Begangsteig und Eisenbahnerloch Eine Runde im Brandgebiet

Diese Tour wird uns auf einige ziemlich einsame Pfade im Brandgebiet bei Hohnstein führen. Ruhe und eine wahrhaft herrliche Natur sind garantiert. Kurzzeitig, nämlich an der Brandaussicht und auf der dahin führenden Straße, wird es aber auch Trubel geben. Welcher aber nur eine Winzigkeit unserer Strecke ausmacht und somit gut zu verkraften ist. Außerdem begegnen wir den Herren Uljanov und Götzinger, sichten eine Grotte, die eigentlich nur ein Felsüberhang ist, freuen uns über frische Wegemarkierungen und bedauern den Verlust wichtiger Teile einer hölzernen Figur. Grund genug also, endlich loszulaufen.

  Sehr unangenehm

Wir parken also im Polenztal (ganz unten), direkt neben der Hauptstraße, die weiter (wieder den Berg hoch) nach Hohnstein führen würde. Gleich am Abzweig des Tales gibt es mehrere Parkplätze, die sogar kostenfrei sind. Wir laufen ins Tal hinein und sehen von der Ferne die Teufelsbrücke, die zum Hockstein führt. Heute nicht unser Ziel.

  Teufelsbrücke

Ein paar Meter weiter dem Tal gefolgt steht dann auch gleich die „Polenztalschänke“, dort gibt es weitere Parkplätze, die aber eigentlich den Gästen des Hauses vorbehalten sind. Und da wir nicht schon am Anfang der Runde einkehren wollen, lassen wir die besser frei.

Gleich hinter dem Wirtshaus biegen wir links ab (Grüner Strich). Es geht über eine kleine Brücke. Vormals war die ein naturverbundenes Teil aus Holz. Jetzt glänzt sie als nagelneues Konstrukt aus metallenen Gitterplatten und einem Plastikgeländer. Für die Ewigkeit gebaut, aber nicht eben schön.

  Nicht wirklich schön

Na, wie auch immer, wir sind jetzt im Schindergraben. Es geht aufwärts, moderat, aber über Stock und Stein. Zu unserer Rechten plätschert gar lieblich ein kleines Bächlein.

Und zu unserer linken tauchen trutzige Reste alter Mauern auf. Die gehörten einstmals zum Bärengarten. Da wurden tatsächlich Bären gehalten, um diese dann bei Spektakeln am kurfürstlichen Dresdner Hof zu verheizen. Längst vorbei.

  Bärengarten

Dafür haben wir kritischen Auges bereits zwei weitere kleinere Brücken überquert. Im Gegensatz zur Plastik- und Metallbrücke am Eingang des Grundes sind die hier noch aus Holz. Aber leider in einem erbärmlichen Zustand. Unten fehlen Planken, und von Geländern kann nur noch rudimentär die Rede sein. Also mit Bedacht rüber.

  Schrottreif

Und gleich danach nach links an die Felswand gespäht. Da sehen wir hoch oben ein kleines Relief, welches den Pfarrer Götzinger darstellt. Der hat 1804 den ersten echten Reiseführer für die Region geschrieben. Wofür ihm Dank gebührt.

Noch ein paar Meter weiter, diesmal zur Rechten, sehen wir ein weiteres Relief. Das ist nicht ganz so künstlerisch ausgeführt und zeigt einen gewissen Herrn Uljanov, besser bekannt als Lenin. Wer den alten Revoluzzer hier verewigt hat, wissen wir nicht.

  Pfarrer und Kommunist

Danach treffen wir auf einen auf einen breiten Querweg, dem wir nach rechts folgen (weiter Grüner Strich). Es ist der Halbenweg. Recht bequem und fast ohne Höhenunterschied geht es weiter. Auf der rechten Seite können wir den einen oder anderen netten Blick zur Hohnsteiner Burg erhaschen. Und unterhalb eines Felsens namens Großer Halben findet sich sogar eine Aussicht mit Geländer. Die aber leider ein wenig zugewachsen ist.

Links zeigt uns alsbald ein Wegweiser einen Abstecher zur Gautschgrotte an. Die ist eigentlich nur ein Felsüberhang, aber eben ein richtig großer solcher, der beeindrucken kann. Hier lässt es sich gut rasten. Von oben dröppelt es dabei ständig. In kalten Wintern hat das zur Folge, dass von unten her ein Eiszapfen wächst, der durchaus ein paar Meter hoch werden kann. Wenn das passiert, wird die Grotte zur vielbesuchten Pilgerstätte.

Wir folgen weiter dem Halbenweg. In einer S-Kurve schauen wir zunächst nach links. Dort finden wir einen weiteren Überhang, die Diebshöhle. Daneben die Reste eines Steinbruchs. Obendrein sehen wir eine Inschrift in kyrillischen Buchstaben (Дагестан – Dagestan) und jede Menge Einschusslöcher. Oder sind es doch natürliche Verwitterungen? Falls es doch vom Schießeisen her stammt: Mit Verlaub, es müssen ein paar echte Schlumpschützen dabei gewesen sein, denn die Einschusslöcher streuen auf mehreren Quadratmetern Fläche.

Na ja, wir sehen schon am rechten Wegesrand eine hölzerne Absperrung samt einem Kernzonenschild. Die Absperrung ist in der Mitte ein wenig abgesenkt, da können wir drüber steigen. Und wir dürfen auch drüber steigen, denn nach wenigen Metern schon zeigt uns ein Wegzeichen (schwarzes Dreieck), dass wir hier auf einem Kletterzugang sind, den jedermann benutzen darf. Wir sind jetzt – und das noch ganze Weile – auf dem Begangsteig.

  Hier darf man rüber

Schon nach wenigen Metern sehen wir ein Loch im Felsen unten, und eines oben. Danach kommen wir zu einem Felssporn mit einer menschengemachten Sitzgelegenheit im Stein. Es ist die Berken-von-der-Duba-Wacht. Wahrscheinlich ein Vorposten der Burg auf dem Hockstein.

  Felslöcher und Wacht

Ab jetzt folgen wir einfach weiter dem Begangsteig. Mit der Orientierung müssen wir uns ein wenig in Acht nehmen. Grob gesagt sollten wir trachten, die Felswände immer zu unserer Linken zu haben. Verschiedene Kletterzugänge biegen zwar ab, die würden uns aber nur zu früh wieder auf den Hauptwanderweg führen. Erfreulicherweise ist die Markierung mit dem schwarzen Dreieck erneuert worden und nun fast durchgängig vorhanden. Trotzdem: das ist ein Pfad, schmal, manchmal steil, immer stoppelig, hin und wieder auch ein wenig ausgesetzt. Und obendrein ein Pfad, der durch fast unberührte Natur führt. Also bitte weder in Turnschuhen noch mit lärmigen Schulklassen begehen.

Auf seinen letzten Metern führt der Begangsteig dann noch einmal ordentlich nach oben, wird aber auch breiter. Er endet auf dem Neuweg (Roter Strich), dem wir nach links nur wenige Meter folgen. Da, wo sich ganz viele Wegweiser ballen, biegen wir sogleich wieder nach rechts ab (Grüner Strich). Brandaussicht und Brandbaude sollten hier schon ausgeschildert sein.

Der Weg führt uns jetzt sehr bequem vorbei am Sauteich auf die Brandstraße. Wir biegen rechts auf diese ein und werden ab jetzt nicht mehr allein sein. Denn auf eben dieser Straße dürfen zwar nur wenige Autos fahren, man kann die Brandaussicht samt Wirtshaus aber auf diese Weise fast ohne Höhenunterschied von Hohnstein aus erreichen. Was speziell am Wochenende auch hunderte Ausflügler tun.

Egal, wir schwimmen mit dem Strom mit. Und erreichen so die Brandbaude samt herrlicher Aussicht. Ehe wir die genießen, geht es aber erst mal – an einem Ziegengehege – links rum zur Aussicht an den Hafersäcken. Selbige sind Felsen, die tatsächlich wie zugebundene Säcke aussehen und links des Aussichtspunktes liegen. Gegenüber sehen wir einige Häuser der Ortschaft Waitzdorf.

  Hafersäcke

Zurück von der Aussicht gehen wir noch vor dem Gasthaus nach links in den Wald, Richtung Felskante. Wir kommen an der Thüm(m)elgrotte vorbei, die von Menschenhand geschaffen scheint. Im Inneren ein Sinnspruch, kaum noch lesbar. Deshalb hier mal ausgeschrieben:

„Wohl mir, daß mir noch unverwöhnet
Die Lockung der Natur gefällt,
Solch eine Gegend, Freund, versöhnet
Mich mit dem Ueberrest der Welt.
Man wird des Lebens überdrüssig
Auf aller Ebb und Fluth der Stadt,
Doch hier, geschäftig oder müßig
Wird keiner seines Daseins satt.”

Gleich daneben eine traumhafte Aussicht, einmal quer über die Sächsische Schweiz. Bei klarer Sicht großartig, aber selbst bei diesigem Wetter nicht zu verachten. Hier ist es obendrein recht ruhig.

Was sich sofort ändert, wenn wir die kleine Brücke zu unserer Rechten überqueren und zum Gasthaus gehen. Hier wimmelt es, die Aussicht ist die gleiche wie vorher. Dafür gibt es aber Speis und Trank, in wirklich reichhaltiger Auswahl, aber auch zu durchaus stattlichen Preisen. Draußen herrscht Selbstbedienung, drinnen wird bedient. Und drinnen findet man selten einen Platz, erst recht nicht zur Mittagszeit. Also nicht auf das Wirtshaus vertrauen sondern besser ein paar Bemmen in den Rucksack packen.

Satt gesehen und satt gegessen? Dann laufen wir jetzt auf der Brandstraße zurück. Und zwar bis zu diesem Abzweig auf der linken Seite. Für den grünen Pfeil kann ich natürlich nicht dauerhaft garantieren.

  Hier abbiegen

Der Abzweig führt zum einen – geradeaus – über den Glatten-Stein-Weg zur Aussicht an der Neuwegkanzel. Sehr zu empfehlen, aber heute gehen wir mal anders. Nämlich scharf nach rechts, ins Eisenbahnerloch. Heißt wirklich so, fragen sie mich nicht, warum. Diese Schlucht, es geht abwärts, ist sehr ruhig, ein wenig düster und ein Fest für romantische Gemüter.

Nahtlos geht der Weg in den Mittleren Saugrund über. Hier haben wir zumindest eine Ahnung, wo der Name herkommt. Loch und Grund enden dann auf dem Neuweg, dem wir nach links, immer noch bergab, folgen.

Wir landen an der Polenz, und zwar ziemlich genau in Höhe der Waltersdorfer Mühle. Da kann man einkehren. Allerdings nur auf einen einfachen Imbiss. Würstchen, Kuchen und so weiter. Selbstbedienung am Fenster, der Wirt hat einen Humor, der nicht jedermanns Sache ist. Und er möchte nicht fotografiert werden, was er lautstark kund tut. Egal, die Würste schmecken wirklich, die kommen ziemlich sicher nicht von einem Discounter.

Der weitere Tourenverlauf ist schnell beschrieben: wir folgen dem Tal immer flussaufwärts. Der Weg hat keine Höhenunterschiede, ist breit und befestigt. Langweilig ist er dennoch nicht, dieweil sich auf beiden Seiten des Tales immer wieder tolle Blicke erschließen. Zu guter Letzt landen wir so wieder am Parkplatz.

Fazit: gute 17 Kilometer. Ganz viel Natur. Außer auf der Brandstraße und –aussicht auch sehr ruhig. Ungekrönter Höhepunkt der Tour ist der Begangsteig. Der Rest muss sich aber auch nicht verstecken.

Zum Nachwandern:

2 Gedanken zu „Begangsteig und Eisenbahnerloch Eine Runde im Brandgebiet

  1. Schöner Bericht, nur eine Kleinigkeit als Anmerkung, der „Haldenweg“, heißt meinswissens eigentlich Halbenweg und stammt von den beiden Felsen großer und kleiner Halben an welchen man vorbeigeht.

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