Bunker, Felskapelle, neuer Klettersteig und die Urtschechen

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Diese Runde, welche mit der Grundmühle, der Felskapelle von Schemmel, den Bunkern der Schöberlinie und diversen Kleindenkmalen am Wegesrand reich an Höhepunkten ist, habe ich schon mehrmals beschrieben. Dieweil sie aber zu meinen Lieblingsrunden im Böhmischen zählt, und weil es obendrein wieder viel Neues zu entdecken gab, will ich mich hier noch einmal wiederholen.

Starten wir also in Hohenleipa (Vysoká Lípa). Am besten parkt man direkt gegenüber dem Hotel Lipa. Das kostet manchmal, manchmal auch nicht. Mit Blick auf das Hotel halten wir uns nach links, es geht einem blauen Strich nach. Vorbei an ein paar Gehöften und an diesem Teich mit Wassermann:

Schemmel-1 Blubb!

Auf der rechten Seite folgt der Gottesacker von Hohenleipa. Mittig neuere Gräber mit tschechischen Namen, an der Mauer alte Gräber mit deutschen Namen. Und hinten rechts ein Grab in Form eines Häuschens, für ein Kind, das gerade mal zwei Monate alt wurde.

Schemmel-2Schemmel-3Schemmel-4 Friedhof und Kindesgrab

Außerdem entdecken wir noch einen interessanten deutschen Familiennamen. Vermutung: das waren einst die Gastwirte von Hohenleipa.

Schemmel-7 Wie der Name….

Direkt am Friedhof beginnt dann der Abstieg durch den Mühlsteig. Anfangs auf ein paar Steintreppen, wird es bald recht steil und auch holperig. Links und rechts ragen gehörige Felsen auf, hier kann man schon mal so richtig wilde Natur tanken.

Schemmel-9Schemmel-12Schemmel-14Schemmel-16  Mühlsteig

Wir erreichen das Tal der Kamnitz (Kamenice) und damit die Grundmühle (Dolský Mlýn). Oder besser: das, was davon noch übrig ist. Denn das einstige blühende Ausflugsrestaurant ist seit der Vertreibung der deutschen Wirte 1945 zur Ruine verfallen. Zu einer sehr romantischen Ruine allerdings. Das alte Gemäuer samt Nebengebäuden, die plätschernde Kamnitz, der Wald und die steilen Sandsteinfelsen – das hat Stil. Man sollte also eine Weilchen hier nur schauen und staunen. Allein wird man dabei aber nicht sein, die Ruine ist ein beliebtes Ziel für Kurzausflüge. Übrigens ist es einer mehr als rührigen tschechischen Bürgerinitiative zu verdanken, das die Gebäude nicht noch weiter verfallen. In zahlreichen Arbeitsstunden haben die Aktivisten hier die Bausubstanz gesichert und obendrein noch die vormals völlig verschütteten Fundamente der Nebengebäude freigelegt.

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 Einstmals….

Wir verlassen diesen wunderbaren Ort, in gerader Richtung am Hauptgebäude der Mühle vorbei. Auch dieses Kruzifix lassen wir zur unserer Rechten liegen:

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Und steigen dann rechts auf einem Weg mit vielen Treppen all das wieder hoch, was wir auf dem Mühlsteig zuvor nach unten gelaufen sind. Die Markierung ist jetzt ein grüner Strich. Auf halber Höhe sehen wir schon mal den ersten Bunker der Schöberlinie. Es wird nicht der letzte sein.

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Oben angekommen – schnauf – können wir uns zunächst scharf nach links wenden und auf einem Pfad bis ans Felsriff gehen. Von dort man einen, ziemlich bescheidenen, Blick ins Tal hinunter. Man kann diesen Abstecher aber auch weglassen, da verpasst man nicht wirklich etwas. Wie auch immer, der Weg führt jetzt zu diesem forstlichen Wendeplatz:

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Und von diesem einen knappen Kilometer auf der wenig spannenden Forststraße weiter. Da, wo der Weg dann wieder nach links in den Wald verschwindet, können wir auf der gegenüberliegenden Seite noch so einen Bunker entdecken:

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Dieser wurde innen komplett wie anno dazumal ausgestaltet und kann besichtigt werden. Aber nur, wenn die beiden Brüder, die den Ausbau übernommen haben, bei Lust und Laune sind. Dann wird hier die tschechische Fahne rausgehängt, damit jeder gleich Bescheid weiß. Heute war geschlossen.

Unser Pfad fällt noch mal kräftig ab und wie landen wieder im Tal der Kamnitz.

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Vor uns sehen wir jetzt die ersten Häuser von Windisch Kamnitz (Srbská Kamenice). In einem davon, rechts, befindet sich in der Saison ein kleiner Imbiss, heute war nur der Wachhund da, der uns nicht so freundlich begrüßte.

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Wir überqueren jetzt die Kamnitz auf einer Brücke und stehen an einer Kreuzung mit Bushaltestelle und Müllsammelbehältern. Unser Weg ginge geradeaus weiter, aber zunächst machen wir mal einen Abstecher und folgen den Dorfstraße nach links. Nach wenigen hundert Metern sehen wir, direkt an der Straße und in einem alten Steinbruch – oha – einen neu angelegten Klettersteig.

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“Ferrata Kavárnička” übersetze ich mal frei mit “Kaffeestiege”. Die namensgebende Kaffeemühle ist ja auch in der Wand verewigt. Die beiden schweren Wege waren wohl gerade in der Sanierung, da hingen Sperrschilder am Seil. Und auch die beiden leichten Wege wollten wir dann so ganz ohne Sicherung doch nicht ausprobieren. Beim nächsten Mal empfiehlt es sich also, ein Klettersteig-Set einzupacken.

Zurück zur Bushaltestelle und jetzt geradeaus, leicht bergan, immer noch dem grünen Strich nach. Uns begegnet wieder allerlei Getier, das und diesmal lieb begrüßt.

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Ein Blick zurück zeigt den Rosenberg in seiner vollen Pracht.

Schemmel-50  Rosenberg

Und ein Blick nach vorn schon wieder mehrere Bunker. Einer davon steht, zusammen mit einem kleinen Gartenhaus, inmitten eines umfriedeten Grundstücks. Sehr praktisch: wenn die Frau im Hause keift, dann spricht der Mann: “Bin im Bunker”, zieht sich hinter Beton zurück und hat seine liebe Ruh.

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Kurz hinter dem Bunkergrundstück zweigt links ein schwacher Pfad übers Feld ab. Den nehmen wir und steuern auf diesen Felsen zu:

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Hinter dem versteckt sich nämlich – wir ahnen es schon – ein weiterer Bunker. Diesmal bunt angemalt, mit einer großen Gerümpelsammlung rund herum und einer aushängenden tschechischen Mobilmachung. Eigentlich soll man den auch besichtigen können, ich habe ihn aber noch nie geöffnet erlebt.

Schemmel-54Schemmel-55Schemmel-56  Gerümpel gebunkert

Wir queren nun noch den Rest des Feldes und stehen auf einem breiten Waldweg, dem wir nach links folgen – ab jetzt einem blauen Strich folgend. Der bringt uns zunächst zum Friedhof von Schemmel (Všemily), den Ort schon im Blick.

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Noch ein Stück weiter steht ein Kriegerdenkmal aus dem ersten Weltkrieg mit historischem Steinmetz-Rechtschreibfehler: “Schemmel” mit nur einem “m” geschrieben, wie ein dreibeiniger Hocker.

Schemmel-58 Orthographie mangelhaft

Wir gehen jetzt also in das Dörfchen hinein, wo uns diverse Schilder schon auf die örtliche Attraktion hinweisen: die Felskapelle des Heiligen Ingnatius.

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Bevor wir die erreichen, kommen wir noch an diesem netten Gebäude vorbei, welches mal eine Schule war.

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Und schließlich dann die Kapelle: ein Sandsteinbrocken, ausgehöhlt wie ein Brötchen in den Händen eines Menschen mit schlechten Tischsitten. Im Inneren kann man die vielen Stockflecken erkennen, die immer wieder durch Wassereinbruch im porösen Sandstein entstehen. Und das Altarbild kommt uns seltsam bekannt vor.

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Nun gut, zurück von der Kapelle folgen wir weiter dem blauen Strich und lassen diese possierliche Brücke rechts liegen:

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Gleich danach biegt der blaue Strich nach links ab. Hier ist man schnell vorbei gelaufen, das Wegzeichen klebt leicht versteckt an einem Stromkasten. Es geht ein kleines Stück in den Wald hoch und zu einem Abzweig: nach rechts geht hier ein kleiner Abstecher zum Hohlen Stein (Převis Kůlna). Eine Erklärbär-Tafel erläutert, dass unter dem mächtigen Felsüberhang schon in der Urzeit Menschen gelebt haben. Urtschechen sozusagen. Gut ist auf der Tafel zu erkennen, dass die männlichen Urtschechen sich dem Fischfang widmeten, während die Frauen bereits ein Feuer unter dem Braukessel entfacht hatten.

Schemmel-67  Erklärbär

Schemmel-68Schemmel-69 Hohler Stein

Und ein weiterer Erklärbär zeigt uns, dass unter dem Überhang einstmals ein Wirtshaus stand. Paradiesische Zeiten, denn heute ist in Schemmel leider kulinarisches Brachland.

Schemmel-71 Eine Schänke am rechten Ort

Wir gehen zurück und folgen jetzt weiter dem blauen Strich, zunächst vorbei an einer stark verwitterten Felswand, später am Waldesrand entlang. Hier steht denn auch schon wieder eine kleine Kapelle herum, die aber wenig spektakulär ist.

Schemmel-72 Kräftig verwittert

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Im weiten Bogen führt unser Weg jetzt erst übers Feld, dann durch den Wald und schließlich am Waldesrand entlang bis an den Ortsrand von Dittersbach (Jetřichovice). Hier steht das Grieselkreuz. Selbiges war bis vor einiger Zeit in keinem guten Zustand. Dann war es ganz verschwunden. Im vergangenen Jahr tauchte dann der Sockel wieder auf, hervorragend mit der ursprünglichen deutschen Inschrift saniert. Und jetzt ist auch das Kreuz wieder da und erstrahlt komplett im alten Glanz.

Schemmel-81Schemmel-82Schemmel-83 Grieselkreuz

Links vom Kreuz führt ein Weg hinab nach Dittersbach. Dieser bietet sehr schöne Blicke auf den Rabenstein und die Dittersbacher Felsenwelt mit dem Marienfelsen und der Wilheminenwand.

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Seit kurzem steht in Dittersbach auch ein Geldautomat, was eine schmerzliche Lücke in der ganzen Gegend etwas schmälert. Allerdings weiß ich nicht, ob hier ein Mondkurs berechnet wird, da kann vielleicht mal jemand aus Erfahrung berichten.

Schemmel-85 Der einzige in der ganzen Region

Und nicht zu vergessen: hier im Ort gibt es endlich Wirtshäuser. Gleich mehrere stehen zur Auswahl und wir kehren wohlverdient ein.

Wir folgen sodann ein gutes Stück der Dorfstraße, an den Laternen taucht auch schon eine neue Wegmarkierung auf: der gelbe Strich. Es geht vorbei an vielen schönen Umgebindehäusern und an einem Garten mit glücklichen freilaufenden Truthähnen. Na ja: glücklich bis Thanksgiving.

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Kurz vor dem Ortsausgang biegt der gelbe Strich dann nach links ab und bringt uns zur Alten Mühle (Starý Mlýn). Die war auch mal ein schönes Wirtshaus, jetzt ist sie leider nur noch eine Pension. Wir werden freudig begrüßt.

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Im Garten der Mühle (glückliche freilaufende Hühner) ist ein merkwürdiges Konstrukt entstanden. Ich würde es für eine Art Räucherkammer halten. Aber was wird da geräuchert? Die glücklichen Hühner?

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Ab jetzt geht es für knappe zwei Kilometer auf einem sehr bequemen Weg im Tal entlang, immer am Ufer eines kleines Baches. Nach gut der Hälfte der Strecke kommen wir auch noch an der Hubertusquelle mit ihrem putzigen Häuschen vorbei. Das Wasser ist sehr eisenhaltig und schmeckt auch so.

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Schließlich stehen wir vor dieser Brücke:

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Der gelbe Strich will uns über die Brücke führen. Wir aber schauen lieber nach rechts, da geht ein Pfad. Und ein Sperrschild will uns das Betreten desselben verwehren und warnt vor Gefahren von Felsabstürzen nach einem lange zurückliegenden Waldbrand:

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Kreuzweise! Das nächste Wegstück ist viel zu schön, um es wegen eher abstrakter Felssturzgefahren zu umgehen. Also vorbei am Sperrschild und dann zunächst über eine Brücke (sehr stabil)…

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…eine steile Treppe hoch (hält noch hundert Jahre)…

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…ein Stück neben oder oberhalb der Kamnitz (Pfad ohne jeden Tadel)…

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…über ein paar Stufen aufwärts (leicht marode, aber problemlos zu gehen)…

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…und schließlich über ein paar Eisenklammern wieder hinab (einige der Klammern nagelneu).

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Nein, diese Sperrung kann man nicht akzeptieren, da wäre man mit dem Klammerbeutel gepudert. Am Ende des Weges (wieder ein Sperrschild) stehen wir erneut vor der Grundmühle.

Schemmel-114 Da waren wir schon mal.

Wir könnten jetzt den Mühlsteig wieder hoch gehen, aber den kennen wir ja schon vom Abstieg. Also folgen wir dem Lauf der Kamnitz erstmal runde 300 Meter am Ufer entlang. Der Pfad hat keine Beschilderung, ist aber nicht zu verfehlen. Hier ist das Tal mal wieder so richtig schön.

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Wir kommen an ein Absperrgeländer, dahinter ginge es zur Hohlen Teufe, einer interessanten Höhle. Die kann man aber nur bei ausgesprochenem Niedrigwasser betreten, und heute war eher reichlich Wasser in der Kamnitz. Außerdem sehen wir an dieser Stelle die Reste einer Brücke, die einst nach Rosendorf führte und den Gedenkstein für einen Hund namens Muf.

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Und schließlich beginnt hier auch unser Aufstieg, der Kirchsteig. Es geht über viele Stufen aufwärts, vorbei an einem kleinen Marienbild im Felsen.

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Schließlich sehen wir das erste Haus von Hohenleipa und kommen zum Dorfteich. Dort noch ein paar Meter rechts, und wir sehen schon den Parkplatz. Die Runde hat sich geschlossen.

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Fazit: knappe 17 Kilometer mit jeder Menge kleiner und großer Höhepunkte. Der neue Klettersteig muss mal mit Sicherung ausprobiert werden. In Schemmel würde ich mir wieder ein Wirtshaus wünschen. In der Saison, wenn man dann auch noch die Bunker besichtigen kann, laufe ich da ganz bestimmt wieder gerne lang.

Zum Nachwandern:

Und nicht vergessen: fleißig auf die Werbung klicken, damit ich auch in Zukunft meine Knoblauchsuppe bezahlen kann.

4 Gedanken zu „Bunker, Felskapelle, neuer Klettersteig und die Urtschechen

  1. Schöne Runde, schon fast etwas zu lang, und Klettersteig klingt immer gut!
    Und wenn ich mich recht an meinen Pragaufenthalt erinnere, hebt man Kronen ab und deine Bank rechnet das dann um und zwackt die Gebühren ab.

  2. An der Grundmühle, 200 Meter bachabwärts und an der Treppe hoch nach Hohenleipa wurden im April 2017 einige Szenen vom Märchenfilm “Rübezahls Schatz” gedreht. Der Klettersteig wurde erst im Oktober 2017 eingeweiht. Erbauer war Karel Belina, der auch die Klettersteige an der Schäferwand Decin erschlossen hat. Solche Klettersteige sind allgemein im Winterhalbjahr und bei Nässe gesperrt, wegen Felsschonung.

  3. Eine wirklich schöne Runde. Die bin ich vor ungefähr einem Jahr fast genauso gegangen aber mit Start und Ziel in Windisch Kamnitz. Hohenleipa haben wir ausgelassen.

  4. Der Klettersteig war im Februar durch Baumsturz beschädigt, beide schwere Wege und der leichtere linke Weg, dort sind Klammern verbogen. Zu Geldautomaten in Böhmen, es wird ein definierter Kurs vorgeschlagen, das ist der “Mondkurs” der Bank. Diesen ablehnen und der Betrag wird zum Tageskurs berechnet. Ist meist im Eingabefeld gegenüberliegend. Funktionierte die letzten Jahre so und übrigens auch in Polen. Zum üben kann der Automat in Herrnskretschen am Drachenmarkt genutzt werden. Ansonsten eine treffliche Runde, mit dem Imbiss in Windisch Kamnitz haben wir auch gute Erfahrungen gemacht, im Sommer.

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