Neues und Altes aus dem Schönfelder Hochland

Ruhige Wanderwege, während im Elbsandstein an den Aussichten Nummern gezogen werden, tolle Blicke über das Elbtal, ein wenig Historie und viel Natur – das ist das Schönfelder Hochland. Einmal im Jahr gönn ich mir das. Die Tour selbst habe ich HIER schon ausführlich beschrieben, da hat sich nichts geändert. Aber die eine oder andere Beobachtung hab ich schon gemacht. Also schauen wir mal:

1. Bürokratenmist im 11. Jahre – der Keppgrund

Ja, der Keppgrund ist nun schon elf Jahre gesperrt. Elf Jahre, in denen sich niemand an die Sperrung hält, und in denen die beanstandete Treppe – sie sei, so der Stempelschwinger vom Dienst, in einem desaströsen Zustand – nicht zusammengebrochen ist. Ganz im Gegenteil, tausende Wanderer hat sie seitdem getragen. Und wird das auch noch viele weitere Jahre tun. So ganz DIN-gerecht ist sie zugegeben nicht, eher stoppelig schief. Aber etwas anderes erwarte ich im Wald auch nicht. Hier ist es einfach viel zu schön, um nicht lang zu laufen.

  Nur für Todesverächter – die Treppe

2. Nostalgie und Diebe – die Keppmühle

Die älteren Jahrgänge werden sich an legendäre Ziehungen erinnern, die die Dresdner Studentenschaft hier einst veranstaltet hat. Wird wohl nie wieder, das Haus ist schon Jahrzehnte nicht mehr bewirtschaftet. Aber von außen in einem ordentlichen Zustand. Allerdings hat irgendwer die Anzahl der Plaketten, die an studentische Feste erinnern, arg dezimiert. Ein Dieb oder ein Archivar der Universität? Immerhin, die Tafel, die an den Aufenthalt Carl Maria von Webers erinnert, die ist noch da. Und wer in Nostalgie schwelgt, kann sich ja vor die Mühle setzen und in stillem Gedenken eine Flasche Blauen Würger leeren.

3. Die Naturschänke in Malschendorf

Die hat wieder normal geöffnet. Und wie der proppenvolle Parkplatz zeigte, wurde das auch goutiert. Hier kann man wirklich gut und bodenständig essen, außer Wanderern nutzen das auch viele Sonntagsausflügler. Und die Aussicht gleich nebenan ist eine Wucht.

  Gute, ländliche Küche.

4. Ameisen, Eidechsen und Schilder

Am Weg zwischen Malschendorf und Reitzendorf hat man eine alte Müllkippe rekultiviert und Lebensräume für Waldameisen und Eidechsen gebastelt. Lobenswert. Allerdings steht jetzt an wirklich jedem Ameisenhaufen ein Schild mit der Aufschrift “Waldameise”, bei dem Eidechsen dito. Und während es bei den Ameisen tatsächlich wimmelte, war bei den Eidechsen kein Schwanz zu erspähen. Den Vogel schießt aber ein Schild ab, welches die Errichtung eines Schildes verkündet. Das stand da auch schon im vergangenen Jahr. Da war wohl der Schilder-Fördermitteltopf plötzlich leer.

5. Hogwarts geschlossen – das Zauberschloss in Schönfeld

Das Schönfelder Schloss bietet ja schon von außen einen schönen Anblick. Noch schöner ist die Ausstellung rund um die Geschichte der Zauberkunst innen drinnen. War aber leider wegen der Seuche geschlossen. Klar, ich habe Verständnis, das ein ehrenamtlich arbeitender Verein weder Mittel noch Lust auf Schnelltest und Kontaktverfolgung hat. Ärgerlich ist aber, dass nur ein Zettel an der Tür von der Schließung kündet. Hatte ich doch Tags zuvor noch auf der Homepage nachgeschaut und nichts von der Schließung gelesen. Harry Potter hätte diesen misslichen Zustand mit einem kurzen Schlenker seines Zauberstabes – Coronum Finite! – beendet. Ein Blick in die Kirche gleich nebenan – die ist offen – lohnt sich. Ein merkwürdig realistisches Glasfenster erinnert dort an König Albert.

6. Alles richtig gemacht – die Meixmühle

An dieser traditionsreichen Ausflugsgaststätte ist rege Bautätigkeit im Gange, was ja schon mal ein gutes Zeichen ist. Noch besser ist aber der Imbisstand, der hier hungrige Wanderer versorgt. Von einer eben so freundlichen wie flotten tschechischen Bedienung werden hier neben den üblichen Würsten auch solche hübschen Kleinigkeiten wie überbackener Toast oder Grillkäse kredenzt. Und das zu überaus zivilen Preisen. Chapeau, da machen wir gerne Rast.

  Meixmühle

7. Alles falsch gemacht – das ewige Ärgernis Borsberg

Einstmals gab es hier eine brummende Gaststätte samt Tanzsaal. Die ist heute nur noch ein Wohnhaus. Das Geschäft lief hier vor allem aus zwei Gründen: zum einen treffen hier ein halbes Dutzend Wanderwege zusammen, das machen sie auch heute noch. Und zum anderen hatte man von hier einen atemberaubenden Ausblick. Auf einer künstlichen Grotte befand sich eine hölzerne Aussichtsplattform. Ein Prospekt aus den 1920er Jahren bewarb die Aussicht auf:

10 Städte
274 Dörfer
187 benannte Berge
5 Schlösser
30 Vorwerke und Mühlen
und die Festung Königstein

Pustekuchen. Die Plattform ist längst verrottet und abgerissen. Und auch die künstliche Grotte vergammelt immer mehr. Sie ist mittlerweile dicht überwuchert und abgesperrt. Aussicht gibt es gar keine mehr. Immerhin kann man aber noch eine Nagelsche Triangulationssäule begutachten.

8. Fein saniert und trotzdem Schmierfinken – die Ruine über Pillnitz

Selbige Ruine wurde zur Zeit der Romantiker schon als Ruine gebaut, und war im Laufe der Jahre zur echten Ruine geworden. Vor einem guten Jahr dann eine feine Sanierung: Fußboden und Kamin wieder schick, Bausubstanz auf Vordermann gebracht, und vor allem: ein Dach mit Aussichtplattform obendrauf. Und gleich noch den Blick auf Schloss Pillnitz frei geschnitten. Bravo! Allerdings haben es, trotz neuer Gitter an den Fenstern, schon wieder die üblichen Schmierfinken rein geschafft. Graffiti verunzieren den Innenraum. Schämt euch!

9. Mit einem Affen in die Kirche – Maria am Wasser

Diese Kirche erfüllt so ziemlich alle Klischees, die man mit “romantisch” verbindet. Ein von Efeu überwucherter Gottesacker mit alten Grabdenkmälern, mitten drin das kleine, wunderschöne Gotteshaus. Das beste ist aber die Gedenktafel für Carl Maria von Webers Hausäffchen “Schnuff”. Also, wenn ich mit einem Affen heimkommen, kriege ich dafür ganz sicher keinen Gedenkstein.

  Schnuff

Fazit: viel Licht und ein wenig Schatten auf einer immer wieder wunderbaren Runde. Mit 15 Kilometern nicht zu lang, und auch nicht die Bohne anstrengend. Ich geh da immer wieder gerne lang.

Zum Nachwandern:

Ein Gedanke zu „Neues und Altes aus dem Schönfelder Hochland

  1. Die Treppe im Keppgrund sieht doch gar nicht so schlecht aus, da kenne ich Treppen im Gebirge, die sind viel schlimmer und haben nicht mal ein Geländer. Da hilft schon ein guter Trekking-Stock.

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