Himmelreich und Tyssaer Wände

Es folgt eine kleine aber feine Runde im Böhmischen. Mit dabei: die allseits bekannten Tyssaer Wände, das weniger bekannte “Himmelreich” samt einer Entdeckung, ein legaler Grenzweg und ein fliegerisch-gastronomischer Abschluss. Also, man folge mir:

Himmelreich  Himmelreich

Wir starten in Tyssa (Tisá), und zwar an der “Touristenbaude” (Turistická chata). Im Umfeld dieser Gaststätte gibt es gleich mehrere unbefestigte Parkplätze. Dieser Ort ist aber auch ein zentraler Ausgangspunkt für die “klassische” Runde durch die Tyssaer Wände, so dass es schnell voll wird. Obendrein scheint es schon Diebereien gegeben zu haben, zumindest werden hier warnende Zettel an die parkenden Autos verteilt.

Warnungen  Warnungen

Macht nichts, bei meinem Auto muss ich mir da keine Gedanken machen, wer das klaut, ist selber schuld. Es geht ein Stück in den Wald, ehe sich der breite Weg gabelt. Wir gehen links, dem Gelben Strich hinterher. Der Weg ist breit und sehr bequem.

bequemer Weg  bequemer Weg

Wir können es etwas interessanter machen, wenn wir an diesem Abzweig…

Abzweig  Abzweig

…den Weg nach links verlassen und auf einem parallel verlaufenden Pfad weitergehen. Ruhe pur und ein prächtiger Mischwald rundum.

Einschub: In der Ecke hatte ich vor einiger Zeit schon mal vor einem faszinierenden Kletterfelsen gestanden, dem Falkenturm (Sokolí věž). Und so sind wir auch diesmal ein wenig kreuz und quer gelaufen, um den wiederzufinden. Leider erfolglos, irgendwie waren wir desorientiert. Beim nächsten Mal sollte also eine vernünftige Karte dabei sein, auf das man nicht wieder wie ein Frisör im Wald steht. Den Falkenturm gibt es aus dem Archiv:

Falkenturm  Falkenturm

Also lassen wir den Falkenturm einfach mal Falkenturm sein und folgen weiter unserem Pfad, der sich nach einer Weile wieder mit dem Hauptwanderweg vereint. Wir stehen direkt an der Staatsgrenze, dahinter ein kleiner Rastplatz mit einer Erklärbär-Tafel.

Grenze  Grenze

Wir biegen nach rechts ab, weiter dem Gelben Strich nach. Der Weg heißt jetzt tatsächlich “Grenzweg”, was wehe Erinnerungen hervorruft. Aber hier geht es ganz legal entlang, und zwar zwischen den Grenzsteinen durch. Links die deutschen Grenzsteine, rechts die tschechischen. Bin ich da auf Niemandsland? Und: wenn ich hier meine Schwiegermutter meuchele, komme ich dann straffrei davon? Fragen, die zu klären wären. Einige der tschechischen Grenzsteine tragen noch die längst ad acta gelegte Inschrift “CS”.

Grenzstein mit alter Inschrift  Grenzstein mit alter Inschrift

Der Weg wird langsam zu einem eingeschnittenen Hohlweg und führt in mehreren Kurven recht steil ins Tal hinab.

Hohlweg  Hohlweg

Wir landen in dem Örtchen Eiland (Ostrov). Direkt an einem Hotel mit einem malerischen Teich davor.

Hübscher Teich  Hübscher Teich

Noch ein paar Meter weiter bis zur Dorfstraße, dann sieht man links schon eine Kneipe. Die aber erst ab dem 1. April wieder geöffnet hat. Also nach rechts gegangen, und bei nächster Gelegenheit die Dorfstraße wieder nach rechts verlassen – ab jetzt dem Roten Strich nach. Wir kommen an einen Campingplatz, auch hier gibt es ein Wirtshaus, welches aber auch erst Mitte April wieder öffnet. Mist.

Schon wieder eine zue Kneipe  Schon wieder eine zue Kneipe

Na, dann eben nicht, wir gehen vor dem Wirtshaus links, weiter dem Roten Strich nach. Und landen in einer kleinen Felsenstadt namens Himmelreich. Mächtige Felsmurmeln zur Linken wie zur Rechten.

HimmelreichHimmelreichHimmelreichHimmelreich  Himmelreich

Hindurch führt ein steiler und mit uraltem Pflaster befestigter Weg. Diese Befestigung hat allerdings schon bessere Zeiten gesehen, es geht ziemlich stoppelig aufwärts.

Alter Weg  Alter Weg

Es lohnt sich, ein wenig vom Wege abzuschweifen und die Spalten zu erkunden. Da findet sich dann beispielsweise eine recht dubiose Stiege:

Wackelig!  Wackelig!

Außerdem findet man, ebenfalls ein wenig versteckt, eine Felswand, die zum Gedenken mit den Namen verunglückter Kletterer verziert wurde. Ein Gedenkbuch gibt es da auch, wir haben uns gleich eingetragen.

Gedenken an VerunglückteGedenken an Verunglückte   Gedenken an Verunglückte

Alsdann zurück auf den steilen Pflasterweg und mit einigem Schnaufen die Höhe erreicht. Noch ein paar hundert Meter dem Weg durch den Wald folgen, und wir stehen wieder vor der “Touristenbaude”. Jetzt aber endlich einkehren. Trotz viel Trubels und hervorragender Lage ist die Küche hier bodenständig-böhmisch und die Preise sind sehr günstig.

Direkt an der Baude beginnt dann der allseits bekannte und markierte Rundweg durch die Tyssaer Wände. In der Saison muss man hier 30 Kronen Eintritt bezahlen und kann auch noch ein Heftchen kaufen, auf dem die einzelnen Felsgebilde – sie sind mit Nummern versehen – erläutern werden. Es macht aber auch ohne einen Heidenspaß, zwischen den dutzenden Felstürmen herumzuturnen.

Tyssaer WändeTyssaer WändeTyssaer WändeTyssaer WändeTyssaer WändeTyssaer WändeTyssaer WändeTyssaer WändeTyssaer WändeTyssaer Wände  Tyssaer Wände

Nach knapp fünf Kilometern haben wir den Rundweg absolviert und stehen wieder am Ausgangspunkt. Was aber durchaus seine Zeit gedauert hat, denn man kommt vor lauter Gucken und staunen nur langsam voran.

Aussicht

Aussicht von den Tyssaer Wänden

Auf dem Heimweg habe ich mich dann breitschlagen lassen, in Peterswald (Petrovice) einmal die zur Gaststätte umfunktionierte TU-104 auszuprobieren. Nun ja, ein Flugzeug eben. Dazu die üblichen böhmischen Klassiker. Nett.

Essen auf FlügelnEssen auf Flügeln

Essen auf Flügeln

Fazit: gerade mal gute zehn Kilometer. Ein steiler Abstieg, ein steiler Aufstieg, ansonsten sehr gemächlich. Die Entdeckung des Gedenksteins im Himmelreich war interessant, die Tyssaer Wände sind ohnehin immer einen Besuch wert.

Zum Nachwandern:

6 Gedanken zu „Himmelreich und Tyssaer Wände

  1. Schön geschrieben. Jetzt bin ich neugierg geworden. Mein Frage: Kommt man da auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin?

    1. Hallo Ulrike, ich antworte da mal an Arndts Stelle: Ja, zumindest während der Wandersaison, die dieses Jahr am 01.04. beginnt und Ende Oktober endet. Da fährt ein Bus von Pirna über Bahratal nach Tisa, teilweise auch weiter über Sneznik nach Rosenthal und weiter nach Pirna oder Königstein. Mit dem Elbe-Labe-Ticket zu nutzen. Einfach das Fahrplanheft beim VVO oder im Web besorgen, sollte schon erschienen sein.

  2. Der gepflasterte Weg von Ostrov/Eiland durchs Himmelreich nach Tyssa hieß früher Fabriksteig, weil auf ihm viele Einwohner von Eiland jeden Tag nach Tyssa in die dortigen Fabriken zum arbeiten gingen (siehe auch DDR-Kletterführer Böhmische Schweiz, 1979, Karte Seite 56, 104). Deshalb gibt es auch im Himmelreich neben dem Weg die Klettergipfel Fabriksteigtürme, erstbegangen 1924. Der Falkenturm steht in Rajec/Raitza, in der oben abgebildeten Routenkarte unter Sokoli Vez.

    1. Du hast mit dem Falkenturm natürlich recht, ich war einfach auf der falschen Seite der Raitzaer Wände. Beim nächsten Mal guck ich genauer hin.

  3. Einen habe ich noch: Der Anfang eurer Tour ging hinter den Bürschlitzwänden entlang. Dort stand früher am nordwestlichen Ende der Neuberturm. Der Neuberturm war einer der größten Klettergipfel im Tissaer Gebiet. Am 20.11.1981 ist er eingestürzt (siehe Mitteilungsblatt „der Tourist“ der DDR, 7/82). Er war, genau wie der Falkenturm in Raitza, im unteren Bereich von Sanduhren durchlöchert. An dem Tag hat wahrscheinlich die Stützkraft der Sanduhrstege das Gewicht des Turmes darüber nicht mehr halten können. Das Trümmerfeld des Neuberturmes ist heute noch zu sehen. Das Foto vom Falkenturm würde ich also gut aufheben, man weiß ja nie …

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