Waldbrandgefahr und Boofenverbot

Es ist staubtrocken im Wald und obendrein saharamäßig heiß. Kein Wunder, dass es derzeit fast schon täglich zu Waldbränden im Nationalpark und drum herum kommt. Und nicht selten sind diese Brände das Ergebnis eines mehr als leichtfertigen Umgangs mit offenem Feuer durch, ich nenne sie mal, “erlebnisorientierte” Touristen.

Jetzt also knallt eine Verfügung des Landratsamtes herein, die man hier nachlesen kann. Quintessenz: zwischen 21 Uhr und 6 Uhr ist der Wald gesperrt. Das geht ganz klar gegen die Boofer. Dazu ein paar Gedanken:

  1. Es ist tatsächlich ein Unding, bei solchem Wetter mit offenem Feuer zu agieren. Als erfahrener Freiübernachter hat man zwar sicherlich die Frage eines geeigneten Untergrundes und das sorgfältige Löschen eines Lagerfeuers im Griff. Auf den Funkenflug allerdings hat man keinen Einfluss, und der kann bei der knochentrockenen Witterung schon reichen.
  2. Diese Waldbrände verursachen erhebliche Kosten, welche die Allgemeinheit tragen muss. Denn auch wenn solche Brände nicht nur negative Folgen haben (siehe weiter unten), so bleibt dennoch die Pflicht, zu löschen, ein Ausbreiten auf etwa private Waldflächen zu verhindern und die Wanderwege zu schützen.
  3. Die Sperrung des Waldes in der Nacht ist trotzdem ein Schnellschuss, weil nicht zu kontrollieren. Sowohl der Sachsenforst als auch die Nationalparkverwaltung sind chronisch unterbesetzt und zudem an die wenig flexiblen Arbeitszeiten des öffentlichen Dienstes gebunden. Mehr als ein paar Stichproben in den erlaubten Boofen sind da nicht drin. Von den hochattraktiven aber verbotenen Boofen in der Kernzone ganz zu schweigen.
  4. So ein Waldbrand hat nicht nur negative Folgen. Sehr gut lässt sich das am Rabenstein bei Dittersbach (Jetřichovice) in der Böhmischen Schweiz beobachten. Vor mehr als zehn Jahren hat es hier großflächig gebrannt. Ein Blitzschlag war Schuld. Heute sieht man, wie unter den Baumleichen eine neue, hervorragende Vegetation heranwächst. Genau jener gesunde Mischwald, den die Verwaltungen sonst mittels schwerer Technik erzwingen wollen.

 Frischer Wald unter abgebrannten Bäumen.

Am Ende überwiegen aber die negativen Folgen eines solchen Brandes, vor allem, wenn man die Kosten bedenkt. Inwieweit eine Verfügung eines Landratsamtes hier helfen kann, darüber kann man grübeln. Ich persönlich glaube nicht, dass sie viel bewirken wird.

4 Gedanken zu „Waldbrandgefahr und Boofenverbot

  1. In Dittersbach/Jetřichovice gab es zweimal einen Waldbrand. 2005 wollten 2 junge Männer in der Hütte auf dem Marienfelsen übernachten, ließen Kerzen runterbrennen, die Hütte fing an zu brennen, die brennenden Teile fielen vom Felsen runter in den Wald, der brannte dann am Rabenstein vorbei bis fast zum Falkenstein ab. Originalbericht davon, leider nur in tschechisch:
    https://www.novinky.cz/krimi/64665-pozar-v-narodnim-parku-neni-rozsahly-tvrdi-spravce.html
    2006 brannte es nochmal am Rabenstein, als Auslöser wurde ein Lagerfeuer vermutet. Die NPV sagte damals, daß nur ein einziger Brand der letzten Zeit durch Blitzschlag verursacht wurde, alle anderen durch die Fahrlässigkeit von Menschen:
    http://www.radio.cz/de/rubrik/tagesecho/waldbrand-in-der-boehmischen-schweiz
    Unter solchen Gesichtspunkten kann man die Entscheidung der NPV etwas verstehen. Vielleicht spielen auch Sicherheitsbedenken eine Rolle, wenn z.B. Nachts eine Boofergruppe von einem Waldbrand eingekesselt würde und nicht mehr rauskäme. Leider gibt es dann noch die Idioten, die auch tagsüber, irgendwo abgelegen, ein Feuer machen, siehe Prebischtorgebiet.
    Interessant ist noch, daß zu DDR-Zeiten viel mehr gebooft wurde als heute, wir natürlich auch, sogar wochenlang, in ausgebauten Boofen und an allen möglichen und unmöglichen Stellen, Hauptsache ein Felsüberhang war da, und immer mit Feuer, aber von so vielen Waldbränden wie heute hat man damals nie gehört. War das einfach nur Glück? Oder hat es damals mehr geregnet?

    1. Liebe Grüße an alle Nachteulen, Frühaufsteher und Spätzünder die nun im NP Zuhause bleiben können. Sperrungen sind bei Extremwetterlagen sicher sinnvoll. Hier aber unterstellt man einer bestimmte Personengruppe das sie auf Kriegsfuß mit der Natur stehen, demnach zündeln, Kippen und sonstigen Müll des Nächtens verteilen etc. Allein die Personenanzahl der “normalen Touristen” am Tag stellt eine größere Gefahr dar. Diese sind allerdings durch die gute Rancherschule gegangen und völlig ungefährlich für die Natur . Also wenn Sperrungen dann knallhart 24 Stunden am Tag. Aber hier sieht man wieder einmal welchen geistigen Kindes diese Lobbyisten sind.
      Glück auf Berg heil und Ahoi VOMO

  2. Wir waren am 20. Juli mittels Breite Kluft Aufstieg
    auf dem oberen Terrassenweg, vertrocknete und schon
    durch die extreme Sonneneinstrahlung regelrecht verbrannte
    Heidelbeerbüsche, die Beeren glichen Trockenobst. (Bereich
    Riff Großvaterstuhl etc.) In Anbetracht dieser extremen
    Dürreperiode muss man diese Entscheidung glaube ich
    respektieren. Seltsam fanden wir allerdings, dass diese
    “Verbotsschilder” vormittags – zumimdest am Aufstieg
    zum Aspenbloß noch nicht hingen, sondern erst später,
    wo doch schon einige Boofensuchende längst unterwegs
    waren ???? Zumindest haben WIR das erste Schild dieser
    Art gegen 17 Uhr am Aufstieg zur Kahntilke gesehen, wo
    die Forststraße den Aufstieg kreuzt. Hinsichtlich der
    Tatsache, dass aber bei dieser höchsten Waldbrandwarnstufe
    eigentlich grundsätzlich das Betreten des Waldes verboten
    ist, können wir froh sein, dass die Sperrung nicht auch tagsüber,
    also komplett erfolgte…
    Eine über solch einen langen Zeitraum anhaltende Hitze-
    periode ist allerdings dieses Jahr auch wirklich extrem,
    selbst in der Elbe ist ganz wenig Wasser…, Rinnsale, Bäche
    und Z.B. Friensteinborn ausgetrocknet…

  3. Das indirekte Boofenverbot ist für mich ein hilfloser Aktionismus. Rechtlich scheint mir das auch sehr schwach zu sein. 9 Std. Betretungsverbot zu 15 Std. Betretungserlaubnis. Ist in den 9 Std. die Gefahr so gewald(t)ig größer ? Brände “häufig” in Zusammenhang mit FreiLANDübernachtung – bei “überwiegend” würde ich das Argument gelten lassen, dass die Boofer Kriminelle sind. Ich glaube, in den 15 Std. sind Raucher und wild parkende Autos das größere Problem.

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