Steinbruchpfad Zeichen

Das wird eine kleine Runde, gut geeignet für eine Halbtagestour. Wir sehen viele Zeugen des historischen Sandsteinbergbaus, außerdem noch die Reste eines Künstlerateliers. Obendrein gibt es ein paar alte Treppen und Steiganlagen. Und, um die Sau fett zu machen, gibt es auch noch die eine oder andere tolle Aussicht auf die Elbe. Da ich bei dieser Bullenhitze keine Lust auf lange Touren habe, kam mir diese Strecke also sehr gelegen. Und einsam ist es da auch, uns sind gerade mal zwei andere Wanderer begegnet. Starten wir also.

Wir fahren Richtung Wehlen. Aber nicht in die Stadt runter, dort gibt es zwar auch einen großen Parkplatz, aber der ist schnell voll und außerdem frech teuer. Oberhalb Stadt Wehlen, in einer scharfen Linkskurve, gibt es aber noch einen Parkplatz, auf dem man immer eine Ecke findet und der auch nicht ganz so teuer ist – mit vier Euro für die Tageskarte ist man dabei.

  Hier steht die Karre gut

Wir gehen ein Stück durch eine Siedlung neuer Einfamilienhäuser und kommen dann an dieses Sperrschild:

Steinbruch-2  Besser nicht mit dem Auto

Auf altem Pflaster geht es jetzt ziemlich knackig nach unten, wir sind auf dem Hausberg. Auf halber Strecke kommen wir am Schützenhaus vorbei. Das stand lange leer und wird jetzt von einem aus England stammenden Maler als sehr einfache Herberge, Kunsthaus und Biergarten mit Öffnungszeiten aus der Lostrommel betrieben. Schön, dass hier wieder Leben eingezogen ist.

  Schützenhaus

Außerdem gibt es am Berg einen Lehrbienenstand. Was das ist? Ich kann mir vorstellen, dass Maja und Willie hier ihre Flug- und Sammellehre absolvieren. Heute waren allerdings gar keine Bienen zu sehen, es war also eher ein “Leerbienenstand”.

  Ahhh, ja.

Von dem Weg den Hausberg runter hat man übrigens schon einen schönen Blick auf Stadt Wehlen.

  Ein erster Ausblick

Schließlich kommen wir unten an, direkt an dem Haus, welches über die Straße gebaut ist. Immer wieder ein schöner Anblick samt lokalpatriotischem Sinnspruch.

Wir könnten jetzt direkt nach rechts auf die Pirnaer Straße abbiegen. Für Freunde des Fortschritts empfiehlt sich aber ein kleiner Schlenker vorbei am großen Elbeparkplatz. Der ist brechend voll, aber am Ende des Parkplatzes finden sich drei stets freie Flächen. Die sind aber reserviert. Interessant, für wen:

  Ein Schelm…

Bei dieser Kombination kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Aber jetzt zurück zum Wandern. Wir biegen an der Manifestation der puren Ökologie rechts ab und kommen wieder auf die Pirnaer Straße. Die geht nach wenigen hundert Metern nahtlos in den Elberadweg über.

    Hochwassermarke auf der Pirnaer Straße

Und da sehen wir dann auf der rechten Seite auch schon einen Wegweiser zur Wilkeaussicht sowie eine Stele mit dem Symbol des Steinbruchpfades.

Es geht im Zickzack auf altem Pflaster nach oben. Am Baum sehen wir den ersten Wegweiser des Steinbruchpfades, es werden viele folgen, und auch ein Steinbruch, oder besser: dessen Reste, schimmert durchs Gehölz.

Auf einer kleinen Brücke überqueren wir sodann den Wilkebach. Wenn es ordentlich geregnet hat, geht an dieser Stelle auch ein ansehnlicher Wasserfall zu Tal. Derzeit ist es aber furztrocken und nur ein kleines Bächlein ist zu sehen.

  Wilkebach

Hinter der Brücke geht es dann auf uralten Stufen noch mal ordentlich nach oben. Schnauf!

  Nach oben sollst du streben

Der Mühe Lohn erreichen wir sodann in Form der Wilkeaussicht. Hier gibt es ein Bänkchen und einen herrlichen Blick ins Elbtal. Zeit für eine kurze Rast.

  Wilkeaussicht

Direkt hinter der Aussicht zeigt dann eine aufwendig gestaltete Stele den eigentlichen Beginn des Steinbruchpfades an.

  Dem kleinen Pfeil am Mühlrad folgen

An dieser Stelle muss einmal erwähnt werden, dass die Anlage des Pfades zum großen Teil auf die Privatinitiative eines Enthusiasten zurück geht. Ein Füllhorn des Lobes und des Dankes sei deshalb über ihm geleert. Und auf seiner Homepage erfährt der Interessierte noch mehr.

Wir zumindest erreichen schon bald das erste Kontrukt. Das war mal die Kopfstation einer Standseilbahn zum Abtransport der Steine. Ein Blick in die Schlucht darunter zeigt uns auch noch deren Gleise. Und auch unter unseren Füßen tauchen Gleisreste auf.

  Kopfstation

Nächster Höhepunkt ist das Gelände der Alten Steinsäge. Leider befindet sich die Ruine des Haupthauses und der meisten Nebengebäude auf Privatland und ist eingezäunt. Schade, aber das muss man respektieren.

  Blick durch den Zaun

Dafür stehen und liegen auf den Flächen drum herum zahlreiche rostige Zeugnisse des Bergbaus. Einen Lageplan gibt es auch. Und ein Erklärbär erinnert an die Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler, die hier einige Zeit verbrachte und später ein Opfer der Nazis wurde.

Besonders gefallen hat mir ein Schild am Baum. Beim nächsten Bordellbesuch sollte man also ein Tuthorn dabei haben und damit “einmaliges langes Blasen” einfordern.

  Kann man missverstehen

Es folgen im weitern Pfadverlauf auch weitere Geräte der Steinbrecherzunft.

  Konstrukte

Hier würde ich mir den einen oder anderen Erklärbären wünschen, denn viele der Geräte und Anlagen sind für mich spanische Dörfer. Vielleicht findet sich ja mal ein begüterter Sponsor, der so ein paar wetter- und wandalenfeste Schilder spendiert.

An einer Stele mit der Nummer 37 (die Zahl bezeichnet den den zugeordneten Steinbruch) lohnt es sich, mal ein paar Treppen hinaufzusteigen. Dahinter befindet sich der Zugang zum einzigen noch sporadische genutzten Steinbruch im Gelände. Betreten natürlich verboten.

  Hier bricht man

Der nächste Höhepunkt am Pfad ist schon wieder eine Ruine. Die hat aber nichts mit Steinbrüchen zu tun, sondern war einst das Atelier des Malers Pol Cassel. Vor allem in den 1920er Jahren war der hier zugegen. Hier gibt es einen Erklärbären, der mir sehr entgegen kam, denn ich hatte – zu meiner Schande – von dem Künstler noch nie gehört.

  Atelierruine

Ob an dieser Stelle auch der authentische Nachttopf des Künstlers zu sehen war, konnten wir nicht herausfinden. Aber der Gedanke lag nahe.

  Nachtgeschirr?

Jetzt haben wir einen Fehler gemacht. Der Steinbruchpfad biegt nämlich schon vor dem früheren Atelier ab. Was wir übersehen haben und geradeaus weiter gegangen sind. Was zumindest anfangs noch den Anblick einiger nicht mehr zu Einsatz gekommener Mühlsteine einbrachte.

  Mühlsteine

Danach wird der Pfad recht schmal und führt zwischen der Abbruchkante und einem Feldrain entlang. Auch nicht übel.

An einer kleinen Aussicht können wir einen Blick auf Obervogelgesang werfen.

  Obervogelgesang

Und landen schließlich am oberen Ende einer sehr langen Treppe. Die heißt Himmelsleiter und führt an die Elbe in die Miniortschaft Zeichen. Was aber nicht unser Ziel ist, weshalb wir die Treppe ignorieren und nach rechts abbiegen.

  Beginn der Himmelsleiter

Es geht jetzt im sanften Anstieg übers freie Feld (puh, bei der Hitze!). Zum Ausgleich hat man aber noch ein paar wunderbare Aussichten, unter anderem in Richtung der Festung Königstein.

Alsbald erreichen wir Dorf Wehlen und dort den Miniaturpark Kleine Sächsische Schweiz. Ob man den besichtigen will, muss man selbst entscheiden. Ich hab ihn mir vor sechs Jahren mal angesehen und mein Fazit war ein eindeutiges “Na ja”. Damals habe ich sieben Euro Eintritt bezahlt. Heute hätte man derer zehn von mir haben wollen. Da gehe ich dann doch lieber weiter. Wer es sich ansehen will: alle Infos auf der Homepage.

  Ist mir zu teuer

Wir sollten uns jetzt zurück zum Parkplatz begeben. Auf der Hauptstraße ist das nicht so schön, man kann sich aber sehr gut auf Nebenstraßen durchwursteln und dabei noch schöne Fachwerkhäuser anschauen. Wir fanden obendrein noch einen Garfield, der sich in der Sonne rekelte.

  Genießer

Die letzten 50 Meter, von einem Kruzifix am Wegesrand an, muss man dann aber wirklich auf der Hauptstraße zurücklegen. Halb so wild.

  Kruzifix

Fazit: nur gute sieben Kilometer und gerademal 190 Höhenmeter in Anstieg. Also eine wirklich entspannte Tour. Die realistische Dauer, mit Anschauen aller Steinbruchrequisiten, sollte bei rund drei Stunden liegen. Selbst an diesem sommerlichen Sonntag war es sehr einsam auf der gesamten Strecke. Also sehr zu empfehlen.

Zum Nachwandern:

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