Besser wandern–Johannespromenade

Von Schmilka nach Herrnskretschen (Hřensko)– fußläufig macht das keinen Spaß. Knappe zwei Kilometer geht es an der vielbefahrenen Straße lang. Zwar gibt es einen Seitenstreifen für Fußgänger, aber eine Freude ist das nicht. Nun, unsere Altvorderen haben für Abhilfe gesorgt. Ein fast vergessener, stiller Weg verläuft parallel zur Straße auf der Höhe des Hanges – die Johannespromenade. Wie wir noch sehen werden, wurde die einst speziell für die Sommerfrischler im Hotel Herrenhaus angelegt. Selbiges existiert aber schon rund 83 Jahre nicht mehr, und so geriet der Weg in Vergessenheit. Vor rund zwei Jahren wurde er aber genutzt, um von hier aus die Fangzäune rund um Herrnskretschen zu bauen – und bei der Gelegenheit frei geräumt. Man kann ihn also gut laufen – und sollte es auch. Gehen wir also los.

Starten wir in Hitzerhausen…Verzeihung, in Schmilka. Hier ist alles sehr schick, aber nicht wirklich billig. “Bio” steht auf dem Speiseplan. Ehrlich, es schmeckt wirklich gut, man kann es sich eben nur nicht so oft leisten. Aber wenn wir schon mal hier sind…

Sehr hübsch

Wir gehen noch ein Stück bergan, und erspähen dann zu unserer Rechten diese Treppe:

Da geht es hoch und dann nach rechts weiter. Wir folgen jetzt der gelben Markierung, ausgeschildert ist doch tatsächlich der Grenzweg. Ja, auf diesem kurzen Stück darf man den legendären Weg tatsächlich legal begehen. Ein kleine Aussicht auf Schmilka findet sich in einer Linkskurve.

 Nette Aussicht

Die ganze Zeit begleitet uns ein recht merkwürdiges Geländer, sieht irgendwie aus wie gewollt und nicht gekonnt. Und eigentlich braucht man hier gar kein Geländer. Der Weg zieht sich sanft, aber stetig weiter nach oben.

 Merkwürdig

Aber das Geländer macht doch noch Sinn, denn dort, wo es aufhört, schärfen wir unsere Sinne. Noch rund 50 Meter, und ein Pfad geht rechts im spitzen Winkel und ins Tal ab. Den nehmen wir. Sodann überqueren wir ein meist trockenes Bachbett – und sind im Böhmischen. Ein Grenzschild kann gut als Orientierung dienen.

 Hier sind wir richtig

Wir gehen noch paar Meter in Richtung Elbe und kommen an eine Buche, die schon eher einer Litfaßsäule ähnelt.

 Analoger Chat

Hier biegt der Weg scharf links ab, und er ist ab jetzt immer breit und gut zu erkennen. Höhenunterschiede gibt es so gut wie nicht mehr. Sehr gut kann man noch die alten Trockenmauern sehen, die vom einstigen Ausbau künden.

Hin und wieder liegt auch mal Holz in der Kreuz und in der Quer. Aber immer kleingeschnitten, so dass man problemlos vorbei kommt.

 Null Problemo

Der Weg teilt sich. Leicht links ginge es direkt weiter. Wir aber halten uns leicht rechts, um noch einen Höhepunkt zu besuchen: den Herrenhausfelsen. Schon von weitem erspähen wir die Aussicht.

 Herrenhausfelsen

Über gemauerte Serpentinen – voller Laub – geht es nach unten. Obacht, an einer Stelle muss man die Serpentinen “schneiden” und an der Mauer herunterklettern. Der Laubhaufen dahinter verbirgt nämlich einen gähnenden Abgrund.

  Serpentinen

Wir durchqueren noch einen künstlich angelegten Felstunnel und stehen an der Aussicht. Unter uns die Elbe und Herrnskretschen.

An- und Aussichten

Das kunstvolle schmiedeeiserne Geländer hat man im Zuge des Baus der Fangzäune gleich mal festgeschraubt – es hatte jahrzehntelang gewackelt wie ein Lämmerschwanz. Übermäßig viel Vertrauen sollte man aber auch jetzt nicht haben. Und erfreulicherweise ist eine Satellitenschüssel, die die Aussicht viele Jahre verunzierte, auch verschwunden.

So, und jetzt zur Historie. Die Serpentinen, das haben wir bemerkt, enden auf halber Höhe. Danach kommt leicht gebremster freier Fall direkt in die Rückseite der Buden der vietnamesischen Händler. Wenn wir da reinkrachen, fällt der Topf mit dem Crystal vom Ofen, und das gibt Ärger. Es gibt also keinen Weg nach unten. Warum? Ganz einfach: der Aufstieg begann einst an der Terrasse des Hotels Herrenhaus, und die befand sich in etwa auf Höhe des dritten Stockwerkes. Kein Hotel mehr da, also auch keine Terrasse. Wir steigen also wieder nach oben und begeben uns zurück zur Wegegabelung. Jetzt geht es leicht links weiter.

Der Weg macht eine weite Kurve nach links. Es liegen viele Bäume herum, aber immer so, dass man mit ein wenig die Füße heben problemlos drüber kommt.

Schließlich sehen wir rechts einen Pfad nach unten abgehen. Den nehmen wir. Auch der ist mit Stützmauern und alten Treppenresten ausgebaut, es ist der Heusteig. Im Zickzack geht es abwärts, in den Fangzäunen hat man hier freundlicherweise eine Lücke gelassen.

  Fangzaun

Die letzten Meter geht es dann auf einer richtig zivilisiert aussehenden Treppe nach unten, wir stehen am Kamnitzufer in Herrnskretschen, direkt neben dem Hotel “Praha”.

 Letzte Stufen

Ab jetzt dann weiterwandern nach Gusto. In die Klammen Boot fahren oder zum Prebischtor. Oder über die Bielhornaussicht nach Jonsdorf (Janov), zurück vielleicht über den Elisalexfelsen. Der Möglichkeiten gibt es viele.

 Elisalexfelsen

Die Johannespromenade ist in den Karten von OSM eingezeichnet, und erstaunlicherweise auch in der gedruckten offiziellen Karte des Nationalparks Böhmische Schweiz.
Wer nur mal schnell nach Herrnskretschen will (tanken, Kippen, Fusel, Raubkopien, falsche Markenklamotten, illegale Stichwaffen, Socken im 10er-Pack oder Rauschgift kaufen) der nimmt besser den Weg entlang der Straße. Auf der Johannespromenade braucht man deutlich länger, hat dafür aber eine wunderbaren Weg auf seiner Wanderung.

Und so ganz nebenbei: falls es mal wieder pestbedingte Ein- und Ausreisebeschränkungen gibt – Sie wissen schon….

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