Was Zeus erlaubt ist….

….ist dem Esel noch lange nicht erlaubt. Das gilt wohl auch für Fotografen, so deren Tätigkeit der Nationalparkverwaltung genehm ist.

Beispiel eins:

Die “Sächsische Zeitung” berichtet unter diesem Link über einen Geocache, der auf der großen Fichte im Kirnitzschtal versteckt war. Eine dumme Tat, ganz ohne Zweifel, die sowohl den Baum als auch potentielle Schatzsucher gefährdet. Interessant aber die beiden Fotos dazu: die entstanden vom anderen Ufer der Kirnitzsch aus. Da ist tschechische Kernzone, und dort gibt es auch keinerlei Wege. Weder historische, gesperrte noch aktuelle, erlaubte. Gar keine, nur Landschaft. Nach tschechischen (und auch deutschen) Nationalparkregeln hat da niemand zu stehen. Oder doch?

Beispiel zwei:

Der “Tourismusverband Sächsische Schweiz” gibt jährlich eine Hochglanzbroschüre mit Tipps rund um die Region heraus. In der aktuellen Ausgabe findet sich auf den Seiten 12 und 13 ein Artikel über das naturschützende Wirken der Nationalparkverwaltung. Seite 13 ist hier abgebildet:

Layout 1 

Das große Foto ist eindeutig in der Kirnitzschklamm entstanden, und zwar an der Stelle, an der bis 1945 die Schönlinder Brücke stand. Heute ist hier Kernzone und der Standort damit tabu. Der Pfad, der hierher führt, wird sogar regelmäßig “verhauen”, und kürzlich hat man sogar einen Hinweispfeil im Fels, der hierher führte, sorgfältig abgeschlägelt. Ein Treppenwitz ist es, dass ausgerechnet mit diesem Bild ein Artikel über die Einhaltung der Nationalparkregeln illustriert wird.

Beispiel drei:

Der Tscheche Zdeněk Patzelt ist ganz ohne Zweifel einer der besten Landschaftsfotografen im Elbsandsteingebirge. Seine Fotos machen einfach richtig Appetit auf die Region. Besonders bekannt ist dieses hier: Link zu Patzelts Homepage.

Sieht wirklich toll aus. Nur: es zeigt das Prebischtor eben von der “falschen” Seite. Der Standort, eine Aussicht am Alten Fremdenweg, darf offiziell nicht betreten werden. Und dieses Foto kann man, als großes Poster, in fast allen Touristeninfos auf böhmischer Seite erwerben.

Was dann irgendwie eine Mogelpackung ist: da wird dem Besucher der Mund wässrig gemacht auf einen Anblick, den er als gesetzestreuer Bürger dann nicht genießen darf.

Oder ist es doch so, dass hier einige gleicher sind als die anderen?

5 Gedanken zu „Was Zeus erlaubt ist….

  1. Auf vielen Bahnhöfen ist das Prebischtor ebenfalls von der „falschen“ Seite auf großen Werbewänden zu sehen und wirbt für die Nationalparkregion Elbsandsteingebirge.

  2. Da fallen mir nur drei Erklärungen ein:
    1. Es handelt sich um eine optische Täuschung.
    2. Die Fotos wurden versehentlich in Photoshop horizontal gespiegelt (siehe Prebischtor).
    3. Die Fotografen haben Kartenmaterial gewissenloser Kartographen (die rücksichtslos alte Wege einzeichnen) verwendet und sind ohne eigene Schuld vom rechten Weg abgekommen.

    Niemals käme mir der Gedanke, die selbsternannten Nationalparkverwalter würden sich absichtlich oder auch nur versehentlich über die selbstgemachten Regeln hinwegsetzen und sich auch nur einen Fuß breit in die besonders schützenswerte Natur der Kernzone hineinwagen.

  3. Glänzend recherchiert.
    Danke Arndt

    Da gibt es ja noch ein tolles Foto von oben auf die Bootsstation „Oberer Schleuse“ von der CZ-Seite aus.
    Habe ich gerade nicht vorliegen, passt aber genau zu diesem Thema.

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