Zwei Hörner, drei Steine

Konkret geht es auf das Große- und das Kleine Pohlshorn, auf den Teichstein, den Arnstein und den Kleinstein. Also ziemlich weit hinten im Kirnitzschtal. Trotz des momentanen Andrangs herrscht hier ziemliche Ruhe im Wald. Wobei: es waren schon so einige Wanderer mehr als gewöhnlich unterwegs. Aber die haben sich gut verteilt und nie wirklich gestört. Obendrein bringt die Runde zwar nicht so viele Kilometer, dafür aber einiges an Höhenmetern. Also kein Spaziergang. Wovon wir aber uns nicht bange machen lassen und einfach mal loslaufen.

Idealer Ausgangspunkt ist der Parkplatz an Sturmbauers Eck. Der aber ist derzeit komplett als Holzlagerplatz umfunktioniert und gesperrt. Dieses pünktlich zu Beginn einer Dank der Weltseuche eh viel zu spät gestarteten Saison verdient hiermit das Sonderlob des Verfassers.

  Eigentlich Parkplatz

Na ja, irgendwann haben die Nasen den Parkplatz wieder frei geräumt. Von dem Startpunkt aus kommt dann, gleich zum Anfang, der unangenehmere Teil der Runde: wir müssen ein Stück an der Straße entlang laufen. Dabei den Wald zur Rechten immer schön im Auge behalten, denn hier biegen wir alsbald ab.

  Ein Stück der Straße folgen

An diesem Wegweiser verlassen wir die Straße. Der Grüne Strich als Wegzeichen wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Zunächst aber geht es erst mal ordentlich aufwärts. Da kommt uns, nachdem wir die Höhe unter Geschnaufe erreicht haben, ein kleines Rasthäuschen gerade recht.

Sodann weiter dem Wegzeichen nach, bis uns ein Abzweig zum Kleinen Pohlshorn angeschrieben wird. Über einen hübschen Pfad geht es weiter nach oben.

Oben angekommen könnte es dann aber sein, dass wir eine Fresse ziehen. Denn der Gipfel ist zwar ein prima Platz zum Rasten, die Aussicht dagegen ist eher eingeschränkt. Oder besser: sie lohnt der Mühe nicht. Aber wenn wir halt einmal in der Gegend sind…

  Eher schlechte Aussichten

Also kurz umgesehen und wieder runter auf dem Hauptweg. Der bringt uns jetzt, eher gemächlich, auf das Große Pohlshorn. Der Weg macht Spaß und steigt die ganze Zeit sehr moderat an. Man merkt gar nicht so recht, dass man sich einem weiteren Gipfel nähert. Dafür gibt es nach der Seite schon mal ein paar nette Aussichten.

  Schon besser

Rechts sehen wir übrigens auch unser letztes Ziel für heute: den Kleinstein mit seiner Höhle. Also aufgemerkt, da wollen wir noch hin.

  Bis dahin ist es noch weit

Kurz teilt sich unser Weg an einem Abzweig nach links, die Stelle merken wir uns und gehen erst mal weiter geradeaus. Es geht noch über ein paar historische Treppen…

…und schon stehen wir an der Aussicht. Die verdient jetzt mal wirklich ihren Namen, Zeit für eine kleine Rast.

  Geht doch

Wir gehen zurück zur Kreuzung von vorhin und folgen jetzt der Ausschilderung zum Zeughaus. Der Strich ist immer noch grün. Und es geht zunächst mal ordentlich nach unten. Keine Bange, das geht es schon in Kürze auch alles wieder nach oben. Damit sowohl Knie als auch Waden etwas davon haben. Wir befinden uns jetzt übrigens auf einem Weg mit dem schönen Namen Dreisteigensteig.

Wie schon angedroht: auf einer Brücke überqueren wir die Kirnitzsch und auf der anderen Seite geht es jetzt knackig nach oben.

Schon wieder unter Geschnaufe erreichen wir so eine Kreuzung, auf der uns ein Wegweiser zum Teichstein weist. Das es da auch wieder nach oben geht, muss hier nicht extra erwähnt werden. Dieser Aufstieg macht aber mal richtig Spaß, denn er ist mit alten Treppen, eisernen Tritthilfen und Ketten so richtig schön ausgebaut. Da kommt Freude auf.

Auf der Höhe angekommen zieht sich der Pfad noch ein Stück über das Plateau, dann erreichen wir die Aussicht. Wir schauen hinunter in den Großen Zschand.

Der Abstieg ist hier gleich dem Aufstieg, wieder unten an der Kreuzung folgen wir der Ausschilderung zum Zeughaus, es geht jetzt bequem nach unten. Dort angekommen fällt uns zuerst das alte Forsthaus auf, welches in der schnulzigen Fernsehserie vom Ranger eine Rolle spielte. Ansonsten steht das Haus aber leider leer. Hier kann man auch noch mal einen schönen Blick zurück werfen, ja genau von da oben kommen wir gerade her.

In Sichtweite befindet sich jetzt das Zeughaus. Die Wirtschaft hatte bei unserem Besuch noch geschlossen, inzwischen ist aber wieder geöffnet und man kann einkehren.

  Hat wieder offen

Es folgt ein sehr gemütliches Stück Weg: wir gehen einfach den breiten Weg durch den Großen Zschand nach unten. Langweilig ist das aber nicht. Zum einen hat auch hier Borki ganz mächtig gewütet, was aber Sichtachsen eröffnet, die man bisher kaum ahnen konnte. Lediglich das viele herumliegende Bruchholz stört doch etwas.

  Mächtig gelichtet

Links können wir auch noch eine historische Salzlecke finden. Und eine Erklärtafel, die uns erklärt, dass wir, so wir denn etwas über diese Lecke wissen wollen, zurück zum Zeughaus und in die dortige Infostelle des Nationalparks gehen sollen. Dafür noch ein Sonderlob des Verfassers, denn es wäre ja primitiv gewesen, die Informationen einfach auf die Tafel zu schreiben.

Wir erreichen unter solcherlei Betrachtungen schließlich die Straße im Kirnitzschtal. Dort gibt es einen großen Parkplatz (fast immer voll), das Museum einer historischen Säge- und Holzschliffmühle (zumindest am Wochenende meist geöffnet) und das Gasthaus Neumannmühle (stets gut besucht).

Wir gehen auf der Straße nur ein kleines Stück nach rechts, dann sehen wir schon die Buschmühle vor uns. Hier ist eine Einkehr immer sehr zu empfehlen. Heute war es allerdings überfüllt, zumal man ja auch noch “Abstand halten” musste.

  Buschmühle

Auf der anderen Straßenseite sehen wir aber schon wieder einen Aufstieg, der Gelbe Strich möge uns jetzt führen. Es geht wurzelig nach oben.

Der Weg führt im Bogen um den Felsfuß herum und schließlich ganz hoch auf den Arnstein – manchmal auch Ottendorfer Raubschloss genannt. Aha, da oben stand also mal eine Burg. Nichts wie hoch. Schon der Weg nach oben ist ein Gedicht, viele alte Treppen und schmale Gänge. Man fragt sich, wie das die alten Rittersleut scheppernderweise mit ihren Rüstungen hinbekommen haben.

  Hoch hinaus

Noch nicht ganz oben angekommen sehen wir eine kleine Markierung im Fels, die uns nach links zur Höhle zeigt. Ein schmaler Durchgang, Ranzen einziehen. In alten Zeiten, so sagt man, war die Höhle verkleidet und diente als Verlies.

Schließlich noch ein paar Treppen und den Blick auf ein merkwürdiges Gesicht…

  Stufen, Stufen, Stufen…

…und dann sind wir auf dem Gipfel angekommen. Eigentlich erinnert hier nur noch eine Zisterne an frühere Zeiten. Dafür gibt es aber wieder richtig schöne Aussichten.

Prima, wir steigen wieder ab und halten uns dann rechts, wobei wir immer noch dem gelben Strich folgen. Saupsdorf ist ausgeschildert, aber bis in den Ort wollen wir nicht. Dafür führt uns jetzt ein wunderbar stiller Weg zunächst einmal in einem weiten Bogen durch den Wald.

Und schließlich aufs Feld, wo wir außer Kakao-Kühen auch Saupsdorf und die Wachbergbaude sehen können.

  Übers weite Feld

Schließlich biegen wir scharf rechts ab (ab jetzt rote Markierung), der Kleinstein ist schon angeschrieben. Zunächst aber noch zweimal Sonderlob: zum einen für diese Informationstafel, welche die Grenzen der Kernzone des Nationalparks in geradezu erschreckender Detailliertheit zeigt.

Und zum anderen für diese Aussichtsbank, die man getrost als “Blick ins Grüne” bezeichnen kann.

Nun ja, wir erreichen also den Kleinstein. Von oben. Aussichten gibt es hier gleich in mehreren Etagen, dazwischen Eisentreppen. Alles in Ruhe anschauen.

  Kleinstein

Auf der untersten Ebene befindet sich dann die bekannte Höhle, nach dem Kuhstall das zweitgrößte Felsentor der Sächsischen Schweiz.

  Kleinsteinhöhle

In der Höhle kann man auch zwei interessante Inschriften entdecken: Nummer eins erinnert an einen sehr bekannten Stiegenerbauer.

  Kommt mir bekannt vor

Nummer zwei lässt die Jahreszahl 1586 erkennen und ist somit eine der ältesten Felsinschriften der Region. Leider bröselt diese Inschrift ziemlich vor sich hin.

  Bröckelt

Vor einigen Jahren hatten Unbekannte mal versucht, diese Inschrift durch eine Plexiglasscheibe zu schützen. Die hat die Nationalparkverwaltung aber wieder entfernt.

  Einst geschützt (Dank an Axel für das Bild)

Wir steigen dennoch endgültig ab, gehen noch ein paar Meter durch den Wald, an einer Schutzhütte vorbei und sind wieder am Parkplatz angekommen.

Fazit: runde 17 Kilometer, aber einiges an Höhenmetern. Das merkt man schon. Trotzdem ganz viele Höhepunkte, und auch ein Wechsel an vielbegangenen Wegen (Zschand) und einsamen solchen (bei Saupsdorf). Zählt zu meinen Lieblingsrunden.

Zum Nachwandern:

Ein Gedanke zu „Zwei Hörner, drei Steine

  1. Na liebe Grüße an die NPV, die dank stets aktueller Webseite (Stand 24.03.20) die Besucher über gesperrte Parkplätze und Wege auf dem Laufenden hält …

    Und ist das im Zschand nicht das aktuelle IG-Fotorätsel? Müsste ja dann die Zschandspitze sein – so schön habe ich die auch noch nie gesehen!

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