Verfluchter Mist

Vogel
Auch eine Möglichkeit

Die Bundestagswahlen sind vorbei, und ich bin nicht wirklich glücklich mit deren Ausgang. Aber darüber will ich hier nicht schreiben, sondern über einen anderen Aspekt: das Abschneiden der NPD. Deutschlandweit kam sie auf etwas mehr als ein Prozent, könnte also also Splittergruppe durchgehen. Und auch in Sachsen hat sie Stimmen verloren, würde also nach derzeitigem Stand auch nicht mehr in den Landtag einziehen. Aber, aber…. In meiner geliebten Sächsischen Schweiz feiert diese Partei immer noch fröhliche Urständ.

Beispiele gefällig? Gohrisch: 8,2 Prozent, Rheinhardtsdorf/Schöna: 11,1 Prozent, Kurort Rathen: 9,5 Prozent. Es ist nur eine Frage weniger Tage, dann werden verschiedene Medien auch deutschlandweit dieses Thema wieder aufgreifen. Wenn man dazu rechnet, dass es schon in den letzten Wochen wirklich schlimme Berichte über rechte Übergriffe in der Region gab, dann ergibt das alles in allem kein schönes Szenario.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Region vom Tourismus lebt, sich also weltoffen geben und jeden Gast mit Kusshand begrüßen sollte. Selbst ich, der ich gerade mal zwei popelige Wanderbücher veröffentlicht habe und einen kleinen Blog betreibe, selbst ich bekomme also hin und wieder Anfragen, ob es denn sicher sei, als Schwarzer / Asiat / Südländer die Region zu besuchen. Ich antworte dann immer: natürlich ist es sicher. Aber die Bedenken bleiben.

Liebe Einwohner der entsprechenden Gemeinden, ich weiß, es steht mir als Großstädter, der nur an den Wochenende eure Heimat unsicher macht, nicht wirklich zu, euch hier Anleitungen zum Wählen zu geben. Aber habt ihr euch mal überlegt, ob ihr nicht kräftig an dem Ast sägt, auf dem ihr sitzt? Die bisherige Saison war einfach schlecht: erst ein Winter, der nicht aufhören wollte. Als er dann glücklich weg war, kam ein Hochwasser. Und als dessen Folgen mit viel Mühe so einigermaßen beseitigt waren, gab es Medienberichte über rechte Schläger in der Ostrauer Jugendherberge. Ich kann nur sagen: Scheiße gepachtet. Aber wieso dann auch noch Besucher verprellen, indem man eine Partei wählt, die nun wirklich nicht für Weltoffenheit oder Fremdenfreundlichkeit steht?

Der Gerechtigkeit wegen muss aber auch Folgendes gesagt werden: auf den hunderten Touren, die ich schon in der Sächsischen Schweiz unternommen habe, ist mir nie eine Person oder irgend eine Tatsache begegnet, die äußerlich erkennbar fremdenfeindlich gewesen wäre. Aber irgendwo müssen die NPD-Wähler ja stecken. Es gibt Dinge, die ich nur schwer verstehen kann.

3 Gedanken zu „Verfluchter Mist

  1. Gut, dass du das Thema ansprichst, Arndt. Vereinzelt haben das überregionale Medien auch schon registriert (Tagesspiegel von heute). Aber es ist auch wirklich eine Farce mit der NPD. Nicht auszudenken, wenn ein großer Teil des Protestpotenzials nicht von der AfD abgefangen worden wäre.

    Auch wenn mir viele aus dem Landkreis immer wieder beteuern, dass das Problem abgenommen habe und mehr und mehr zurückgeht: Diese Zahlen sprechen für sich und sollten der Region zu denken geben. Zugleich sollten sich die regierenden Parteien in Dresden fragen: Haben wir genug getan, um den Rechtsextremen etwas Gehaltvolles entgegenzusetzen? Oder haben wir den Kampf gegen rechts schon aufgegeben und tolerieren das Ganze stillschweigend?

  2. Warum man in Versuchung kommen kann, NPD zu wählen, dass kann ich nachvollziehen. Alle anderen Parteien lassen einfach eine zu große Argumentationslücke, in die eine NPD dann nur zu leicht springen kann. Und in dieser Lücke liegen alle Themen, die die „Volksparteien“ sich nicht trauen offen und ehrlich anzusprechen. Aber ich frage mich, ob die 11% Rheinhardtsdorfer sich nicht bewusst werden müssten, dass sie mit ihrer Stimme den faschistischen Schlägern von Ostrau den offiziellen Hintergrund und Rückhalt geben. Ich bin ratlos. Die Ursachen für solche Fehlentwicklungen sind so zahlreich und liegen so tief in der Vergangenheit, dass eine sch nelle Abhilfe nicht zu erhoffen ist. Ich habe Angst. Nicht beim Wandern oder auch sonst nicht. Bin ja hellhäutig, graublauäugig, blondhaarig und fast 2m groß. Auch spreche ich deutsch, sehe nicht ärmlich, hilfsbedürftig oder behindert aus. Mir passiert also nichts. Aber was wäre, wenn ich in der Jugendherberge gewesen wäre. Hätte ich weggeschaut und wäre mit heiler Haut davongelaufen? Oder hätte ich mich eingemischt und wäre mit reinem Gewissen zum Zahnarzt gegangen??? Vor so einer Entscheidung habe ich Angst und noch mehr vor der Erkenntnis, dass Einstein Recht gehabt haben könnte, als er sagte:
    „Zwei Sachen sind unendlich. Das Universum und die Dummheit der Menschen. Nur beim Universum hab ich noch Zweifel.“

  3. Ich lebe schon seit einigen Jahren im Westteil Deutschlands. Zu Ostern habe ich meine alte Heimat besucht. War natürlich auch in der Sächsischen Schweiz.
    Was sofort auffällt: Jede Menge NPD-Plakate. Mit kleinen Mädchen. Blond und blauäugig. „Natürlich deutsch“. Und so weiter. An jeder Laterne. Kurz: An jeder möglichen und unmöglichen Stelle. Nur NPD. Keine andere Partei.
    Was das bedeutet: Jeder Besucher aus anderen (besonders westlichen) Teilen Deutschlands fragt sich, in welcher braunen Ecke er hier gelandet ist („Dunkeldeutschland“). Und ob er nicht besser um die ganze Region hätte einen großen Bogen machen sollen. – Für den Tourismus jedenfalls eine Katastrophe.
    Was das für mich persönlich bedeutet: Ich schäme mich. Für meine Heimat. Und weil ich so etwas früher nicht für möglich gehalten hätte.
    Narürlich kann man einer Partei – auch der NPD – in einer Demokratie nicht verbieten, Wahlwerbung zu betreiben. Nur wäre es Aufgabe der Gemeinden, gewisse Grenzen zu setzen (z.B. was den Zeitraum und die erlaubte Zahl der Plakate betrifft.). Und es wäre die Aufgabe der anderen Parteien, sich ebenfalls ins (nein, bitte nicht ins „rechte“) Licht zu setzen.

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