Verstecktes am Lilienstein und drum herum

Diese Tour dreht sich um den Lilienstein. Da denkt man ja, bei einem Felsen, der schon im Logo des Nationalparks auftaucht und den Jahr für Jahr so um die 100 000 Gäste besuchen, da kennt man irgendwie alles. Na, vielleicht kann ich ja doch noch ein paar Dinge erwähnen, die nicht zum Standardprogramm gehören. Sowohl auf dem Lilienstein, als auch drum herum. Eine kleine Höhle, eine fast vergessene Stiege oder obige Aussicht auf die Elbe. Einfach mitkommen!

Starten wir also auf dem großen Parkplatz direkt am Fuß des Liliensteins. Hier ist wirklich reichlich Platz. Und es verblüfft mich immer wieder, mit welcher Kaltschnäuzigkeit man hier das Solarpanel für den Parkscheinautomaten an den nächstbesten Baum genagelt hat. Das sollte ich mir mal mitten im Nationalpark erlauben.

  Zack und dran

Der Parkscheinautomat als solcher dagegen präsentierte sich in genau jenem Zustand, in dem ich die Dinger mag. So beginnt eine Tour doch gleich mal recht erfreulich.

  Ab unter die Plane

Wir verlassen jetzt den Parkplatz und folgen der Ausschilderung zum Südaufstieg des Liliensteins.

Es geht auf einem sehr bequemen Waldweg leicht bergan, zur Rechten hat man schon mal einen netten Blick zur Festung Königstein.

Der Wanderweg (blauer Strich) biegt dann nach links zum eigentlichen Aufstieg ab, was wir aber geflissentlich ignorieren und weiter am Waldrand entlang geradeaus gehen. Ein Pfad ist da deutlich zu sehen.

  Geradeaus weiter

Alsbald kommen wir so zur Talstation der Lastseilbahn, welche die Bergbaude versorgt. Mit Blick zum Berg nehmen wir den Waldrand unter die Lupe und entdecken, leicht links, den Beginn eines Pfades.

Den nehmen wir. Der Pfad trägt den Namen Seilbahnstufen. Was sich fast von selbst erklärt, denn es geht tatsächlich über viele sehr alte Steinstufen aufwärts. Links und rechts vom Weg viel Felsbruch, teilweise wirklich bizarr anzuschauen.

Schließlich endet der Weg an diesem Geländer, dahinter zieht sich dann das letzte Drittel des offiziellen Südaufstiegs lang.

  Den offiziellen Weg schon im Blick

Aber Halt. Ehe wir über das Geländer steigen, spähen wir rund 20 Meter davor mal rechts in den Wald. Genau, da beginnt ein schmaler Pfad, den wir jetzt mal einschlagen. Obacht, der Pfad ist keineswegs turnschuhtauglich.

  Sehr pfadig

Dafür bringt er uns zu einer fast vergessenen Steige: dem Zustieg zur Liliensteinnadel. Die Stiege befindet sich links in einer Felsspalte, man muss ein wenig suchen. Es geht recht steil über Felsblöcke aufwärts, zur Erleichterung sind alte Handläufe im Fels. Die aber Dank der Erosion mittlerweile ziemlich hoch liegen. Man muss sich strecken.

Ist aber weniger schwer, als es anfangs aussieht. Oben empfängt uns dann eine alte Aussicht (sogar mit Geländer!), die derzeit ein wenig von einem umgestürzten Baum gestört wird.

Wir steigen also mit Bedacht wieder ab, gehen den Pfad zurück, hüpfen über das Geländer und absolvieren den Rest des offiziellen Aufstiegs. Ab jetzt sind wir nur noch selten allein.

  Südaufstieg

Oben angekommen gehen wir erst mal nach Links, da gibt es wieder einige schöne Aussichten, zu erreichen über ein paar kleinere Leitern und Stege.

  Ausblicke

Wir kommen zurück zu der Stelle, an der wir den Südaufstieg verlassen haben. Rechts eine beeindruckende Buche, links dieses Geländer mit Wegweiser.

Und eben jenes Geländer übersteigen wir mit kühnem Schwunge und folgen einem schwach sichtbaren Pfad. Scharf nach links ins Gestrüpp gespäht, und wir sehen dieses Konstrukt.

Oha, das ist doch tatsächlich ein wackeliger Geländerrest mit zugehöriger Treppe. Welcher man, im Gegensatz zum Geländer, bedenkenlos vertrauen kann. Ein paar Stufen, und wir stehen in einer kleinen Höhle mit einem netten Ausblick durch eine Felsspalte.

Das hat was. Satt gesehen, und wir steigen wieder übers Geländer und gehen nach links. Vorbei am Wirtshaus, stehen wir alsbald vor Obelisk Nummer eins, welcher an ein Thronjubiläum der Wettiner erinnert. Hier ist die Aussicht mal wieder große Klasse.

  Obeliskenaussicht

Sodann folgen wir dem offiziellen Weg und umrunden das Plateau gegen den Uhrzeigersinn. Der Weg führt zunächst an der Bergstation der Seilbahn vorbei, dann über eine winzige Brücke. Direkt dahinter, rechts im Wald, finden wir den Zugang zur Drachenhöhle. Recht klein ist die, aber in früheren Zeiten führte von hier eine Stiege in die Schlucht darunter und auf der anderen Seite wieder hoch. Von dieser Stiege sind leider seit vielen Jahrzehnten nur noch die Stummel der abgesägten Eisen übrig, so dass hinter der kleinen Höhle für den Wandersmann Schluss ist. Umkehren.

  Drachenhöhle

Gleich danach kommen wir zu Obelisk Nummer zwei, diesmal erinnert er daran, das August der Starke auch mal hier oben war. Der Obelisk ist eine Kopie, das Original hat in den 1960er Jahren der Blitz geholt. Der neue Obelisk war eine Spende der Bähnerten, Verzeihung: des Schauspielers Tom Pauls.

Wir gehen weiter gegen den Uhrzeigersinn, immer an der Kante lang und vorbei an mehreren Aussichten, eine besser als die andere. Von hier oben erspähen wir auch schon unser nächstes Ziel: die Sellnitz, ein früherer Bauernhof, der heute als Jugendbegegnungsstätte des Nationalparks genutzt wird.

  Sellnitz

Aber zunächst geht es über den Nordaufstieg runter, ein paar Eisentreppen, ein paar Stufen.

  Die FDJ grüßt unverbrüchlich!

Unten folgen wir jetzt der Ausschilderung Gelber Strich und kommen schon nach wenigen Minuten zur Sellnitz. Hier fand heute ein Familienfest statt, das Geschrammel der Band hatten wir schon beim Abstieg gehört. Viele fantasievolle Spielmöglichkeiten für kleinere Kinder gab es da, das unvermeidliche Wolfsbüro lobte die Segnungen des Isegrim und ein leckeres Stück Kuchen ward verklappt.

  Sellnitzfest

Plastikfische wollte ich keine angeln (die brauchen ewig, bis sie durch sind), und so setzen wir unseren Weg – weiter gelber Strich – fort und kommen in das kleine Dorf Prossen. Hier gleich an der ersten Kreuzung der Ausschilderung ins Prossner Gründel gefolgt.

Die Dorfstraße endet denn auch nach 500 Metern und wird zu einem sehr angenehmen Waldweg, der sanft ansteigt. An Kreuzungen orientieren wir uns an einem Grünen Punkt oder der Anzeige: Waltersdorf. Und genau diesen Orte erreichen wir nach einer geruhsamen halben Stunde.

Es geht nach rechts, ein Stück an der Dorfstraße entlang. Bis wir das Straßenschild “Neuer Weg” entdecken, dem wir nach links folgen.

  Hier abbiegen

Dann am nächsten Wegweiser Richtung Rathen oder Gamrig abbiegen.

  Und dann da lang

Durch ein wahrhaft lauschiges Tal bringt uns der Weg an des Fuß des Gamrig samt großem Parkplatz. Ein Blick von unten aufs Gipfelplateau – welches eine sehr schöne Aussicht bietet – zeigte heute aber großes Gewimmel da oben, so dass wir verzichteten.

Statt dessen gehen wir nach links, der Ausschilderung zum Rhododendronpark folgend, zunächst über einen befestigten Feldweg.

Und jetzt kommt es dicke: da, wo aus dem Feldweg ein Waldweg wird, da steht doch allen Ernstes eine Ampel im Wald. Und die zeigt, wie es Ampeln meist tun, natürlich Rot. Wir warten brav.

Oder doch nicht? Wir latschen vorbei. Gleich hinter der Ampel steht am linken Wegesrand ein Nationalparkschild herum. Das nehmen wir genauer unter die Lupe und stellen fest: da beginnt ein Pfad. Hinterher.

Der Pfad bringt uns mit einigem Auf und Ab zu einem stark erodierten Fels namens Backofen. Der bietet wunderbare Aussichten auf die Elbe und ein Loch zum Durchgucken.

Den Pfad wieder zurück und weiter auf dem befestigten Waldweg Richtung Rhododendronpark. Hoffentlich war Grün.

Im Rhododendronpark oberhalb von Rathen war die Pracht leider schon fast verblüht. Schade, aber der gleich daneben befindliche Aussichtspunkt Kleine Bastei war allemal einen Besuch wert.

Wir steigen ab in Richtung Rathen, vorbei an malerischen Blicken und allerlei Getier.

  Null Bock

In Rathen selbst brummt dann der Tourismus. Hier kommen eben mit Bastei, Amselsee, den Eisenbahnwelten und der Felsenbühne gleich mehrere touristische Höhepunkte zusammen. Entsprechend groß ist das Gewusel. Einfach mit treiben lassen, bis die Elbe in Sicht kommt.

  Rathen

Wir gehen flussaufwärts. Schon nach wenigen hundert Metern ist vom Touristentrubel nichts mehr zu spüren, wir sind auf einem bequemen Waldweg, rechts die Elbe, links die Berge.

  Ruhig und bequem

Eine Stelle verdient dabei unsere besondere Aufmerksamkeit, denn hier wird gleich auf drei Schildern vor allerlei Unbill gewarnt:

  Ach du Schreck

Der annoncierte Elektrozaun sieht dann so aus:

Und das ganze Grundstück so:

Da sind die Mutterkühe wohl weggelaufen. Oder auf dem Grill gelandet.

Wir gehen bis zum nächsten Wegweiser, der uns nach links auf den Lottersteig führt.

Selbiger ist aber gar nicht verlottert, sondern gut ausgebaut. Es geht noch einmal knackig nach oben.

  Lottersteig

Oben angekommen grüßt am Wegesrand das Wirtshaus Zum alten Hansjörg – das heißt wirklich so.

  Zum jungen Lenny-Kevin

Wir könnten jetzt nach rechts auf der Straße direkt zum Parkplatz laufen, aber einen kleinen Abstecher wollen wir uns doch noch gönnen. Also geradeaus am Feldrand entlang.

Bei nächster Gelegenheit rechts in den Kirchweg einbiegen, erst ein Stück durch den Wald, dann am Waldrand entlang. Wir kommen zum Waldfriedhof. Bis 1945 befand sich an dieser Stelle ein Zwangsarbeitslager für Kriegsgefangene, danach wurden die Baracken als Notunterkunft für Heimatvertriebe benutzt. 117 von ihnen sind aus Hunger und Erschöpfung in diesem Langer gestorben. Der Friedhof erinnert an diese Tragödie.

  Waldfriedhof

Wir haben jetzt den Lilienstein wieder direkt vor Augen und gehen über satt grüne Wiesen darauf zu. Am Felsfuß biegen wir rechts auf einen gepflasterte Weg ab, der uns wieder zurück zum Parkplatz bringt. Wir sind rum.

Fazit: knapp 17 Kilometer. Dabei aber keine wirkliche Anstrengung, alles recht entspannt. Auf dem Lilienstein mit all seinen kleinen und großen Höhepunkten kann man locker zwei bis drei Stunden verbringen. Wem das noch nicht genug ist, der kann auf halber Strecke auch noch den Gamrig besteigen.

Zum Nachwandern:

PS: man hat mich letztens gefragt, ob ich Rennsemmeln als Wanderproviant im Rucksack hätte. Wegen der knappen Zeitangaben im GPS-Track. Keine Panik, die Kiste misst einfach nur die reine Laufzeit. Sobald ich mal stehen bleibe – und das passiert oft – dann stoppt automatisch auch Uhr. Wenn also hier 3:42 Stunden als Wanderzeit angegeben ist, dann kann man das ruhigen Gewissens als “Tagestour” übersetzen.

4 Gedanken zu „Verstecktes am Lilienstein und drum herum

  1. Heimatkunde👍.
    Ich mag Schilder,welche Drohkulissen aufbauen.Und diese durch kreative Schreibweise gleich wieder zum Einsturz bringen.
    Angenehme Tour,danke!
    Nur am „Stillen Fritz“ in Waltersdorf komm ich nie vorbei,ohne abzubiegen.

  2. Die Ampel steht dort übrigens schon mindestens 1 Jahr im Wald herum, soll wohl die Automassen hinter zur kleinen Bastei in geordnete Bahnen lenken.

  3. Super Tourentipp! Wenn ich bisher dachte, ich kenne den Lilienstein, werde ich hier eines Besseren belehrt. Mehrfach Werbung geklickt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.