Alte Karte–viele Fragen

Kollege Zufall hat mir eine – wahrscheinlich recht seltene – Karte zukommen lassen: “Ministerium der Inneren der DDR”, Schramm- und Affensteine, 1:10 000, mit zwei Detailkarten Schrammtor und Umgebung sowie Bloßstock und Umgebung, beide 1.5000. Oha, ein echtes Schmäckerchen, welches eine nähere Betrachtung verdient, einige offene Fragen inbegriffen.

Karte

Zunächst das Ärgernis: die Karte ist undatiert. Allerdings wage ich mal einen Versuch der zeitlichen Einordnung: alle bekannten Stiegen, selbst Wolfsfalle und Wolfsstiege, sind eingezeichnet – nur die Häntzschelstiege fehlt. Olle Rudi hat seine Stiege ja bekanntlich Ende der 60er Jahre fertiggestellt, die Karte dürfte also älter sein.

Kleine Dinge am Rande:

  • Die Elbaussicht ist eingezeichnet, genau wie der Weg durch das Mittlere Schrammtor
  • Schwarzes Loch, Zahme Hölle und Großer Dom sind als Hauptwanderwege eingetragen

Einige Fragen: und hier hoffe ich auf Tipps aus der geneigten Leserschaft.

Kleiner Winterberg: parallel zum heute noch existierenden (aber von der NPV verdammten) Oberen Fremdenweg zieht sich hier ein weiterer Pfad am Berg lang. Noch vorhanden?

WB

Hausberg: sowohl auf den Hausberg als auch auf den vorgelagerten Hausbergwächter gehen Pfade zu markierten Aussichten. Noch vorhanden?

HB

Seibthorn: diese Felsgruppe hatte ich bisher überhaupt nicht wahrgenommen. Aber drüber hinweg geht auch hier ein Pfad mit mehreren Aussichten. Noch vorhanden?

SH

Reitsteig – Heringsloch: hier ist ein Verbindungspfad eingezeichnet. Die Stelle ist klar: da, wo der Wurzelweg auf den Reitsteig stößt gibt es eine Gedenktafel für vom Blitz erschlagene Waldarbeiter. An genau dieser Stelle führt auch heute noch ein Pfad zu einer Aussicht. Und laut Karte daneben ein Pfad ins Tal zum Heringsloch. Noch vorhanden? Noch begehbar?

HL

Jede Menge Fragen. Vielleicht kann ja hier der eine oder andere mit Tipps weiterhelfen. Ansonsten gibt es demnächst viel zu erkunden.

10 Gedanken zu „Alte Karte–viele Fragen

  1. Zum Kleiner Winterberg kann ich beitragen: Der Pfad (falls man ihn noch so nennen darf) ist begehbar aber stark verwachsen und nur noch zu erahnen (Stand: Sommer 2014). Viel zu sehen gibt es hier nicht.

    1. Das kann ich bestätigen. Zugewachsen ist er, aber begangen wird er, sonst hätten wir ihn im Schnee nicht so gut gefunden – übrigens besser erkennbar als der OFW, sonst wären wir diesen lang.

  2. Hallo,

    das scheint die Urversion der Karte zu sein, deren Enkel „Wanderkarte Schrammsteingebiet 1 : 10 000 (WK10 SG)“ es heute noch z.B. beim GeoSN zu kaufen gibt – sieht zumindest von Zeichen- und Farbstil genauso aus. Auf der neuen Variante dürfte dann aber das eine oder andere Detail fehlen.

    Gegen den 1:5.000-Ausschnitt hat es selbst die Böhm-Karte zu den Affen-/Schrammsteinen schwer.

    Quelle: http://www.landesvermessung.sachsen.de/inhalt/produkte/karten/sonder/wk10/wk10.html

    1. Immer wieder erstaunlich: Basis für fast alle Karten der ‚Neuzeit‘ sind wohl die Messtischblätter aus den Dreißigerjahren, gezeichnet mit einer unglaublichen Genauigkeit und Liebe zum Detail.

      Diese Karte hier scheint da keine Ausnahme zu sein.

  3. Hallo Arndt,

    auf meiner Karte steht rechts unter dem schwarzen Rand „Vermessungsdienst Ost 1954“. Nach Deinen Bildern dürfte es die gleiche sein, auch wenn meine eine „normale“ Wanderkarte ist.
    Die Pfade am Hausbergwächter sind größtenteils noch vorhanden, die Aussichten zugewachsen.
    Seibthorn war letztes Jahr sehr verwachsen, deshalb sind wir den Pfad oben nicht lang. Die östliche Aussicht war praktisch nicht mehr vorhanden. Das ist leider bei vielen in der Karte verzeichneten Aussichten so.
    Ansonsten lohnt sich ein genauer Blick auf die Karte immer wieder, sind viele kleine Pfade drin 😉

    Viele Grüße
    Gernot

  4. Kleiner Winterberg: Der Weg ist kaum noch vorhanden, im Abstieg zum Pavillion mit dichten Gras bewachsen. Alles in allen aber noch begehbar.
    Hausberg: Aussichten wie gernot schreibt völlig zugewachsen. Ich hab nicht mehr viel von den Wegen, sind noch nicht mal mehr Pfade, gesehen.
    Seibthorn: Steht ausführlich in „Geheimnisvolle Wege“ Band 1 ab Seite 140 (sehr schöne Ecke und doch so nah zum Massentourismus.
    Reitsteig: Ja der geht heut noch durch, als direkter Zugang zum Heringstein auch von Kletteren benutzt.

  5. Bin 2008 mal vom Heringsloch zum Reitsteig hoch. An der Aussicht bin ich jahrelang vorbeigerannt – der Großteil des Wandervolkes macht das ja auch heutzutage noch (gottseidank). Was soll ich sagen – man kommt hoch, aber ein Vergnügen ist es nicht. Habe ich mir seitdem auch verkniffen. Und lieber gleich die Aussicht besucht.
    http://fc-foto.de/13479633
    http://fc-foto.de/31477112
    Der Hausbergwächter steht noch auf der Agenda. Habe ihn schon mehrfach aus dem Kirnitzschtal gesehen und gedacht, daß da oben u.U. ein interessanter Fotostandpunkt sein könnte. Da müßte man doch mal…. Es gibt noch viel Arbeit…..
    Letztes Jahr viel im Zschand rumgekrochen. Portalturm – coole Geschichte.
    http://fc-foto.de/34464396

  6. Das ist ja mal wieder ein richtig guter Tip, hab mir das Kärtchen in einem Antiquariat bestellt und soeben eingetroffen ( war kein Zehner und es sind noch welche zu finden)…wirklich sehr fein, man denkt immer man hätte schon alles gesehen.

  7. Klarer Fall, das ist die 10000er Schrammsteinkarte Vermessungsdienst Ost/Geodäsie und Kartographie/Landesvermessungsamt/GeoSN. 1953/54 von Hans Brunner und Kurt Ullrich bearbeitet, Schummerung von Gerhard Peschel, Druck 1955. Wurde etwa 1965, als die Karten geheim wurden, verboten. Die Kartenoriginale sollten dann zwar vernichtet werden, haben aber ganz unten in der VS-Stelle im Panzerschrank überlebt, denn natürlich schmeißt ein echter Kartograph so was nicht weg. Hans Brunner ist übrigens Jahrgang 1919. Letztes Jahr im Dezember ist er 95 geworden. Und ich hab ihm nichtmal eine Karte geschrieben.

  8. Habe selber auch 2 Exemplare dieser Karte zu Hause.
    Ist eine super Karte wenn ich in diesem Gebiet unterwegs bin darf sie nicht fehlen.
    Ich bin September 2013 den Weg vom Heringsloch hoch zum Reitsteig, ein vergnügen ist es wahrlich nicht.
    Wenn du den Weg begehen willst empfehlich dir aus dem Heringsloch aufzusteigen.
    Mit verrenken und verbiegen mit steigen und bücken kommt man aber noch hoch.
    🙂

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