Die Ostrauer Prügelei

Nun ja, jetzt gibt es also ein Urteil gegen die drei Schläger, die im vergangenen Jahr in der Ostrauer Jugendherberge einen aus Hamburg stammenden Schüler zusammengeschlagen haben. Bewährungstrafen. Soweit, so gut. Interessant ist der Hintergrund, welchen verschiedene Medien hier geradezu herbeibeschwören. Denn das Opfer der Prügelei war asiatischer Abstammung.

Zunächst mal: das Gericht hat keinerlei fremdenfeindliche Motive feststellen können und dem entsprechend geurteilt. Und ich kann das alles irgendwie nachvollziehen. Denn auch schon in meiner Jugend war es ein vermintes Gelände, wenn man sich auf Dorffeste begab. Ich erinnere mich noch an Höckendorf: kam man dort aus der Dorfsdisko raus, um frische Luft zu schnappen, dann wurde man immer gefragt, wo man denn her käme. Falsche Antwort: sofort eine in die Fresse. Richtige Antwort: eine Streichholzschachtel in die Hand, weil mal mit einer solchen in der Faust deutlich besser zulangen konnte.

Was ich damit sagen will: Kloppe mit Auswärtigen auf Dorffesten ist so alt wie das Dorffest selbst.  Und genau darum hat es sich wohl hier gehandelt: eine auf zu viel Adrenalin und zu viel Bier zurückzuführende Schlägerei.

Ausländerfeindliche oder rassistische Motive dahinter zu vermuten, ist Sache von beruflichen Verschwörungstheoretikern. So wie die von der RAA-Sachsen. Wer auf deren Webseite nachschaut, der sieht, dass der Verein ausschließlich von staatlichen Geldern lebt.

Hier mal eine Übersicht der Geldgeber:

Solche Leute brauchen eine “rechte” Gefahr, ausschließlich dafür, ihre eigenen wohlbezahlten Stellen zu erhalten. Und da kommt so eine dämliche Dorfschlägerei natürlich gerade recht.

7 Gedanken zu „Die Ostrauer Prügelei

  1. Auf Dorffesten werden also Leute verprügelt, weil sie aus einem anderen Ort kommen, also zufällig an einem andern Ort geboren wurden oder dort wohnen. Unabhängig davon, dass Gewalt auf Dorffesten sowieso nie zu rechtfertigen ist: wenn die Herkunft wirklich der Auslöser ist, was ist denn dann für Dich das Motiv? Für mich ist das ganz klar fremdenfeindlich. Dafür ist es doch unerheblich, ob das Opfer aus dem nächsten Dorf oder einem anderen Kontinent kommt!

    1. Das sehe ich genau so!

      Meiner Meinung nach sind eine gebrochene Kiefern- und Augenhöhle auch keine Resultate einer „einfachen Dorfschlägerei“ – nach der geht man am nächsten Tag wieder gemeinsam ein Bier trinken – aber hier wurde richtig hart und mit sehr viel Hass zugeschlagen.

      Wenn ich sowas lese (http://www.abendblatt.de/hamburg/article120050673/Neonazis-schlagen-Hamburger-auf-Klassenfahrt-zusammen.html), schäme ich mich für meine Heimatregion! Und das Motiv mit dem Fussball passt natürlich genauso ins Bild – Das erinnert mich daran wie ich regelmäßig im K-Block einer der gaaaanz wenigen bin, die beim Einlaufen der gegnerischen Mannschaft einfach aus Respekt und Sportlichkeit klatschen… aber es scheint eben immer noch Leute zu geben die so wichtige Worte wie Heimat, Tradition und Ehre mit Dreck besudeln müssen.

  2. Deine Wandertipps sind wirklich toll. Vielen lieben Dank für die vielen Anregungen.

    … aber:

    Gestern hat mich die AfD verwundert … heute deine Ergüsse zum Thema „Dorffestprügelei“. Schade!

  3. Hallo Herr Noack, gern habe ich ihre sehr guten Wanderberichte und -vorschläge als anonymer Leser im Netz verfolgt. Nun läuft es mir allerdings gerade kalt den Rücken runter. Dorffestprügeleien als Legitimation von Gewalt , die RAA Sachsen = wohlbezahlte Verschwörungstheoretiker. Ihre Sprache und Argumentation offenbart einiges. Wer polarisiert , Vorurteile pflegt und am Ende noch , ohne es belegen zu können, gegen Menschen hetzt, schadet dem „Wandern in der Sächsischen Schweiz“.

    1. Mir deucht, hier habe ich in einen Ameisenhaufen gestochen und so einiges an Staub aufgewirbelt. Also wollen wir uns mal schön den Schaum vorm Mund abwischen (der steht und nämlich nicht gut zu Gesicht), und uns sodann auf eine Zeitreise begeben. 25 Jahre zurück, in meine Jugend, in die 80er Jahre. Ich war damals ein großer Fan der Band „The Cure“ und sah auch entsprechend aus. Blitzknallerfrisur a la Robert Smith und wallende schwarze Gewänder. Und ich ging auf dem Dorf in die Disko. Den Ort will ich hier mal rauslassen, aber auf einer dieser Veranstaltungen war auch ich mal vor die Tür gegangen, um frische Luft zu schnappen. Legt sich mir also eine Hand auf die Schulter, eine Stimme sagt: „Solche wie du kotzen mich an“, und schon hatte ich mir eine mitten auf die Zwölf gefangen. Im Weiteren hat mich der Typ dann noch richtig verprügelt. Heutzutage könnte ich zu einer staatlich finanzierten Opferhilfe rennen, mich dort beklagen, dass ich ausschließlich wegen meines ungewöhnlichen Äußeren verkloppt worden bin (was ja sogar stimmt), und danach mit einer Welle von aufgeregten Pressemitteilungen und Medienberichten rechnen. Damals dagegen habe ich mich einfach geschlichen und im weiteren getrachtet, diesem Schläger nicht noch einmal über den Weg zu laufen. Und ich hab es überlebt, ohne dass das Abendland dabei untergegangen wäre. Will sagen: Fremde und solche, die auch nur fremd wirken, haben es bei Dorffeiern schon immer schwer gehabt. Da spielt Testesteron, Bier und die Konkurrenz um die wenigen ansehnlichen Frauen eine verderbliche Rolle. Schon immer war es (kein Witz) für einen Oberfrauendorfer durchaus riskant, sich auf ein Fest in Niederfrauendorf zu begeben. Und umgekehrt.
      Zeitsprung, 15 Jahre dazu. Ich arbeite bereits als Journalist und erlebe dabei mehr als eine „rechte“ Attacke, die sich im Nachhinein als pure Luftnummer entpuppt. Nur durch großes Glück bin ich seinerseits der Gefahr entgangen, nach dem Tod des Joseph Kantelberg ganz Sebnitz als rechtsradikales Mödernest zu verdammen. Wir erinnern uns: am Ende stellte sich heraus, dass der Junge nicht von Neonazis ertränkt wurde, sondern eine ebenso tragische wie natürliche Herzattacke erlitten hatte. Später gab es ein gefühltes Dutzend junger Leute, die angeblich Hakenkreuze ins Gesicht geschnitten bekamen. In allen Fällen hatten sie sich diese Verletzungen selbst beigebracht.
      Dazwischen auch immer wieder wirkliche rechtsmotivierte Gewalt. Keine Frage. Aber hier ist es einfach erforderlich, die Taten sauber aufzuklären. Und im Ostrauer Fall hat das ein Gericht getan, es hat keinen rechtsradikalen Hintergrund festgestellt und basta. Es war und bleibt eine Klopperei beim Dorffest.
      Übrigens: am Rande einer Veranstaltung hat mich vor gar nicht so langer Zeit mal ein erkennbar sehr linker junger Mann zu Boden geschubst und mir nachher noch ins Gesicht gespuckt. Halb so wild, oder? Aber eigentlich könnte ich mich jetzt an eine Beratungsstelle für Opfer linker Gewalt wenden. Ach so, die gibt es ja gar nicht. Na so was.

      1. Da gehe ich konform: Diese Beratungsstelle wäre wohl bitter nötig. Das Gedöns einiger Kommentatoren hier zu dem Ostrau-Thema kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ein Gericht, selbst unter dem „Druck der öffentlichen Meinung“ nichts politisches finden kann, war es halt wirklich nur eine Rangelei unter angetrunkenen Heranwachsenden.

  4. Na da bin ich aber jetzt beruhigt, daß, wenn jemandem der Unterkiefer gebrochen wird, das keinesfalls auf Fremdenfeindlichkeit beruht, sondern auf…. Ja, auf was eigentlich? Lokales Brauchtum der Dorfjugend?

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