Khaatal zwei: Sakrales, eine alte Burg und eine urige Kneipe

Hemmehübel-55Nachdem es auf der vergangenen Tour im Khaatal so schön war, wollen wir gleich noch eine Runde in der Ecke drehen. Diesmal finden wir die spärlichen Reste einer alten Burg, entdecken den alten Fritzen am Felsen, trauern um ein vergangenes Jagdschloss, sehen Reste eines winterlichen Eisfalls und genießen die Schönheit des Tales.

Obendrein sehen wir noch das eine oder andere sakrale Denkmal am Wegesrand. Und zu guter Letzt stärken wir uns noch in einer wahrhaft urigen Kneipe. Trotz schönem Wetters am vergangenen Karfreitag war kaum etwas los im Wald, man kann diese Runde also auch immer dann empfehlen, wenn anderswo Hochbetrieb und Stiegenstau herrscht. Was solls, mir nach:

Beginnen wir diesmal in Zeidler (Brtníky). Hierher kann man auch mit der Nationalparkbahn ab Bad Schandau anreisen. Wer mit dem Auto kommt: in der Ortsmitte gibt es einige Parkplätze, direkt vor einer leider geschlossenen Touristinformation. “Leider geschlossen”, weil diese vormals privat von Zdenek Patzelt betrieben wurde, welcher einst Chef der böhmischen Nationalparkverwaltung war und bis heute einer besten Landschaftsfotografen der Region ist. Ein paar seiner Werke findet man hier. Und konnte sie großformatig ehedem auch in Zeidler kaufen.

Hemmehübel-81  Leider geschlossen

Obendrein konnte man mit Herrn Patzelt ein wenig schwätzen. Viele seiner Bilder sind ja von Standorten aufgenommen, die der normale Wandersmann nicht betreten darf. Dazu hatte er zwar eine etwas merkwürdige Auffassung (“Was Zeus erlaubt ist…”), ansonsten konnte man mit ihm aber sehr gut über die Region fachsimpeln.

Nun gut, wir gehen zunächst mal von der leer stehenden Information nach links, vorbei an der einzigen Kreuzung des Ortes und sehen dann schon am rechten Straßenrand dieses Tor samt Treppen:

Hemmehübel-8 Hier durch

Es geht ein wenig aufwärts, bis zu einem hervorragend sanierten Kreuzweg (Křížová cesta). Dreizehn Stationen, im Zickzack zu besuchen, dazu gleich zwei kleine Kapellen auf dem Gipfel. Alles in Ruhe ansehen.

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Sodann auf gleichem Weg zurück zur geschlossenen Information und gegenüber zwischen ein paar Gehöften durch der Markierung “Grüner Strich” gefolgt. Die wird uns jetzt eine ganze Weile begleiten. Aber gleich mal aufgepasst: am Ortsausgang – hinter einem ruinös aussehenden Gebäude – biegt die Markierung scharf nach rechts auf einen Pfad ab. Hier ist man schnell vorbei gelaufen.

Abzweig nicht verfehlt? Gut, jetzt geht es, im sanften Anstieg, zunächst mal übers Feld. Dabei auch mal den Kopf drehen und den Blick zurück nach Zeidler sowie auf den nahe gelegenen Wolfsberg (Vlčí hora) genießen.

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Immer noch sanft ansteigend, geht es auf einem schnurgeraden und bequemen Waldweg weiter bis zur Wüstung Sternberg (Šternberk). Früher stand hier ein Jagdschloss samt Gastwirtschaft. In den 70er und 80er Jahren hat man dieses wenig fachmännisch zu sanieren versucht, danach war sein Zustand leider noch schlechter als vorher. Bis dann nur noch der Abriss blieb. Heute sehen wir noch ein paar hässliche Nebengebäude, die auch schon verfallen.

 Sternberg damals

Hemmehübel-14  Und heute

Immerhin: nebenan gibt es noch eine nett eingefasste Quelle, an der wir ja kurz rasten können.

Hemmehübel-13 Quelle

Wir folgen weiter dem grünen Strich, jetzt wird ein richtiger Waldweg aus der Strecke. Ein Wegweiser nach links zeigt zu einer kleinen Aussicht. Die ist leider ziemlich zugewachsen, viel gibt es nicht zu sehen.

Hemmehübel-16 Wenig Aussicht

Dafür geben direkt am Abzweig ein paar Fundamentreste Rätsel auf. Irgendwas hat hier mal gestanden, nur habe ich keine Ahnung, was. Vielleicht weiß ja hier jemand mehr.

Hemmehübel-17 Was war das einst?

Der nächste Wegweiser, wieder nach links, zeigt uns den Weg zum Opona (Vorhang) an. Es ist dies einer der saisonalen Wegweiser, die im Winter als Hinweis auf die Zeidler Eisfälle (Brtnické ledopády) aufgestellt werden. Vom “Vorhang” war auch am Karfreitag noch etwas übrig, also lohnte sich der Abstecher.

Hemmehübel-21 Hier lang

Hemmehübel-19 Na ja, nicht  so viel übrig.

Wenn dann alles weggetaut ist, werden diese Wegweiser wieder entfernt.

Wir begeben uns also zurück auf den Hauptweg – weiter grüner Strich – und kommen schon bald zum nächsten Wegweiser, wieder nach links zu einem Abstecher. Diesmal geht es zum Großen Preußenlager (Velký pruský tábor). Zunächst durch einen engen Spalt…

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…dann über ein paar Treppen, und wir stehen unter einem mächtigen Felsüberhang. Von einer Tafel schaut der alte Fritz ziemlich grimmig auf uns herab.

Hemmehübel-23Hemmehübel-24Hemmehübel-25 Preußenlager

Übrigens ist der Name etwas irreführend: nicht die Preußen lagerten hier, sondern die Einheimischen versteckten sich vor deren marodierenden Truppen.

Und wir folgen immer noch dem Hauptweg, der nächste Abzweig geht zur Abwechslung mal nach rechts und führt uns zum Zeidler Raubschloss (Brtnický hrádek).

Hemmehübel-40 Kurz abzweigen

Weniger das Raubschloss als solches – die Reste sind erbärmlich – sondern vielmehr der Weg dahin sind den Abstecher wert. Es geht über allerlei uralte und windschiefe Treppen, manchmal auch über Wurzelwerk, kräftig auf und ab. Ein paar Eisen im Fels zum Festhalten gibt es auch.

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Von der ehemaligen Burg dagegen sind nur noch ausgeschlegelte Fundamente übrig, eine recht bescheidene Aussicht gibt es auch. Aber immerhin ein guter Platz zum Rasten. Was wohl auch andere wussten, denn plötzlich waren wir nicht mehr allein im Wald.

Hemmehübel-31Hemmehübel-34Hemmehübel-37 Fundamente und Aussicht

Hemmehübel-35 Familienausflug

Na gut, verlassen wir diese historische Stätte und folgen immer noch dem grünen Strich, der uns jetzt, recht knackig abwärts, ins Wolfsbachtal (Vlčí potok) bringt.

Hemmehübel-42 Abwärts

Hier biegt der Weg spitz nach rechts ab und bringt uns gemütlich zur Touristenbrücke (Turistický most).

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Selbige Brücke (ein Rastplatz wartet) wird überquert, dann sind wir im Khaatal angekommen und halten uns rechts. Ich glaube, der Weg ist jetzt mit einem roten Strich markiert. Und wenn nicht: immer auf dem breiten Weg im Tal bleiben, da kann man ja nichts falsch machen. Zumal das Tal eben eine echte Augenweide ist.

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Wir folgen dem Tal bis zur übernächsten Brücke rechts. Ehe wir die erreichen lohnt sich aber noch ein Blick in einen Talkessel zur Linken: dort hat man eine gar allerliebste Futterkrippe gebaut. Die Rehlein wird es freuen.

Hemmehübel-56 Liebevoll

Gleich neben diesem Taleingang sehen wir auch noch eine Gedenktafel und eine Felswand, an welcher die Schwefelflächte gar üppig gedeiht.

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Gut, wir kommen also an die Brücke, überqueren diese und folgen jetzt einem blauen Strich im Tal des Zeidlerbaches (Brtnického potok). Wieder so ein schönes Tal, dazu ein paar nette Brücken und viel Natur links und rechts.

Hemmehübel-61Hemmehübel-62Hemmehübel-64Hemmehübel-65 Tal des Zeidlerbachs

Auf halber Strecke bemerken wir noch eine kleine sakrale Tafel am linken Fels. Meine Vermutung aus der bildlichen Darstellung: hier handelt es sich  um eine Gedenktafel im Zusammenhang mit einem Kutschenunfall. Eine grobe Übersetzung des Textes sagt mir zumindest, dass an dieser Stelle Anna Zimmer, Tochter des Müllers, ertrunken ist.

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Noch ein Stück weiter, wir sind fast schon am Ziel, sehen wir noch einen saisonal gut erhaltenen Eisfall sowie ganzjährig den heiligen Antonius am Wegesrand stehen.

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Schließlich kommen die ersten Häuser von Hemmehübel (Kopec) schon ins Blickfeld. Ehe wir den Ort betreten, sehen wir zur Linken noch ein weiteres Kruzifix sowie einen beeindruckend großen Baum, der unter dem Namen Wäbers Douglasie (Wäberova douglaska) bekannt ist.

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Na gut, jetzt aber rein in die Miniortschaft. Wichtigster Anlaufpunkt – und viel mehr gibt es hier auch nicht – ist das Wirtshaus Bei Otto (U Oty). Von außen ein historisches Umgebindehaus, von innen ein ebensolches. Tief hängende Decken, Holzwände, eine gehörige Ansammlung von Gerümpel und im Winter ein gemütlicher Kamin. Dazu schön bodenständige böhmische Küche und nettes Personal. Was will man mehr.

Geöffnet ist derzeit aber nur Freitags, Samstags und Sonntags.

Hemmehübel-76 Bei Otto

Wohl gestärkt geht es auf der Dorfstraße weiter, nochmal vorbei an einem schön sanierten Kruzifix (Kaufers Kreuz). Der Ort hat nur wenige, aber schöne historische Umgebindehäuser. Und er hat kaum noch ständige Einwohner, die meisten Häuser werden nur noch am Wochenende oder im Sommer genutzt.

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Jetzt geht es noch ein kleines Stück auf der Landstraße lang, die ist hier recht schmal. Aber da in Hemmehübel eben der Hund begraben liegt, kommt so gut wie nie ein Auto.

Hemmehübel-80 Ein kleines Stück Landstraße

Wir finden uns in Zeidler wieder, womit sich die Runde geschlossen hat.

Fazit: 14 sehr entspannte Kilometer. Die vielen kleines und größeren Sakraldenkmäler sind interessant, zumal auch fast alle wieder in einem sehr gepflegten Zustand sind. Die Täler sind auch allesamt sehr schön. Die Eisfälle dagegen sollte man besser mitten im Winter besuchen, da ist mehr zu sehen. Und eine richtig gute Aussicht hat mir auch noch ein wenig gefehlt. Bei Otto dagegen kann man richtig schön versacken.

Zum Nachwandern:

Ein Gedanke zu „Khaatal zwei: Sakrales, eine alte Burg und eine urige Kneipe

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