Der Wolfsberg und die Eulenhöhle

Wieder mal eine Tour im Böhmischen. Es geht vom Ort Wolfsberg (Vlčí hora) auf den gleichnamigen Berg samt Aussichtsturm, weiter nach Zeidler (Brtniky) mit dem dortigen Kreuzberg, abwärts in Richtung des Khaatales unter Besichtigung des Großen Preußenlagers, der Eulenhöhle und des Zeidler Raubschlosses. Kurz bevor wir das Khaatal erreichen begeben wir uns dann in das Tal des Kleinen Wolfsbaches, um letztendlich noch einem Räuber zu begegnen. Man möge mir folgen.

Start ist im kleinen Örtchen Wolfsberg (Vlčí hora). Hinter der Kirche gibt es hier einen provisorischen Parkplatz auf einer Wiese. Und eben diese überqueren wir sogleich. Unser Wegzeichen ist zunächst ein grüner Schrägstrich. Der sagt uns: wir sind auf dem Kögler-Naturpfad. Lehrtafeln dieses Pfades werden uns immer mal wieder begegnen.

  Erst mal über die Wiese

  Und dann ein kleines Stück durchs Dorf

Wir kommen an einen Teich mit einem netten Rasthaus. Wobei es uns nach den paar Metern noch nicht nach einer Rast verlangt. Also rechts abgebogen.

  Zu früh für eine Fuffzehn

Moderat geht es den Berg hoch, wir landen an der Veronika-Quelle. Leider ist die ausgetrocknet.

Hier geht es jetzt links hoch, der Anstieg wird steiler, und wir haben unser Ziel schon vor Augen: den Aussichtsturm auf dem Wolfsberg.

Der Eintritt ist lächerlich. Für einen Erwachsenen und einen Jugendlichen hat man uns gerade mal einen Euro abgenommen. Über ein Treppenhaus, welches eine Galerie tschechischer Aussichtstürme zeigt, geht es nach oben.

Und: früher war es hier noch billiger…

  Vor 60 Jahren

Die Aussichtsplattform ist verglast. Das hat natürlich den Vorteil, dass es nicht zieht wie Hechtsuppe. Aber auch den Nachteil, dass man nicht so gut fotografieren kann. Ich hab es trotzdem probiert.

  Wolfsberg

Hinter dem Aussichtsturm befindet sich auch noch eine Bergbaude. Leider ist die heute im Privatbesitz und nicht mehr für durstige Wanderleute geöffnet.

  Ehemalige Bergbaude

Die aktuellen Öffnungszeiten des Turmes stehen übrigens schon am Beginn des Aufstieges, am Teich mit der Rasthütte, angeschlagen.

Wir sind jetzt dem Wegzeichen Gelber Strich im Abstieg gefolgt, was nicht so ganz optimal war. Auf dem GPS-Track kann man es sehen, wir sind einen Umbogen gelaufen. Halb so wild, der Umweg führte schließlich durch schöne Landschaft.

  Gegend

Zum Gelben Strich gesellt sich alsbald ein roter solcher, dem wir in Richtung Zeidler (Brtniky) folgen. Wir kommen von oben an den Kalvarien- oder Kreuzberg von Zeidler. Also ein Hügel mit einer Kapelle, und auf dem Hang Stelen mit Abbildungen des Kreuzweges. Alles hervorragend saniert. Wir steigen entlang der Stelen ab und landen auf der Straße in Zeidler.

Falls uns jetzt schon ein Hüngerchen heimsucht, dann können wir auf der Straße nach rechts gehen und finden so die einzige Kneipe in Zeidler. Von außen sieht die nicht so toll aus, aber die verabfolgte Nudelsuppe mit Leberklößen war ausgezeichnet.

  Wirtshaus zu Zeidler

Wer keinen Hunger verspürt, der biegt gleich nach links ab und folgt ab jetzt dem Grünen Strich. Es geht ein Stück durch den Ort und dann über eine Wiese. Obacht an dieser Stelle:

Hier schient der Weg logischerweise geradeaus zu gehen. Was aber grundfalsch wäre, unsere Wanderung biegt nach rechts ab. Die entsprechende Markierung ist auch da, nur man übersieht sie eben schwatzenderweise leicht.

 

Auf der Wiese sollte man sich auch mal umdrehen, es gibt noch einen netten Blick auf Zeidler.

  Zeidler

Alsdann erreichen wir über einen bequemen Forstweg die traurigen Überreste des einstigen Jagdschlosses Sternberg. Das wurde sprichwörtlich kaputt saniert, Pfusch am Bau und miese Planung haben dem Gebäude den Rest gegeben. Heute sieht man nur noch die verkommenen Nebengebäude.

  Sternberg

Also weiter dem Grünen Strich nach. Der Weg geht jetzt stetig abwärts, und es erwarten und an seinen Rändern so ein paar kleine Höhepunkte. Der erste ist ausgeschildert: die Eulenaussicht (Soví Vyhlídka). Selbige ist allerdings ziemlich zugewachsen, also nichts Großes erwarten.

  Aussicht ohne Aussicht

Interessanter ist da die benachbarte Eulenhöhle (Soví jeskyně). Die hat sogar einen populären tschechischen Jugendbuch ihren Namen gegeben. Ausgeschildert ist sie aber nicht. Also aufpassen. Keine hundert Meter nach der ausgeschilderten Aussicht sehen wir links dieses Seitental.

  Hier aufpassen

Wir steigen steil ab, halten uns uns rechts und stehen schon an der Höhle. Ein nettes Plätzchen.

  Eulenhöhle

Zurück auf dem Hauptweg folgt zur Linken eine Ausschilderung zum Großen Preußenlager (Velký pruský tábor). Das ist ein Felsüberhang, in dem aber keineswegs große Preußen lagerten, sondern sich die Einheimischen vor eben denen versteckten. Von einer Tafel grüßt der alte Fritz.

Nur ein paar Meter weiter geht es nach rechts, wieder mit Ausschilderung, zum Zeidler Raubschloss (Brtnický hrádek). Mehr als ein paar Grundmauern sind davon nicht mehr übrig, aber der Weg macht Spaß: viele Treppen, ein paar Leitern und Haltegriffe.

Wir folgen weiter dem Hauptweg und kommen, nach einem letzten und recht steilen Abstieg, an diese Kreuzung:

Hier gehen wir rechts, aber nur knappe 100 Meter, dann sehen wir zur Linken schon diese Absperrung:

Genau diesen Weg nehmen wir, wir sind jetzt, ohne Markierung, im Tal des Kleinen Wolfsbaches. Ein Tal wie aus dem Buch der Täler: bizarr, urwüchsig und satt grün. Da kein offizieller Wanderweg und wenig gepflegt, kann hier aber auch schon mal der eine oder andere Baum in der Quere liegen. Was dem Genuss aber keinen Abbruch tut.

  Genießen!

Wir gehen das Tal in seiner ganzen Länge durch. Am Ende stoßen wir wieder, wer hatte das gedacht, auf den Kögler-Naturpfad und damit auf die Markierung Grüner Schrägstrich. Der folgen wir jetzt, über Treppen und vorbei an einer Quelle bergan.

  Quelle

Auf dem Hang gegenüber der Quelle hat der tschechische Forst gar mächtig reingeleuchtet und einen Kahlschlag hinterlassen. Nur ein einzelner Strunk blieb stehen, was schon recht merkwürdig aussieht.

  Hmm…

OK, wir kommen wieder in bewohnte Gebiete, genauer: an den Ortsrand von Wolfsberg. Hier erwartet uns dann noch ein kleines Denkmal für den Räuber Raschauer. Der konnte sich, so die Überlieferung, Dank seiner magischen Weste unsichtbar machen. Na, heute war er gut zu sehen.

  Der alte Raschauer

Wir haben jetzt den Ort Wolfsberg schon vor Augen, es geht noch an der Kirche und an einem Kriegerdenkmal vorbei, und die Runde hat sich geschlossen.

Fazit:
Mit 14 Kilometern gar nicht mal so lang. Aber einiges an Hoch und Runter. Für mich waren die Aussicht vom Wolfsberg und die Eulenhöhle Höhepunkte. Langweilig wird es aber auch auf dem Rest der Tour nicht.

Zum Nachwandern:

Zuvörderst noch ein kleiner Tipp: Man hat mich immer mal wieder gefragt, ob ich Rennsemmeln gefrühstückt hätte, weil die Zeitangaben in der Karte unten so niedrig sind. Die Standardanzeige ist hier aber “Zeit in Bewegung”. Einmal auf das Symbol mit der Uhr klicken, und es wird die tatsächliche Dauer der Wanderung angezeigt. Und die ist dann gleich deutlich realistischer. —

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