Von Uttewalde ins Basteigebiet

Das war dann doch ein ziemlich langer Riemen geworden: knappe 22 Kilometer mit einer ganzen Menge Hoch und Runter. Sollte man vielleicht demnächst etwas kürzer fassen. Aber: auf dieser Runde gibt es jede Menge Abstecher zu dem einen oder anderen Schmäckerchen. Die kann man ganz nach Belieben weglassen und somit die Tour auf ein verträgliches Maß verkürzen. Obendrein gibt es diesmal keinen GPS-Track. Aus einem kühlen Grunde: einer der Abstecher führt zu einer sehr versteckten Stelle. Die möge und sollte jeder selbst suchen, da wäre es nicht angebracht, einfach dem GPS nachzulatschen. Aber gehen wir doch erst mal los.

Start ist in Uttewalde. Dort gibt es gleich am Ortseingang einen schön gestalteten Parkplatz, der obendrein kostenlos ist. Mittig auf dem Parkplatz steht eine kleine Felsmurmel mit einem symbolischen Gipfelbuch oben drauf. Da kann man sich doch gleich mal als Bezwinger grimmiger Aufstiege fühlen.

  Na ja, eigentlich nur eineinhalb Meter.

Wir gehen die Dorfstraße lang, selbige endet am Gasthof. Dort halten wir uns links und folgen dem Wegzeichen Gelber Strich. Ein kleines Stück am Wiesenrand, dann geht es sogleich in den Wald. Wir sehen unser erstes Nationalparkschild des Tages und steigen über Treppen hinab in den Uttewalder Grund. Sogleich wird es kühler.

  Es geht abwärts.

Unten angekommen gehen wir nach rechts und genießen das zerklüftete Tal. Nach wenigen Metern kommen wir an das Felsentor, welches Caspar David Friedrich schon verewigt hat. Nur, dass es auf des Meisters Zeichnung viel gewaltiger aussieht, als es in Wirklichkeit ist. Künstlerische Freiheit eben.

Wir laufen durch und stellen fest, dass es sich eigentlich um drei Tore handelt. Denn drei Felsbrocken haben sich hintereinander in der Spalte verklemmt und bilden so den Durchgang. Hinter dem Tor bewundern wir mal wieder Kunst am Kiesel.

Als nächstes kommen wir zum Gasthaus Waldidylle. Das trägt seinen Namen zu Recht und kann auch sonst nur empfohlen werden. Aber wir sind ja gerade erst losgelaufen, da ist es für eine Rast vielleicht doch ein wenig zu früh.

  Idylle im Wald

Also folgen wir weiter dem Grund. Zu unserer Linken bemerken wir eine kleine Höhle, durch die man sehr leicht durchschlüpfen kann. An der Höhlenwand findet sich eine Inschrift in kyrillischen Buchstaben, mit der ich nichts anfangen kann. Vielleicht weiß ja der eine oder andere Leser mehr.

Am Ende des Grundes halten wir uns rechts, aber nur ein paar Meter, bis zur nächsten Kurve. Dort entdecken wir eine Gedenktafel für einen Herrn Märkel (mit “ä” und nicht verwandt oder verschwägert).

  Errichtet von den Mullahs?

Nach rechts geht es hier in den Teufelsgrund, und da gehen wir mal lang. Zunächst auf einem netten Pfad über ein paar Brücken. Dann gabelt sich der Weg, sowohl geradeaus als auch nach links wäre richtig, das Ganze ist ein Rundweg. Den wir aber diesmal vorzeitig verlassen wollen, weshalb wir uns für eine Variante entscheiden müssen. Nach links geht es spannender zu. Wir sind dennoch geradeaus gegangen, einfach, weil wir diesen Aufstieg sonst fast immer als Abstieg benutzt haben und auch mal die umgekehrte Perspektive sehen wollten. Es geht durch eine Schlucht, über zwei Stahlleitern und viele Treppen auf die Höhe.

Oben angekommen folgen wir zunächst weiter dem ausgeschilderten Rundweg und spähen dabei nach rechts. Dort biegt alsbald ein deutlich zu erkennender Waldweg ab. Dem folgen wir bis zu dieser Kreuzung:

Wir kommen aus der angezeigten Richtung “Teufelsschlüchte” und gehen nach links, in die Richtung auf dem Bild. Nach kurzer Zeit sehen wir hier rechts ein paar Büdchen im Wald stehen. Ein Biergarten? Mitnichten, hier ist das “Waldklassenzimmer” der Wehlener Schule. Tatsächlich wird hier einmal pro Woche im Freien unterrichtet. Zu jeder Jahreszeit. Tolle Idee.

  Waldklassenzimmer

Der Weg verlässt jetzt den Wald und es geht übers Feld mit prima Blick auf Wehlen sanft bergab.

Wir kommen im Ort an der Hauptzufahrtsstraße an. Wenige Meter der Straße nach links gefolgt, und wir laufen schnell an einem eher unauffälligen Hinweis vorbei, der uns in den Pflanzengarten führen soll. Nicht vorbeilaufen! Eine kleine Runde hier lohnt sich. Am Eingang steht eine “Kasse des Vertrauens”, die wir gern bedenken. Sodann folgt ein kleiner Rundweg. Botanisch interessierte werden hier auch Stunden zubringen können, für eher Stiegenbegeisterte gibt es aber auch einen Höhepunkt: eine steile Holzleiter, von einer urwüchsigen Art, wie man sie in freier Wildbahn leider nicht mehr vorfindet. Dringend hochsteigen.

Obendrein gibt es hier noch ein kleines Heimatmuseum und einen schönen Blick über den Ort. Vor allem das Plateau der Burg Wehlen fällt dabei ins Auge. Noch vor wenigen Jahren war es völlig überwuchert, jetzt ist es Dank der Arbeit einer rührigen Bürgerinitiative wieder gut zu sehen. Und sogar beflaggt.

Zurück aus dem Pflanzengarten nehmen wir einen gepflasterten Weg rechts der Straße. Und lernen, dass wir unseren Rodelschlitten wiedermal umsonst mitgeschleppt haben.

  Mist

Wir erreichen jetzt den Ortskern und überqueren den wunderschönen Marktplatz diagonal in Richtung Elbe.

  Wehlen

Am Ufer gehen wir ein Stück flussaufwärts, bis zu diesem Abzweig nach links:

  Hier abbiegen

Es geht über uraltes Pflaster ziemlich knackig aufwärts. Zur Linken wie zur Rechten können wir schon schöne Sandsteinmurmeln bewundern.

An dieser kleinen Brücke macht der Weg dann eine scharfe Kehre nach rechts.

Gleich dahinter biegt die markierte Wegführung nach links über Treppen ab. Welche wir aber ignorieren und weiter geradeaus gehen. Wir befinden uns jetzt auf dem Haldenweg. Und das darf man durchaus wörtlich nehmen, denn am linken Wegesrand sehen wir immer wieder die Reste der vielen historischen Steinbrüche, deren Halden wir eben gerade durchwandern.

  Haldenweg

Immer wieder kommen wir dabei auch an Bergsteigerhütten vorbei, die irgendwie den Charme von verwunschenen Räuberhöhlen verbreiten. Ein schöner Anblick.

  Waldhäuser

Schließlich müssen wir noch Verbotsschild ignorieren, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat: vor Jahren kam hier mal ein Steinschlag auf den Weg herunter. Verletzt wurde niemand. Aber die zuständige Behörde fragte sich natürlich: was ist zu tun? Den Hang sichern? Den Weg sichern? Nein, es ist einfacher, den Weg zu sperren. Da sind wir rechtlich aus dem Schneider und müssen sonst nichts machen. Seitdem steht das Schild da, keinen interessiert es und auf der Behörde kann man weiter ruhig die Raufasertapete fixieren.

  Behördenstreich

Wir passieren jetzt die Karl-Stein-Hütte, die im weiten Bogen umgangen wird. Da, wo diese Kurve rechts abbiegt, kann man links mal den alten Steinbruch inspizieren. Dort findet man nämlich, völlig überwuchert, noch die Reste einer Stiege, die hier einst in die Höhe führte. Benutzen kann man die aber nicht mehr. Oben und unten fehlen einige Eisen, und die verbliebenen sind in einem Zustand, dem man bei besten Willen nicht mehr trauen kann.

 

Einige Meter hinter der Karl-Stein-Hütte zweigt dann ein Pfad links ab. Hier ist man schnell vorbei gelaufen, aber ein paar Treppenstufen und das Hinweisschild auf einen Bergpfad sollten uns helfen.

Das Hinweisschild ist insofern verwirrend, als das es hier eigentlich in den Griesgrund geht. Den angezeigten Tümpelgrund erreicht man über einen Abzweig. Dazu aber in einigen Wochen mehr. Denn ein Besuch des Tümpelgrundes ist zwar schwer zu empfehlen, bis Mitte August brütet dort aber der Schwarzstorch, und den wollen wir doch nicht stören. Ich werde also Ende August nochmal da lang schleichen.

Wir gehen also immer geradeaus und bleiben so im Griesgrund. Anfangs geht das noch sehr entspannt, zum Ende hin wird es aber immer steiler, die letzten Meter sind ein echtes Geschinde. Es sind auch immer wieder kleinere und größere Felsmurmeln zu übersteigen. Was aber entschädigt: hier sieht die Sächsische Schweiz wirklich noch aus wie bei Caspar David Friedrich. Romantik pur. Auch dringend immer mal wieder stehen bleiben und umdrehen! Viel schöner geht es nicht mehr.

Uff und Schnauf – wir sind oben angekommen. Direkt vor uns das Wirtshaus Steinerner Tisch. Das stand jahrelang leer und verkam, jetzt haben sich einige Enthusiasten des Hauses angenommen. Einen regulären Betrieb gibt es noch nicht, aber mit etwas Glück schon ein paar Getränke.

 Hoffentlich demnächst wieder

Wir gehen nach rechts, in Richtung Bastei. Und selbige wirft jetzt auch ihre Schatten voraus, in Form zahlreicher Besucher. Mit der Einsamkeit im Wald ist es erst mal vorbei.

Oder vielleicht auch nicht. Denn wir können an dieser Schranke…

…nochmal nach rechts abbiegen. Zunächst ist das hier ein mit Betonplatten belegter Weg, der zur Kläranlage des Basteihotels führt. Nicht so spannend.

 Alles geklärt.

Rechts von der Kläranlage führt aber ein Pfad weiter, der uns zum Wartturm bringt. Das ist ein einzeln stehender, mächtiger Felstrumm. Besonders beeindruckend ist die Abbruchkante, von der im Jahr 2000 so um die 800 Tonnen Gestein zu Tale gingen. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Vom Felsfuß bieten sich heute wunderbare Aussichten – auch nach oben zur Bastei.

  Am Wartturm

Na gut, statt gesehen, wir gehen zurück und stürzen uns jetzt in das Gewimmel auf der Bastei. Rund 1,5 Millionen Besucher kommen jährlich hierher, und gefühlt sind die gerade alle auf einmal da. Aber wenn wir einmal hier sind… Einfach mit dem Strom treiben lassen. Die Aussichten sind wirklich toll, auch wenn die letzten Meter der Hauptaussicht wegen Bröseligkeit gesperrt sind. Dem tollen Ausblick tut das aber keinen Abbruch. Einmal bis zum Ende der Basteibrücke und zurück gelaufen, zahlreiche Sprachen gehört, Stöckelschuhe bewundert – das sollte genügen.

Wir verlassen diesen ebenso schönen wie überlaufenen Ort. Gegenüber des kleinen Kiosk an der Zufahrt (günstige Alternative zur teuren Basteigastronomie)…

  Preiswertere Würste

…biegen wir rechts auf einen Waldweg ab, der Wegweiser zeigt zu den “Schwedenlöchern”. Die wollen wir aber nicht besuchen, sondern biegen am Einstieg zu den Schwedenlöchern rechts ab. Der Weg bringt uns zur Pavillonaussicht. Hier hat man noch mal einen schönen Blick über den ganzen Felskessel. Und etwas weiter links von dieser Aussicht gibt es noch eine zweite solche, von der man auch die Basteibrücke gut vor Augen hat.

  Pavillonaussicht

Ab jetzt halte ich mich mal ein wenig wage bei der Wegbeschreibung. Nur so viel: nicht weit von hier, auf einem kleinen Felssporn und zu erreichen über einen teilweise kaum noch zu erkennenden Pfad, befindet sich der Basteiengel. Das ist das Relief eines Engelsgesichts mit dem Schriftzug “Soli deo Gloria” (Dem einen Gott zur Ehre). Wann und wie das Relief entstanden ist, darüber schweigt die Geschichte. Vom Kopf des Engels hat man allerdings noch einen herrlichen Blick von oben auf die Amselfallbaude. Und für den Weg dahin gilt: Suchet, so werdet ihr finden!

Wir begeben uns zurück zur Basteistraße. Für den Rückweg nehmen wir den Reingrund (ausgeschildert als “Radroute Richtung Wehlen”). Selbiger geht nahtlos zunächst in den Kohlgrund und später in den Zscherregrund über. Alles bequeme Waldwege, nicht super spannend, aber schön.

Danach stehen wir wieder am Abzweig zum Uttewalder Grund und gehen – vorbei am Wirtshaus Waldydille – zurück nach Uttewalde.

Vom Kohlgrund aus kann man über den Müllersteig und den Kluftsteig auch abkürzen und den Weg obendrein etwas spannender gestalten. Hatten wir auch vor, sind aber schwätzenderweise am Abzweig vorbei gelaufen und waren dann zum Umkehren zu faul.

Fazit:
Das war eine lange Beschreibung für eine lange Tour. Knappe 22 Kilometer standen auf dem Deckel, dazu jeweils rund 750 Höhenmeter für den Aufstieg und genau so viele für den Abstieg. Aber man muss ja nicht alle Abstecher mitmachen und kann so beliebig abkürzen.

Einen GPS-Track zum Nachwandern gibt es diesmal nicht, denn da ist der genaue Zugang zum Basteiengel drauf. Dem Himmelsboten sei aber ein wenig Ruhe gegönnt, wer ihn finden will, der findet ihn auch. Viel Spaß auf dieser Tour!

4 Gedanken zu „Von Uttewalde ins Basteigebiet

  1. Da ist die alte Holzleiter also wieder in Schuss? Bei unserem Besuch (ok, schon etwas her) war sie leider kaputt und gesperrt.

  2. Eine schöne Runde – – – der Tümpelgrund wäre unbedingt noch einen Abstecher wert.

    Schade, dass die Koordinaten vom Basteiengel fehlen. Ich hatte das Teil vor einiger Zeit schon mal selbst gesucht, und man ahnt es schon, nicht gefunden.

    Vielleicht gibt es noch einen Suchtipp?

  3. Die Holzleiter im Pflanzengarten vorn Stadt Wehlen sollte man unter den Schutz des allgemeinen Kulturgutes stellen. Wie Arndt es schreibt, man findet sowas in der “freien” Natur nicht mehr.

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