Schramm- und Affensteine: einmal quer rüber

 

Region: wie es schon der Name sagt: Schramm- und Affensteine
Dauer: knapp sieben Stunden
Entfernung: 17 Kilometer
Höhenmeter: (Hoch und Runter): 1250 Meter
Schwierigkeit: Etwas anstrengend (konditionell) in den Aufstiegen. Technisch keine besonderen Ansprüche.
Bemerkungen: Streckenwanderung mit ÖPNV. Einkehr unterwegs nur am Imbiss auf dem Großen Winterberg. Und ganz zum Schluss in Schmilka.

 

Dies ist fast schon eine Standardrunde in der abwechslungsreichsten Ecke des Elbsandsteins. Wir sehen einige wirklich tolle Aussichten, benutzen eine recht einfache Stiege, erspähen merkwürdige Bretter im Walde und zahlreiche andere kleine und große Höhepunkte. Dabei bleiben wir fast die ganze Zeit auf gut markierten Wanderwegen. Aber den einen oder anderen kleinen Abstecher gönnen wir uns trotzdem. Damit es nicht langweilig wird. Also, auf geht es.

Start ist im Zahnsgrund. Da geht die Straße nach Ostrau durch, und nahe der Schrammsteinbaude gibt es einen Parkplatz. Und auch eine Bushaltestelle. Selbige ist heute unsere Wahl, weil das Ganze eine Streckenwanderung wird, bei der Start und Ziel nicht identisch sind. Also an der Haltestelle Schrammsteinbaude ausgestiegen und gleich in den Wald geschaut. Da ist schon der Schießgrund ausgeschildert.

 Da geht es lang

Der ist einer von drei Möglichkeiten, hier in die Schrammsteine aufzusteigen. Kürzer, aber deshalb auch weniger spannend, wäre der Lattengrund. Und als kürzeste Verbindung der Obrigensteig, der aber derzeit wegen zahlreicher Käferbäume nur schwer zu passieren ist. Also schießen wir in den Schießgrund. Mit moderater, aber stetiger Steigung geht es aufwärts. Es lohnt schon hier, immer mal stehen zu bleiben und den Blick rundum schweifen zu lassen.

Schließlich kommen wir an dieses Geländer samt abgesenktem Teil. Da hüppern wir mal drüber. Zwecks eines kleinen Abstechers.

 Hier rüber

Der Pfad dahinter führt zum Falkenstein, der Wiege des sächsischen Kletterns. Denn schon 1864 wurde der freistehende Trumm von den Mitgliedern eines Turnerklubs bestiegen. Die nahmen damals noch Leitern zu Hilfe, was heute ein schweres Sakrileg wider den sächsischen Kletterregeln wäre.
Wie auch immer, auch heute geht es da nur mit klettermäßigen Fähigkeiten hoch. Als Wandersleute können wir aber einmal rund rum laufen, was auch nicht übel ist. Ein paar alte Treppenstufen künden davon, dass es hier im Mittelalter auch eine Burgwarte gab.

 Am Fuß des Falkensteins

Also einmal unten rum, dann zurück übers Geländer und weiter dem Hauptwanderweg gefolgt. Der heißt jetzt Elbleitenweg und ist sehr bequem zu gehen.

 Elbleitenweg

Schon nach kurzer Zeit erreichen wir so das Große Schrammtor. Und nein, das ist kein Tor im eigentlichen Sinne. Es sind steil aufragende Felsen, zwischen denen der Weg durchführt. Wenn Sie also das erste Mal hier sind, dann gehen Sie durch, immer den Kopf im Nacken. Es ist beeindruckend. Aber passen Sie auf, dass Sie nicht gegen den nächsten Felsen laufen!

 Eingang Großes Schrammtor

Wer sich dagegen einen Abstecher gönnen möchte, der hüpft wieder über so ein abgesenktes Geländer und nimmt den Weg durch das Mittlere Schrammtor. Hier muss man mal ein ganz klein wenig die Hand an den Fels legen und ganz minimal klettern – also eigentlich nicht wirklich klettern, eher einfach die Füße etwas höher heben. Belohnt wird man mit wunderbaren An- und Aussichten.

  Mittleres Schrammtor

Der Pfad trifft dann wieder auf den Hauptwanderweg. Und ein Schild verkündet, er wäre nicht durchführend. Fake-News, denn wäre er nicht durchführend, dann stünden wir nicht hier.

 Nicht alles glauben

Wir folgen jetzt dem Hauptwanderweg ein gemütliches Stückchen nach links. Und erspähen schon kurz darauf am linken Wegesrand dieses Hüttchen.

Hier beginnt der Wildschützensteig. Knackig führt der nach oben, über viele Stufen und Leitern. Man kann schon sagen: eine echte Stiege, wenngleich eine technisch völlig unproblematische. Die Kondition könnte aber schon gefordert sein.

Oben angekommen nutzen wir, je nach Kondition, entweder die freundlicherweise bereitstehenden Bänkchen zum Ausschnaufen, oder wir gehen gleich nach links. Noch mal über ein paar kleinere Leitern und Stufen führt der Weg zur Schrammsteinaussicht. Und die gehört zum Feinsten, was die Ecke zu bieten hat. Allerdings werden wir hier auch nie allein sein. Es lohnt sich trotzdem.

Da hier aber für eine Rast zu viel los ist, können wir uns auf die benachbarte Elbaussicht verdünnisieren. Da ist viel weniger los, man schaut weit ins Elbtal herunter und kann in Ruhe mal die Bemmen auspacken.

Obendrein bemerken wir ein Kunstwerk im Fels, welches wir beim besten Willen nur als “Rakete” deuten können.

 Rakete, was sonst?

Nun gut, wir gehen zurück zur Kreuzung mit den netten Bänkchen. Ab hier folgen wir jetzt (blaue Markierung) dem Schrammsteingratweg. Wie es der Name schon sagt: es geht immer oben lang, dabei aber trotzdem immer wieder kräftig hoch und runter. Allein dieser Weg ist eine Höhepunkt, den man nicht versäumen sollte.

Irgendwann wird der Weg dann flacher, aber nicht weniger attraktiv. Denn schon bald bietet er uns die Aussicht an der breiten Kluft. Schon wieder so ein Schmaus für die Augen.

Weiter immer geradeaus, jetzt wieder recht bequem. Irgendwann gehen nach rechts diese Treppen ab.

Das ist der Zurückesteig, ein kurzer und sehr abwechslungsreicher Weg. Also da lang und genießen.

 Zurückesteig

Wir kommen an eine weitere Kreuzung. Und gehen rechts, in Richtung des Großen Winterberges. Der Weg heißt jetzt Reitsteig. Und ist sehr entspannt zu laufen. Wir kommen noch an der Aussicht an der Wenzelswand vorbei, nochmal in Ruhe den Blick schweifen lassen.

 Wenzelswand

Und schon staunen wir zur Rechten. Da hat man einen Haufen Holzbohlen in den Wald gezimmert. Soll sicher mal ein Lehrpfad werden, zumal sich die Ecke hier sehr gut dafür eignet. Man kann nämlich richtig gut sehen, wie unter den toten Käferbäumen wieder eine neue, gesunde Vegetation heranwächst. Warum es dafür aber ein paar hundert Meter Holzbohlen samt Geländer bedarf, und es nicht einfach ein naturbelassener Pfad getan hätte, das gehört zu den Geheimnissen des Nationalparks. Mal sehen, wann das hier offiziell eröffnet wird.

An der nächsten Kreuzung heißt es: Obacht. Wir wollen wieder einen kleinen Abstecher machen, und zwar auf den Oberen Fremdenweg. Eine Beschilderung suchen wir vergeblich. Und das, obwohl der Weg vor einigen Jahren auf massiven Druck der Bergsportverbände als “Bergpfad” freigegeben wurde. Derzeit sieht es allerdings so aus, dass von den Bergpfadmarkierungen genau noch eine einzige vorhanden ist. Obendrein ist der Beginn des Weges massiv mit Käferbäumen versperrt.
Wir orientieren uns also grob an dieser von Narrenhänden beschmierten Rettungsbox.

Ab hier müssen wir uns zunächst durch eine ganze Wust von Totholz durchkämpfen. Ist das geschafft, siehe da, finden wir auch die einzige noch vorhandene Bergpfadmarkierung vor.

 Da müssen wir durch

Im weiteren Verlauf wird der Weg dann entspannt, es geht durch einen gesunden Buchenwald. Um nach kurzer Zeit das eigentliche Ziel zu erreichen: den königlich-sächsischen Jagdpavillon auf dem Kleinen Winterberg.

Das Häuschen stammt aus dem Jahre 1818, aber schon viele Jahrhunderte zuvor gab es hier eine Hütte zur Aufbewahrung von Jagdgerät. Eine Tafel kündet auf Latein (eine Übersetzung findet sich im Inneren) von einer jagdlichen Großtat des Kurfürst August im Jahre 1558. Wir gehen auf demselben Weg zurück.

Die nächste Kreuzung bietet dann zahlreiche Abzweige und eine alte Wegesäule. Auf der herrschen noch bessere Zeiten: der Weg zum Prebischtor, offiziell gesperrt, wird hier noch angezeigt.

Wir aber wählen den Weg Richtung Großer Winterberg. Jetzt kommt ein für mich immer ärgerliches Stück der Tour: der breite, befestigte Weg zieht sich ziemlich reizlos einfach immer nach oben hin. Aber einen schönen Buchenwald gibt es beiderseits immerhin zu sehen.

Oben angekommen stehen wir vor dem (ehemaligen) Wirtshaus. Seit Jahren zieht sich hier ein Streit zwischen dem Eigentümer (Freistaat Sachsen) und dem Pächter um die Sanierung einer Kläranlage hin. Das Haus ist seitdem geschlossen und darf gammeln. Aber immerhin gibt es einen Imbiss, und den sogar zu recht zivilen Preisen.

Wir können uns also stärken und folgen sodann der ausgebauten Straße in ein paar Serpentinen abwärts. Bis zur ausgeschilderten Kipphornaussicht. Die bietet nochmal einen wunderbaren Blick auf die Elbe.

Von der Kipphornaussicht gehen wir zurück bis zum ausgeschilderten Abzweig des Bergsteigs. (Diesen Abzweig hatten wir schon passiert, aber wir wollten ja die Aussicht noch mitnehmen). Rechts steil geht es jetzt über viele Treppen abwärts. Und: ranhalten! Hier stehen auch viele tote Bäume am Weg, gut möglich, dass es auch hier unpassierbar wird.

Schließlich landen wir in Schmilka. Hier gibt es (in der wunderbar sanierten Mühle) noch diverse Möglichkeiten der Verköstigung. Alles “Bio”, sehr schmackhaft, aber alles andere als preiswert.

Mit der Fähre setzen wir auf die andere Elbseite über, wo uns schon die S-Bahn für die Rückfahrt erwartet.

Fazit: 17 Kilometer, und dabei jede Menge Abwechslung. Außer an der Schrammsteinaussicht (da ist es immer voll) nur wenige Mitwanderer. Eine gesunde Mischung aus etwas anspruchsvolleren und leichten Abschnitten. Dazu tolle Aussichten. So soll es sein.

Zum Nachwandern:

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4 Gedanken zu „Schramm- und Affensteine: einmal quer rüber

  1. Eine schöne Tour. Das Sackgassenschild ist ein weiterer Beweis für die vielen Lügen, die die Nationalparkverwaltung überall verbreitet. Sie will keine Wanderer auf den Kletterzugangswegen, obwohl das erlaubt ist. Wanderer sollen durch das Schild abgeschreckt werden, aber sogar auf der von der NPV selbst veröffentlichten Karte ist zu sehen, daß die Kletterzugänge rund ums Mittlere Schrammtor alle miteinander verbunden sind. Man könnte sogar die Schrammsteinkette kilometerlang immer am Felsfuß entlang nördlich umrunden bis zum Mittelwinkel, und unterwegs gibts mehrere Stellen, um zum normalen Wanderweg zurückzukehren:
    https://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/wp-content/uploads/2013/12/08-Schrammsteingebiet-Blatt-02.pdf
    Bei der “Rakete” übrigens sind die seitlich angebrachten Booster wohl etwas zu kurz geraten 😉

  2. Ich schau hier nicht jeden Tag vorbei, hab aber auf diese Tourenbeschreibung gewartet. Warum? Weil das Lesen immer wieder eine Freude ist und weil ich Euch an dem Tag getroffen habe und natürlich neugierig war in Bezug auf die Strecke.

    Ich wurde von zwei älteren Damen am Zurückesteig in ein kurzes Gespräch verwickelt und als ich wieder nach vorn blickte, seid Ihr im Gegenverkehr vorbeigehuscht. Sind das nicht… ja klar! Hinterherrufen wollte ich dann aber auch nicht. Ergibt sich vielleicht wieder einmal 😉

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