Axel M. und die Winterbergkehren–eine Polemik

Es folgt mal wieder ein längeres Stück Text ganz ohne Bilder, nur um sich dran zu reiben und zu diskutieren. Was ist passiert? Axel Mothes, seines Zeichens ja bekannter Verfasser zahlreicher Bücher, die der Nationalparkverwaltung nicht gefallen, ist mal wieder erwischt worden. Diesmal am historischen Aufstieg zum Pavillon am Kleinen Winterberg. Die ganze Geschichte aus seiner Sicht kann man hier nachlesen.

Ich kann es mir nicht verkneifen, dazu ein paar Kommentare abzugeben. Erst ein paar flapsige, und dann auch ein paar ernsthafte. Also los:

  1. Es ist schon extrem sportlich, mit seinem (nützlichen) Tun fort zu fahren, während die Ranger daneben stehen. Das muss die Brüder erst recht auf 180 gebracht haben. Ich für mein Teil hätte diese Coolness nicht gehabt.
  2. Angefressen waren die NPVler eh schon, weil ja Zugang über den Oberen Fremdenweg zum Pavillon erst vor wenigen Tagen wieder freigegeben werden musste. Dank einer unverhohlenen Erpressung, die der Sächsische Bergsteigerbund in der AG-Wege ausgesprochen hatte. (“Entweder ein Weg wird freigegeben, oder wir verlassen die AG.”)
  3. Da ist es nicht verwunderlich, dass die selbsternannten Naturschützer der NPV jetzt tunlichst darauf achten, aus diesem Weg keinen Rundweg werden zu lassen, also die historischen Kehren, die nicht zum freigegeben Weg gehören, besonders zu beaufsichtigen. Merke – jeder Wanderer weniger ist ein guter Wanderer.
  4. Die Taktik, dem “Falschwanderer” einfach hinterher zu laufen, ist ziemlich clever. Früher oder später kommt man so an ein Autokennzeichen. Wobei ich nicht weiß, inwieweit die NPV in Flensburg Kennzeichen abfragen darf. Aber ich gehe mal davon aus, dass sie das darf – wenn es darum geht, dem Bürger eins reinzuwürgen, arbeiten die Behörden hierzulande ja perfekt zusammen. Oder aber sie kommen an eine Adresse.
  5. Das Hinzuziehen der Polizei ist mehr als bedenklich. Zum einen deucht es mir, als ob die Besseres zu tun hätte. Ich werfe einfach mal das Stichwort “Grenzkriminalität” in die Runde. Keine Ahnung, wie viele Packungen Crystal und wie viele illegale Einwanderer in die eine Richtung, und wie viele gemauste Autos in die andere Richtung die Grenze überquert haben, während die Polizisten nach einem “geflüchteten Radfahrer” gesucht haben.
  6. Zum anderen ist damit aber auch Grad der Eskalation erreicht, den ich bisher für nicht vorstellbar gehalten habe. Ganz im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, dass ein entspanntes “Leben und Leben lassen” in den letzten zwei Jahren Einzug gehalten hat. Kaum noch Kontrollen, und wenn, dann endeten die mit einer Belehrung. Jetzt nun das ganze Gegenteil: die Staatsmacht spielt sich mächtig auf – wegen eines Waldweges, wohlgemerkt.

Gegen diese Vorgehensweise des “Hinterherlaufens” fällt mir momentan keine geeignete Gegenstrategie ein. Es sei denn, man poliert dem Ranger noch im Wald derart die Fresse, dass er nicht mehr davon träumt, einem hinterher zu latschen. Aber ich rate dringend davon ab, daran auch nur zu denken. Denn das wäre nicht nur eine Straftat, sondern würde die Eskalation nur noch weiter befördern.

Statt dessen schlage ich Folgendes vor: drehen wir den Spieß doch einfach um. Wie oft begegnen wir denn einem Ranger auf erlaubten Wegen? Eben, gar nicht so selten. Und dann laufen wir ihm einfach hinterher. Im Gänsemarsch. So lange, bis er genervt aufschreit. Und wie oft sehen wir einen der überdimensionierten Waldpanzer der NPV auf stillen Wegen parken? Und wer hindert uns, vor und hinter diesen Karren spontan einen Picknickplatz einzurichten?

Axel Mothes wünsche ich auf jeden Fall viel Durchhaltevermögen, wenn es eine Verhandlung zum Bußgeld geben sollte. Und vor allem wünsche ich ihm viel Öffentlichkeit zu diesem Thema – dann steigt nämlich die Bekanntheit seiner Bücher an, und die NPV hätte das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich wollte.

Weshalb ich euch auch bitte, diesen Text und den auf Axel Mothes’ Seite möglichst breit in sozialen Netzwerken zu teilen.

5 Gedanken zu „Axel M. und die Winterbergkehren–eine Polemik

  1. Meine Mail an die Nationalparkverwaltung:

    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Seit einigen Jahren verbringen meine Frau und ich Urlaube im Elbsandsteingebirge.
    Wir lieben die dortige Landschaft und wandern sehr gerne dort.

    Ehrlich gesagt, regt es mich auch seit Jahren auf, dass die Nationalparkverwaltung historische Wanderwege gesperrt hat, die ins 19. Jahrhundert und zuvor zurückreichen.
    Muss das wirklich sein, frage ich mich immer wieder?
    Ich wohne in einem Haus, das über 260 Jahre alt ist und unter Denkmalschutz steht.
    Warum gilt ein solcher Schutz nicht für Wanderwege?
    Ich begreife das nicht.

    Ich habe mich bislang stets an die Vorschriften im Nationalpark gehalten – aber ins Zweifeln komme ich schon, wenn ich die Fällaktionen sehe.
    Auf dem Weg von der Felsenmühle auf den Kleinen Winterberg sah ich so viele Holzstämme am Weg lagern, dass ich zu dem Schluss komme: Hier wurde mächtig abgeholzt.
    Auf meinen Wanderungen in diesem Jahr habe ich auch erhebliche Spuren der Waldbewirtschaftung gesehen.
    Da fragt man sich dann als Wanderer: Du gehst brav auf den Wegen und die Nationalparkverwaltung geht so mit der Landschaft um!

    Ich kenne Ihr Argument, dass sie den Waldumbau vorantreiben wollen.
    Aber zuerst wird gesagt: Wir lassen den Wald in Ruhe.
    Mit der Zeit wird von allein ein Mischwald entstehen.
    Und dann, wenn es nicht schnell genug geht, dann greift man halt doch recht brachial ein.
    Als Institution, die sich selbst die Regeln setzt, kann man das ja.

    Was ich jetzt auf der Homepage von Axel Mothes gelesen habe über das Verhalten der Ranger, lässt mir echt die Hutschnur reißen:
    Wollen Sie im Ernst einen Menschen, der einen historischen Wanderweg – ohne Motorsäge – versucht freizuhalten, wie einen Verbrecher behandeln?
    So ein Verhalten stößt bei mir echt auf Unverständnis.

    Ich bin schon ziemlich angenagt wegen der Rechtslastigkeit und fremdenfeindlichen Ausschreitungen in der Sächsischen Schweiz.
    Wenn ich dann von so einem Vorgehen der Nationalparkverwaltung lese, brauche ich schon eine große Liebe zu dieser Landschaft, um ihr treu zu bleiben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Balko

  2. Erstens: die NPV verstößt selbst gegen das Gesetz und müsste nach ihrem Formular ständig selbst angezeigt werden – wegen “Fahren/Abstellen von KfZ im Wald”.
    Zweitens: Die Polizei wird eingeschaltet, um einen “flüchtigen Wanderer” festzusetzen – andere rufen in einem Notfall auf der “110″ an und erhalten keine freie Leitung
    Drittens: Wenn die Ranger selbst “aus dem Wald” gesprungen kommen, also abseits jeglichen Weges in der Kernzone, sehe ich keinerlei Rechte auf deren Seite.
    Viertens: Ich bin auch für Hinterherlaufen und Blockieren der “Panzer”.

    1. Ich wünsche Axel viel Erfolg und Kraft. Auf diesem Weg herzlichen Dank für die Arbeit, die in den vielen Büchern steckt und uns schon so viele schöne Wanderungen ermöglicht hat.

      Ich werde mir die Fremdenwegkehren in der kommenden Woche mal anschauen.
      Hinweis für die Kollegen in NPV-Uniform: Ihr erkennt mich daran, das ich bei 195 cm Körpergröße einen recht ausgreifenden und ausdauernden Schritt habe. Könnte eine echt schöne Tour werden ;-)

  3. Ich wünsche Axel viel Erfolg und Kraft. Auf diesem Weg herzlichen Dank für die Arbeit, die in den vielen Büchern steckt und uns schon so viele schöne Wanderungen ermöglicht hat.

    Ich werde mir die Fremdenwegkehren in der kommenden Woche mal anschauen.
    Hinweis für die Kollegen in NPV-Uniform: Ihr erkennt mich daran, das ich bei 195 cm Körpergröße einen recht ausgreifenden und ausdauernden Schritt habe. Könnte eine echt schöne Tour werden ;-)

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