An den Hängen des Tharandter Waldes

Schön und gut, die Sächsische Schweiz steht uns wieder offen. Allerdings schwant mir dunkel, dass hier vor allem an dem kommenden verlängerten Wochenende viel Begängnis sein wird. Deshalb will ich hier noch zwei alternative Runden nicht weit von Dresden vorschlagen. Die erste führt uns an die Hänge des Tharandter Waldes. Es ist, zugegeben, eine ziemlich lange Tour, die durch ein dauerndes Hoch und Runter auch recht anstrengend wird. Dafür garantiere ich aber Ruhe im Wald und jede Menge wirklich spannende Wege. Auf geht es.

Von Freital kommend, gibt es direkt am Ortseingang von Tharandt einen kostenlosen P+R Parkplatz. Dort ist auch der Bahnhof der S-Bahn-Linie 3 vom Dresdner Hauptbahnhof aus. Wir überqueren nur die Straße und sehen am Hang schon den Beginn des Brüderweges. Es gibt eine Ausschilderung und gleich zwei Warnschilder.

Unter Brüderweg-Brüdern: so wild ist es nicht. Aber mit Turnschuhen oder gar festlichem Fußwerk sollte man den Weg tatsächlich nicht begehen. Es ist halt mehr ein Pfad denn ein Weg, der sich immer schön an der Kante lang zieht. Aber nie so hart an der Kante, dass die Höhenangst zuschlagen könnte. Dafür viel Grün, immer mal wieder Auf und Ab, ein paar kleine Stege über Bächlein. Macht wirklich Spaß.

An einer Stelle hat man den Weg zusätzlich mit einem Stahlseil gesichert. Ganz ehrlich: wer nicht gerade sturzbesoffen oder drei Meter breit ist, der braucht das nicht. Na ja, für alle Fälle eben.

Nach rund zwei Kilometern kommt eine Kreuzung, da steht wieder so ein Warnschild herum. Geradeaus gibt es einen Wegweiser zum Backofenfelsen (nicht unser Ziel), und nach rechts geht es auf breitem Waldweg zurück an die Straße. Diese überqueren wir und laufen sodann noch auf einer Straßenbrücke über die Weißeritz. Dahinter biegen wir dann rechts ab, ab jetzt können wir einer blauen Wegmarkierung folgen.

Einwurf: Markierungen sind auf der ganzen Tour eher willkürlich vorhanden, und fehlen natürlich immer genau dort, wo man sich verfranzen kann. Also eine gescheite Karte oder ein gutes Navi nicht vergessen.

Zurück zur blauen Markierung. Die führt uns jetzt, auf dem Leitenweg, ganz gemächlich am Ufer der Weißeritz entlang. Zur Linken kommen wir derzeit an einer Baustelle vorbei, bei der ein Bagger wie ein Hanghuhn an der Schräge klebt und der extra gebaute Arbeitsweg eine gewisse Ähnlichkeit zu unseren geliebten Stiegen aufkommen lässt.

  Sehnsucht nach der Stiege

Wenn wir dann schon fast wieder den Ort erreicht haben, geht es scharf nach links weg und knackig in die Höhe. Eine gelbe Markierung möge uns führen. Wir erreichen nach einigem Geschnaufe einen kleinen Pavillon namens Sonnentempel. Die Aussicht ist leider sehr verwachsen.

  Sonnentempel

Vom sonnigen Tempel aus ignorieren wir jede Markierung und nehmen jenen Pfad, der unmarkiert weiter an der Hangkante entlang verläuft. Der heißt jetzt Oberleitenweg, was irgendwie logisch ist. Pfadig, wurzelig und immer wieder ein wenig hoch und runter geht es ein gutes Stück voran.

Und schon erreichen wir das nächste Häuschen. Das heißt jetzt Waldblick, der Name ist Programm. Man blickt nämlich in den Wald, auch hier ist die Aussicht gründlich zugewachsen. Dafür hat aber ein Scherzkeks eine Steckdose ans blanke Holz geschraubt. Wahrscheinlich zur Verwirrung der exzessiven Handynutzer.

  Waldblick

Von hier sind es jetzt nur ein paar Schritte bis zu einem Fels namens Stille Liebe. Einstmals hangelte man sich da an einem Seil über allerlei Geröll und uralte Stufen nach unten. Heute glänzt hier eine fette Stahltreppe. Völlig überdimensioniert und auch nicht wirklich passend in der Landschaft. Schade drum.

  Stille Liebe früher…

  …und heute.

Wir überqueren sodann einen kleinen Steg…

…und kommen auf den Großweg. Der ist wieder recht bequem, nur am Ende geht es nochmal ziemlich steil bergab.

  Großweg

Wir kommen direkt am Bahnhof von Edle Krone raus. Der wird von einem rührigen Verein gut in Schuss gehalten. Und wenn nicht gerade eine Seuche das Land ausmerzt – wie man es uns derzeit einzureden gedenkt – dann kann man sich an den Wochenenden hier auch verproviantieren und eine kleine Ausstellung besichtigen.

  Bahnhof Edle Krone

Derzeit ist alles geschlossen. So dass wir auf den Rucksack als Proviantlager zurückgreifen und uns dann an die Ausschilderung zur Katzentreppe halten. Wozu wir die Autostraße im Tal überqueren müssen.

  Miau!

Der Weg führt nun also, schon wieder ziemlich steil, an der anderen Hangseite nach oben. Immer mal ein Blick zurück ins Tal schafft die Möglichkeit, wieder Luft zu bekommen.

Oben angekommen wird die Beschilderung wirklich mies, zumal man andauernd wieder an Kreuzungen kommt. Auf der Karte suchen wir also den Buchweg. Derzeit steht da auch ein Wegweiser, der aber nur die Richtung zum “Windbruch” anzeigt.

  Da lang

Den gibt es wirklich, ist er aber erst mal überstiegen, wird der Weg sehr bequem und fällt ganz sanft immer weiter ab.

  Es brach der Wind

Wir landen im Tiefen Grund, ein breiter und befestigter Weg. Dem wir aber nur ein kleines Stück aufwärts folgen und an diesem Wegweiser nach rechts zu Bellmanns Los abbiegen.

  Das Los ist weg!

Und das ist schon wieder so ein wunderbarer Weg direkt an der Hangkante. Mal breiter, mal schmaler. Auf einer kurzen Strecke gibt es hier auch so ein Stahlseil zur Sicherung. Es ist, wie schon gehabt, nicht wirklich nötig.

Dafür können wir eine schöne Aussicht samt Bänkchen genießen. Dahinter versteckt sich im Wald sogar noch eine kleine Schutzhütte.

 Gute Aussichten

Schließlich landen wir wieder im Tal und gehen durch Tharandt zurück. Am Weg können wir noch an einer Archimedes-Schraube drehen. Und eine Wiese mit einer gammeligen Tischtennisplatte bewundern, die als “Sport-, Spiel- und Freizeitstätte” derzeit behördlich gesperrt wurde.

Noch ein kurzer Blick auf die Tharandter Burgruine, und wir finden uns am Ausgangspunkt wieder.

Fazit: Uff, das waren doch tatsächlich fast 20 Kilometer. Und einiges an Höhenmetern dazu. Da stellt sich ein gewisses Gefühl in den Knochen ein. Hat aber trotzdem richtig Spaß gemacht. Zumal man mit dem Tharandter Wald oft nur breite Schneisen durchs Gehölz verbindet und solche wunderbaren Pfade dort nicht vermutet hätte. Also unbedingte Empfehlung.

Zum Nachwandern:

Die nächste Runde führt uns dann ins Osterzgebirge. Diesmal mit wirklich tollen Aussichten.

Ein Gedanke zu „An den Hängen des Tharandter Waldes

  1. Vielen Dank für die Inspiration, es war eine tolle Runde. Wir sind allerdings am Ende nicht gleich wieder nach Tharandt abgestiegen (wir wollten uns den langen Weg durch den Ort sparen), sondern noch einmal links steil nach oben zum Heinrichseck, dem Judeichsgrab, dem Wettinerplatz und dem Cottagrab aufgestiegen. Danach noch schnell über den Kienberg und durch den Forstbotanischen Garten wieder nach Tharandt zurück. Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Tour auf der zwar die “spektakulären” Aussichten fehlen, allerdings ist man fast durchgängig allein unterwegs.

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