Dorfbachklamm in Gefahr?

DSCN4073Ich hatte es schon im letzten Beitrag angedeutet: im Protokoll der AG-Wege-Sitzung vom 18.10.2016 verbirgt sich noch jede Menge Ärger. Und der verbirgt sich in dem scheinbar harmlosen Nebensatz: “….informiert über zwei Wegeverlegungen wegen Unwetterschäden….”. Was soll da wohin verlegt werden? Schauen wir mal genauer hin:

Wegeverlegung Nummer eins ist tatsächlich kein großes Ding: hier handelt es sich um einen namenlosen Weg, der von Altendorf kommend, vorbei an der wenig bekannten Aussicht “Krausens Ruh” in einem weiten Schlenker hinunter ins Kirnitzschtal führt und dort auf Höhe der Töpferei und des Zeltplatzes an der Ostrauer Mühle herauskommt. Im unteren Bereich soll der Weg aus einem Graben heraus mehr an den Hang gelegt werden, damit ihn das nächste Hochwasser nicht gleich wieder wegspült. Wie gesagt: der Weg ist wenig bekannt und wird nur selten begangen, da kann man solcherlei Eingriffe wohl verschmerzen.

Weg1 Verlegung im unteren Bereich (Quelle: OSM)

Wegeverlegung Nummer zwei birgt dagegen einigen Sprengstoff. Hier handelt es sich um die Altendorfer Dorfbachklamm. Dieser Steig durch eine recht zerklüftete Kerbe entlang des Dorfbaches ist noch gar nicht so alt: 1939 wurde er auf Anregung des Heimatforschers Hermann Lemme angelegt. Neben zahlreichen mehr oder weniger holperigen Stufen helfen hier auch eine kleine Holzleiter und zwei lange Stahltreppen beim Aufstieg.

DSCN7416 Dorfbachklamm

Der Weg ist übrigens auch ein Teil des Malerweges. Die Pläne der NPV sehen jetzt also vor, diesen Weg gänzlich unpassierbar zu machen, indem die Stahltreppen entfernt werden. Der Aufwand für den Unterhalt des Weges, der ja potentiell bei jedem Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen wird, war wohl zu hoch. Statt dessen soll der Weg jetzt über den parallel dazu verlaufenden Pfad verlaufen, der oft als “Steinbrecherstiege” bezeichnet wird. Ein sehr alter Weg mit ein paar Treppen im Stein, die irgendwann sogar mal mit einem Geländer versehen wurden.

DSCN7418 Steinbrecherstiege

Ich höre die NPV schon argumentieren: wozu brauchen wir hier zwei Aufstiege? Die Durchgängigkeit des Malerweges bleibt ja schließlich erhalten.

Nun, liebe NPV, auch hier gilt: der Weg ist das Ziel. Und hier haben wir eben zwei sehr unterschiedliche Wege direkt nebeneinander. Die Dorfbachklamm ist dabei ganz klar der attraktivere Weg, bietet schönere Anblicke mit der steilen Kluft und dem Bächlein, bietet Abwechslung mit verschiedenen Steighilfen und nötigt auch dazu, ein wenig aufzupassen, wo man hintritt. Das man mich nicht falsch versteht: der Weg ist nicht die Bohne gefährlich. Ich war erst vor einigen Wochen mit einer Wandergruppe dort, die hauptsächlich aus rüstigen Rentnern bestand, und niemand hatte dabei Probleme.

DSCN4075 Auch in der Gruppe schön: Dorfbachklamm

Die Steinbrecherstiege hat da viel weniger zu bieten, ist aber eben für den historisch Interessierten spannend, da sie wirklich uralt ist.

Weg2 Rot: Dorfbachklamm, Grün: Steinbrecherstiege (Quelle OSM)

Es haben also ganz eindeutig beide Wege ihre Berechtigung. Und das Argument, der Aufwand für die Pflege der Dorfbachklamm sei zu hoch, das zieht einfach nicht. Seit knapp 80 Jahren konnte dieser Aufwand gestemmt werden, da sollte es ja wohl auch heute funktionieren. Es sei denn, man will nicht, weil jeder gesperrte Weg ein guter Weg ist.

Auch Altendorf wäre mit einer Sperrung der Dorfbachklamm um eine Attraktion ärmer. Eigentlich um DIE Attraktion, denn der Weg wird ob seiner Romantik in zahlreichen Publikationen und Wanderführern beschrieben. Das hätte sich dann erledigt. Und das Ferienhaus zur Dorfbachklamm müsste dann wohl ein “zur gesperrten” in seinen Namen aufnehmen. Mal sehen, ob sich die Altendorfer das gefallen lassen.

Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Ein Gedanke zu „Dorfbachklamm in Gefahr?

  1. Hier hat nicht die NPV die alleinige Entscheidungsgewalt, sondern der Stadtrat von Bad Schandau spielt eine wichtige Rolle. Er entscheidet letztendlich über Aktivitäten zur Dorfbachklamm. Ich wurde zu einer kurzen Stellungnahme zur Dorfbachklamm gebeten.
    „Solange die Standsicherheit der Stahltreppe gegeben ist, gibt es keinerlei Maßnahmen zur Umverlegung oder gar Sperrung der Dorfbachklamm. “ (Auszug meiner Meinung)

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