“Stille Wege” und “Vergessene Pfade”–neues aus dem Bücherschrank

Gleich zwei Neuerscheinungen verschönern dieser Tage den Bücherschrank des Sandsteinliebhabers. Und beide Bücher haben ihren Fokus dabei auf stille, wenig begangene und fast vergessene Wege und Pfade gelegt. Und verfolgen dennoch grundverschiedene Ansätze. Also mal reinschauen:

Daphna Zieschang /Anita Morandell-Meißner: “Vergessene Pfade im Elbsandsteingebirge”

BuchD

Erklärtes Ziel des Buches ist, auf 31 Touren wenig bis gar nicht frequentierte Wege im Nationalpark und im angrenzenden Landschaftsschutzgebiet vorzustellen, und dabei dennoch attraktive Wanderungen zu beschreiben. Eine Quadratur des Kreises, die leider nur bedingt gelungen ist. Was aber wohl auch gar nicht anders möglich war, denn Autorin Daphna Zieschang ist zertifizierte Nationalparkführerin, da darf sie offiziell nicht “falsch” wandern. Und so wird denn auch schon Vorwort erwähnt, das die Nationalparkverwaltung alle Touren überprüft und abgesegnet hat. Dies eingedenkt ist das Buch ja dann doch noch ganz gut geworden. Denn tatsächlich werden Touren auf Wegen beschrieben, die Einsamkeit garantieren. Nur: in aller Regel sind dies auch wenig attraktive Wege – geradeaus durch den Wald eben. Und um das ein wenig abzuschwächen, werden dann eben doch wieder allseits bekannte Ziele angesteuert. Dazu zwei Beispiele:

Die Thorwalder Wände werden mit einer Runde erschlossen, die im Kirnitzschtal am Abzweig von der Straße entlang des Flusses beginnt. Von dort geht es immer im Tal entlang bis zur Stimmersdorfer Brücke – endlos lang, immer im Tal, auf einem Radweg – öde. Aber tatsächlich oft recht einsam.  Und links und rechts schöne Natur. Aber eben nicht wirklich spannend. Dann weiter über den Dreisteigensteig zur Hickelhöhle – OK, das macht Spaß, ist aber schon mit Sicherheit nicht mehr ganz so einsam. Spätestens an der Hickelhöhle ist es mit der Einsamkeit ganz vorbei. Zurück geht es dann durch den Zschand zum Zeughaus, weiter Flügel E und an der Kirnitzsch lang. Alles breite Wege ohne sonderlichen Reiz. Und obendrein nicht einsam. Alternativ kann – und das wird natürlich erwähnt – auch der Reitsteig genutzt werden. Aber auch dort ist man selten allein.

Beispiel zwei: auf den Pfaffenstein geht es über das Nadelöhr hoch und über den leichten Aufstieg wieder runter. Macht Spaß, den man aber mit Sicherheit mit anderen teilen muss. Die weitere Tour führt dann in einem Riesenbogen bis Cunnersdorf und am Spitzen Stein vorbei zurück nach Pfaffendorf – in der Gegend gibt es wirklich einsame Wege, die aber auch grottenlangweilig sind. Waldwege eben, nichts besonderes.

Fazit: so richtig will das Konzept nicht aufgehen: entweder die Wege sind weder einsam noch vergessen, oder sie sind schlicht langweilig. Dennoch: das Buch enthält durchaus Anregungen für die eine oder andere Runde, und sei es nur ein Schlenker auf anderen Touren. Also einfach kaufen und nichts Sensationelles erwarten.

 

Axel Mothes: “Stille Wege – Band 1”

BuchA

Der neueste Streich des Stiegen-Anarchisten. Und dennoch diesmal ganz anders: im Stakkatotempo (ein Weg – eine Seite) werden hier sämtliche gesperrten Wege der vorderen Sächsischen Schweiz aufgelistet. Kurze Skizze, ein paar statistische Angaben und eine Minibeschreibung – das muss pro Weg genügen. Ausnahmen: der Tümpelgrund und der Frinzbergsteig werden ausführlich behandelt. Womit denn auch klar ist, an welche Zielgruppe sich dieses Buch richtet – an Gebietskenner. Denn andere werden weder mit den Skizzen noch mit den knappen Beschreibungen etwas anzufangen wissen. Also ein Nischenprodukt, welches dennoch bei einigen Granden der Nationalparkverwaltung zu Bissspuren in der Schreibtischplatte führen dürfte.

Fazit: für Gebietskenner ein absolutes Muss, für Gelegenheitsbesucher schlichtweg nutzlos.

2 Gedanken zu „“Stille Wege” und “Vergessene Pfade”–neues aus dem Bücherschrank

  1. Habe die ‚Vergessenen Pfade‘ im Buchladen kurz durchgeblättert. Da hat sich beim Buchtitel möglicherweise ein Druckfehler eingeschlichen. Es sollte wohl ‚Wirtschaftswege im Elbsandsteingebirge, die man vergessen kann‘ heißen.

    Axels neuer Streich. Wie immer: KLASSE! Es sind nicht alle stillen Wege aufgeführt, aber alle die man kennen muss. Ich freue mich schon auf die Ausgabe zu hinteren Sächsischen Schweiz.

  2. Also, ich hab mir das Buch (Vergessene Pfade“) auch zugelegt und kann mich Arndts Meinung nur anschliessen. Es sind ein paar schöne Touren und Anregungen drin. Ihr dürft auch nicht vergessen, daß das Buch mehr für Otto Normalvebraucher geschrieben ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.