Von der Dürrkamnitzschlucht nach Jonsdorf

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Wir ahnen es: es geht mal wieder ins Böhmische. Die Idee zu dieser Tour ist durch eine schnöde Überlegung entstanden: aus der herrlich urig-romantischen Dürrkamnitzschlucht (údolí Suché Kamenice) gibt es zwei als Wanderweg markierte Aufstiege. Der eine führt nach Elbleiten (Labská Stráň), der andere nach Arnsdorf (Arnoltice). Aber eigentlich, so die Überlegung, müsste es hier doch einen Weg nach Jonsdorf (Janov) geben. Rein von den örtlichen Gegebenheiten sollte das doch möglich sein. Was soll ich sagen, der Aufstieg existiert, und er war viel leichter zu finden, als gedacht. Deshalb mir nach zu einer sehr entspannten Tour.

Start ist in Herrnskretzschen (Hřensko). Wir fahren durch den ganzen Ort durch – nicht Richtung Prebischtor, sondern geradeaus. Das letzte Haus links ist eine Gaststätte, gleich dahinter gibt es rechts einen Parkplatz. Und gegenüber dieses Parkplatzes ist auch schon der Wanderweg in die Dürrkamnitzschlucht markiert. Also auf, der Weg steigt jetzt eine ganze Zeit lang gemächlich, aber stetig an. “Dürr” ist das Flüsschen derzeit übrigens gar nicht, ganz im Gegenteil, es plätschert gar erfreulich viel Wasser zu Tal. Neben jeder Menge herrlich verwitterter Felsen finden wir am Wegesrand einen alten Bunker aus der Schöberlinie…

2016-12-17 10.25.48 Bonker

….Gedenktafeln, die an erfolgreiche Holzflößungen erinnern….

2016-12-17 10.22.31  Zum Gedenken

… eine steinerne Bank zum Gedenken an das 60. Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. …

2016-12-17 10.29.43 Die Bank des Kaisers

…und uraltes Pflaster auf dem Weg.

2016-12-17 10.35.30  Es pflastert

Selbiges kann übrigens auch mal unterspült und schmierig sein. Überhaupt ist der ganze Weg eher “stoppelig”, mit Turnschuhen sollte man ihn tunlichst nicht begehen.  Aber ansonsten: herrliche Naturkulisse links und rechts. Fotografen sollten ruhig eine zweite Speicherkarte einpacken.

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Der Weg steigt also konstant an, bis rund 30  Meter über dem Bachlauf. Um dann wieder abzufallen. Wenn wir wieder auf dem Niveau der Dürrkamnitz angekommen, sollten wir wachen Auges scharf nach links spähen. Dort gibt es eine schmale Stelle, an der man leicht über den Bach hopsen kann. Und dahinter, an einem Baum, zeigt uns schon ein selbstgebasteltes Schild die Richtung “Janov” an. So einfach.

Abzeig  Hier über

Der Schildermaler hilft uns auch sonst weiter: an allen Kreuzungen und Abzweigungen hat er gelbe Kleckse (es könnten auch Pfeile sein) an Bäumen und Steinen angebracht, die uns sicher den Weg zeigen.

DSCN4223 Immer dem gelben Klecks nach

Der Weg geht erst ganz gemächlich ein Stück bergauf, bleibt dann ein wenig auf der Höhe und fällt sodann wieder ab, ins Tal des Jonsdorfer Dorfbaches.

2016-12-17 11.26.49  Dorfbach

Hin und wieder kann hier auch mal ein Baum quer liegen, was aber nicht wirklich ein Problem darstellt. Im Böhmischen läuft man um solche Bäume einfach drum rum, im Sächsischen folgt eine temporäre Sperrung des Weges mit anschließender, in einer Ausschreibung vergebener Beseitigung des Hindernisses. (Das war Ironie, ganz so übel ist es nicht, aber wir bewegen uns ganz langsam dahin.)

2016-12-17 11.24.52  Baum = Weg weg.

Schließlich kommen wir an die Rudimente eines Rastplatzes, die obendrein von einem riesigen und rostigen Rohr verziert werden. Weiß der Kuckuck, wozu das diente. Aber nicht rasten, bitte, die Bänke sind modrig.

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Rastplatz mit Rohr

An genau dieser Stelle müssen wir aber den Dorfbach überqueren, was Dank einiger großer Klamotten im Wasser auch kein Problem ist. Auf der anderen Seite wird der Weg zu einem schmalen Pfad, der ziemlich knackig ansteigt. Uff, da kommen wir noch einmal ordentlich ins Schnaufen. Und finden uns tatsächlich direkt in Jonsdorf wieder. Das war ja mal wirklich einfach. Der Weg führt vorbei an einer zum Wohnhaus umgebauten Windmühle und einem Teich direkt in die Ortsmitte.

2016-12-17 11.49.412016-12-17 11.51.22 Mühle und Teich

Hier herrscht eigentlich große kulinarische Vielfalt, und da mittlerweile der Magen sein Recht verlangt, hätte man eigentlich die Auswahl zwischen drei Gaststätten mit böhmischer Küche, einer Pizzeria und einem Imbiss. Jetzt, im Winter, hat aber nur noch der Imbiss geöffnet. Und reichte eine erfreulich wohlschmeckende Gulaschsuppe nebst zugehöriger Kaltgetränke.

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Dank an Wanderkumpeline Heike für dieses Bild mit dem Titel: “Drei Männer in Betrachtung ihres Bieres”.

Für den Rückmarsch gehen wir zunächst wieder bis zum Teich, um dann rechts abzubiegen und der gelben Markierung zu folgen.

2016-12-17 13.19.55 Hier rechts ab

Diesen markierten Wegeverlauf hat man irgendwann im vorigen Jahr geändert. Die ursprüngliche Markierung führte geradeaus und dann auf eine recht langweilige und obendrein von schwerer Technik zerfahrene Forststraße. Der neue Wegeverlauf ist da bedeutend angenehmer. Danke.

Zunächst geht es aber erst mal ein Stück übers freie Feld. Bei guten Wetter hätte man hier eine schöne Sicht auf den Rosenberg, wir hatten leider nur die legendäre “böhmische Suppe”.

2016-12-17 13.31.08 Feldweg

Schließlich kommen wir wieder an der üblen Forststraße raus, müssen die aber nur runde 50 Meter nach rechts gehen, um dann gleich wieder links in einen Pfad abzubiegen.

2016-12-17 13.53.56 Zerfahren

Es folgt ein etwas steiler Abstieg, der sich in Serpentinen am Hang entlang windet. Dort gibt es sogar noch ein paar alte Steinstufen zu bewundern.

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Wir kommen oberhalb von Herrnskretzschen an der Aussicht am Elisalexfelsen raus. Hier hat man mal einen schönen Blick auf die Elbe und auf den Ort mit dem geschäftigen Gewimmel der vietnamesischen Händler.

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Noch ein kurzer Abstieg entlang eines wurmstichigen Geländers, und wir sind in der Ortschaft. Wer will kann jetzt noch die Budenreihe der Händler bewundern. Alle anderen gehen entlang der Straße zum Ausgangspunkt zurück.

Fazit: gute zehn Kilometer, sehr entspannt. Der Weg nach Jonsdorf war überraschenderweise sehr leicht zu finden – Dank des gelben Klecksers.

Zum Nachwandern:

Und noch ein Spruch: es sind noch zwei Kalender übrig! Wer einen bis Weihnachten will: schnell eine Mail schreiben!

Ein Gedanke zu „Von der Dürrkamnitzschlucht nach Jonsdorf

  1. Wieder mal eine sehr schöne Runde. Der eigentliche Weg von der Dürrkamnitz hinauf nach Jonsdorf führte früher geradeaus durch den Erbischgrund (kann man heute noch teilweise nutzen). Das alte Wasserrohr gehörte zum ehem. alten Wasserwerk und versorgte die Bewohner von Jonsdorf und Rosendorf zu sozialistischen Zeiten mit Wasser. Heute gibt es bachabwärts ein neues Wasserwerk. Und immer wieder herlich, die alte Windmühle von Jonsdorf.

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