Tanzplan und Wachberg

Diese Tour führt an den Rand der Sächsischen Schweiz, in die Gegend um Sebnitz. Selbst an Großkampftagen ist es hier ruhig. Nur Achtung: nicht zum Deutschen Wandertag Ende Juni hier wandern, da liegt hier das Epizentrum der Vereinsmeierei. Wenn der Spuk dann aber wieder abgezogen ist, kann ich diese Tour nur wärmstens empfehlen.

Eigentlicher Grund für diese Runde war, dass die Wachbergbaude am vergangenen Samstag nach einer Zeit der Schließung ihre Wiedereröffnung angekündigt hatte. Da trieb die Neugier natürlich zusätzlich in den Wald.

DSCN3683 Tolle Aussichten inklusive.

Beginnen wir also in Sebnitz, wo man auf dem Marktplatz am Wochenende kostenlos parken kann. Sehr schön. Wenn man nicht schon am Beginn der Runde gemolken wird, ist das einfach erfreulich. Vom Markt aus erspähen wir, etwas zurückgesetzt, diese Kirche…

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….gehen an der links vorbei und gehen dann unter der Gebäudebrücke des großen Gymnasiums hindurch.

DSCN3650 Seufzerbrücke bei schlechten Zensuren?

Den Wegweiser “Gelber Strich”, der uns Richtung “Tanzplan” führt, haben wir schon entdeckt. Ihm folgen wir jetzt die Bergstraße aufwärts. Selbige ist eng und obendrein steil. Wir grübeln, wie das die Anwohner wohl bei Schnee und Eis machen. Einige Fahrzeuge der Allradmarke “Subaru”, die vor den Häusern stehen, lassen eine Ahnung aufkommen. Schöne Blicke auf Sebnitz gibt es von hier aber schon mal.

DSCN3651 Sebnitz von oben.

Am Ende der Straße angekommen müssen wir kurz ausschnaufen, wir haben schon ordentlich an Höhe gewonnen. Der gelbe Strich führt uns jetzt, vorbei am Verkehrsgarten eines Kindererholungsheimes….

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…auf einen Weg, der am Waldrand verläuft. Jetzt sehr bequem und zur Abwechslung mal ohne Steigung. Dafür verwirrt uns ein Schild am Wegesrand, welches einen Ehrenplatz in meiner Sammlung bekommt:

DSCN3655 ?????????

Krutzitürken, da hab ich doch jetzt im Juni gerade keine Skier dabei. Was tun? Einfach weiterlaufen! Und hoffen, dass kein plötzlicher Wintereinbruch folgt.

Der markierte Weg führt uns weiterhin sehr bequem unter mehreren Skiliften hindurch (Abfahrtsskier habe ich auch keine dabei) zu dieser Schutzhütte.

2016-06-04 10.58.42 Obacht geben!

Hier heißt es, aufpassen. Gefühlt ginge der Weg geradeaus weiter, also auf dem Foto nach leicht links. Das wäre falsch. Nicht ganz so falsch wäre es, vor der Hütte scharf rechts abzubiegen. Dann entginge uns aber ein schöner Pfad, welcher hinter der Hütte (also dort, wohin sich sonst das gemeine Waldschwein mit dem Tempotaschentuch zurückzieht) beginnt. Und siehe, auf diesem Pfad finden wir auch den gelben Strich wieder.

Er führt jetzt wieder recht knackig aufwärts, bis wir an die Grenze nach Tschechien kommen.

2016-06-04 11.07.43 Grenzbefestigungen

Auch auf tschechischem Gebiet bleiben wir dem gelben Strich treu, zusätzlich gibt es auch noch einen schmucken Wegweiser.

DSCN3660 Nach links.

Statt “Tanzplan” ist hier natürlich auf tschechisch “Tanečnice” angeschrieben. Es geht weiter knackig bergauf. Eigentlich, so muss man mal einfügen, ging es seit dem Sebnitzer Marktplatz immer irgendwie bergauf. Aber keine Bange, dafür geht es im zweiten Teil der Runde immer irgendwie bergab.

DSCN3662 Grüne Murmeln am Wegesrand.

Auf den letzten Metern, den Gipfel schon im Auge, wird es dann nochmal richtig steil. Laut schnaufend kommen wir auf dem Plateau an, es erwarten uns ein Wirtshaus und ein Aussichtsturm. Für letzteren muss man einen Eintritt von 15 Kronen (60 Cent) im Wirtshaus berappen, dafür bekommt man dann sogar noch eine Postkarte dazu.

DSCN3666 Der Aussichtsturm.

Rund 130 Stufen geht es hinauf, was sich wirklich lohnt, denn der Blick von hier oben ist in alle Richtungen einsame Spitze.

DSCN3668DSCN3670DSCN3671 Aussichten

Wieder abgestiegen, widmen wir uns jetzt dem Wirtshaus. Selbiges ist ein Neubau aus den 70er Jahren, nachdem die alte Bergwirtschaft 20 Jahre zuvor abgebrannt war.

DSCN3665 Die Berggaststätte.

Ein Blick auf Ansichtskarten mit dem alten Gasthaus lohnt, zeigen sie doch, dass der heute dicht von Bäumen bestandene Gipfel damals fast kahl war. Interessant.

Tanzplan1905 Tanzplan um 1905.

Mit dem Wirtshaus ist es derzeit so eine Sache: es öffnet irgendwie “nach Bedarf”. Manchmal mit bodenständiger böhmischer Küche und lecker Bier vom Fass, manchmal nur mit kaltem Imbiss und Flaschenbier, und manchmal gar nicht. Diesmal zumindest war komplett geöffnet, und ich konnte mir eine gute Knoblauchsuppe sowie eine “Ertrunkene” (Utopenci – sauer eingelegt Speckwurst) einverhelfen und auch der Unterhopfung vorbeugen.

Wohl gestärkt geht es also an den Abstieg. Der ist jetzt mit einem blauen Strich markiert und in Richtung Thomasdorf (Tomášov) ausgeschrieben. Eigentlich ist dieser Weg eine Schotterstraße, welche der Belieferung des Wirtshauses dient. Es geht also sehr bequem abwärts.

DSCN3673 Entspannt abwärts.

Unten angekommen, gehen wir kurz nach rechts, aber nur kurz, denn der blaue Strich biegt gleich wieder nach links ab. Das Wegzeichen versteckt sich hier an einem Strommast. Es gilt: wer die Häuser von Thomasdorf erreicht, ist zu weit gelaufen.

DSCN3674 Hier links abbiegen.

Gleich hinter dem Abzweig wird uns auch schon unser nächstes Ziel angezeigt: der Wachberg.

DSCN3675 Nicht zu verfehlen.

Sehr gemütlich und ohne Höhenunterschiede geht es zunächst am Waldrand lang, dann in den Wald hinein. An einem weiteren Wegweiser biegen wir jetzt rechts ab, ab jetzt ist ein grüner Strich unsere Wegemarkierung.

DSCN3677 Hier nochmal abbiegen.

Wir überqueren wieder die Grenze und sind schon nach kurzer Zeit an der Wachbergbaude angelangt. Es war der Tag der Wiedereröffnung und wir waren gespannt. Was soll ich sagen? Zunächst mal etwas Verwunderung ob der wenigen Gäste, sodann Freude, die Baude genau zu einem veritablen Regenschauer erreicht zu haben. Ansonsten gab es nichts, aber auch wirklich gar nichts zu meckern.

DSCN3682 Wachbergbaude

Das Ambiente: urig und gemütlich, die Speisekarte: bodenständig und preiswert, die Bedienung: außergewöhnlich aufmerksam und freundlich. Der Knüller: selbstgemachte Limonadenbowle.

DSCN3678 Lecker

Und die absolute Krönung: Deospray auf der Herrentoilette zur allgemeinen Benutzung. Klasse Idee, denn als Wanderer kommt man ja doch hin und wieder verschwitzt ins Wirtshaus und freut sich, wenn man sich nicht müffelnd an den Tisch setzen muss. Auf der Damentoilette, so habe ich mir sagen lassen, waren noch mannigfaltigere Kosmetikartikel zur Auswahl.

DSCN3680 Großes Kino.

Und schließlich natürlich die Aussicht: genial, vor allem nachdem der Regenschauer vorbei war. Dann zieht der Nebel aus den Tälern hoch, dass es eine Freude ist.

DSCN3681 Nach dem Regen.

Nachdem wir diesen mehr als gastlichen Ort also verlassen haben, gönnen wir uns mal einen kleinen Abstecher: mit der Markierung roter Strich geht es recht steil abwärts Richtung Saupsdorf. Wir folgen diesem Weg aber nur ein kleines Stück, genau bis zu einer Stelle, an der eine mannshohe Felsmurmel rechts am Weg liegt. Nach links geht dort ein kleiner Pfad ab. Dem folgen wir knapp 50 Meter und entdecken eine weitere Felsmurmel, welche das Relief einer Nackten ziert. Außerdem die Jahreszahl 1956. Grübel, grübel. Wir wissen nicht, wer und warum hier den Fels verschönert hat. Ist aber irgendwie witzig.

DSCN3684DSCN3688 Nackedei

Auf gleichem Weg geht es zurück zur Wachbergbaude, an dieser vorbei bis zu einer Kreuzung, an der nach links der Alfred-Meiche-Weg abzweigt. Markiert ist der mit einem blauen Strich. Und windet sich, in sanftem Abstieg und immer mehr zum Pfad werdend, am Berghang hinab.

Auf halber Strecke gibt es nochmal einen ausgeschilderten Abstecher zu einer weiteren Aussicht. Die ist zwar nicht so toll wie die vorangegangenen, aber diesen kleinen Bogen kann man schon mitnehmen.

2016-06-04 16.50.45 Noch eine Aussicht.

Schließlich verlässt der Weg den Wald und führt über satt grüne Wiesen bis an eine Straße.

DSCN3696 Alles grün hier.

Auf dieser Straße müssen wir jetzt leider ein paar hundert Meter gehen, bis wir die Gaststätte “Waldhaus” erreichen. Dort können wir uns aber dann gleich links halten und gehen jetzt übers Feld. Wir sind auf der Alten Hohen Straße gelandet. Die ist mit einem gelben Punkt markiert und obendrein schon lange keine Straße mehr, auf der Autos fahren dürfen.

DSCN3701 Beginn der Alten Hohen Straße.

Dafür geht es aber über weite Strecken ungeschützt übers Feld, bei praller Sonne vielleicht nicht so ideal. Schön sind dagegen die Aussichten nach links, allmählich kommen da nämlich die Affen- und Schrammsteine ins Blickfeld.

Und wir entdecken einen merkwürdigen Stein am Wegesrand:

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“Verbot – ner Weg” steht da drauf. Oha, ein Testballon der Nationalparkverwaltung? Oder das Gesellenstück eines grün-angehauchten Steinmetzes? Wir wissen es nicht.

Die Hohe Straße überquert im weiteren eine zweite Fahrstraße und führt dann richtig in den Wald hinein. Wir gehen weiter bis zu dieser alten Wegsäule:

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Hier biegen wir mit dem roten Strich Richtung Sebnitz ab. Nach 500 Metern gabelt sich der Weg: links ist ein bequemer Abstieg ausgeschildert, rechts ein steiler solcher. Wir nehmen natürlich den steilen. Der geht, als schmaler Pfad, teilweise fast schon zugewachsen, wirklich knackig den Berg runter. Selbiger Berg heißt übrigens genau wie ein sächsisches Signalhorn: Hube.

DSCN3707 Auf Pfaden ins Tal.

Schließlich verlässt der Pfad den Wald und wir haben noch einmal einen netten Blick auf Sebnitz.

DSCN3709 Ziel vor Augen.

Wir kommen am Busbahnhof raus, von dort sind es noch zehn Minuten bis zum Markt, auf dem unsere Tour dann wieder endet.

Fazit: gute 19 Kilometer. Herrliche Aussichten und viele stille Waldwege. Eine Top-Empfehlung für jene Tage, an denen im Kerngebiet der Sächsischen Schweiz Hochbetrieb herrscht. Nur bitte nicht zum Deutschen Wandertag (22.-27. Juni 2016) hier lang gehen – dann ist es aus mit der Ruhe.

Zum Nachwandern:

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