Neues rund um Dittersbach (Jetřichovice)

Beschaulich liegt Dittersbach (Jetřichovice) im Tal, rund herum erheben sich die herrlichen Aussichten der Dittersbacher Felsenwelt. Ich bin hier mal ein wenig herumgekrochen und hab die eine oder Sache entdeckt, die neu ist. Man folge mir also zu einem neuen Aufstieg, der alte Treppen ignoriert und zu einer verrammelten Schutzhütte. Obendrein gibt es ein neues, altes Wirtshaus und leider nicht viel Gutes zu einem historischen Gebäude zu berichten. Aber lest am besten selbst.

Ein Treppenwitz: der Treppenstein ohne Treppe

Der Treppenstein liegt gut versteckt nahe “Pfeifers Wäldchen” am Ortsrand von Dittersbach. Dennoch gibt es es von hier oben eine nette Aussicht. Und die will man jetzt wohl touristisch vermarkten. Zu diesem Behufe hat man einen komplett neuen Aufstieg angelegt, obendrein die alten Geländerstangen, die früher noch das Plateau zierten, entfernt. Zu dem neuen Aufstieg führt bisher nur die eine Tafel auf dem Bild links, bis zur neuen Saison 2019 sollen aber weitere Wegweiser hinzukommen. Der Aufstieg als solcher ist gar nicht schlecht gelungen, Holzstufen und ein pragmatisch gebautes Geländer: Seile, die an den Bäumen festgemacht wurden. Sieht nicht so toll aus, funktioniert aber. Ein altes Felsbild (Joseph mit dem kleinen Jesus) am Beginn des Aufstiegs wurde auch saniert.

Die Aussicht als solche ist nun nicht der ganz große Hammer, aber durchaus schön. Und eine Bank hat man auch gleich noch hingestellt.

  Auf dem Treppenstein

Aber jetzt kommt der große Pferdefuß: der eigentliche, historische Aufstieg hier hoch, der führte über eine lange Stufenreihe im Sandstein. Jetzt ist der Pfad zu diesem Aufstieg kaum noch begehbar, viele umgestürzte Bäume machen das Vorankommen schwer. Warum, so frage ich mich, baut man also einen völlig neuen Weg, anstatt den alten, historischen, einfach zu ertüchtigen? Ich weiß es nicht.

Schutzhütte auf dem Marienfelsen verrammelt

Die Aussicht vom Marienfelsen gehört zweifellos zu den ganz großen Höhepunkten bei einer Runde um Dittersbach. Schließlich ist es eine 360-Grad-Aussicht. Und eine Schutzhütte steht auch noch oben auf dem Felsen. Die steht da seit 1856, wurde aber immer mal wieder durch Unglücke zerstört und neu aufgebaut. Jetzt ist sie massiv verrammelt worden. Offizielle Begründung: der Holzboden sei morsch und nicht mehr sicher. Damit ist aber auch die Rundum-Aussicht flöten. Immerhin: bis zum Beginn der nächsten Saison soll die Hütte saniert und wieder geöffnet werden.

Hier geht es hoch.

  Hütte dicht.

Direkt am Aufstieg klafft dagegen ein großes Loch im Fels, in das man, so man denn gerade nicht auf den Weg achtet, böse hineintreten kann. Und es klafft nicht erst seit kurzem, im Loch liegt nämlich schon reichlich Müll. Zugegeben, wir haben fürs Foto ein wenig übertrieben. Aber schon komisch: die Hütte wird aus Sicherheitsgründen gesperrt, das große Loch dagegen scheint nicht zu stören. Tschechische Gelassenheit eben.

  Hier nicht reintreten!

Restaurant “Praha” wieder geöffnet

Das Restaurant “Praha”, direkt gegenüber der Touristinformation in einem einem schönen Fachwerkhaus gelegen, stand jahrelang leer. Jetzt ist es wieder geöffnet, es wird von der Gemeinde selbst betrieben. Ich bin noch nicht dazu gekommen, auch mal einzukehren, einen Test sei es aber demnächst wert. Öffnungszeiten stehen schon angeschlagen: täglich 11 – 22 Uhr.

Rückkauf des Kinderheims gescheitert

Wer Dittersbach kennt, der kennt auch das Gebäude des ehemaligen Kinderheimes. Fast sieht es aus wie ein hochherrschaftlicher Wohnsitz. Erbaut wurde es in den 1920er Jahren, um Kindern aus Industriestädten für ein paar Tage frische Luft und gesunde Natur zu bieten. Immerhin bis 2005 wurde es auch genau zu diesem Zweck genutzt. Um dann an privat verkauft zu werden. Es gab Pläne, ein Luxushotel im Gebäude einzurichten, die aber nie realisiert wurden. Das Haus steht seitdem leer und wird davon nicht schöner.

Vor rund einem Jahr hat deshalb Dittersbachs Bürgermeister Marek Kny eine Petition gestartet. Inhalt: der Bezirk Aussig (Ústí nad Labem) möge das Haus von Staats wegen zurückkaufen und einer neuen Nutzung zuführen. Angedacht war ein Sanatorium für Senioren. Das würde nämlich neben gut betuchten Rentnern auch junge Leute als Angestellt in das Haus nach Dittersbach ziehen. 6200 Unterschriften hat Kny so zusammenbekommen.

Doch jetzt hat das Parlament des Bezirkes Aussig einen Rückkauf abgelehnt. Es stünde kein Geld zur Verfügung. Tatsächlich wären die Kosten nicht gering: geschätzte 400 Millionen Kronen (rund 16 Millionen Euro) würden Kauf, Sanierung und Umbau kosten.

Pikant wird die ganze Geschichte allerdings, wenn man auf die Person des derzeitigen Eigentümers schaut: Alexej Krenke. Der Russe, der seit Jahrzehnten in Tschechien lebt, kauf auch schon seit Jahren scheinbar wahllos Objekte im Elbsandsteingebirge. Mutmaßlich finanziert durch anonyme Hintermänner. Nach einer tschechischen Wirtschaftsauskunft sind auf seinen Namen derzeit sechs Firmen eingetragen. Denen gehört unter anderem das Hotel in Rainwiese, das Restaurant “U Havrana” in Dittersbach, das Prebischtor (!) und auf sächsischer Seite die “Burg” auf der Endlerkuppe bei Ottendorf.

Laut dem stellvertretenden Gouverneur des Bezirkes Aussig, Martin Klika, wäre Alexej Krenke durchaus bereit, zu verkaufen. Der verlangte Kaufpreis allerdings sei für den Staat nicht machbar. Und so zeigt es sich auch in Tschechien: der Privatisierungswahn der 1990er Jahre war ein Fehler, der heute kaum noch zu korrigieren ist. Oder können Sie sich heute noch vorstellen, dass jemand allen Ernstes das Prebischtor verkauft?

Es weihnachtet schon

Nicht nur in den Regalen der Supermärkte tauchen schon Lebkuchen auf, auch in Dittersbach stellt man sich wohl schon auf die Weihnachtszeit ein. So gesehen am letzten Septemberwochenende. Na denn: Oh du fröhliche!

Ein Gedanke zu „Neues rund um Dittersbach (Jetřichovice)

  1. Wer mich kennt- ein Lob kommt bei mir selten über die Lippen. Nun aber wiederholt ein prima Artikel über unsere zweite Heimat. Wie würde Mann (* gender wichtig) neudeutsch sagen ein „Leuchtturm“ in der sprachlosen öden Wüste.

    P.S. trotz der praktischen „Ausfälle“ des Autors im Sommer

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