Es grünt so grün, Teil zwei: Grenzweg

Eigentlich sollte dieser Text auf “Teil eins” folgen. Verschiedene aktuelle Ereignisse haben ihn nach hinten verschoben. Aber jetzt:

Wenn ich mich schon am sprießenden Grün rund um die Winterbergbaude erfreut hatte, konnte ich auch gleich noch ein paar Meter weiter gehen: zum Grenzweg. Den hatte ich vor vier Jahren, kurz nach dem großen Brand, letztmalig besucht. Damals sah es aus wie in den Kulissen für einen Edgar-Wallace-Film. Nun, in vier Jahren war die Natur nicht untätig. Diesmal geriet ich in die grüne Hölle. Und nein, ich meine nicht den örtlichen Stammtisch einer gewissen Partei.

Hier erst mal ein grober Überblick:

Komp 1

Ich bin also nicht den ganzen Grenzweg, sondern nur vom Katzstein aus bis zur Grenze, dann weiter bis zur Kreuzung Weberschlüchte-Fremdenweg und schließlich noch zum Prebischtor “von hinten” gegangen. Drei Smileys hab ich eingezeichnet: eines grübelt, eines hat richtig Wut und eines schmeißt mit Herzchen um sich. Da muss der Erklärbär ran.

Vom Katzstein zur Grenze:

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Die Absperrung ist noch da, aber ganz ohne jedes Schild. Wahrscheinlich, um niemanden das Maul wässrig zu machen und ihn auf nationalparkunkonforme Gedanken zu bringen. Auf dem Wegstück, das ja gleich mehrmals mutwillig verbarrikadiert wurde, liegen jetzt nur noch wenige, natürlich gefallene, Bäume. Merkwürdig wird es aber dann direkt an der Grenze: hier stehen schon hunderte junge Birken, so knapp mannshoch. Der Weg verschwindet fast. Falls es mal wieder brennen sollte, hätte die Feuerwehr hier ein deutlich größeres Problem als 2022. Das kann ja nicht im Sinne des Brandschutzes sein. Deshalb das “Grübel-Smiley”. Der schlanke Wandersmann findet natürlich einen Pfad da durch. Zumal man noch die Verbotsschilder (deutsche wie tschechische) durch die Birken erspähen und sich so orientieren kann. Danke liebe NPV für diesen Service.

Der eigentliche Grenzweg

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Farnkraut, Blaubeeren und Birken. Birken über Birken. Nicht mehr hunderte, sondern zehntausende. Aber fast immer ein gut zu erkennender Pfad. Nur an ganz wenigen Stellen muss man mal ein wenig nach dessen Verlauf suchen. Aber auch hier gilt: im Falle eines Falles hätte es die Feuerwehr hier viel schwerer als vor dem Brand.

Beruhigend ist aber, dass die Herren und Damen (und eventuell Diverse) der NPV den Pfad nicht ganz zuwachsen lassen können. Denn laut zwischenstaatlichem Vertrag über die deutsch-tschechische Grenze müssen die Grenzsteine immer erreichbar sein.

Und ganz untätig ist man tatsächlich nicht. Wer hier schon mal war, der kennt diese merkwürdige Logik: an einem Weg, auf dem eigentlich keiner gehen soll, stehen zur Linken wie zur Rechten noch Dutzende weitere Kernzonenschilder. Rund die Hälfte von denen waren 2022 auch verbrannt. Und jetzt, oh Wunder, sind sie alle wieder da. Frisch und wie aus dem Ei gepellt. Kosten zwar nicht die große Menge, aber wenn mal wieder jemand fragt, wofür alles Geld da ist…

Eine Wildkamera steht da jetzt auch am Wegesrand. Vielleicht erwischt die ja mal einen der berühmten Phantom-Auerhähne.

Die Aussicht am Kanapee

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Hier kommt der Wut-Smiley zum Einsatz. Einstmals war das eine große, freie, leicht abfallende Fläche, die einen umwerfenden Ausblick bot. Sogar für einen Löschhubschrauber war hier 2022 Platz. Pustekuchen. Irgendwie haben es die Elendsbirken geschafft, sich auf der Sandsteinplatte festzukrallen. Dicht an dicht stehen sie da. Alles zugewachsen. Noch zwei, drei Jahre, und man sieht gar nichts mehr. Dann knallen in der sächsischen NPV die Sektkorken, in der tschechischen verklappt man eine Pulle Slibowitz.

Die grüne Hölle eben.

Da die Aussicht komplett auf tschechischer Seite liegt, und obendrein rund 30 Meter von den Grenzsteinen entfernt, kann man da nicht viel machen. Vom Staatsvertrag (Grenzsteine müssen erreichbar sein) ist sie ja nicht betroffen. Aber nur so am Rande: wenn ein jeder, der sich hierher verlaufen hat (das geht manchmal schnell) und der obendrein eine Säge dabei hat (wie der Zufall so will) einen kleinen Subbotnik einlegt, dann ist vielleicht noch was zu retten. (Den Subbotnik hab ich mal für die Leser aus den gebrauchten Bundesländern verlinkt.)

Fremdenweg – Prebischtor “hinten rum”

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Zeit für das “Herzchen-Smiley”. Den Abzweig muss man ein wenig zwischen den Birken suchen, aber nur ein wenig. Danach sieht der Weg fast so aus wie immer. Und der Blick aufs Tor ist nach wie vor der Hammer. Man glaubt fast, es anfassen zu können. Meine geschätzte Wanderbegleitung, zum ersten Mal hier, wollte gar nicht wieder weg und hat eine gefühlte ganze Speicherkarte gefüllt.
Und man fragt sich wieder einmal, warum dieser Anblick, den unsere Vorfahren von einem Hauptwanderweg aus genießen konnten, heute ganz toll verboten ist. Zum Schutz von Blaubeeren, Farnkraut und zehntausenden Birken? Das könnt ihr eurem Frisör erzählen. (Für Frisöre: dies ist ein geflügeltes Wort und soll mitnichten eine Missachtung des ehrwürdigen Berufs eines Figaros zum Ausdruck bringen.)

Kleines Fazit:

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Der Grenzweg darf nicht zuwachsen, da sind Verträge vor. Allerdings ist er schon jetzt in einem Zustand, der es der Feuerwehr im Brandfall richtig schwer machen würde. Hab ich früher (dürr und nur mit Rucksack, also ganz ohne Löschgerät) so um die 45 Minuten vom Katzstein bis zum Kanapee gebraucht, so war es diesmal eine gute halbe Stunde länger durch das Birkendickicht. Das widerspricht schon irgendwie den postulierten Bemühungen um mehr Brandschutz.

Für die Aussicht am Kanapee sehe ich perspektivisch leider schwarz. Die spielt weder für den Grenzverlauf noch für den Brandschutz eine Rolle. Da kann man mal richtig “Natur Natur sein lassen”. Und stolz drauf sein wie Bolle.

Ein Tränchen verdrückt und ein wehleidiger Blick zurück: Das Foto stammt von 2013:

Unbenanntes_Panorama1

Höhepunkt ist und bleibt aber der Blick auf das Prebischtor. Und der ist nach wie vor unverstellt und gut zu erreichen. Immerhin.

Und außerdem:

HIER gibt es noch ein paar mehr Dinge über diesen kleinen Abstecher zu erfahren. Allerdings hinter einer Bezahlschranke. Man kann das Ganze aber auch ganz klassisch gedruckt auf Papier kaufen.

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