Gabrielensteig mal fast allein

Blick aufs Tor

Außerhalb der Saison ist nicht viel los am Gabrielensteig, der sonst ja zu den meistbegangenen Wegen in der böhmischen Schweiz zählt. Ganz einsam wird es, wenn so wie im ganzen Februar, der Zugang zum Prebischtor wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Aber diese Einsamkeit kommt so schnell nicht wieder, spätestens mit Beginn der Saison zu Ostern werden wieder Massen zum Steintor pilgern. Also nutzten wir die Möglichkeit, den Weg mal ganz einsam zu begehen. Neben viel Ruhe boten sich, mangels Laub, auch noch eine ganze Menge interessante Ausblicke.

Wir starten in Herrnskretzschen (Hřensko). Parkplätze gibt es hier massenhaft, außerhalb der Saison kosten die auch nichts. Es geht vorbei an der Kirche, an einer steinernen Bank und – an dem großen Parkplatz am Ortsende – zu einer Hinweistafel auf ein Migrantenrestaurant. Aha, hier also auch.

KircheSteinbankMigranten?

An eben jenem Parkplatz begann bis vor einem Jahr ein äußerst misslicher Teil des Weges: für runde zwei Kilometer ging es auf der Straße lang. Bei Gegenverkehr auch mal im Straßengraben. Das hat sich jetzt geändert, die Gemeinde hat in einer Hau-Ruck-Aktion einen durchgehenden Fußweg gebaut. Der beginnt mit ein paar Treppenstufen und führt dann zunächst oberhalb der Straße, später neben derselben weiter. Sehr angenehm.

Treppen Stufen zum neuen Fußweg

Wir gelangen an eine kleine Kreuzung: zwei Waldwege, die Straße und drei mit Häuschen überbaute Quellen. Und so heißt der Ort auch: Drei Quellen (Tři prameny).

Drei Quellen  Drei Quellen

Nach links ginge es jetzt gleich zum Prebischtor, wir aber gehen lieber rechts, dem gelben Strich hinterher. Die Richtung hat den Vorteil, dass der unvermeidliche Anstieg lang und damit sanft ist. Andersrum wäre er kurz und steil. So geht es aber über einen bequemen Waldweg langsam aufwärts. Vorbei an einem wunderbaren Warnschild.

bequemAuf die Fresse fallen

“Narrenhände, beschmieren Tisch und….Wanderschilder” sagte so ähnlich schon meine Oma. Und hatte mal wieder recht.

Narrenhände Waldsäue

Dem gelben Strich können wir aber trotzdem folgen. Gleich gibt es eine nette Aussicht auf jene Felsen, an denen wir uns demnächst auf halber Höhe lang bewegen werden.

Ausblick

Schließlich erreichen wir Stimmersdorf (Mezna). Das Wirtshaus hat außerhalb der Saison nur an Wochenenden geöffnet, aber da Samstag ist, genügt das ja. Geschwind eine Knoblauchsuppe gelöffelt.

KneipeKruzifixKriegsdenkmal Stimmersdorf

Von Stimmersdorf geht es weiter nach Rainwiese (Mezní Louka). Hier müssen wir leider auf der Straße laufen. Verkehr herrscht aber so gut wie keiner, da kann man das verkraften. Wer gute Augen hat, kann zur Linken in der Ferne auch schon das Prebischtor erspähen. Ein Fernglas ist dabei von Vorteil.

Suchbild Tor gefunden

In Rainwiese wimmelt es dann normalerweise von Touristen, jetzt ist aber alles ruhig. Die Gasthäuser hier sind eh auf Massenabfertigung eingestellt, recht teuer und nicht so recht authentisch. Also gleich weiter, jetzt auf dem Gabrielensteig – roter Strich. Es geht sechs Kilometer immer schön geradeaus, auf halber Höhe an den Felsen entlang. Um diese Jahreszeit, so ganz ohne Laub, bieten sich hier allerlei wunderbare Aussichten.

AussichtAussichtAussichtAussicht

Auch immer wieder schön: die unzähligen Gespensterwurzeln, die hier den Weg säumen. Ruhig einen Gang runter schalten und in Ruhe bewundern. Jetzt geht das noch, im Sommer, im Touristenpulk, wird es schwer.

WurzelnWurzelnWurzelnWurzelnWurzeln

Schließlich gelangen wir zum Prebischtor. Und zu einer Überraschung: ohne Laub ist das Tor, sozusagen “von hinten”, vom Gabrielensteig aus zu erspähen. Im Sommer sieht man hier nur grüne Blätter.

Prebischtor  Prebischtor

Auf dem Gelände des Tores wird gebaut, da ist eine Besichtigung derzeit nicht möglich. Zum Saisonstart soll aber alles erledigt sein, dann ist hier aber auch wieder ein Eintritt fällig. Abwärts geht es jetzt, in Verlängerung des Gabrielensteiges, durch den Langen Grund. Vorbei an gleich zwei (!) Gedenktafeln, die beide darauf verweisen, dass es an eben dieser Stelle einst die Fürstin Olga Chotkova vom Pferd geerdet hat.

OlgatafelOlgatafel

Nach mehreren steilen Kehren landen wir schließlich wieder an den Drei Quellen und treten den Rückweg an.

Fazit:  Knapp 18 Kilometer. Wirklich ruhig, so außerhalb der Saison. Auch nicht wirklich anstrengend. Und die Ausblicke vom Gabrielensteig gibt es so im Sommer nicht annähernd.

Zum Nachwandern:

3 Gedanken zu „Gabrielensteig mal fast allein

  1. Interessant und auch schön ist, das die Mahnsäule in Stimmersdorf in den letzten Jahren wieder erneuert wurde, wurden die Inschriften nach dem Krieg doch geschliffen.

  2. Sind am 1. Mai diese Tour wie beschrieben gewandert. War super, danke für den Tip.
    Wir haben die Wanderfreunde etwas bedauert die als Beginn den linken Weg gewählt haben(den haben wir für den Abstieg genutzt). Wir können die Wanderung wie beschrieben nur empfehlen, war unserer Meinung nach nicht so anstregend.
    Also nochmals Danke und wir haben schon die nächste Wanderung nach einer Ihrer Beschreibungen in Planung.

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