Geheimnisvolle Treppen und viel Gewusel Hintere Haare, Brückwaldsteig und Das Treppchen

Ich gestehe, dies ist meine bisherige Lieblingsrunde dieser Saison. Wobei: die Saison hat ja gerade erst angefangen, also schauen wir mal. Aber drei fast vergessene und geheimnisvolle Treppen, malerische Natur, stille Wege und als Kontrast dazu schweres Gewusel, einige wirklich tolle Ausblicke – das klingt doch schon mal gut.

Und noch eines will ich flugs gestehen: diese Runde ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern sie basiert auf einer Beschreibung von Wanderfreund Andreas P. auf den Seiten der IG Stiegen- und Wanderfreunde. Man kann seinen Text hier nachlesen. Wir haben die Runde lediglich etwas verlängert, damit eine ordentliche Tagestour rauskommt.

Und noch eines vorweg: teilweise sind die uralten Pfade gerade noch zu erahnen, stacheliges Unterholz und viele umgestürzte Bäume lassen das Vorankommen beschwerlich werden. Also nicht in Turnschuhen loslaufen und ein wenig Orientierungssinn mitbringen. Genug geschwätzt, los geht es.

Ein öffentliches Verkehrsmittel zur Anreise können wir hier vergessen. Also auf ins Auto, am Ortseingang von Lohmen in Richtung Dorf- und Stadt Wehlen abgebogen. Es folgt nach links der Abzweig nach Uttewalde, den ignorieren wir.  300 Meter weiter gibt es aber dann, wieder links, einen Parkplatz. Oder besser: eine Stellfläche. Platz ist hier reichlich, und Gebühren werden auch keine erhoben.

  Hier parkt man gut und günstig

An der linken Seite des Parkplatzes beginnen gleich mehrere Wege. Wir nehmen jenen ohne Markierung, der links an einer alten Wegesäule vorbei auf die Kakaokühe zuführt. Wobei ich für deren Anwesenheit keine Garantie übernehmen will. Also besser: auf den Lilienstein im Hintergrund zu.

Der anfangs recht breite Feldweg wird schnell zu einem Pfad…

…und verliert sich schließlich ganz. Schauen wir aber leicht nach rechts an den Waldrand, so werden wir schnell einen deutlichen Einschnitt im Gelände ausmachen. Eine Schlucht also, in die wir einsteigen.

Zwischenbemerkung: es ist ein wenig strittig, ob dieses Schlucht schon in der Kernzone des Nationalparks liegt. Denn wenn dem so wäre, sie ist ja nicht gekennzeichnet, dürfte man sie auch nicht begehen. Aber: im § 5, Absatz 3 der Nationalparkverordnung heißt es klipp und klar: “Die Kernzone ist im Gelände zu kennzeichnen.”  Eine solche Kennzeichnung, also die sonst allgegenwärtigen Kernzonenschilder, suchen wir hier vergeblich. Also runtergestiegen.

Das Tal und auch die Wiesen tragen den Flurnamen Hintere Haare. Auf einigen Karten kann man den auch finden. Ein Bächlein plätschert dahin, und eben diesem Bachlauf folgen wir auf einer Pfadspur. Der Bach fließt über mehrere recht hohe, kaskadenartige Felsstufen, die man umgehen muss. Was ob des Unterholzes und viel Bruchholz recht beschwerlich werden kann. Orientiert man sich aber immer am Bachlauf abwärts, kann nichts schief gehen. Etwa auf halber Strecke wandelt sich die Spur dann auch wieder zu einem sehr deutlich erkennbaren Pfad. Und die ganze Zeit gibt es Natur satt.

Schließlich sehen wir den Uttewalder Grund und das Wirtshaus schon unter uns, die letzten Meter im Abstieg werden uns von einigen Treppenstufen versüßt.

  Geheimnisvolle Treppe Nummer eins

Unten gab es einst sogar noch eine Brücke über den Grundbach. Die fehlt heute, aber man kann auch problemlos durch das Bachbett hüpfen, viel Wasser ist hier sehr selten drin.

Hier nochmal der Weg:

Nun gut, wir sind im Uttewalder Grund angekommen. Wer jetzt ein Hüngerchen verspürt, der sollte sich die Stelle, an der wir gerade stehen, merken, und sodann ein paar Meter nach links gehen, zum Wirtshaus “Waldidylle”. Bodenständiges zu vernünftigen Preisen wird hier gereicht.

  Waldidylle

Auch für die Unterhaltung der Kurzen ist gesorgt. Sogar mit den herrlichen Illustrationen von Ludwig Richter.

 

 

 

Wohl gestärkt geht es an genau jene Stelle zurück, an der wir gerade den Grund erreicht hatten. Exakt gegenüber sollten wir jetzt den Hang in Augenschein nehmen. Richtig, etwas versteckt hinter einem Fels sehen wir hier wieder einige Stufen. Ein Pfad führt uns schräg am Hang bis zu deren Beginn.

  Geheimnisvolle Treppe Nummer zwei

Wir befinden uns jetzt auf dem Brückwaldsteig. Nach der ersten Stufenreihe folgt eine zweite, in einem Einschnitt.

  Weiter nach oben

Und schließlich windet sich der Pfad, recht steil aber gut erkennbar, weiter auf die Höhe hinauf.

Fast oben angekommen, befinden wir uns jetzt tatsächlich im Brückwald. Der Pfad wird schwächer, ist aber als Spur weiter erkennbar.

Schließlich quert ein breiter Waldweg, der Brückwaldweg. Dem folgen wir nach rechts, bis er sich gabelt. Hier kann man zunächst weiter rechts gehen, man kommt zu einer kleinen Aussicht. Die ist allerdings arg zugewachsen, viel gibt es nicht zu sehen.

Also vielleicht an der Gabelung gleich links gehen. In einem leichten Bogen bringt uns der Pfad jetzt an eine Felsgasse, in der wir absteigen.

In der Gasse können wir einige alte Balkenlager erkennen. Sie muss also vor Zeiten bedeutend besser ausgebaut gewesen sein.

  Balkenlager

Auch hier nochmal die Wegführung, wobei der Brückwaldsteig auf der Karte als Sackgasse eingezeichnet ist. Was nicht stimmt, er ist durchführend bis zum Brückwaldweg.

Wir kommen nach dem Abstieg auf einem breiten und befestigten Waldweg heraus, dem Zscherregrund. Und folgen diesem nach rechts, durch eine – viel fotografierte – Engstelle hindurch.

  Hier ist es auch schön

Links sehen wir noch einen beachtlichen Strudeltopf samt erklärender Tafel daneben.

  Es strudelt momentan nicht

Und gleich dahinter, wieder links, sehen wir schon wieder ein paar Treppenstufen.

  Geheimnisvolle Treppe Nummer drei

Dieser Weg heißt passenderweise tatsächlich Das Treppchen. Schnell gewinnt man wieder an Höhe und schaut den Wandersleuten im Tale zu.

Oben angekommen, gehen wir zunächst wieder nach rechts. Zu einer weiteren kleinen Aussicht. Auch hier ist der Blick nicht gerade epochemachend. Aber wenn wir einmal hier sind…

  Aussichtslos?

Von der Aussicht zurück folgen wir weiter dem Pfad, der alsbald zu einem breiten und bequemen Feldweg wird. Und hier gibt es denn auch mal einen wirklich schönen Blick ins Land.

  Geht doch

Wir landen in der Minisiedlung Grögers Gut. (Wanderfreundin Anni hat mich aufgeklärt: nur ein kleiner Teil der Siedlung wird als „Grögers Gut“ bezeichnet. Die gesamte Siedlung heißt „Am Steinrücken“. Flugs korrigiert.) Eine Handvoll Häuser am gefühlten Ende der Welt. Aber eben auch ausgesprochen idyllisch gelegen.

  Am Steinrücken

Hier könnten wir nach rechts gehen und die Strecke somit deutlich abkürzen. Wir wollten aber noch ein paar Kilometer mehr laufen und sind deshalb nach links gegangen. Der befestigte, gut ausgebaute und obendrein lückenlos beschilderte Steinrückenweg bringt uns jetzt aufwärts.

  Steinrückenweg

Dabei folgen wir immer der Beschilderung “Steinerner Tisch”. Der Steinrückenweg geht so in den Schwarzberggrund über, und schließlich landen wir an der Waldgaststätte mit dem Tisch aus Stein. Selbige ist leider schon seit Jahren geschlossen. Aber es gibt seit einiger Zeit neue Besitzer, die sie nach und nach wieder aufbauen wollen. Auch wir konnten eifriges Werkeln beobachten.

 Der namensgebende Tisch

Auf dem Weg hierher bemerken wir unser erstes Kernzonenschild des Tages (na endlich) und ein merkwürdiges Schnitzwerk in der Rinde. Ohne dessen Bedeutung erraten zu können.

Am “Steinernen Tisch” stellt sich dann die Gretchenfrage, immerhin ist es nicht mehr weit bis zur Bastei: den Touristen-Hot-Spot besuchen oder nicht? Wir sind mal losgegangen. An der Waldgaststätte rechts, vorbei am kleinen Souvenir- und Imbissladen.

  Letzte bezahlbare Bockwurst

Und dann auf der Basteistraße einfach mit den Massen treiben lassen. Das Begängnis hier ist gewaltig. Wanderschuhe wird man kaum sehen, dafür Sandalen, Turnschuhe und High-Heels. Aber ehrlich: irgendwohin muss eben auch der organsierte Massentourismus. Und dann besser hier, als auf dem Thorwalder Gratweg.

Empfehlenswert ist übrigens ein Besuch des historischen Basteihotels. Hier zeigt eine (kostenlose) Ausstellung den Blick der Maler auf den Elbsandstein über die Jahrhunderte. Und obendrein sehen wir auf einem Foto im Großformat den Blick aufs Prebischtor von der “verbotenen” Seite aus. Für eine offizielle Ausstellung der Nationalparkverwaltung schon recht sportlich.

Zwei schöne Schilder für die Sammlung hab ich auch noch entdeckt. Vor allem jenes am Ausgang der (kostenpflichtig zu besuchenden) Felsenburg Neurathen hat mir gefallen. Es könnte von einem Berufspolitiker verfasst worden sein: aus “Sicherheits- und technischen Gründen” soll man nicht über die Absperrung klettern. Naive Frage: könnte es sein, dass eher monetäre Gründe den Ausschlag gaben?

Na gut, genug vom Gewusel, wir gehen zurück zum Steinernen Tisch. Und folgen dort der Ausschilderung in den Höllengrund. Nur ist der gar nicht höllisch, sondern recht lieblich, mit viel Grün und schönen Felsen rechts und links.

Der Höllengrund geht dann nahtlos in den Zscherregrund über. Hier waren wir heute schon mal, wir kommen wieder am “Treppchen” vorbei, diesmal geht es aber geradeaus. An einer Kreuzung sehen wir eine Gedenktafel für Kantor, Heimat- und Insektenforscher Friedrich Märkel.

  Oha!

Interessant, wer die Tafel angebracht hat. Sollte es die bärtigen Drecksäcke tatsächlich schon 1860 gegeben haben?

Rechts von der Gedenktafel zeigt ein Wegweiser in den Teufelsgrund. Da gehen wir jetzt mal lang, schon der Anmarsch macht hier Spaß.

Schließlich gabelt sich der Weg. Wo wir jetzt lang gehen, ist Hose wie Jacke, das Ganze ist nämlich ein Rundweg. Den wir heute aber nur Hälfte begehen wollen, weshalb es doch einer Entscheidung bedarf. Tipp: nach links, über einen kleinen Holzsteg, geht der attraktivere Aufstieg. Man schlüpft oder kriecht durch mehrere enge Felsen und kann auch die kleine aber stockfinstere Heringshöhle durchqueren. Aber: hier ist es selbst im Hochsommer recht schlammig. Und da es am Vortag ordentlich gegossen hatte, stand zu befürchten, das die Sauerei knietief ist.

  Attraktiv, aber schlammig

Wir sind also geradeaus gegangen, was auch nicht übel ist. Eine Felsspalte, eine Leiter, einige Stufen, und wir sind wieder auf der Höhe angekommen.

Oben dann bei nächster Gelegenheit rechts, ein Stück durch den Wald, und wir stehen auf der breiten Buschholzstraße, welche aber keine Straße, sondern ein Waldweg ist. Wir folgen ihr nach rechts. Es geht noch ein paar Meter durch den Wald, dann über freies Feld. Und da sehen wir rechts auch schon wieder die Landstraße und unseren Parkplatz. Fertig.

  Endspurt

Fazit: 15 Kilometer, also nicht allzu lang. Natürlich sind die drei geheimnisvollen Treppen die Höhepunkte der Tour. Aber auch der Rest hat wiedermal richtig Spaß gemacht. Den Abstecher zur Bastei kann man natürlich auch weglassen.

Zum Nachwandern:

Noch zwei Bemerkungen zu der Karte:

  1. Bitte weder die angezeigte Zeit noch die Durchschnittgeschwindigkeit ernst nehmen. Das GPS-Gerät stoppt die Aufzeichnung schon bei der kleinsten Unterbrechung, also auch, wenn man nur mal kurz stehen bleibt, um die Landschaft zu bewundern. Man nehme die Zeit also mal zwei oder drei, dann wird es realistisch.
  2. Wer den GPS-Track gern verwenden möchte, der sollte auf den “komoot” Schriftzug klicken. Es öffnet sich eine neue Seite, auf der es dann auch die Möglichkeit zum Download gibt.

Ein Gedanke zu „Geheimnisvolle Treppen und viel Gewusel Hintere Haare, Brückwaldsteig und Das Treppchen

  1. Hallo Arndt,

    habe gerade mal unter archive.org nachgeschlagen… die ISIS war eine naturwissenschaftliche Gesellschaft aus Dresden, die wohl regelmäßig zum Austausch neuer Erkenntnisse zusammenkam. Sind einige schöne alte Hefte dort abgelegt.

    VG aus dem Vogtland

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