Ein paar Tipps: Böhmische Schweiz

Immer mal wieder bekomme ich Anfragen, was denn bei Besuchen in der Böhmischen Schweiz zu beachten sei. Vor allem Leser aus den angestammten Bundesländern glauben oft, sie begeben sich hier in ein Dritte-Welt-Land. Gott sei Dank ist das überhaupt nicht der Fall. Aber denn doch und auf mehrfachen Wunsch werde ich hier mal ein paar Kleinigkeiten zusammenfassen.

DSCN9177 Böhmische Schweiz: Aufstieg zum Rudolfstein.

1. Einreise

Dank Schengen überhaupt kein Problem mehr. Man fährt einfach durch. Selbst nachdem die Bunderegierung vor einiger Zeit – im Zuge des Ansturms von Asylanten – verschärfte Grenzkontrollen verkündet hat, hat sich praktisch gar nichts geändert. Ich bin in seit dieser Ankündigung vier mal über den für das Wandergebiet Böhmische Schweiz wichtigsten Grenzübergang Schmilka-Hernnskretzschen (Hřensko) gefahren. Von Kontrollen weit und breit keine Spur. Aber trotzdem sollte man natürlich immer einen Ausweis dabei haben.

DSCN5777 Am Belvedere.

2. Verständigung und Ortsnamen

Sie werden staunen, aber mit Deutsch kommt man hier ziemlich weit. Fast jeder, der mit Ihnen zu tun hat – also Kellner, Pensionsbetreiber usw. – spricht deutsch. Aber so ein paar Brocken Tschechisch können natürlich nicht schaden – man wird es danken. Pflicht ist ein höfliches “Dobrý den” (Guten Tag), wenn man Mitwanderern im Wald begegnet. Das ist hier wirklich Standard. Bei den Ortsnamen können Sie zwischen deutsch und tschechisch wählen. Ausgeschildert sind aber immer nur die tschechischen Namen, weshalb ich die bei meinen Wandertipps auch immer in Klammern setze. Im direkten Gespräch können Sie aber gern die deutschen Namen benutzen, niemand wird es Ihnen verübeln. Zumal Sie die tschechischen Namen ohnehin nicht sauber über die Lippen bekommen. Dazu ein Beispiel: Herrnskretzschen heißt auf tschechisch Hřensko. Wenn Sie das deutsch aussprechen, dann wird da: “Rrennskoo” draus. Was kein Tscheche versteht. Denn über dem “r” hängt so ein kleiner Haken, und so lautet die korrekte Aussprache: “Hrschenkso”, mit einem sehr kurzen “o” am Ende. Sie können gern üben.

DSCN9103 Böhmische Schweiz: Schaunstein.

3. Monetäres

Die klugen Tschechen haben sich nicht dem Euro angeschlossen und somit mit der Krone noch ihre eigene Währung. Aber: Sie können überall, wirklich überall, problemlos in Euro zahlen und bekommen dann auch ihr Wechselgeld in Euro. Wobei dann allerdings ein schlechterer Kurs angelegt wird. Offiziell lautet der im Moment 1:27. Zahlen Sie in Euro, wird meist so um die 1:25 bis 1:23 gerechnet. Tauschen Sie aber an Wechselstuben um, dann nehmen die eine Provision – es bleibt also am Ende egal, ein wenig Verlust entsteht immer. Ideal wären hier Geldautomaten, aber die gibt es fast nicht. Lediglich in den größeren Orten Tetschen (Děčín) und Schönlinde (Krásná Lípa)  finden sich solche. Und selbst da gilt: aufpassen! An den Geldautomaten werden Sie nämlich immer gefragt, ob Sie die Abrechnung in Euro oder in Kronen bekommen wollen. Hier nie “Euro” wählen, denn dann wird Ihnen ein Mondkurs berechnet. Am einfachsten ist es also wirklich, in Euro und in Bar zu zahlen.

DSCN9119 Die Grundmühle.

4. Speis und Trank

Hier bekommt man als Deutscher leicht einen roten Kopf, wenn die Rechnung kommt. Denn nach wie vor sind die tschechischen Wirtshäuser unverschämt günstig. Hauptgerichte kosten so um die drei bis fünf Euro, ein halber Liter hervorragendes böhmisches Bier teilweise unter einem Euro. Natürlich muss man auch hier zwischen Hotelrestaurant und Dorfkneipe unterscheiden – was die Preise anbelangt. Aber geneppt, das kann ich versprechen, werden Sie nie. Einige der Dorfkneipen sind sehr – vorsichtig ausgedrückt – rustikal. Aber keine Bange: auch wenn die Einrichtung teilweise chaotisch und uralt ist – alles ist immer sauber. Auch der Lokus, selbst wenn dort die Installation noch aus den 60er Jahren stammt. Speisekarten sind immer, wirklich immer, auch in Deutsch verfügbar.

DSCN1569 Sehr rustikal: das Wirtshaus “Zamecek”.

5. Sicherheit

Über Ihre persönliche Sicherheit müssen Sie sich keine Gedanken machen, die Kriminalität geht gegen Null. Allerdings gibt es das Problem mit den Autos. Hier helfen aber ein paar simple Ratschläge. Zum einen: es gibt überall bewachte Parkplätze – und “bewacht” meint hier, dass da wirklich noch ein guter alter Parkwächter seinen Dienst versieht. Kostet meist so um die zwei Euro für die Tageskarte. Rund um das Prebischtor wird es deutlich teurer, da sind bis zu 4,50 Euro pro Tag zu veranschlagen. Allerdings steht Ihr Auto da auch überall wirklich sicher wie in Abrahams Schoß. Außerdem gibt es auch noch kostenlose und unbewachte Waldparkplätze. Und von denen möchte ich hier ausdrücklich abraten. Wir haben es selbst erlebt: ein 15 Jahre alter Opel Corsa, als Fahrzeug nichts mehr wert, aufgebrochen und Scheiben eingeschlagen. Dubios, zumal auch im Auto nichts, aber auch wirklich gar nichts zu holen war.

Corsa Opel kaputt.

Was dann folgte war fast schon wieder lustig: ein schwergewichtiger tschechischer Polizist, der irgendwie an Chief Wiggum aus einer bekannten Fernsehserie erinnerte, die Spurensicherung, die Fingerabdrücke am Auto nahm, und eine Fahrt nach Schönlinde (Krásná Lípa) ins Polizeirevier, wo sogar ein Dolmetscher fürs Protokoll anwesend war. Hat Stunden gedauert. Und ist natürlich ausgegangen, wie das Hornberger Schießen.  Also hier Tipp zwei: nie auf unbewachten Parkplätzen stehen.

DSCN2858 Rechts: Chief Wiggum.

6. Wanderwege

Und um die geht es ja eigentlich. Es gibt jede Menge, bestens beschilderte, Wege in der Böhmischen Schweiz. Und im Gegensatz zur Sächsischen Schweiz sind die auch oft in einem wenig “stöckelschuhtauglichen” Zustand. Es macht also einfach Spaß, hier lang zu gehen. Und mit Ausnahme der Wege rund ums das Prebischtor, die allesamt touristisch überlaufen sind, geht es auch sehr ruhig im Walde zu.

DSCN6785 Die “Enge Stiege” (Ùzké schody)

7. Fazit

Kommen Sie ins Böhmische, es lohnt sich. Ich werde selbst in den nächsten Tagen noch drei Touren hier abwandern, und die dann hier auch vorstellen.

3 Gedanken zu „Ein paar Tipps: Böhmische Schweiz

  1. Meine Frau und ich wandern schon seit einigen Jahren von unserem Sommerurlaub in Hinterhermsdorf auch viel der Böhmischen Schweiz.
    Ich persönlich liebe das. Ist irgendwie einen Tick abenteuerlicher als im Sächsischen.
    Das mit den Parkplätzen sehe ich aber als ein gewisses Problem. Bei vielen Ausgangspunkten unserer Touren war weit und breit kein bewachter Parkplatz zu entdecken. Eigentlich ist noch nie was Schlimmes passiert. Nur einmal hat man scheinbar erfolglos versucht, unseren alten Panda aufzubrechen. Spuren an der Türe gaben einen Hinweis darauf.
    Gruß
    Andreas

    1. Ich liste mal ein paar Parkplätze auf. Weil es mir schneller von der Hand geht, benutze ich nur die deutschen Ortsnamen:
      Herrnskretzschen – alle Parkplätze bewacht, Richtung Prebischtor teuer
      Rainwiese: riesiger Parkplatz, bewacht, teuer
      Hohenleipa: direkt am Ortseingang in der scharfen Rechtskurve, außerdem am Hotel „Lipa“ im oberen Ortsteil – beide bewacht, preiswert
      Dittersbach: bewachter privater Parkplatz am Ortsausgang Richtung Rennerdorf rechts (mit eigener Schranke), unbewachter und kostenloser Parkplatz in der Ortsmitte am ehemaligen Restaurant „Praha“, direkt gegenüber der Touristeninformation, also sehr zentral und damit ungefährlich
      zwischen Rennersdorf und Kreibitz: direkt an der Informationsstelle und der Straße zur Balzhütte – auch sehr zentral

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