Ein Lehrstück an geschmeidiger Öffentlichkeitsarbeit

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1. Die Vorgeschichte

Stiegenbuchautor Axel hatte angekündigt, die gesperrten Kehren am Kleinen Winterberg mal wieder zu besuchen und dazu eingeladen, es ihm gleich zu tun. Eine blöde Situation für die NPV: lässt sie gewähren, so würde es als Schwäche ausgelegt, verhindert sie es, so ist sie mal wieder die böse Behörde, die Wanderer aussperrt.

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2. Persönliches

Ich war an dem Tag schlecht drauf, habe irgend etwas ausgebrütet. Kam schon 20 Minuten zu spät, blieb ständig erschöpft zurück und musste dann auch vorzeitig wieder gehen. Dank also an Karsten für alle Fotos auf dieser Seite.

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3. Der Ablauf samt Geniestreich

Ich komme also reichlich spät angeschnauft und sehe da – neben ein paar Stiegenfreunden und der Presse – auch noch zwei Ranger stehen, flankiert von zwei Polizisten. Da schalte ich doch gleich in den Konfliktmodus. Aber nein, alle sehen völlig entspannt aus. Hä? Des Rätsels Lösung: die beiden Ranger hatten verkündet, dass wir hiermit allesamt zu einer kleinen kulturhistorischen Exkursion auf die Winterbergkehren eingeladen sind. Aber bitte nur mit Helm, weil der offizielle Grund der Sperrung ja Holzbruchgefahr ist.

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Ein Lehrstück für ebenso geniale wie schlitzohrige PR. Vorwärtsverteidigung nennt man so etwas. Oder simpel: wenn es schwer wird, dagegen anzukommen, dann mache einfach mit.

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Uns grimmig zu jedweder Ordnungswidrigkeit bereiten Stiegenfreunden war mit einem Schlag jeder Wind aus den Segeln genommen, obendrein konnte man den interessanten, mit alten Trockenmauern ausgebauten Weg tatsächlich einmal legal begehen. Und indem wir die Helme aufsetzten, haben wir indirekt sogar zugegeben, dass es einen triftigen Grund für die Sperrung gibt.

Axel durfte sogar seine vorbereiteten Schilder “Kulturdenkmal” anbringen. Wie lange die stehen bleiben, sei mal dahingestellt.

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Aber trotzdem: hier war uns die NPV einfach mal über. Chapeau!

4. Und der Weg?

Ja klar, um den ging es ja eigentlich. Der ist uralt – wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem königlichen Jagdpavillon auf dem Gipfel entstanden. Und er ist bedeutend angenehmer zu gehen als der recht lieblos in den 90ern hingezimmerte neue Zugang. Die Trockenmauern halten für die Ewigkeit, so dass es irgendwann sicher zur Wiedereröffnung kommen kann.

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5. Das Fazit

Ein PR-mäßiger Geniestreich. Der aber auch Begehrlichkeiten wecken könnte. Wenn demnächst verkündet wird, den Thorwalder Gratweg öffentlichkeitswirksam zu begehen, warten dann auch freundlich helfende Ranger, die für die kribbeligen Stellen ein Seil dabei haben? Keine Ahnung.

Zum Schluss noch ein kleines Video, welches ich – siehe Punkt zwei – mehr hingewackelt als gedreht habe:

3 Gedanken zu „Ein Lehrstück an geschmeidiger Öffentlichkeitsarbeit

  1. Wunderschöner Wanderweg. Geliebt …zig mal begangen, seit Kinderzeit ein „MUSS“ mindestens zwei-dreimal im Jahr. Herz schlägt höher bei den Bildern.
    DANKE Leute dass ihr das vollbracht habt.
    Da wos angebracht gewesen wäre ziehn sie den Schwanz ein – sprich die Ringe am Fels, die jetzt hinzukommen sollen – total kaputte Wege durch Harvester und andere Forstarbeiten – ua……versagen sie auf ganzer Linie. Wo fangen bei denen die Prioritäten an? Müssen wir uns alles gefallen lassen ?
    Sage nur soviel, wenn sies weiter übertreiben, die selbsternannten NPschützer …. der Vorgänger musste auch schon gehn.
    Barbara Sturm

    1. Wann kommt die Helmpflicht und gibt´s schon TÜV/GS-Empfehlungen?
      Der Streit um die Wegezulassungen scheint mir vom Thema, abzulenken und wird von der NPV genutzt, weil es hier greifbares Potential gibt.
      Kosten Hin oder Her, um eine regelmäßige freundliche oder notfalls energische Präsenz von Rangern an wirklichen schlecht greifbaren Problembereichen (Abfallverschmutzung, unnötige Trittemmissionen) wird die NPV nicht drumherum kommen. Übrigens, vor Jahren wurde der Dosenpfand erfolgreich eingeführt, was ist mit Papiertaschentüchern, wobei ich natürlich keinen Pfand meine? Die neuerliche Abgabe auf Plastetüten halte ich für sehr moderat, um wirksam zu sein. Ohne es besser zu wissen, sehe ich hier die NPV in der Pflicht, wirksamer die Politik zu fordern.
      Peter

  2. Die Trockenmauern halten aber nur, wenn der junge Baumbewuchs immer wieder entfernt wird – werden sie groß, drücken sie die Mauern ein. Darum will Axel ja den Weg unter Denkmalschutz stellen lassen und hat (mutmaßlich) bereits Jungwuchs entfernt, wofür ihm ein saftiges Bußgeld aufgebrummt wurde.

    Der Weg als solcher ist wohl schon über 500 Jahre alt, die Kehren wurden vermutlich aber erst später angelegt, evtl. zusammen mit der Sommerwirtschaft auf dem kleinen Winterberg und dem wachsenden Fremdenverkehr im Elbi von 200 … 250 Jahren.

    Und das oberste der Denkmalschilder (Nähe Pavillon) haben die Ranger gleich wieder mitgenommen, noch in unserer Anwesenheit.

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