Links und Rechts des Bielatals

Region: Bielatal, linkselbisch
Dauer: sieben Stunden – mit vielen Zick-Zack-Routen und Erkundungen, kann erheblich abgekürzt werden
Entfernung: 11 Kilometer
Höhenmeter (Hoch und Runter): 600 Meter
Schwierigkeit: eher entspannt, es geht dennoch oft hoch und wieder runter
Bemerkungen: Parken am Brausenstein für drei Euro, Einkehr am Kiosk „Dachsensteinbaude“ oder im Gasthaus „Ottomühle“, Imbiss auch in Schweizermühle, für Kinderwagen absolut nicht geeignet

 

Es war Ostern, und es war schönes Wetter. Bei dieser Kombination muss man bestimmte Teile der Sächsischen Schweiz meiden, dieweil man sonst vor lauter Menschen keinen Felsen mehr zu Gesicht bekommt. Also fiel die Wahl auf das Bielatal. Linkselbisch und außerhalb des Nationalparks gelegen sollte es hier ruhiger sein. Was sich dann, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch bewahrheitete. Die Tour ist nicht sonderlich lang, aber es gibt sehr viele kurz-knackige Auf- und Abstiege sowie jede Menge kleine und größere Höhepunkte am Wegesrand. An einigen Stellen sind wir kreuz und quer gelaufen, um noch ein paar versteckte Stellen zu erkunden. Man kann also, wenn man stringenter unterwegs ist, nochmals abkürzen. Genug der Vorrede, laufen wir los.

Start ist auf dem Parkplatz am Brausenstein. Das ist der erste und entlegenste von drei Parkplätzen im Tal, und hier ist eigentlich immer Platz. Gleich über die Straße sehen wir die Rekonstruktion eines mittelalterlichen Hochofens. Eine große Erklärbär-Tafel liefert die historischen Hintergründe, und wir laufen einmal rum und einmal unten durch. Direkt hinter dem Hochofen entdecken wir dann einen unmarkierten Pfad. Erst sanft aufsteigend, später über Treppen führt der uns in die Höhe. Einen Abzweig links nach Schweizermühle ignorieren wir zunächst und gehen weiter geradeaus. Jetzt fällt der Pfad wieder ab, was wir gerade hoch geschnauft sind, stoppeln wir jetzt wieder runter. Unten angekommen, folgen wir dem Gelben Punkt in Richtung Nachbar.

 Hochofen

Selbige nachbarschaftliche Zusammenarbeit gestaltet sich dann ein wenig schwierig. Denn es gibt zwei Aufstiege zu dem so benannten Aussichtspunkt. An dieser Treppe….

…müssen wir uns entscheiden: die Treppe hoch wäre der leichte Aufstieg. Und gehen wir links, dann kommen wir zum schweren Aufstieg, der aber an dieser Stelle schon ein Abstieg ist. Klingt merkwürdig, aber einfach mal ausprobieren. Also links gehen und an eine Felsspalte gelangen, die wir über zwei Leitern abwärts durchqueren. Schon sind wir wieder im Tal, an der hübsch eingefassten Sophienquelle. Dort dann links gegangen, und wir kommen wieder zum Anfang des leichten Aufstiegs, den wir jetzt nehmen.

Klingt wirr und ist es auch. Der GPS-Track, ich gebe es zu, ist da auch nur eine schwache Hilfe. Denn er sieht aus wie ein Schnittmusterbogen. Im Zweifelsfall dem Gelben Punkt folgen. Der führt auf jeden Fall zum Nachbar. Und von dort hat man schon mal einen schönen Blick ins Tal.

Danach zieht sich der Weg eine Weile als sehr bequemer Waldweg hin. Links gibt es noch einen Abstecher zum Sachsenstein.

 Sachsenstein (Archiv 2018)

Dort führt eine sehr steile und enge Stiege hinauf. Gegenverkehr geht nicht, und den Rucksack lässt man auch besser unten. An einem Osterwochenende herrscht da also garantiert Stiegenstau, weshalb wir das Ganze mal ausgelassen haben. An ruhigen Tagen aber dringend zu empfehlen.

 Johanniswacht

Der nächste kleine Höhepunkt am Weg ist die Johanniswacht. Eine ganze Gruppe von wirklich schönen Felsmurmeln. Auf eine davon kann man über Treppen hochsteigen und mal wieder eine Aussicht bewundern. Kletterer sind hier sehr oft anzutreffen. Und auch die Festung Königstein sowie das pittoreske Hüttchen der Kaiser-Wilhelm-Feste grüßen aus der Ferne. Letztere werden wir heute auch noch besuchen.

Direkt neben dem Aufstieg zum Aussichtspunkt findet sich auch ein Abstieg. Wieder geht es über Eisentreppen und sodann durch einige wirklich eindrucksvolle Felsen hindurch.

Wir landen auf der kaum befahrenen Straße am Ortseingang von Ottomühle. Und laufen einmal ins Dorf hinein. Hier kann man sich verproviantieren, sowohl am (sehr empfehlenswerten) Imbiss „Dachsensteinbaude“ als auch in der Gaststätte „Ottomühle“.

Imbiss und Gasthaus

An dieser noch ein paar Meter vorbei halten wir uns links und folgen dem Wegweiser zum Großvaterstuhl. Das ist schon wieder so ein netter Aussichtspunkt, eine Steinbank soll wohl dort den namensgebenden Stuhl darstellen.

 Großvaterstuhl

Wir gehen von der Aussicht ein paar Meter auf gleichem Weg zurück. An der ersten größeren Kreuzung halten wir uns rechts, der Weg ist breit und steigt leicht an. Und er führt uns zur nächsten Aussicht: dem Kanzelstein. Über eine kleine Stahlbrücke, dann Blick frei geradeaus ins Tal.

 Kanzelstein

Zurück zum Hauptweg und nach einiger Zeit nach links gespäht: durch eine Schneise sehen wir schon unser nächstes Ziel: die bizarren Herkulessäulen. Noch ein paar Meter weiter führen uns dann Treppen an den Fuß dieser Felsgebilde, von denen man sich ernsthaft fragt, weshalb sie nicht schon längst umgefallen sind.

Wir halten uns Rechts und folgen sodann einem Grünen Pfeil, der uns durch die stoppelige Felsengasse einmal rund um die Herkulessäulen herum führt. Von verschiedenen Punkten aus kann man hier die Felsnadeln bewundern. In einem zweiten Abschnitt führt die Felsengasse dann, immer noch über Stock und Stein, nach unten.

 Felsengasse

Wir gehen rechts und bei nächster Gelegenheit gleich wieder rechts. Es geht zur Abwechslung mal nach oben. Kopf in den Nacken, und wir sehen schon unser nächstes Ziel: die Kaiser-Wilhelm-Feste.

 Kaiser-Wilhelm-Feste

Eine Tafel erklärt im Inneren des lustigen Hüttchens dessen Entstehung, wobei Bier eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat. Hier war dann auch mal richtig was los, wie aus dem Nichts erschienen plötzlich haufenweise Mitwanderer. Halb so wild, gleich rechts von dem Hüttchen gibt es noch eine kleine Aussicht, und da ist es ruhiger.

Folgen wir jetzt weiter dem Hauptweg, befinden wir uns im Romantikergarten. Einstmals, so muss man wissen, war Schweizermühle ein bevorzugter Kurort der Reichen und Schönen. Und für die wurde hier ein Weg zum Flanieren angelegt, zahlreiche Felsen durch Stufen erschlossen und Rastplätze geschaffen. Von dieser Pracht künden heute leider nur noch die mittlerweile bröseligen Stufen und eine Reihe alter Zaunsäulen. Nicht desto trotz: es lohnt sich, die Felsen zu erkunden, interessante Ausblicke warten.

 Romantikergarten

Augenscheinlichstes Relikt einstiger Pracht ist ein Türmchen rechts vom Weg. Schon als künstliche Ruine gebaut, ist es inzwischen zu einer echten solchen verkommen. Ganz in der Nähe findet man auch noch bemooste Treppen und rostige Geländer, die zu einem inzwischen völlig verwachsenen Aussichtsrondell führen.

 Romantikergarten

Wir steigen mal wieder ab und landen im Ort Schweizermühle an der Straße. Im Zweifelsfall kann man sich auch hier an einem Imbiss verköstigen. Ansonsten überqueren wir die Straße nur und gehen auf der anderen Seite durch das Gelände einer Vereinshütte. (Man betritt dieses ausweislich eines Schildes auf eigene Gefahr.)

Zunächst geht der Weg bequem durch den Wald, ehe wir links diese Stelle sehen.

Wir gehen erst über die Treppen, dann über einen Steg und landen im Rosengarten. In besseren Zeiten diente dieser Felskessel als Bühne für Konzerte und Theater, heute kann man Dank einiger hübscher Bänke hier immerhin noch schön rasten. Eine Nikolaus-Grotte und ein Kriemhieldenstein wollen entdeckt werden.

 Rosengarten

Wir steigen aus dem Kessel auf und schauen rechts. Dort geht es, wieder über allerlei Stufen, zur Wetterfahnen-Aussicht. Selbige dreht sich dort im Wind, zu sehen gibt es, wie immer, das Bielatal.

 Wetterfahnen-Aussicht

Zurück von dieser Aussicht weiter dem Hauptweg gefolgt, und wir können nochmals in einen Talkessel absteigen: in den Gedächtnishain. Hier erinnerte einst ein Denkmal an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und des ersten Weltkrieges. Leider hat man das nach 1945 geschändet, nur noch ein Hinkelstein und ein eiserner Lorbeerkranz sind übrig.

 Gedächtnishain

Der Gedächtnishain ist eine Sackgasse, wir steigen wieder hoch und kommen als nächstes an die Aussicht Kleine Bastei. Blick so ähnlich wie gerade an der Wetterfahne.

 Kleine Bastei

Was auch für die letzte Aussicht für heute gilt, den Berthablick. Von hier hat man auch eine schöne Sicht auf die kleine Waldkapelle von Schweizermühle. Welche aber schon einige Jahrzehnte nicht mehr als Gotteshaus dient.

 Berthablick

Genug gesehen, der Weg führt jetzt nach unten und endet an der Straße. Die letzten Meter bis zurück zum Parkplatz müssen wir jetzt auf derselben laufen. Ist aber nicht weit.

Fazit: wenige Kilometer, dafür viel hoch und runter und ganz viel zu sehen. Eher nichts für sportliche Kilometerfresser. Man sollte sich wirklich Zeit nehmen, die vielen Abstecher und Aussichten zu entdecken. Und: außer an der Kaiser-Wilhelm-Feste war es tatsächlich auch zu Ostern ruhig im Wald.

Zum Nachwandern:

Der Track sei bedingt empfohlen, dieweil wir oft hin und her gelaufen sind und alles somit etwas wirr aussieht.

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