Prebischtor mit Nebel

Mit dem Prebischtor ist es in der Wandersaison ja so eine Sache: einerseits ist der Anblick der riesigen Felsbrücke tatsächlich umwerfend. Andererseits wissen das sehr Viele, und kein Wanderführer lässt dieses Highlight aus. Also ist das Areal rund um das Tor – ähnlich wie die Bastei – in der Saison immer hoffnungslos überlaufen. Dazu kommt noch eine ziemlich schamlose Abkassiererei: die Parkgebühren sind sehr hoch, und am Tor wird obendrein Eintritt klassiert. Wer außerdem noch in den Klammen Kahn fahren will, der muss richtig blechen.

Da ich aber auf den bloßen Anblick des Tores nicht verzichten will, hab ich mir angewöhnt, einmal im Jahr eine Wintertour dahin zu machen. Am besten bei miesem Wetter, dann ist man dort immer allein, und es hält auch niemand die Hand auf. Der vergangene Sonntag lieferte nach dieser Prämisse ganz hervorragende Wetterverhältnisse (Nieselregen, kalt, Nebel). Es folgen also ein paar Impressionen von einer Runde, die sich dennoch, oder gerade deshalb, gelohnt hat.

Zuvörderst: wir bleiben bei dieser Runde auf erlaubten Wegen, auch, wenn es rund um das Prebischtor nicht eben wenige sehr reizvolle und versteckte Pfade gibt. Aber wenn man auch auf den Hauptwegen allein ist, dann muss man sich ja nicht noch bei Mistwetter auf steilen Pfaden schinden.

Los geht es also in Herrnskretschen (Hřensko). Wir können so nah wie möglich an unser Ziel ranfahren und nehmen also den langgestreckten Parkplatz am Ortsausgang. In der Saison ist der schnell voll, obendrein werden Sie hier, so denn noch ein Plätzchen frei ist, um einen glatten Fünfer erleichtert. Jetzt dagegen herrscht freie Platzwahl, und kostenlos ist es außerdem. Entlang der Straße – hier hat man vor zwei Jahren einen Fußweg angelegt – geht es jetzt einen knappen Kilometer weiter.

Wir kommen an der Kreuzung Drei Quellen (Tři prameny) an, wo tatsächlich drei überbaute Quellhäuschen zu sehen sind.

  Drei Quellen

Nach Links ginge es jetzt auf direktem Wege zum Prebischtor. Dann wäre die Tour aber ein wenig schnell vorbei. Also halten wir uns rechts, der Weg ist gelb markiert.

  Hier hoch

Und er steigt recht sanft immer weiter an. Es geht vorbei an ein paar Sandsteinmurmeln und an Bäumen, welche die letzten Stürme nicht überlebt haben.

Dafür gibt es schon ein paar nette Aussichten auf das Massiv der Flügelwände, welchem wir später noch einen Besuch abstatten werden. Auch bei Mistwetter hat dieser Ausblick was.

Ein geruhsames Stündchen so gewandert, und wir erreichen Stimmersdorf (Mezna). Und da gibt es Erfreuliches zu berichten: die Kneipe im Ort hat auch im Winter geöffnet, allerdings nur am Wochenende. Was uns aber auch völlig reicht. Schnell rein und eine wärmende Knoblauchsuppe gelöffelt.

 Möge der Knefel die bösen Geister vertreiben

Soweit gestärkt können wir der Dorfstraße (es gibt nur die eine) bis zum Ortsausgang und weiter folgen. Andere Wege gibt es nicht, aber da in Stimmersdorf der Hund begraben liegt, fährt kaum ein Auto hier lang. Kurz nach dem Ortsausgang sehen wir noch ein vorbildlich restauriertes Kriegerdenkmal aus dem ersten Weltkrieg.

Der brave Ossi möge hier bitte auf den Namen in der Mitte achten. Könnte es sein, das wir den schon mal in einem ganz anderen Zusammenhang gehört haben?

  Ich habe einen Plan

Noch einen knappen Kilometer der Straße gefolgt, und wir kommen nach Rainwiese (Mezní Louka). Normalerweise ein sehr touristisch geprägter Ort, liegt derzeit alles im Winterschlaf. Hotel, Selbstbedienungsbude, Restaurant, Touristeninformation – alles geschlossen.

Dafür werden wir aber mit lautstarkem Miauen empfangen. Eine garfieldartige Katze hatte es sich unter einer Infotafel bequem gemacht und fauchte uns voll. Leider auf tschechisch.

  Miauritsch

Wir folgen also jetzt dem Roten Strich und befinden uns damit auf dem Gabrielensteig. Selbiger windet sich die nächsten sechs Kilometer immer unterhalb der Flügelwände entlang. Und steigt dabei sanft, aber stetig an. Am Weg sehen wir: viele Bäume mit knorrigem Wurzelwerk, stark errodierten Sandstein und leider auch die Ergebnisse fleißiger Forstarbeiten.

Besonders schön ist aber, dass der Weg jetzt, in der laublosen Jahreszeit, so einige An- und Ausblicke frei gibt, die man sonst nicht hat.

Und da man, ganz allein und nicht von hunderten Mitwanderern getrieben, auch Zeit und Muße hat, sollte man auch mal die Felswände unter die Lupe nehmen. So manche Inschrift wartet da, an der man wohl sonst eilig vorbeigelaufen wäre.

Schließlich landen wir am Ziel unserer Wünsche und damit am Prebischtor. Und machen kurz zuvor noch eine wunderbare Entdeckung: Dank des fehlenden Laubes kann man das Tor jetzt auch von der “anderen” Seite durch die Bäume gut sehen. Im Sommer sieht man von hier aus nur Laub. Ja ja, ich weiß, da gibt es noch einen Standort, von dem aus man das Tor immer und noch viel schöner von dieser Seite sehen kann. Aber wir bleiben heute ja auf erlaubten Wegen.

  Geht so nur im Winter

Das Areal rund um das Tor ist auch im Winter geöffnet. Aber nur an den Wochenenden und nur von 10 bis 16 Uhr. Da wird dann einfach die Tür aufgemacht, niemand kassiert einen Eintritt. Sämtliche touristische Infrastruktur, also das Restaurant, der Kiosk, die Touristeninfo sind aber auch geschlossen. Und für die Leser mit Konfirmandenblasen: auch die Lokusse sind zu.

   Alles zu

Die beiden Aussichten gegenüber des Tores kann man aber erklimmen. Es lohnt sich.

Noch eines ist mir aufgefallen: der kundige Leser wird wissen, das es vom Prebischtor einst eine direkte Verbindung zum Fremdenweg und damit nach Sachsen gab. Diese Verbindung gibt es natürlich immer noch, nur ist sie seit Jahrzehnten von böhmischer Seite aus verbarrikadiert. Erst vor einem Jahr hat man die alte Sperre dort durch eine Art panzersichere Stahltür ersetzt.

 Hier soll es nicht weitergehen

Nun, unten rechts an dieser Tür war wohl Volkes Wille am Werk: zwei Gitterstäbe sind angesägt. Wer mich kennt, der weiß: ich bin dürr wie ein Aal. Ich könnte da durchpassen. Und werde das demnächst auch probieren.

  Könnte passen

Und für alle anderen ist diese einmalige Gelegenheit wohl ein Grund, schnell noch ein paar weihnachtlich angefressene Kilo abzutrainieren. Ehe alles wieder dicht gemacht wird.

Wir nehmen jetzt aber Abschied vom Prebischtor und folgen weiter dem Roten Strich. Der bringt uns jetzt durch den Langen Grund in Serpentinen wieder nach unten. Hier hat man großflächig die Geländer erneuert – aus Holz. Es geht also, man muss nicht immer verzinkten Stahl  nehmen.

  Sieht viel besser aus

Wir kommen noch an einer Stelle vorbei, wo auf einer Tafel der Fürstin Olga Chotkova gedacht wird, die es hier 1872 vom Pferd schmiss.

  Da ging sie ab

Und an meinem Lieblingsbaum, einer Birke, die mehr Wurzelwerk als alles andere hat.

  Gruselig im Dunkeln

Um schließlich wieder an den Drei Quellen zu landen. Rückmarsch zum Parkplatz.

Fazit: gute 17 Kilometer, die sehr entspannt zu gehen sind. Herrliche Ruhe im Wald. Direkt am Prebischtor vier Mitwanderer, sonst kein einziger. Unbedingt mal ausprobieren, die Runde hat so einen ganz anderen Charakter als der Massenauftrieb in der Saison. Hat mir richtig Spaß gemacht.

Zum Nachwandern:

3 Gedanken zu „Prebischtor mit Nebel

  1. Na Arndt, da mußt du dich aber beeilen mit dem Gitter durchkriechen, denn wenn die Saison wieder losgeht und der Wirt sieht das Loch, wenn er mit seiner Schubkarre dort hinter fährt, um den Müll in die Schlucht zu kippen, läßt er das gleich wieder zuschweißen. Ist schon komisch, überall, wo Mauern oder Sperren errichtet werden, wollen Menschen diese durchbrechen, früher in der DDR und jetzt am Prebischtor. Die Richtung der umgebogenen Eisenstäbe deutet an, daß vielleicht jemand aus Deutschland flüchten und in Tschechien um Asyl bitten wollte …

  2. Man könnte aber auch den ganz schnellen Aufstieg auf`s Tor nehmen, denn der Wirt hat aus den Tor hinauf zum Deckstein ein Knotenseil gespannt. Oben kommt man dann genau am Bewegungsmelder raus. Das Seil ist an einer recht dünnen Kiefer angebunden.

    1. Wo hängt dieses geknotete Seil? Im Felswinkel am Tor z.B. steht eine Bude mit einer hohen viereckigen Esse, von der geht ein dicker Draht ähnlich einem Blitzableiter hoch zu einer kleinen Kiefer, oben ging mal ein schmaler Eisensteg über den Felswinkel, das ganze war früher für den Schornsteinfeger gedacht. Auf dem Prebischtor war ich schon mehrere mal, einen Bewegungsmelder habe ich nicht gesehen, das letzte mal war allerdings 2016. Die Meßgeräte für die Felsüberwachung sieht man eigentlich nur von seitlich, aber ziemlich weit vorn in Richtung Spitze ist unter dem Betonsteg ein Gerät wie ein Verteiler, das wahrscheinlich auch damit zusammenhängt.

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