte, die einst in der Zeit der Romantiker angelegt wurde. Vor Zeiten stand auf dieser Grotte sogar noch eine hölzerne Aussichtsplattform. Der Lauf der Dinge hier:

  1. Die Plattform vergammelte und wurde, nein, nicht saniert, sondern abgebrochen.
  2. Die Grotte vergammelte, und wurde, nein, nicht saniert, sondern gesperrt.

Denn so ein Sack Verbotsschilder ist immer noch preiswerter, als sich mal um sein Eigentum zu kümmern.

Ein paar Fotos:

DSCN0043 Absperrband scheint preiswert zu sein

DSCN0044DSCN0045 In der Grotte

Ich habe keine Ahnung, wer rechtlich für die Grotte verantwortlich ist, aber er ist auf jeden Fall ein Drückeberger, der den Satz “Eigentum verpflichtet” aus dem Grundgesetzt nicht begreifen will. Im Falle des Keppgrundes habe ich aber durchaus eine Ahnung, nein, gar eine Gewissheit: hier hat die Dresdner Stadtverwaltung den Hut auf, und sie macht hier eine jämmerliche Figur. Aber Anderes hatte ich an dieser Stelle auch nicht erwartet.

4 Gedanken zu „Schönfelder Hochland–das Dilemma um den Keppgrund

  1. Naja, der Standort der Absperrungen und die deutlichen Trittspuren sind schon ein deutliches Zeichen der (Nicht)Akzeptanz durch den gemeinen Wanderer und auch des halbherzigen Willens der Beschilderer.
    Ich vermute mal, die Treppe gehört zur Keppmühle, d.h. der Eigentümer ist im Schadensfall der Dumme gemäß irgendeiner EU-Verordnung. Ich an seiner Stelle würde den Zustieg da wesentlich deutlicher abriegeln.
    Nebenbei gesagt…ich fand den Abschnitt im unteren Teil des Keppgrundes, wo das Geländer so langsam in den Bach kippt, wesentlich gefährlicher – hatte ich doch ein paar Kinder dabei, welche den Ausspülungen auf dem Weg nicht die entsprechende Beachtung zukommen ließen….

  2. Ich war heute im Keppgrund und war so fasziniert, dass ich hätte heulen mögen. So ein phantastisches Stück Erde… und oben dann diese Mühle. Ich war echt umgehauen. hab das Schild nat. ignoriert…ach du meine Fresse…“entspricht nicht der Euro Norm“ – die Treppe… unfassbar diese Weichei-Ära. Wer braucht angesichts drängenderer Probleme eine Euronorm für so etwas??
    Übrigens bemerke ich diese Ignoranz geschichtsträchtiger Stellen des Elbtales auch an anderen Beispielen und frage mich, was das soll…

    1. Heulen könnten die Hosterwitzer u.Pillnitzer schon jahrelang über das Elend
      Keppmühle ,leider haben die Keppmühle einfach die falschen Leute gekauft ,die keinerlei Bezug zur Keppmühle haben .So vergammelt u.verrottet dieses Kleinod immer mehr ,da blutet einem das Herz u.zur Krönung sperrt die Stadt noch den herrlichen Wanderweg .Den jungen Leuten kann man nur von den herrlichen Stunden in der Gaststube mit Klavier u,der romantischen Außenanlage erzählen ,dem Heimweg durch den Grund mit Einweckglas u.Kerze drinn ,das erste Klassentreffen 1974 u.s.w.man könnte noch unendlich mehr schreiben ,aber ich muß erst mal heulen, wenn ich an das Keppmühlenelend denke .Vieleicht hat noch jemand schöne Erinnerungen an die Keppmühlzeiten.

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