Wegegedanken: Jansloch

Eigentlich müsste dieser Pfad durch ein stilles, immer ein wenig düsteres und wirklich wunderbares Tal richtigerweise “Jans Loch” heißen. Denn hier hatte der Karl Stülpner der Sächsischen Schweiz, ein Wilddieb namens Carl Gottlieb Diettrich (1825 – ?) sein Versteck. Es gibt noch heute weitere Geländebezeichnungen, die an seinen Spitznamen “Jans” erinnern: den Janslochweg oder Jans Fang. Und an seinem Geburtshaus in Hinterhermsdorf (an der Beize) erinnert heute auch eine Tafel an den Wilderer. Schauen wir also mal auf einen wirklich romantischen Pfad, der seinesgleichen sucht.

DSCN9848 Im Jansloch

1. Wie hinkommen?

Sinnigerweise sollte man in Hinterhermsdorf an der Buchenparkhalle starten. Von dort geht es zur Bootsstation an der Oberen Schleuse, und dann weiter dem Blauen Strich nach. Dieser sehr schöne Wanderweg zieht sich jetzt immer oberhalb der Kirnitzsch entlang. Auch an der unteren Anlegestelle der Boote und an der Staumauer geht es vorbei und weiter einen runden Kilometer dem Blauen Strich nach.

Lochkarte

Urplötzlich macht der Weg dann einen scharfen Knick nach links und führt durch die Wolfsschlucht runter auf das Niveau der Kirnitzsch – was übrigens auch ein sehr empfehlenswerter Weg ist, mit zahlreichen Treppenstufen und einer kleinen Höhle, die durchquert werden muss. Für jene hat sich die Bezeichnung “Bärenhöhle” eingebürgert, obwohl die eigentliche Bärenhöhle an anderer Stelle liegt – aber dazu später. Genau an der Abzweigung in die Wolfsschlucht steht ein Geländer, welches wir mit kühnem Schwunge übersteigen – dahinter ist der weitere Pfad deutlich sichtbar.

Jansloch6390 Hier drüber steigen und weiter geradeaus

2. Pfad zum Jansloch

Nein, wir sind hier noch nicht im eigentlichen Jansloch, sondern auf einem Pfad dahin. Schon nach wenigen Metern erspähen wir, der Pfad macht hier eine scharfe Kehre nach links, zur Rechten alte und ziemlich wackelige Treppenstufen. Die nutzen wir aber nicht, auch wenn es verführerisch aussieht.

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Wackelige Angelegenheit – hier nicht hoch, sondern nach links weiter

Und schon naht der erste Höhepunkt des Weges: es geht durch eine kleine namenlose Höhle hindurch.

Jansloch6393 Hier durch

Gleich hinter der Höhle sollten wir mal ein Auge auf die rechte Felswand riskieren: dort finden wir einen schmalen und sausteilen Felsspalt, der deutlich die Spuren von Balkenlagern zeigt: der Aufstieg zur “echten” Bärenhöhle.

3. Exkurs: Bärenhöhle

Wann und durch wen dieser Zustieg gebaut wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar. Aber ganz sicher ist der Zugang schon seit Ewigkeiten vergessen, die einst hier eingebauten Spreizhölzer sind längst vermodert. Und ohne diese wird der Aufstieg hier zu einer, durchaus gefährlichen, Schinderei. Der Felsspalt ist wirklich sehr steil und voller Laub. Obendrein gibt es auf halber Höhe noch einen rund eineinhalb Meter hohen völlig senkrechten Absatz. Es sei also niemandem empfohlen, diesen Weg zu benutzen. Allerdings gibt es noch eine andere Möglichkeit, in die Höhle zu gelangen. Die wird hier aber nicht verraten. Nur ein kleiner Tipp zum Nachdenken: auf sehr alten Karten findet man den Weg durch die Bärenhöhle als Rundweg eingezeichnet. Na, dämmert es?

DSCN9835DSCN9841 Bärenhöhle mit Beschriftung

4. Im Jansloch

Der Pfad schlängelt sich jetzt noch wenig dahin, um schließlich in eine immer etwas düstere, dafür aber wunderschöne Schlucht abzusteigen: in das eigentliche Jansloch. Hier geht es auch gleich durch ein kleines Felsentor hindurch, es sind sogar noch Reste alter Holztreppen vorhanden. Da diese aber recht schmierig sind, kann man auch einfach darum herum laufen. Und gleich darauf folgt noch ein “richtiges” Felsentor, das man genussvoll passieren kann. Natürlich liegen hier auch immer wieder umgestürzte Bäume im Weg, über die man hinwegturnen muss. Aber von einem Sonntagsspaziergang war ja auch nicht die Rede.

DSCN9846DSCN9847DSCN9849DSCN9850 Im Jansloch

5. Abstieg

Am Ende der Schlucht angekommen, wendet sich der Pfad nach rechts. Jetzt kommt eine Stelle, an der diejenigen unter uns, denen es schnell mal blümerant wird, Probleme bekommen könnten: es geht hart an der Felskante entlang, und ein kurzer Übertritt über eine Spalte in gebückter Haltung ist gefragt. In den seligen Zeiten, als das Jansloch noch ein Wanderweg war, hatte man diese Stelle mit einem Geländer gesichert.

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Die enge Stelle einst mit Geländer   (Foto: Dietmar Schubert, www.webergrotte.de)

Natürlich hatte die Verwaltung des Nationalparks gleich nach dessen Gründung nichts Besseres zu tun, als dieses Geländer abzusägen, so dass man heute ein wenig hart an der Kante entlang laufen muss. Ist aber nicht wirklich schlimm. Nur, wer extreme Höhenangst hat, sollte diese Stelle meiden. (Und da man diese Stelle nicht umgehen kann: derjenige sollte dann das ganze Jansloch meiden.)

DSCN9853 Zustand heute: Geländer weg

Schließlich führt der Pfad im Zickzack herunter auf die Höhe der Kirnitzsch und damit zurück auf den blau markierten Wanderweg. Auf den letzten Metern des Abstiegs kann man dabei nochmal alte Treppenstufen bewundern.

6. Orientierung von unten

Wollen Sie den Weg in umgekehrter Richtung begehen, dann heißt es aufpassen. Denn am Zugang von unten ist man schnell vorbeigelaufen. Zwei Dinge sollten hier die Orientierung erleichtern: ein großer, auffälliger, abgestorbener Baum, und der Grenzstein mit der Nummer 27/2. Genau da beginnt der Aufstieg.

DSCN9824 Orientierung von unten

7. Erlaubter Weg?

Nein, kein erlaubter Weg. Er befindet sich in der Kernzone des Nationalparks und ist nicht markiert – also verboten. Wer ihn benutzt und erwischt wird, der muss blechen. Unverständlich, dass ein derart schöner und obendrein mit historischen Geschichten belegter Weg gesperrt wurde. Fragt man nach, warum das so sei, so erhält man sinngemäß zur Antwort: der Weg wird nicht gebraucht, weil es ja parallel dazu den Weg durch die Wolfsschlucht gibt. Nun, so will ich antworten: “wird gebraucht” ist keine Kategorie, nach der ich Wanderwege einstufe. Denn der Weg ist hier das Ziel. Es geht nicht darum, schnöde von A nach B  zu kommen, sondern es geht darum, auf abwechslungsreichen und vielfältigen Wegen die Natur quasi einzuatmen. Und so hat die Wolfsschlucht – durchaus ein schöner Weg – einen ganz anderen Charakter als das Jansloch. Zwei völlig verschiedene Naturerlebnisse, dicht beieinander. Aber mir ist nicht Bange: der Pfad macht durchweg einen gut begangenen Eindruck, hier laufen außer mir noch zahlreiche andere Wanderfreunde lang, die sich nicht von Bürokraten aus der Natur “herausschützen” lassen wollen. Und das ist gut so.

 Wilde Romantik

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3 Gedanken zu „Wegegedanken: Jansloch

  1. Das Metall-Geländer am Janslochsteig wurde meines Erachtens erst vor relativ kurzer Zeit entfernt – lange nach 1990. Dafür ist das Holzgeländer am Abzweig ganz neu – das kannte ich noch gar nicht. Aber das Jansloch ist immer ein empfehlenswerter Weg!

  2. Sind das aktuelle Bilder wahr selber erst ende Oktober dort, auf dem Weg zum Jansloch wo es rechts die alten wackeligen Teppenstufen sind ist eine Holzleiter als Hilfsmittel gewesen machte einen Guten Eindruck.
    Prima Weg – halt Natur Pur 🙂

    1. Ja, die Bilder sind aktuell. Die Leiter hab ich bewusst raus gelassen, dort geht es ja zum Raubschützenturm, der in dieser Geschichte keine Rolle spielt.

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