Rund um Böhmisch Kamnitz

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Auf dieser Tour in Böhmen haben die Höhepunkte schöne Namen: Nolde, Tellplatte, Brandfelsen, Brüderaltar, Goldberg oder Wüstes Schloss. Es geht immer mal wieder knackig hoch und runter, aber nie so, dass man verzweifeln müsste. Nur eines fehlt eigentlich an einer perfekten Runde: ein Wirtshaus. Schade, denn eine Einkehr bei Knoblauchsuppe, Knödeln und gutem Bier gehört eigentlich zum Wandern in dieser Region. Aber dennoch: es lohnt sich. Also den Rucksack mit Verpflegung vollgepackt und zügig mir nach.

Fahren wir also zunächst nach Böhmisch Kamnitz (Česká Kamenice). Und suchen wir dort eine Straße namens Sladkova. Das ist auf der Karte (ich habe hier für die gesamte Tour das hervorragende Angebot von mapy.cz genutzt) noch kein Problem, aber im Gewirr der Einbahnstraßen im Stadtzentrum wird es etwas pusselig. Hier hat das Navi ausgezeichnete Hilfe geleistet. Die Straße führt sehr steil nach oben an den Waldrand. Das letzte Haus ist die frühere Gaststätte “Schützenhaus”, die heute als Altersheim dient. Gleich daneben ist ein kostenfreier Waldparkplatz. Keine Bange, bei all meinen Besuchen hier – bisher drei – waren im Hof des Heimes immer Senioren zu Gange, die sich die Zeit vertrieben. Und nebenbei einen Blick auf den Parkplatz hatten. Die Karre steht also einigermaßen sicher.

OK, wir verlassen den Parkplatz und folgen der Markierung “Blauer Strich”. Auf einem breiten Waldweg geht es langsam, aber stetig aufwärts. An einer kleinen Kreuzung mit einer Erklärtafel  biegt der markierte Weg dann nach rechts ab und wird zu einem Pfad, der sich im Zickzack den Hang hoch windet. Nach zwei Dritteln der Höhe ist dann der erste Abstecher zur Nolde (Jehla) ausgeschildert. Zwischen zwei Felsen hindurch geht auf die Aussicht, die einen prima Rundblick – mit Glück bis zum Hohen Schneeberg – verspricht.

2017-10-22 09.42.342017-10-22 09.43.282017-10-22 09.45.10 Aussicht auf der Nolde

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Satt gesehen? Dann verlassen wir die Aussicht auf dem gleichen Weg wieder und folgen weiter dem Blauen Strich. Zunächst geht es noch ein ganz klein wenig bergauf, und dann knackig wieder bergab. Im Tal angekommen, stößt im rechten Winkel ein Weg zu uns, der mit einem Gelben Strich markiert ist. Dem folgen wir nach Links, bis wir – nicht mal 500 Meter weiter – in einen Hohlweg kommen.

2017-10-22 10.03.43 Durch diese hohlem Gasse…

Hier geht es bei erster Gelegenheit rechts weg – der Gelbe Strich ist noch da, aber leicht zu übersehen. Ein paar Felsmurmeln stehen da, hinter einer von denen versteckt sich eine kleine Kapelle.

2017-10-22 10.04.02 Felskapelle

Hinter der Kapelle leicht links und dann gleich wieder rechts halten, der Gelbe Strich ist immer noch da. Und führt uns zur nächsten Aussicht, der Tellplatte. Kein großer Brüller, aber schön.

2017-10-22 10.07.40 Tellplatte

Noch ein paar Meter weiter dem Gelben Strich gefolgt, und wir stehen vor dem Brandfelsen (Ponorka). Eigentlich sind das mehrere Felsen, die durch Stege und Steintreppen verbunden sind. Die Aussicht ist zwar recht eingeschränkt, dafür macht es Spaß, hier rumzukrabbeln.

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Jetzt wenden wir um 180 Grad und gehen de Weg bis zu der Stelle zurück, an welcher der Blaue Strich einst auf den Gelben Strich stieß. Ab jetzt wieder dem Blauen solchen gefolgt, der uns nach wenigen Metern zum Brüderaltar (Bratrské oltáře) führt. Selbiger war nach 1945 völlig verkommen und wurde erst 1993 mit Kopien der alten Statuen, neuen Bildern des Kreuzwegs und einer Nachbildung des alten Altars (aber ohne das ursprüngliche Altarbild) wieder rekonstruiert. Ein wunderbarer Ort der Stille ist hier im Wald neu entstanden.

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Vom Altar führen ein paar Stufen abwärts, der Weg ist weiterhin mit einem Blauen Strich gekennzeichnet. Und wird jetzt etwas misslich, dieweil hier große Forstmaschinen gewütet und eine Schlammlandschaft hinterlassen haben. Leider keine Seltenheit beiderseits der Grenze.

2017-10-22 11.05.19 Kein schöner Weg mehr

Der Weg verlässt später den Wald, führt ein Stück am Waldrand entlang und endet auf der Straße nach Hasel (Líska). Wir müssen aber nur wenige Meter auf der Straße laufen, schon vor den ersten Häusern des Ortes, an diesem Kreuz…

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…biegt er nach links in den Wald ab. Obacht geben, diese Stelle übersieht man leicht. Aber der Blaue Strich ist immer noch da. Und führt uns jetzt oberhalb des Ortes am Waldrand entlang. Von hier hat man auch schon einen schönen Blick auf den Kaltenberg (Studenec), der aber heute nicht unser Ziel sein soll.

2017-10-22 11.40.16 Der Kaltenberg

Statt dessen landen wir in der Ortsmitte, wo wir uns nach links auf der Dorfstraße orientieren. Ein Schild deutet gleich am ersten Haus auf eine Einkehr hin, die aber leider schon seit Jahren geschlossen ist.

2017-10-22 11.50.07 Enttäuschung

Also weiter die Dorfstraße hoch, hier wird es ein wenig nervig. Der Orts hat zwar einige schöne Umgebindehäuser zu bieten, macht ansonsten aber eher einen heruntergekommenen Eindruck. Obendrein wird die Straße nach oben hin immer steiler. Uff.

2017-10-22 12.14.20 Hasel

Fast ganz oben angekommen biegt der Blaue Strich jetzt nach links zum Kaltenberg ab. Wir gehen aber weiter geradeaus und überqueren diesen kleinen Parkplatz. Aha, man hätte also auch hierher fahren können. Und hätte dabei einiges verpasst.

pp

Also, einmal gerade über den Parkplatz gelaufen, und wir stoßen auf die Markierung “Roter Strich”, der wir nach rechts folgen. Ein paar Meter, und am Wegesrand taucht dieses Denkmal auf.

2017-10-22 12.26.32 Erinnerungen an alte Schlachten

Direkt dahinter biegt der Weg nach rechts ab, als Sackgasse zum Goldberg (Zlatý vrch) markiert. Da gehen wir lang und entdecken im Wald ein paar Reste alter Bergbauanlagen. Am Goldberg wurde tatsächlich bis in die 1970er Jahre Basalt abgebaut, ehe er zum Naturdenkmal erklärt wurde.

2017-10-22 12.32.57 Konstrukt

Am Berg angekommen, verstehen wir auch, warum: hunderte Basaltsäulen – Orgelpfeifen – , eine höher als die andere. Ein wunderbarer Anblick.

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Nachdem wir uns satt gestaunt haben, stellen wir fest, dass der Weg keineswegs eine Sackgasse ist. In gerader Linie führt er weiter und bergab. Auf halber Höhe biegt hier rechts ein deutlich sichtbarer Pfad ab. Wir folgen dem nur knapp hundert Meter bis auf einen vorgelagerten Gipfel, der sinnigerweise Silberberg heißt. Hier gibt es eine prima Aussicht und einen guten Rastplatz.

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Den Rucksack von Speis und Trank erleichtert, gehen wir zurück zum Abstiegsweg und folgen dem bis zu einer Schranke. Dahinter sehen wir eine dreispurige Straße, die wir überqueren und nach rechts laufen. Auf der Straße, für etwa 300 Meter ist das jetzt unvermeidlich. Aber die Straße ist weniger befahren als ausgebaut, da kann man das verschmerzen.

2017-10-22 13.12.30 Hier lang

Bei erster Gelegenheit verlassen wir die Straße wieder nach links. Hier gehen zwei Wege ab: einer scharf links in den Wald, einer geradeaus am Waldrand. Wir nehmen zweiteren. Nach dieser netten Lichtung…

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…geht es wieder richtig in den Wald. Und nach wenigen Metern stößt ein Weg zu uns, der mit einem “Roten Strich” markiert ist. Dem folgen wir jetzt nach links. Es ist anfangs ein Hohlweg, der im weiteren Verlauf immer mehr zum Pfad wird und in die Tiefe führt.

2017-10-22 13.27.59 Hohlweg

2017-10-22 13.30.04 Hier nicht hoch

Am Wegesrand sehen wir ein paar Erklärtafeln. Mit komischen Beschriftungen.

2017-10-22 13.41.13 Hier waren wohl die Taliban

Schließlich kommen wir zu einem Abzweig, an dem das Wüste Schloss (Pustý zámek), manchmal auch Burg Fredevald genannt, ausgeschildert ist. Es geht im Zickzack nochmal ordentlich nach oben, über uralte, steile und mehr als schiefe Basaltstufen. Wenn, wie jetzt, im Herbst noch eine gute Schicht feuchtes Laub da drauf kommt, sollte man verdammt aufpassen, wo man hintritt. Der letzte Abschnitt des Aufstiegs ist dann aber freundlicherweise mit einer Kette gesichert.

Von der eigentlichen Burg ist kaum noch etwas übrig – ein paar Mauerreste eben – dafür gibt es oben noch mal einen wunderbaren Aussichtspunkt.

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Zittrigen Fußes ob des glitschigen Laubs steigen wir also wieder ab und folgen der Markierung bis ins Tal. Dort geht eine Straße lang. Von der können wir noch einmal den Felsen sehen, auf dem wir gerade gestanden haben. Und siehe da: die Basalt-Orgelpfeifen stehen hier nicht senkrecht, sondern liegen waagerecht. Das ist wirklich selten.

2017-10-22 14.11.36 Pfeifen mal andersrum

Wir überqueren neben der Straße eine Bahntrasse – es gibt einen Überweg – und halten uns dann rechts, immer noch dem Roten Strich nach. Der bequeme Waldweg geht erst ein Stück bergauf, an einem wunderbaren Buchenwald entlang, und windet sich dann langsam ins Tal.

2017-10-22 14.27.52 Buchen sollst du suchen

Wir kommen wieder an der Bahnlinie raus, unterqueren die hier…

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… und stehen vor diesem Felsen.

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Das ist tatsächlich ein Klettergipfel, tschechisch heißt er Hrnčíř, an den man mit dem Auto ranfahren kann. Wir werden also mit einiger Sicherheit hier auch Kletterer antreffen.

Der weitere Weg führt dann durch die Ortslage von Böhmisch Kamnitz. Irgendwann kommen wir an der Sladkova wieder an, die wir jetzt hinauf müssen. Ärgerlich, so ein steiler Anstieg zum Ende einer Tour, zumal, wenn er auf einer Straße verläuft. Aber nicht zu ändern.

Fazit: Gute 15 Kilometer mit vielen kleinen aber feinen Höhepunkten. Viel Hoch und Runter. Kaum andere Mitwanderer, eine wirklich ruhige Gegend. Leider keine Einkehr am Wege. Was aber dem Genuss nur einen kleinen Abbruch tut.

Zum Nachwandern:

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4 Gedanken zu „Rund um Böhmisch Kamnitz

  1. Sehr schöne Tour. Und wer Zeit und Lust hat, kann auch auf den Gipfel des Silberberges und Goldberges hochklettern, von dort hat man eine sehr gute Aussicht, vom Silberberg in Richtung Sächsische Schweiz mit großem Winterberg, Lilienstein, Königstein, Pfaffenstein bis Zschirnsteine u.a. und vom Goldberg in Richtung Lausitzer Gebirge mit Kleis, Hochwald und bis zum Jeschken. Siehe dazu auch hier:
    https://photos.app.goo.gl/ST1Zyg4ZMIWcuIM23
    Fernglas nicht vergessen!

    1. Würde ich nicht empfehlen, auf den Gipfel zu steigen:
      „Der Berg liegt am rot markierten Kammweg (Europäischer Fernwanderweg E3) im Lausitzer Gebirge, eine markierte Abzweigung führt zum ehemaligen Steinbruch an der Ostseite. Der Gipfelbereich steht unter Naturschutz und ist deshalb nicht zugänglich.“
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Zlatý_vrch

      Ansonsten hübsche Runde.

      1. Auf dieser Seite gibt es immer wieder schöne Wanderungen, manchmal ist auch ein Stück Strecke dabei, das dem Gesetz nach verboten ist, z.B. Kernzone o.ä. Das muß jeder selber mit seinem Gewissen und der Natur abmachen, ob er sowas nachwandert. Wer sorgsam und respektvoll mit der Natur umgeht, kann sich auch mal etwas ansehen, was abseits der ausgetretenen Wege liegt.
        Der Hauptgrund für das Naturschutzgebiet am Goldberg sind die Basaltsäulen und die Buchen am Berggipfel. An schönen Wochenenden sieht man viele tschechische Familien mit Kindern, die aus umherliegenden Basaltstücken am Wandfuß Steinmännchen aufbauen. Auch das wäre offiziell verboten, weil man dazu den Weg verlassen muß. Der eigentliche Schutzzweck des Naturschutzgebietes wird dadurch aber nicht beeinträchtigt. Der Pfad, der von der Westseite her zum Berggipfel führt, ist an manchen Stellen sehr deutlich. Der Tscheche Jiří Kühn, übrigens ein großer Natur- und Heimatfreund, schreibt auf seiner Seite luzicke-hory.cz über den Goldberg: „Vom Gipfel des Berges geniesst man schöne Aussichten auf den Kaltenberg, Grossen Ahrenberg und andere Gipfel der Umgebung“.

  2. Noch was am Rande: in Böhmisch Kamnitz wurde Hannes Hegen (Johannes Hegenbarth, 1925 – 2014) geboren, der Erfinder der beliebten DDR-Bilderzeitschrift Mosaik mit den Digedags und Ritter Runkel. Sein Geburtshaus steht allerdings nicht mehr, es wurde Anfang der 1970er Jahre abgerissen, die Wanderroute ging ziemlich zum Schluß an der Stelle vorbei.

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