Vorwärtsverteidigung–Video zur Waldpflege

Unbenannt-1    Video zur Waldpflege

Da sage noch mal einer, in der Nationalparkverwaltung würde man in Sachen Öffentlichkeitsarbeit traditionell pennen. Mitnichten, denn jetzt gibt es ein Video, welches sich in 10:30 Minuten dem ewigen Dauerbrenner “Waldpflege” widmet. Man kann es hier ansehen. Und ich mache mich natürlich geschwind an eine Analyse:

1. Der Inhalt

Gar nicht schlecht gemacht. Von der Argumentation her folgt der Film bekannten Mustern: wir wollen einen naturnahen Wald – wir wollen den möglichst schnell – und also müssen wir massiv da eingreifen. Das kennt man, und das muss man nicht mögen. Aber trotzdem ist der Film ehrlich genug, wenn auch nur in sehr kurzen Sequenzen, die schwere Forsttechnik und auch die Mondlandschaft zu zeigen, welche diese hinterlässt. Und gleichzeitig dafür um Verständnis zu bitten. Wie gesagt, diese Passagen machen von den über zehn Minuten des Films maximal eine solche aus. Dafür gibt es, aber auch nur recht kurz, sogar ein Rückepferd zu sehen. Das musste sicher extra für die Dreharbeiten rangeschafft werden. Der Rest des Films besteht, rein vom Bild her, aus heiler Natur. Aber wie dem auch sei: hier zeigt eine Seite ihre Position, und sie macht es nicht mit dem Holzhammer, sondern gibt durchaus zu, dass dies alles nicht unproblematisch ist. Mehr konnte man nun wirklich nicht erwarten.

2. Das Handwerk

Da ich mehr als 15 Jahre ausschließlich fürs Fernsehen gearbeitet habe und dies auch heute noch hin und wieder tue, darf ich mir anmaßen, auch zur handwerklichen Umsetzung etwas zu sagen. Und da sieht es nicht so gut aus. Aber beginnen wir mit dem Positiven: der Kameramann verstand sein Handwerk. Keine spektakulären, aber schöne Bilder hat er da geliefert. Schlecht dagegen der Schnitt. Eine alte Weisheit der Branche sagt: Ist der Cutter am Ende, dann greift er zur Blende. Und der Film besteht fast nur aus Blenden. Schließlich der Sprecher: an dem ist ein Pastor verloren gegangen. Geht eigentlich nicht so richtig, ist aber auch nicht völlig daneben.

3. Was mich wirklich ärgert

So gute zehn Minuten Film kosten Geld. Ich habe keine Ahnung, was dieser eine Film hier konkret gekostet hat. Aber es gibt Anhaltspunkte: sowohl öffentlich-rechtliche wie private Fernsehsender kalkulieren mit einem Minutenpreis von rund 700 Euro. Und selbst, wenn dieser Film nur die Hälfte gekostet hat: gebetsmühlenartig höre ich von der Nationalparkverwaltung, wie knapp das Budget sei. Da sollte für so eine Nummer eigentlich nichts übrig sein. Lieber das Geld nehmen, und ein paar wurmstichige Schutzhütten sanieren und ein paar nette neue Rastplätze einrichten. Obendrein fuchst mich, dass der Film von einer Firma aus Niedersachsen produziert wurde. Ich kann auf Anhieb einen Sack voll sächsischer Filmproduzenten nennen, die es mindestens so gut hinbekommen hätten, wahrscheinlich besser. Und mindestens eine Handvoll Sprecher, die das Ganze um Längen spannender hätten vertonen können und obendrein in Dresden leben.

4. Fazit

Allein die Tatsache, das die Nationalparkverwaltung hier Geld in die Hand genommen hat, um ihr Image mit einem Film aufzupolieren, zeigt die Brisanz des Themas. Ausdiskutiert oder gar ausgestanden ist das Ganze noch lange nicht. Das dieses Geld in einen Film geflossen ist, der die Position eben dieser Verwaltung stützt, ist dabei normal und nicht verwerflich. Das dieses Geld aber irgendwo in Niedersachsen angekommen ist, das finde ich wirklich ärgerlich. Denn es ist sächsisches Steuergeld.

Ist dieses Geld gut ausgegeben? Sehen Sie sich den Film hier (oder direkt auf Youtube hier) an, und entscheiden Sie selbst.

3 Gedanken zu „Vorwärtsverteidigung–Video zur Waldpflege

  1. Nun ja, man widerspricht sich im Film meiner Meinung nach selbst: Natur Natur sein lassen & Geduld mit der Natur haben auf der einen Seite, auf der anderen schnell umbauen und entwickeln. Und das es Generationen dauert, bis die Fichte verschwunden ist, glaube ich auch nicht – Borkenkäfer und Sturm werden das viel schneller erledigen!

  2. Nationalparkverordnung
    In dem Nationalpark wird keine wirtschaftsbestimmte Nutzung von Naturgütern wie Holz, Wasser, Steinen und Erden bezweckt.
    Zitat Im Film:Das Holz was bei diesen Eingiff anfällt,wird als wertvoller umweltfreundlicher Rohstoff verkauft.
    Fazit :Bitte die Nationalparkverordnung ändern

  3. Naja, zumindest versucht man an die Öffentlichkeit zu gehen mit dem Thema. Das könnte man positiv sehen. Schön auch wie F.-R. Richter da am Ende in familiärer Athmosphäre auf abgesperrten Wegen wandert …

    Einen richtigen Kritikpunkt will ich hier eigentlich nicht finden. Klar, über Bildqualität und sprachliche Leistung des Sprechers kann man klagen. Das hätte man besser machen können.

    Für Unbedarfte ist der Film aber sicher interessant. Hier bleibt er schön an der Oberfläche und steigt nicht zu tief ins Thema ein. Für die IG ist das natürlich zu wenig. Aber egal. Viele scheinen das Video bis dato ja noch nicht angeklickt zu haben …

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